Gunnar Heinsohn / 11.05.2016 / 06:25 / Foto: Angels Fuste / 5 / Seite ausdrucken

7 Thesen zu Integration und Illusion

1. Hochqualifizierte integrieren sich auch dann nicht mit Schulversagern gleicher Herkunft, wenn sie Sprache, äußere Erscheinung, Religion und Wohnort mit ihnen teilen. So verbandeln sich türkische Universitätsabsolventen weder in Istanbul noch in Berlin mit Landsleuten, die nicht richtig schreiben und lesen können.

2. Mit bildungsfernen Fremden ersehnen Hochqualifizierte erst recht keine gemeinsamen Urlaubsreisen oder Kindergeburtstage. Die bisherigen Megabeträge für das Anbahnen solcher Gemeinschaften verpuffen deshalb wirkungslos.

3. Funktionärsgipfel, Sonderbehörden und auch das – am 24. Mai in der Koalition zu beschließende - Integrationsgesetz sind Ausdruck der Enormität des Problems und keineswegs Etappen zu seiner Lösung. Würde die Kanzlerin einen Gipfel für das engere Zusammenrücken von deutschen Exzellenzstudenten und nicht minder germanischen Sonderschülern einberufen, würde die verdutzte Republik den Aberwitz all dieser Vorhaben umgehend erfassen. 

4. Selbst bei unterschiedlicher Muttersprache, Haarstruktur und Religion finden Menschen allerdings schnell zueinander, wenn sie etwas können und miteinander arbeiten. Zwischen ihnen wuselnde Sozialarbeiter würden als Störer umgehend des Saales verwiesen.

5. Schulversager hingegen integrieren sich fast niemals mit Abgeschlagenen aus fremden Kulturen. Dagegen kompensieren beide ihre „Kleinheit“ gerne mit der „Größe“ vermeintlicher Idealzeiten. Einheimische mögen sich mit einem Großdeutschen Reich brüsten, Türken mit siegreichen Sultanen und Araber mit triumphierenden Kalifen. Diese Idole taugen hervorragend als Brandbeschleuniger für Konflikte, die dann Begehrlichkeiten für weitere Integrationsbudgets beflügeln.

6. Integration gelingt also nur, wenn sie überflüssig ist, weil Zuwanderer - welcher Religion und Hautfarbe auch immer - ein Leben lang lernen können. Solche Migranten finden das für ihr Fortkommen Passende von alleine. Leute ihres Niveaus werden wegen steigender Anforderungen allerdings stetig knapper und sind aufgrund suboptimaler Geburtenraten in allen OECD-Staaten heiß begehrt. In dieser Staatengruppe stehen Länder mit anschwellenden Integrationsindustrien gegen Nationen, die sich auf das Wachstum ihrer Wirtschaft konzentrieren.

7. Drängen weiterhin Bildungsferne nach, verlieren die für sie Aufkommenden den Mut und träumen von Kompetenzfestungen, die Pässe nur an Asse vergeben. Die Potentiale Deutschlands oder Österreichs sind längst überfordert. Bei einem Durchschnittsalter von bald 47 bzw. 44 Jahren bleiben von 100 Nachwuchskräften 35 ungeboren. Von den 65, die das Licht der Welt erblicken, können 20 bis 25 minimale Anforderungen nicht erfüllen (30 Prozent der Altdeutschen, 50 Prozent der Migranten bei PISA 2012). Die verbleibenden 40 bis 45, die – ob eingewandert oder bodenständig – global bestens mithalten, alleine den Karren aber nicht ziehen können, streben auf die roten Teppiche der Wettbewerber mit Hoheit über ihre Grenzen. Die Kombination aus galoppierender Mittelschichtschrumpfung und Drittwelt-Zuwanderung bringt das vergreisende Deutschland zum Kippen; denn die Hilflosen und doch immer menschenwürdig zu Bezahlenden nimmt keiner, während die jetzt noch für sie Sorgenden bei den konkurrierenden Nationen antreten.

