indubio / 07.04.2020 / 12:00 / 12 / Seite ausdrucken

indubio – Hilflose Hausärzte

Unser Mittagsprogramm für Kopf-Hörer widmet sich heute dem Thema "hilflose Hausärzte". Mangelnde Schutzausrüstung, Improvisation in der Praxis und Ungewißheit bei der Einweisung ins Krankenhaus – Burkhard Müller-Ullrich spricht mit Dr. med. Gunter Frank (Heidelberg) und Dr. med. Jesko Matthes (Lüneburg) über die aktuelle Lage und was passiert, wenn es die eigenen Eltern betrifft. 

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Manuela Pietsch / 07.04.2020

Das Auswärtige Amt hat gestern stolz getwittert, dass wir schon wieder haufenweise Schutzausrüstung verschenkt haben… diesmal nach Palästina. Unsere unterversorgten Ärzte sollten sich mit ihren Beschwerden an den Außenminister (aka “Papa Heiko”) wenden.

Jürgen Kunze / 07.04.2020

Im Allgemeinen ist es nicht üblich, Angehörige abzuweisen, wenn sie ihre Lieben besuchen wollen, die z.B. eine Knochenmarktransplantation bekamen oder eine Leukämie entwickelt haben. Dann werden diese Angehörige entsprechend mit Schutzkleidung umwickelt und der Weg ist frei. Zumindest darf man hinter einer Glastür stehen. Das kann man natürlich nur machen, wenn genügend Schutzmaterialien vorhanden sind. Es dreht sich also in diesem Fall immer um die gleiche Angelegenheit: Trotz langjähriger Diskussion um die Pandemievorsorge wurde keine Vorsorge betrieben. Wir produzieren zwar die Maschinen und exportieren sie, mit deren Hilfe die Schutzmaterialien hergestellt werden können, sind aber zur Zeit richtig aufgeschmissen, weil China uns minderwertige Qualität geliefert hat. Ich kann die “Maßnahmen” der Regierung, die unter dieser Mangelwirtschaft mehr oder weniger notwendig sind, insofern nicht ernst nehmen, weil weiterhin die Keimschleudern Bahn und Busse verkehren und viele alte Leute in Bau- und Supermärkte strömen und sich dort mit Viren versorgen können. Aber es ist auch nicht das Ziel, die alten und schwachen Menschen zu schützen, sondern die Sterbefälle pro Zeiteinheit zu reduzieren. Und Corona hat natürlich die Potenz, das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung zu senken.

Matthias Braun / 07.04.2020

” Man kann die Erkenntnisse der Medizin auf eine knappe Formel bringen: Wasser, mäßig genossen, ist unschädlich.” ( Mark Twain ) ICH BIN MITTLERWEILE SÜCHTIG NACH INDUBIO .

Cornelius Angermann / 07.04.2020

Und nicht vergessen: Dank und Lob aussprechen für unseren Riesenstaatsmann Maas, dass er die Schutzausrüstungen, die wir selbst dringend benötigen, nach China, nach Süd-Afrika und in den Gaza-Streifen exportieren und sich dafür auf Twitter auch noch feiern lässt. (Ironie aus) Unsere Ärzte, Krankenschwestern und Pflegekräfte können ja mangels Schutzkleidung, Schutzmasken und Desinfektionsmitteln ruhig krepieren. Man kann ja einfach behaupten, man hätte die Pandemie-Studien und -Pläne der Bundesregierung von 2012 und 2013 nicht gelesen. Da stand nämlich drin, wieviel und was man bevorraten muss, um solch eine Krise zu bewältigen und die eigene Bevölkerung zu schützen! Da gfragt man sich doch, woher die jubelnde Zustimmung zu diesem Missmanagement und seinen Akteuren bis rauf zur Kanzlerin kommt. Für mich sind das keine Man- Ager sondern Vers-Ager - allesamt! Und die SPD mit ihren Westentaschenpolitikern und politischen Rohrkrepierern sowieso!

Friedrich Richter / 07.04.2020

Sehr geehrter Herr Müller-Ullrich, vielen Dank für diesen hervorragenden Beitrag, der sich durch seine sachliche, zurückhaltende Argumentation und die Abwesenheit jeglicher Polemik und vor allem durch sein gesundes Mass an Empathie wohltuend von anderen Sendungen zu diesem Thema unterscheidet. In einem Punkt möchte ich jedoch widersprechen: Von einem Grossversuch in gesellschaftlicher und medizinischer Hinsicht zu sprechen, halte ich nicht für angebracht. Das würde zu weit führen. Es ist vielmehr die blanke Angst und Unsicherheit, in der heutigen, extrem vernetzten Welt angesichts der Coronaepidemie das Richtige zu tun. 1968 gab es weniger Globalisierung. Wie viele Opfer hätte die Hongkong-Grippe wohl unter heutigen Bedingungen gekostet? Wäre es bei 4 Millionen geblieben? Und selbst wenn es dabei geblieben wäre, der Impakt für die ganze Welt wäre ungleich grösser gewesen. Niemand kann ein Interesse daran haben, die Weltwirtschaft an die Wand zu fahren, denn dann gibt es nur Verlierer. Wir werden erst später (oder vielleicht niemals) genau wissen, ob die aktuellen Massnahmen übertrieben sind oder nicht (ich meine dabei sogar die Einschränkungen der persönlichen Freiheit, die aber unbedingt zeitlich zu befristen sind). Eins ist allerdings sicher: Die Chance, die Folgen schwerer Fehlentscheidungen der jüngsten Zeit (Energiewende, Abwürgen der Autoindustrie…) unter den Corona-teppich zu kehren, werden die Politiker nicht ungenutzt lassen.

