Inhaltshinweise sind eine neue Bezeichnung für Trigger-Warnungen, durch die empfindliche Personen, die eventuell unter einem Trauma leiden, vorgewarnt werden. So wie jetzt an der Uni Bonn.
Bitte, nehmen Sie die folgenden Hinweise ernst.
Setzen Sie sich möglichst bequem hin, ehe Sie weiterlesen, atmen Sie tief und regelmäßig. Sie müssen jetzt ganz tapfer sein. Denn die folgenden Informationen könnten verstörend wirken. Sind Sie bereit? Gut:
Das Gleichstellungsbüro der Universität Bonn hat „Informationen und Anregungen zum Umgang mit Inhaltshinweisen in der Lehre“ herausgegeben. Ach, das ist ja nett, werden Sie womöglich denken, „Informationen“ sind immer gut, davon kann man nie genug kriegen, und außerdem sind das ja nur „Anregungen“, das wird schon nicht so dramatisch sein … aber was, bitte schön, so werden Sie sich womöglich fragen, sind eigentlich „Inhaltshinweise“?
Na, ganz einfach: Es sind Hinweise auf Inhalte. Das ist doch selbsterklärend. Hm … Aber brauchen wir wirklich „Anregungen“ und sogar „Informationen“ darüber, wie man mit Hinweisen auf Inhalte umgehen muss? Offenbar.
Achtung Warnung
Inhaltshinweise sind eine neue Bezeichnung für Trigger-Warnungen, durch die empfindliche Personen, die eventuell unter einem Trauma leiden, vorgewarnt werden. In der Broschüre heißt es dazu: „Wir verwenden hier hingegen bewusst die Bezeichnung ‚Inhaltshinweise‘ oder ‚Content Notes‘, da sie weiter gefasst werden als die Triggerwarnungen und ohne den emotionalisierenden Begriff der ‚Warnung‘ auskommen.“
Das ist bitter. Schon der Begriff „Warnung“ kann emotionalisierend sein (das leuchtet mir ein), das ist aber gar nicht gut, da muss man vorgewarnt werden. Am besten wäre es, man sagte immer sicherheitshalber: Achtung, Achtung, Warnung. Gleich folgt eine Warnung. Denn diese Inhaltshinweise sind „viel weiter“ gefasst als Triggerwarnungen, so weit, dass auch vor einer „Warnung“ gewarnt werden muss – pardon: auf eine Warnung vorsichtig hingewiesen werden muss.
Es wird alles immer besser
Nun mag sich mancher besorgt fragen, ob damit womöglich der Debattenraum eingeengt wird und vielleicht sogar eine Form von Zensur eingeführt wird. Aber nein, i wo. Da können wir beruhigt sein. Es kann alles nur besser werden:
„Der Einsatz von Inhaltshinweisen vergrößert die Chance, bestimmte Lehrinhalte sowie schwierige und heikle Themen auf respekt- und rücksichtsvolle Weise diskutieren zu können, wie bspw. die Verwendung des N-Wortes in einer Originalquelle im Rahmen einer Lehrveranstaltung des Fachs Geschichte.“
Stimmt. So wurde das angekündigt: Inhaltshinweise sind „viel weiter gefasst“, da muss auch der Umgang mit dem N-Wort erfasst werden, damit „ … ein Seminar als Safe Space wahrgenommen werden kann“ und sich alle wohlfühlen können.
Na, bitte, es wird alles gut: „Inhaltshinweise können auch für Dozent*innen hilfreich sein, um im Voraus zu überlegen, wie sie ihre Inhalte für die Studierenden aufbereiten und ob angemessene Anpassungen für Studierende mit einem eventuell erschwerten Zugang zu den Inhalten möglich sind.“
Auf die sanfte Tour
Ist es nicht zärtlich formuliert? Da fühlt man sich irgendwie gestreichelt. Die Inhaltshinweise „können“ „hilfreich“ sein, und zwar „auch“ für „Dozent*innen“ (da wird niemand ausgeschlossen). Die können schon „im Voraus“ (an anderer Stelle werden zwei Wochen Vorlauf empfohlen) überlegen, ob „Anpassungen“ – aber selbstverständlich nur „angemessene“ Anpassungen – überhaupt „möglich sind“; denn Studierende könnten „eventuell“ einen „erschwerten Zugang“ haben. Das wollen wir natürlich nicht hoffen.
Die Studenten, die vorsorglich „Studierende“ heißen (womöglich sind sie verstört, wenn man sie immer noch als „Studenten“ bezeichnet), werden vorsichtig mit Samthandschuhen angefasst. Auch die „Anregungen“ kommen mit Samthandschuhen daher. Das ist so rücksichtsvoll, so grundgut und menschenfreundlich, dass ich mich frage, wieso ich das Gefühl habe, dass hier der freie Geist mit Samthandschuhen erwürgt wird, ganz langsam und genüsslich.
Was, wenn die Uni aus ist?