Foto: Angels Fuste CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

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Leserpost

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Nicolas Hofer / 13.05.2016

Lieber Gunnar Heinsohn, wir haben in Bristol ja kürzlich feststellen dürfen, dass wir uns in sehr vielen Perspektiven sehr einig sind. Bitte erlauben Sie mir gerade deshalb einige kritische Fragen zu ihren 7 Thesen zu formulieren, die uns möglicherweise beim Weiterdenken behilflich sein könnten: Nehmen Sie für ihr Narrativ hier nicht an, dass die Konkurrenzparadoxa zwischen den Staaten untereinander auf ewig bestehen müssen? Sind Nationalstaaten nicht ein relativ kurzes, ursprünglich rein europäisches, Phänomen? Was genau spricht - außer den massiven rein nationalen Interessen selbstverständlich - gegen ein weltweites Überschussrecycling? Ist es - prinzipiell - nicht völlig egal wo die “Asse” arbeiten so lange die Überschüsse, die sie anhäufen weltweit durch produktive Investition recycelt werden? Selbstverständlich wird es ohne das Prinzip der Staatlichkeit, kein Recht und damit auch kein Eigentum und damit wiederum auch keine Freiheit und keine Wirtschaft geben. Aber muss es zwangsläufig und auf ewig ein in Konkurrenz zu anderen Staaten stehender NATIONALstaat sein? Was genau verhindert Kooperation auf internationaler Ebene? Ist das “Rette sich wer kann” des einzelnen hochqualifizierten Europäers - bei aller Nachvollziehbarkeit des Gedankengangs - nicht bloß eine Reflektion genau des selben Konkurrenzparadoxons, das auf (inter)nationaler Ebene, ja nicht einmal auf bloß europäischer, bisher einfach nicht angegangen wird? Warum eigentlich nicht? Herzlichen Dank und schöne Grüße aus Wien

Stefan König / 12.05.2016

Gut analysiert! Stünde ich heute im ersten Drittel meines Berufslebens, würde ich ernsthaft die Auswanderung in Erwägung ziehen. Genau das habe ich auch meiner Tochter zu Bedenken gegeben. Traurig, traurig ....

Rolf Schwarz / 12.05.2016

Die einmal mehr überzeugende Analyse von Prof. Heinsohn bestätigt letztlich auch Sinnhaftigkeit des Konstrukts des europäischen Nationalstaats. Dieser ist das Territorium einer spezifischen Soldarität innerhalb des bestehenden Staatsvolks. Der Hochqualifizierte schleppt den Hilfschüler mit, dem das ihm mögliche zugemutet wird, wie die Familie das schwarze Schaf. Weil die Nation die Einstandspflicht nicht allein abverlangt sondern auch begrenzt. Was darüber hinausgeht ist allenfalls moralisch löbliche Mildtätigkeit. Eine grenzenlose Einstandspflicht ist nicht leistbar und kann somit nicht verlangt werden. Auch dem steuerpflichtigen Malocher ist es nicht zumutbar, für den Lebensbedarf eines Eindringlings aufzukommen. Offene Grenzen zerstören die sozialen Grundlagen des Nationalstaates. Der wesentliche Grund der nationalen “Schicksalsgemeinschft” dürfte aber in der Wahrnehmung des Einzelnen als Teil eines nur begrenzt offenen Abstammungskollektivs liegen. Das ist heikles Gebiet. Die aktuelle Überstrapazierung der Aufnahmefähigkeit wird den gesellschaftlichen Zusammenhalt am Ende zerstören.

Ludwig Wauer / 11.05.2016

Amerkung zu Ihren Thesen 1 und 2: Dass Hochqualifizierte wenig Neigung haben sich mit Ungebildeten zu integrieren, leuchtet a priori zwar ein, entspricht aber nicht - oder zumindest oft nicht - der Wirklichkeit.  Merkwürdigerweise ist es eher umgekeht.  In meinem immerhin 79 Jahre langem Leben habe ich weit eher das bestätigt gefunden, was Galilei sagt:  “Ich glaube, dass es in der Welt keinen groesseren Hass gibt als den der Unwissenden gegenüber den Wissenden.” - Aber egal, wer “schuld” ist, das ändert natürlich nichts an der Richtigkeit Ihrer Thesen.

Thomas Bode / 11.05.2016

Interessante Gedanken zum Thema “Irrsinn Integration”. Aber ich würde Schulversagern nicht unterstellen dass sie es sind die für die Verbreitung glorreicher Ideale wie dem Kalifat verantwortlich sind. Mohamed Atta und sein Kollegen waren Akademiker, Abu Bakr und Djihadi John waren an der Hochschule, usw…

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