Ute Bergner, erfolgreiche, mehrfach preisgekrönte Unternehmerin, wurde eines schönen Tages von der FDP gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, Mitglied des Thüringer Landtags zu werden. Sie musste nicht lange überlegen. Neue Aufgaben haben sie immer gereizt, die Aussicht, politische Fehlentscheidungen korrigieren zu können, noch mehr. Schließlich gab es auch einen privaten Grund. Ihr Urgroßvater Louis Krause war Mitbegründer des Thüringer Landtages und Abgeordneter in zwei Legislaturperioden. Für Bergner, die wenig darüber wusste, war es reizvoll, zu erfahren, was ihr Ahne damals politisch bewegt hat und wie sich die Arbeit des Landtages in hundert Jahren verändert hat. Am Ende ihres soeben erschienen spannenden Buches „Zwischen Brücken und Brandmauern” kommt sie auf ihren Urgroßvater zurück.
Aber vorher machte sie ihre eigenen Erfahrungen als Politikerin, und die hatten es in sich. Sie startete nach ihrer Wahl als Mitglied der FDP-Fraktion unter Thomas Kemmerich. Schon da musste sie feststellen, dass selbst denken und entscheiden in politischen Strukturen – auch bei den Freien Demokraten – nicht gewünscht ist.
Bergner betrieb ihre Abgeordnetentätigkeit mit so viel Fleiß und Engagement, dass man sich beim Lesen fragt, ob sie einen 48-Stunden-Tag zur Verfügung hatte, bei dem Pensum, das sie bewältigt hat. Das machte sie bei Kollegen, die es viel ruhiger angingen, nicht gerade beliebt. Aber bevor es zum Bruch mit der FDP kam, erlebte sie noch einen Politkrimi mit, der ein Novum in der Geschichte, nicht nur des Thüringer Landtages, sondern der demokratischen Institutionen darstellte: die Wahl von Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten mit den Stimmen von CDU und AfD.
Eine Kampagne zur Austreibung der angeblichen Nazis aus dem Amt
Während die FDP-Fraktion noch ihren Sieg feierte, stand draußen vor der Staatskanzlei schon der Adlatus des abgewählten Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und sprach von den Millionen (sic!) Toten von Buchenwald, Opfern der finstersten Geschichte unseres Landes, die angeblich nun wiederzukehren drohte. Das gab den Startschuss für eine Kampagne zur Austreibung der angeblichen Nazis aus dem Amt. Während Kemmerich, Bergner und andere am nächsten Tag darüber nachzudenken begannen, wie ein Kabinett Kemmerich aussehen könnte, waren FDP-Chef Lindner und die damalige CDU-Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer schon unterwegs nach Erfurt, um die Wahl rückgängig zu machen.
Merkel hatte aus dem fernen Südafrika gefordert, die „unverzeihliche“ Wahl müsse rückgängig gemacht werden. Kramp-Karrenbauer scheiterte am anfänglichen Widerstand der CDU-Fraktion, Christian Lindner war erfolgreich damit, Kemmerich im Vieraugengespräch zum Rücktritt zu bewegen. Er äußerte später gegenüber der Fraktion, Merkel hätte ihm mit dem Platzen aller vier CDU-FDP-Landeskoalitionen gedroht.
Merkels Vorgehen war verfassungswidrig, was das hohe Gericht erst feststellte, als die Kanzlerin nicht mehr im Amt war. Aber es machte Schule: Als 2024 in Rumänien ein Präsident gewählt wurde, der den Vorstellungen der EU nicht entsprach, wurde die Wahl einfach für ungültig erklärt, und ein ehemaliger EU-Kommissar, Terry Brenton, drohte Deutschland mit Verweis auf Rumänien damit, dass sich das bei uns wiederholen könnte, sollte der EU der Ausgang der vorgezogenen Bundestagswahl 2025 nicht passen.
Nachdem Bergner die FDP-Fraktion verlassen hatte, saß sie erst als Einzelabgeordnete am rechten Rand des Plenums, wohin das Landtagspräsidium sie verbannt hatte, aber nicht lange. Nachdem drei Abgeordnete die AfD-Fraktion verlassen hatten, gelang es Bergner, eine parlamentarische Gruppe zu bilden, ein Novum in der Geschichte des Landtags. Wie die Gruppe zusammenfand, arbeitete und schließlich wieder zerfiel, gehört zu den spannendsten Kapiteln des Buches. Die Gegner Bergners rechneten nicht damit, dass sie die Gruppe wieder auflösen könnte, weil dann alle Privilegien wieder der Vergangenheit angehören würden. Aber genau das tat sie. Bergner ging es immer um Inhalte und Arbeitsmöglichkeiten, nie um Macht und Privilegien. Wie sich die Verlierer gerächt haben, gehört zu den Politkrimis, die zu selten bekannt werden.
