In der “FR” vom 18.04.2008 hat eine “Initiative von jüdischen und nicht-jüdischen deutschen Intellektuellen” eine “Erklärung” zum 60. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung Israels veröffentlicht, die aus der Kontroverse um das “Manifest der 25” hervorgegangen ist, das die “FR” am 15.11.2006 veröffentlicht hatte.
Unter dem Titel “Glückwünsche und Sorgen” gratulieren die Erstunterzeichner Reiner Bernstein, Micha Brumlik und Gert Krell sowie weitere Unterzeichner wie z.B. Daniel Cohn-Bendit, Reinhard Höppner, Claudia Roth und Johano Strasser dem zionistischen Gebilde im Nahen Osten zu seiner nunmehr 60 Jahre währenden Existenz, um sodann ihrer tiefen Überzeugung Ausdruck zu verleihen, “daß der staatsbildende Zionismus, der aus internen Problemen Europas hervorgegangen und dort entstanden ist, auf die Zustimmung seiner arabischen Nachbarn angewiesen bleibt.”
Durch die Besetzung arabischer Territorien, “durch ein schier unaufhaltsames Wachstum der Siedlungen” und den “Verlauf der sog. Trennungsmauer” verbaut Israel, nach Meinung der Unterzeichner, den Weg zum Frieden im Rahmen einer wünschenswerten Zweistaatenregelung zwischen Israelis und Palästinensern.
Daher müsse, so die Unterzeichner, in Zukunft von deutscher Seite stärker zwischen einer auf Frieden gerichteten Politik im Nahen Osten und der historischen Verantwortung für das jüdische Volk unterschieden werden.
Gemeinsam mit den Amerikanern gelte es Druck auf Israel auszuüben, “zu einzelnen Aspekten der israelischen Politik nachdrücklich auf Distanz zu gehen” und Israelis und Palästinenser durch eine mögliche Einbindung in die EU gewissermaßen zu “disziplinieren”, da sie nicht in der Lage seien, den Nahost-Konflikt eigenständig und friedlich untereinander zu lösen.
Die “Erklärung” blendet in ihrem Bemühen um “Äquidistanz” und dem Wunsch nach einer deutschen Vermittlerrolle im Nahost-Konflikt bewußt die Frage nach der historischen Schuld und Verantwortung in Bezug auf den Nahost-Konflikt aus. So geht sie weder auf die wiederholte Aggression der arabischen Staaten gegen Israel seit dem Unabhängigkeitskrieg im Jahre 1948, noch auf die Charta der Hamas, die Israel jedwedes Existenzrecht abspricht, noch auf die Tatsache an, daß die palästinensischen Führer seit 1948 keine Gelegenheit verpaßt haben, eine Gelegenheit zu verpassen, sprich zu einer friedlichen Zweistaatenregelung, etwa nach dem Muster des Friedensabkommens von Camp David im Jahre 2000, zu kommen.
“Machen wir ´nen kleinen Kompromiß/Davon hat man keine Kümmernis/Einerseits und andrerseits/So ein Ding hat seinen Reiz…”:
Etwa nach diesem Motto Kurt Tucholskys stellen sich die autoren und Unterzeichner der “Erklärung” eine mögliche Lösung des Nahost-Konflikts vor.
Soll wohl heißen:
Israel räumt nach dem Gaza-Streifen auch noch die Westbank und darf sich danach der tiefen Friedenssehnsucht der Palästinenser, dokumentiert durch neue Jubelfeuerwerke mit Kassamraketen, nicht nur auf Sderot, auf alle Zeit gewiß sein, während der iranische Staatspräsident Ahmadinedschad weiter an der rein friedlichen Nutzung der Kernenergie weiterarbeiten darf, bis das alte Europa und v.a. Deutschland dann vielleicht noch kurz vor der endgültigen Auslöschung des “zionistischen Gebildes” die einst vertriebenen Jüdinnen und Juden dankbar wieder “zurücknimmt” und sie z.B. als Arbeitgeber für die notleidende Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern ansiedelt.
Wenn das sog. “Manifest der 25” die Deutschen von ihrem “Judenknacks” befreien wollte, so richtet die “Erklärung” die dringende Mahnung an Israel, nicht in “Islamophobie” gegenüber der Hamas und anderen radikalen Gruppierungen in der islamischen Welt zu verfallen, denn diese sei sozusagen nur das “Spiegelbild” des traditionellen Antisemitismus.
Beiden Dokumenten gemeinsam ist der Wunsch, den Nahost-Konflikt sozusagen “am deutschen Wesen genesen” zu lassen und dem störrischen alttestamentarischen Israel nachhaltig “ins Gewissen zu reden”.
Daß die israelische Regierung gut beraten ist, derartig “gut gemeinten Ratschlägen” von “jüdischen und nicht-jüdischen deutschen Intellektuellen” besser nicht zu folgen, um das vielbeschworene “Existenzrecht Israels” nachhaltig zu verteidigen, wird diesen nur ein weiterer Beweis für die Uneinsichtigkeit des vielzitierten “jüdischen Rachegotts” sein.
Sei´s drum.