Susanne Baumstark, Gastautorin / 10.11.2017 / 11:23 / Foto: Evilboy / 4 / Seite ausdrucken

Intersexuelle: Die stille Mehrheit ist nicht maßlos

Von Susanne Baumstark.

Im Grunde ist es schon richtig, dass sich das Bundesverfassungsgericht der Individualrechte von intersexuellen Menschen angenommen hat. Was nun folgt, ist kritisch zu beobachten:
 
Erstens haben Kritiker des aktuellen Urteils nicht unrecht mit ihrer Sorge, dass an diese Stelle auch Fanatiker aufspringen, die nur Lebensformen von Minderheiten respektieren und sich daran berauschen, eine ganze Gesellschaft umzukrempeln.

So wirbt etwa das „crossdresser-, transgender-, intersexuelle-menschen-forum“ für einen Vortrag am 14. November in Berlin. Es geht dort um die zwei neuen Berichte „The State of Intersex Organizing“ und „The State of Trans Organizing“ der „American Jewish World Service, Astraea Lesbian Foundation for Justice, Global Action for Trans Equality und des Global Philanthropy Projects“ sowie um einen „International Trans Fund/Credit“. Eine Weiterleitung unter der Ankündigung führt zum „Gate - Working on Gender Identity, Gender Expression and Bodily Diversity“. International ist man hervorragend vernetzt.
 
Zweitens kennt die politisch agierende Minderheitenlobby erfahrungsgemäß kein Maß und versteigt sich im Zuge von Etappensiegen in arrogante Forderungen. Moritz Schmidt von der „Kampagne dritte Option“ bedauerte gerade gegenüber der Welt: „Nur lassen sich die Geschlechterkategorien per se juristisch nicht anfechten.“ 

Dabei wäre es so einfach, wenn es die Einträge „Mann“ oder „Frau“ gar nicht mehr geben würde. Die Entwertung der üblichen – die große Mehrheit betreffenden – Geschlechterkategorien provoziert die Bildung negativer Vorurteile in der Gesellschaft, was wiederum Antidiskriminierer und Juristen auf den Plan ruft, die dabei kräftig absahnen.

Es steht an zu hoffen, dass sich im Rahmen der zu erwartenden Instrumentalisierung intersexueller Menschen durch Genderfanatiker diejenigen Betroffenen zu Wort melden, die weit davon entfernt sind zu fordern, dass sich wegen ihnen sämtliche gesellschaftliche Zuordnungen auflösen. Sie sind sicherlich innerhalb der intersexuellen Gruppe ihrerseits in der Mehrheit und sollten nicht zögern, sich von dominant auftretenden Lobbyisten zu distanzieren, von denen sie sich gar nicht vertreten sehen. 

Susanne Baumstark, Jahrgang 1967, ist freie Redakteurin und Diplom-Sozialpädagogin.
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Julia Drimm / 10.11.2017

Man darf nicht den Fehler machen und die “Queer Theorie” mit Inter- und Transsexuellen zu verwechseln. Das eine ist eine sozialwissenschaftliche Theorie/Anschauung über Geschlechterrollen, die anderen entsprechen einfach von Natur aus nicht der klassischen Geschlechter-Dichotomie. Inter- und Transsexuelle sind weder so wie sie sind aus einer Anschauung heraus, noch wählen sie ihr Schicksal selbst. Im Gegenteil hadern die meisten sogar sehr damit. Auch wehren sie sich oft sehr dagegen, mit Transgendern, Dragqueens, Crossdressern und allgemein queer-Überzeugten in einen Topf geworfen zu werden. Ich erkenne da eigentlich zwei Lager: Die einen sind sehr liberal und tolerant gegenüber “Queer” und identifizieren sich manchmal sogar selbst damit. Die anderen sind oft sehr konservativ, gerade was Geschlechterrollen angeht. Vermutlich weil das den Halt und die Sicherheit gibt, die auf der körperlichen Seite fehlt.

Anna Gölzer / 10.11.2017

Wie wäre es denn einfach mit der Bezeichnung MENSCH für alle.

Annika Muhle / 10.11.2017

Liebe Frau Baumstark, es ist schon so, wie Sie schreiben. Intersexuelle, wie auch Transsexuelle, werden von den Genderideologen instrumentalisiert. Es geht letzteren auch gar nicht um die Rechte der Intersexuellen oder Transsexuellen, sondern nur um den politischen Vorteil, der aus den Minderheiten zu schlagen ist. Von den normalen, meistens unauffälligen Inter- und Transsexuellen aber zu verlangen, sich nun einfach noch mal “anpassungsfähig” zu zeigen, ist auch nicht besser. Denn diese zeigen ja schon große Anstrengungen beim Versuch, ein normales, wenn auch selbstbestimmtes Leben zu führen - und sie sind sowohl seitens der politischen Homosexuellenverbände, der Feministischen Verbände und der Linken allgemein als auch seitens der “Konservativen”/“Reaktionären” und des politisierten Religionswesens diskriminiert. Mir reichte es mit den LG-Verbänden (denn BTI kommt eigentlich in LGBTI nicht vor, Transsexuelle, Intersexuelle und auch sogar Bisexuelle werden massiv diskriminiert), nachdem eine Bekannte (ebenfalls Transsexuell und lesbisch) aus einer Lesbengruppe geworfen wurde, weil sie ja “keine Frau” sei. Und mir reichte es mit den sogenannten Konservativen, als diese im Rahmen der Entwicklungen zur sog. “Ehe für Alle” und jetzt wieder alles - genauso wie die Linke - in einen Topf warfen. Transsexualität, Intersexualität existiert wirklich. Und die Diskriminierungen sind auch wirklich (auch wenn man schon gut zurechtkommen kann - danke, liebe Kolleginnen und Kollegen!). Das ist nicht einfach nur “Gendergedöns” oder “Geisteskrankheit”.

Herbert Dietl / 10.11.2017

Eine Frage, wie erfolgt die höfliche Anrede für das “dritte Geschlecht”? Herr geht nicht, Frau geht nicht - wie denn nun? Vielleicht: Sehr geehrtes Lehmann ?

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