Wenn eine gute Idee politisch nicht opportun ist
Ein zweites Projekt von Bergner, die „Bürger für Thüringen“ und ihr Versuch, mit anderen Kleinparteien und der neu entstandenen Werteunion von Hans-Georg Maaßen eine gemeinsame Liste für die kommende Landtagswahl in Thüringen zu bilden, startete sehr erfolgreich. Es wurde sogar in der Mainstream-Presse mit Neugier und Wohlwollen kommentiert, scheiterte dann aber am Anspruch der Werteunion-Partei, die führende Rolle zu haben, was das Auseinanderbrechen bedeutete. Damit war ein zukunftsträchtiges Projekt erfolgreich erledigt.
Interessant ist, dass Bergners Urgroßvater in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts an einem ähnlichen Projekt beteiligt war: der Bildung des Thüringer Ordnungsbundes aus mehreren Kleinparteien. Der zog für eine Legislaturperiode in den Landtag ein.
Am Schluss möchte ich noch zwei Beispiele für die politischen Erfahrungen bringen, die Bergner gemacht hat. Sie erkannte ein typisches System in der Politik. Zuerst werden die Rahmenbedingungen für eine bestimmte Berufsgruppe so gestaltet, dass sie zwingend in finanzielle Not gerät. Die Not ausnutzend, bietet man dann Lösungen an, wenn man den ideologischen Vorgaben folgt. Beim Bau von Windkraftanlagen, die nicht ertragsbezogen arbeiten, sondern steuerfinanzierte Einnahmegarantien bieten, wird das sehr offensichtlich.
Der Geschäftsführer eines Fraunhofer-Instituts zeigte Bergner bei einem Besuch auf, dass die Thüringer Waldgesetznovelle in der aktuellen finanziellen Situation für ihn kontraproduktiv ist. Bergner schlug ihm eine Alternative vor, dass es eine Kostenerstattung für Waldbesitzer für hoheitliche Aufgaben und den CO2-Konsum geben solle, basierend auf der ökonomischen Überlegung: Wenn CO2 einen negativen Marktpreis für Emissionen hat, müssten doch die Erlöse aus diesen Emissionen denjenigen zukommen, die CO2 verbrauchen. Das wären auch die Waldbesitzer.
„Ich werde nichts gegen die Vorgaben und Anweisungen meines Dienstherrn unternehmen!“
CO2 ist kein Schadstoff, sondern Rohstoff, und wenn es dafür einen Preis gibt, ist dieser nach Marktregeln anzuwenden. Somit stellte Bergner die Frage, ob denn Windräder im Wald für den Geschäftsführer von Thüringen Forst auch dann noch ein Thema wären, wenn die Anstalt für die CO2-Entnahme der Wälder entschädigt werden würde. Von der Idee war er nicht überrascht, denn derartige Forderungen hätten sie in der Vergangenheit schon oft eingebracht. „Ja, das wäre gut!“, war seine Antwort. Darauf Bergner: „Und warum machen wir dann nicht so eine Initiative? Mit Ihrer Unterstützung könnte ich das sicher im Landtag einbringen.“ Was dann passierte, erlebte Bergner so nur in Situationen, in denen Menschen wirklich Angst hatten. Die Miene des Gegenübers versteinerte, er lehnte sich zurück, holte tief Luft und sagte mit leiser Stimme: „Ich werde nichts gegen die Vorgaben und Anweisungen meines Dienstherrn unternehmen!“ Dann wechselten sie das Thema.
Um auf demokratischem Wege Veränderungen anzustoßen, begann Bergner, sich gezielt mit Demokratie auseinanderzusetzen. Die erste wichtige Erkenntnis war: Es gibt nicht „die Demokratie“. In der Wissenschaft unterteilt man die Demokratie in drei große Gruppen: die Basisdemokratie, die plebiszitäre Demokratie und die repräsentative Demokratie. Wir leben in einer repräsentativen Demokratie, für die es wieder die verschiedensten Gestaltungsmöglichkeiten gibt.
