Die zuletzt gestiegenen Aussichten für die deutsche Wirtschaft trügen: Die Insolvenzwelle rollt ungebremst weiter und erreicht einen neuen Höchststand. Vor allem für die mittelständischen Betriebe sieht es schlecht aus.
Im ersten Halbjahr 2025 haben 11.900 Unternehmen in Deutschland Insolvenz angemeldet, ein Anstieg von 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, meldete die Auskunftei Creditreform. Besonders betroffen ist der Mittelstand, während Großinsolvenzen wie im Vorjahr weniger häufig sind. Im verarbeitenden Gewerbe stiegen die Insolvenzen um 17,5 Prozent auf 940, der Handel verzeichnete eine Steigung der Insolvenzen um 13,8 Prozent auf 2.220. Die meisten Insolvenzen gab es im Dienstleistungsgewerbe, wo es auch die meisten Firmen gibt. Hier stieg die Zahl der Pleiten mit 9,1 Prozent auf 6.960. Etwas besser sah es im Baugewerbe aus, wo die Zahl nur um 1,7 Prozent auf 1.780 Insolvenzen stieg. Betroffen sind vor allem gefestigte Unternehmen die älter als 10 Jahre sind, sie machen 42 Prozent aller Insolvenzen aus. Jüngere Unternehmen machen einen immer geringeren Anteil der Insolvenzen aus, aus dem einfachen Grund, dass immer weniger Unternehmen in dem heutigen wirtschaftsfeindlichen Umfeld gegründet werden.
Insgesamt bleiben die wirtschaftlichen Aussichten düster, da Unternehmen mit steigenden Kosten von Energie, Steuern, Abgaben und Bürokratie und schwacher Nachfrage kämpfen. Das hat auch seine Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: Im ersten Halbjahr 2025 wurden etwa 141.000 Arbeitsplätze als bedroht oder verloren eingestuft, was einem Anstieg von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Experten erwarten eine Fortsetzung der negativen Entwicklung, insbesondere in Branchen wie der Automobilindustrie. Hier belasten schwache Nachfrage und hohe Kosten die Unternehmen. Bei der Branche der Autozulieferer, einst ein Flaggschiff des deutschen Mittelstandes, gab es im Jahr 2023 35 Insolvenzen, im Jahr 2024 34. Im angefangenen Jahr 2025 (Januar bis April) gab es bereits 19 Insolvenzen in dieser Branche, was nichts Gutes für das Gesamtjahr bedeutet.
Restrukturierungsexperten zufolge steigen die Insolvenzzahlen weiter, während die Bereitschaft der Gläubiger für Sanierungen abnimmt. Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiterhin im Krisenmodus, auch wenn zuletzt einige Wirtschaftsforschungsinstitute die Konjunkturerwartungen nach oben angepasst hatten.