Steffen Rascher / 07.04.2020

Tolle Musik, aufschlussreiche Zahlen und Fakten. Klar, die Weltwirtschaft ist überspannt und die Ausrede für den Schlamassel kommt in Form der jährlichen Pandemie daher. Wer als Verantwortungsträger nicht zugreift, die Sache aufbläst oder wie Söder den Siegfried gibt und im Drachenblut badet, um unverwundbar zu werden, sollte sich in Behandlung begeben. Bis zu vier Millionen Tote haben uns früher nicht durchdrehen lassen. Es riecht in der Tat nach einer totalitären Machtergreifung. Hatte unsere ewige Kanzlerin nicht von tiefgreifenden Veränderungen gesprochen. Erich Honecker hat das in den letzten Jahren seiner Regentschaft auch getan. Damals glaubten einige von uns an den bevorstehenden Beitritt zu Union der sozialistischen Sowjetrepubliken. Mal schauen, wo uns die sozialistischen Versager diesmal abliefern wollen.

Andreas Mertens / 07.04.2020

“Im Zeichen des Infektionsschutzes findet eine totalitäre Machtergreigfung statt” Vielleicht nicht die eigentliche Machtergreifung ... aber die Generalprobe dazu. Und unseren Politikern juckt es in den Fingern wie dem Junkie wenn das Heroin im Löffel koch.

Gereon Stupp / 07.04.2020

Es gibt zwischen Corona-Krise 2020 und Julikrise 1914 eine interessante Parallele, auf die Dr. Frank unbewußt hinwies. Einmal losgetreten setzen sich Prozesse in Gang, die miteinander vernetzt eine Eigendynamik entfalten, derer diejenigen, die den Apparat in Gang setzten, nicht mehr Herr werden. Statt Krieg wäre das Resultat heute dann eine Weltwirtschaftskrise, die am Ende ein Vielfaches an Opfern kostet, als es das Virus es vermocht hätte. Alle verantwortlichen Staatschefs beobachten einander, und wer seinen lock-down zu früh aufhebt, hat genauso verloren, wie alle miteinander verlieren, wenn keiner zuckt. Vielleicht sollten wir einen Virologen gegen einen Spieltheoretiker auswechseln. Die fehlende Autonomie in unserer globalisierten Zivilisation könnte sich sonst ähnlich verheerend auswirken, wie die fehlende Autonomie in den Bündnissystemen und wechselseitigen militärischen Planungen 1914.

beat schaller / 07.04.2020

Ich bin sehr froh, dass hier und heute wieder Praktiker mit Bodenhaftung zu Wort kommen. Herr Burkhart Müller Ulrich ist ein sehr guter Moderator. Das ist echte Aufklärung und die bringt uns weiter. Hoffentlich auch den Druck auf die Politik mit ihrer Fehlinformation, welche nicht mehr zu verbergen ist. Ich kann als direkt betroffener, nicht wegen Corona, diese ohnmächtige Situation nachvollziehen, wenn man zwar weiss um was es geht, und trotzdem den Patienten nicht begleiten kann und auch nicht besuchen.  Wenn man dann das Glück hat, mit dem behandelnden oder operierenden Arzt selber am Telefon zu haben, dann sieht man alleine dadurch, wie froh man schon für solch einen Kontakt ist. Natürlich ist es gut,  soweit möglich die Distanzen einzuhalten, aber, für Massnahmen wie sie uns heute vorgesetzt werden, ist das Eis, auf dem die Politiker sich bewegen zu dünn. Da scheint ein anderes System dahinter zu stecken. Danke Ihnen allen für dieses Podcast, das ich nicht missen möchte, danke an all die mutigen Virologen, Äzte und Helfer, die sich Outen obwohl sie damit rechnen müssen, “abgeschossen ” zu werden. b.schaller

Karl Mistelberger / 07.04.2020

So hilflos sind die Hausärzte nicht. Keiner kann ihnen abverlangen, was in der konkreten Situation nicht möglich ist. Gestern habe ich einen Anfang März vereinbarten Termin bei hausarztpraxis-buechenbach.de wahrgenommen. Die Leute tragen dort Mundschutz um im Falle einer symptomlos verlaufenden Infektion das Ansteckungsrisiko für die Besucher zu mindern. Explizit heißt es: 1.  Egal, welche Beschwerden Sie haben, bitte nehmen Sie ab jetzt immer vorher telefonisch Kontakt mit der Praxis auf, auch wenn Sie ein Rezept oder eine Krankschreibung benötigen. 2. Wenn Sie an Husten und Fieber leiden und vermuten, mit dem Coronavirus infiziert zu sein, können Sie sich beim Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 melden. Mama (93) leidet an MDS und ist zum Beginn der Infektionswelle schon zu Besuch im Krankenhaus gewesen. Ich konnte da nur raten: Bleib lieber daheim und vergiss deine Filgrastim-Spritze nicht.

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