Für Bergner galt, dass unsere Demokratie dadurch gekennzeichnet ist, dass sie aus drei getrennten Säulen besteht: der Exekutive, der Legislative und der Judikative. Sie musste lernen, dass das so gar nicht im Grundgesetz niedergeschrieben ist. Allerdings fand sie das in der Thüringer Verfassung, Artikel 47, wobei die Einschränkung auf dem Fuße folgt. Liest man die anschließenden Artikel, in denen die Aufgaben der Säulen genau definiert sind, so stellt man fest, dass diese drei Säulen miteinander verschränkt sind. Was heißt nun „verschränkt“? Das ist ein Begriff aus der Quantenphysik und charakterisiert das nicht klar trennbare Verwischen der einzelnen Zustände. Das heißt im Umgangssprachlichen: aneinanderklammern, ineinanderstecken. Da wurde Bergner stutzig. Die drei Säulen als Pfeiler der Demokratie waren nicht unabhängig. Das beste Beispiel ist eine Staatsanwaltschaft, die politischen Weisungen unterliegt.
Ein sich allmächtig fühlender Staat
In der sogenannten Corona-Pandemie, die nach jüngsten Erkenntnissen keine war, bekam Bergner zahlreiche Beispiele für das Nichtfunktionieren von Demokratie und Rechtsstaat hautnah mit. Sie zählt etliche davon in ihrem Buch auf. Es werden immer noch Urteile gegen Menschen gefällt, die sich unsinnigen, ja schädlichen politischen Vorschriften widersetzten und die recht hatten. Ein Beispiel ist der Weimarer Familienrichter Christian Dettmer, der versucht hatte, Schulkinder vor dem schädlichen Maskentragen zu bewahren und das mit lebenslangem Berufsverbot und dem Entzug seiner Pension bezahlen muss. Mit Demokratie oder gar Gerechtigkeit hat das nichts zu tun. Wir haben einen sich allmächtig fühlenden Staat, der in kafkaesker Manier die unsinnigsten Vorschriften ohne stichhaltige Begründung durchsetzt und auch nachträglich nicht bereit ist, Fehler einzugestehen. Die Machthabenden maßen sich an, ihre Landeskinder zu gehorsamen Untertanen zu machen. Das führt zu einer Infantilisierung der Gesellschaft, wenn sie nicht gestoppt wird.
Für alle, die das nicht hinnehmen wollen, ist Ute Bergners Buch eine wichtige Quelle, um Politik zu verstehen und zu lernen, wie man gegen sie Widerstand leisten kann. Bergner hat die Politik verlassen; sie wird sich aber mit Sicherheit weiter in unsere Angelegenheiten einmischen.
Transparenzhinweis: Ich hatte die Ehre, das Vorwort zu Ute Bergners Buch „Zwischen Brücken und Brandmauern”, zu schreiben.
Foto: Ute Bergner mit der Autorin Vera Lengsfeld, 2023.

Hab mir den Artikel vorab von der KI etwas straffen lassen.
KI: „Merkel muss weg“
Mein Verdacht: Sogar die KI hat nicht den gesamten Artikel gelesen.
Um den Glauben an „UnsereDemokratie“ und den ins „verkauften“ Rechtsstaat zu verlieren, muß ich nicht in die Politik gehen. Da reichen ein paar Besuche von öffentlich zugänglichen Gerichtsverhandlungen und der Sitzungen der Kommunalparlamente, wie deren Ausschüsse. Und da möchte man dann schon mal „Mäuschen“ sein, wie es in den jeweils angehängten Programmpunkten zugeht, zu denen die Öffentlichkeit, deren Gelder dort verballert werden, ausgesperrt ist. Und nicht mehr witzig wird es, wenn man als Beteiligter mit der Justiz zu tun hat oder der Verwaltung, mit der man sich um Gebührenbescheide streitet, deren Basis erkennbar zurechtgestrickt ist, bei Beschwerden nicht auf die Argumente eingegangen wird, sondern einfach mit „wir haben geprüft, das ist so richtig und belästigen Sie uns nicht“, natürlich in Verwaltungsdeutsch förmlich formuliert, abgebügelt wird. Und wenn dann derart vorgeführte Bürger „motzig“ werden, einen auf „mimimi“ machen, beleidigt sein und die „Karte Majetätsbeleidigung“ zücken. So schafft man zunemend Bürgerfrust, der sich ggf. auch unbotmäßig entlädt. Die Ursache dafür will man in bewährter Art der Verdrängung natürlich nicht erkennen.
Bei den lateinischen Völkern bedeutet das Wort Demokratie vor allem die Auslöschung des Willens und der Tatkraft des einzelnen vor dem Staat. Dem Staat wird immer mehr aufgeladen, er soll führen, zentralisieren, monopolisieren, fabrizieren. An ihn wenden sich beständig alle Parteien ohne Ausnahme: Radikale, Sozialisten, Monarchisten.