Ich finde es besorgniserregend! Denken wir kurz über den geschützten Raum der Uni hinaus und stellen wir uns vor, die „Studierenden“, die sich eben noch geschützt fühlen durften, kommen wieder in die weite Welt hinaus, klappen ihren Laptop auf oder werfen ahnungslos einen Blick ins Fernsehprogramm. Und dann werden sie brutal ohne jede Vorwarnung aufgerufen, in Panik zu geraten und müssen erfahren, dass schon in achtzig Jahren das Land sieben Meter unter Wasser steht und der Asphalt so heiß sein wird, dass Schüler den Schulhof nicht mehr benutzen können. Wie können sie das aushalten?
Gut. Sehr gut sogar. Wir haben es hier mit zwei Seiten von der Münze zu tun, die heute im Umlauf und zur Standardwährung geworden ist: Auf der einen Seite wird die Vulnerabilität gehätschelt und jede Mini-Empfindlichkeit zu einem Trauma aufgebauscht und auf der anderen Seite berauscht man sich an seiner Angstlust und Katastrophen-Geilheit und kann es nicht schlimm genug haben.
Ich könnte mich aufregen, wenn ich noch weiter darüber nachdenke. Zum Glück habe ich Freunde*innen, die mir wertvolle Tipps geben. Empfehlenswert sind Kamillentee, aber auch Tee aus Passionsblumenkraut und aus Melissenblättern. Das beruhigt. Nur so als Anregung.
Beitragsbild: Pixabay

Zur Beruhigung trink ich zwar lieber Rum, aber hier muss man sich ja nicht einmal besonders aufregen. Lasst sie doch noch ein Weilchen in Ruhe diese Schneeflöckchen, Der Zusammenprall mit der Realität eines sterbenden Landes, sowie einer immer schwächer und ärmer werdenden Gesellschaft wird noch brutal genug für sie. Folgende Zitate aus Douglas Coupland´s „Generation X“, zwar meine Altersklasse, aber heute passen sie sogar noch besser: „Use jets while you still can !“ und „You might not count in the New Order !“ Safe spaces wirds keine mehr geben, also lasst sie noch ein wenig träumen.
Ich verstehe immer dieses ganze Bohei um das „N-Wort“ nicht. Was ist so schlimm daran, es auszusprechen? Man kann doch auch darüber offen diskutieren, auch wenn es nicht gesund ist. Das ist doch alles albern. Ich z. B. könnte ohne gar nicht leben. Deshalb erlaube ich mir, das böse N-Wort hier zu nennen: Nutella.
Inhaltshinweise = Strohalme, der neuen selbst verschuldeten Sprachlosigkeit! Die immer dazu führt, wenn Wahrheitslose Kunstwörter inflationär verbreitet werden, um krude Idiologien zu etablieren. Vor allen Dingen wenn Realwissenschaft ausgeschaltet werden soll, wie bei Corona und Klima oder Umwelt.
@ Andrea Walter Haben wir doch alles schon: Medizinstudenten werden vor nackten Körpern in den Fachbüchern gewarnt, manchmal auch vor sehr unappetitlichen Leichen. Dann geht man halt mal aus der Vorlesung raus. Die Schneeflöckchen heulen sich in ihrem Safespace aus und die anderen organisieren im Hof eine Spontandemo gegen den Dozenten: „Wie kann man uns nur so etwas antun“. Da entschuldigt sich die Uni ganz schnell, anstatt diese Knalltüten einfach rauszuschmeißen.
Ich merke im eigenen Betrieb, dass man bei Zusammenkünften mit Kollegen, Videokonferenzen etc. seine Wortwahl gründlich überlegen muss und nur noch im kleinen Rahmen mit wirklich vertrauten Personen Klartext gesprochen werden kann; Hinweise z.B. auf fehlende Evidenz oder offensichtliche Unsinnigkeit von Corona-Maßnahmen tunlichst zu unterlassen sind. Das Beispiel der Uni Bonn zeigt ebenso wie die Umwandlung sozialer Medien in Zensur-Behörden, dass die Meinungsfreiheit weitgehend abgeschafft ist.
Die Frage, was die Studenten nach der Uni machen, wenn sie auf die Wirklichkeit treffen, ist meines Erachtens ungefähr so zu beantworten: Diese Wirklichkeit wird auch nicht mehr dieselbe sein, die uns jetzt noch bekannt ist. Es geht wohl darum, in einem totalitären Denkansatz diese Realitäten zu krempeln und die „zartfühlenden“ Studenten, deren Wohlwollen man mit Rücksichtnahme erheischt, werden diejenigen sein, die uns Altvorderen und allen, die danach kommen, richtig „Mores lehren“.
Hauptsache schlimm und schrecklich und alle suhlen sich wahlweise in Angst, Trauma oder Empörung – ohne überhaupt zu wissen, was das eigentlich ist. Es ist eine Form, Aufmerksamkeit zu binden, denn das, was wirklich schlimm und schrecklich ist, entzieht sich so dieser.