Bei den Angelsachsen, namentlich bei den Amerikanern, bedeutet dasselbe Wort im Gegenteil die angespannteste Entfaltung des Willens und der Persönlichkeit, das möglichste Zurücktreten des Staates, den man mit Ausnahme der Polizei, des Heeres und der diplomatischen Beziehungen nichts leiten läßt, nicht einmal den Unterricht. Dasselbe Wort hat also bei diesen beiden Völkern einen völlig entgegengesetzten Sinn.
Gustave Le Bon (1841-1931), franz. Arzt, aus dessen Buch „Die Psychologie der Massen“
Der Landtag ist das einszueins Abbild der Bevölkerung. In Deutschland ist es anders, man muß ins Zentrum reisen, um in der Provinz anzukommen. Ich spreche aus Erfahrung, und Fremde, merkt euch mit der Bevölkerung, langsam sprechen, in einfachen und kurzen Sätzen, keine Fremdwörter. Vieleicht gibt’s dann auch ne Bratwurst. Nicht alle sind denkende Wähler.
Politik ein weites Thema, zu dem mein Vater schon sagte, dass es sehr sehr schmutzig ist. Und er sollte Recht behalten. Die Demokratie wird missbraucht, aufs Grundgesetz werden mit ernster Miene Meineide geschworen. Eine Kanzlerin erpresst Politkollegen. Der Verfassungsschutz schläft und das Bundesverfassungsgericht findet Jahre später heraus, dass das verfassungswidrig war. Und und und. Sie alle haben unsere Demokratie, denn es ist des Volkes, mit ihrer grenzenlosen Gier nach Macht, Einfluss, Geld und dem Eintrag ins Geschichtsbuch verächtlich mit Füßen getreten.
Nicht nur, dass wir Eisenbahngleise aus der Kaiserzeit haben, Gesetze unter deutschen Monarchen entwickelt wurden, die heute noch Anwendung finden. Nein, es gab sogar in unserer Demokratie den Paragraphen 103 StGB der Majestätsbeleidigung bis zum 31.12.2017. Ab 01.01.2018, hundert Jahre nach dem Kaiser, waren wir eine Demokratie? Die blöden deutschen Untertanen hatte Heinrich Mann schon seziert.
Nein, unsere Großeltern haben nach 1945 nichts aufgebaut. Gestern Nazi, Heute Demokrat. Das funktioniert nicht. Sie haben versucht zu überleben. Verfassung 1949, nach der Währungsreform 1948. Schlimme Zeit, vor allem für Westberlin. Teilung Deutschlands. Ausser Monarchie und Diktatur kannte man nichts. Demokratie haben die USA importiert. Innerlich waren die Menschen aber meilenweit von dieser Demokratie entfernt. Teilweise bis heute. Es sind immer Menschen, die eine Regierungsform ausmachen. Das wusste Merkel und verhielt sich wie eine Monarchin. Sie wurde dafür 3 x wieder gewählt, egal was für katastrophale Entscheidungen sie traf. Sie wurde geliebt. Kleinkinder und Muddi. Sonst gab es was. Mir wird schlecht. Diese Infantilisierung hat uns unsere Kraft und das Ansehen in der Welt gekostet. Fein eingetütet Merkel. Nach dir kommt nur noch Chaos.
„…der Weimarer Familienrichter Christian Dettmer, der versucht hatte, Schulkinder vor dem schädlichen Maskentragen zu bewahren und das mit lebenslangem Berufsverbot und dem Entzug seiner Pension bezahlen muss.“
Wie heißen die verantwortlichen Verbrecher?
Ein sehr interessanter Artikel. Was ist bei den BRD-Kartellparteien anders als in den DDR-Blockparteien zumal sie ähnliche „Namen“ tragen wie CDU-CDU, LDPD-FDP etc. Ich denke, es hängt auch davon ab ob die Parteien Individualismus oder Kollektivismus anstreben. Ungefähr bis zum Jahr 2000 waren die „Bürgerlichen“ bestrebt jedem Individuum alle Chancen einzuräumen was auch zur Erfolgsgeschichte der BRD beitrug. Seitdem sind sie „Überläufer“ und unterstützen den Kollektivismus. Sie haben sich von Habermas diktieren lassen, dass Stalinismus, Maoismus und Sozialismus normale Staatsformen seien und rein gar nichts mit Faschismus zu tun hätten. Heute haben wir den Salat. Seit Corona kommen die Totalitären aus allen Ecken und bestimmen mehr und mehr über unser Land. Leider.