Bei unserem Mittagsprogramm für Kopf-Hörer erörtern heute Milosz Matuschek, Bettina Röhl und Markus Vahlefeld mit Burkhard Müller-Ullrich die Mechanismen von „Cancel Culture“ und „Kontaktschuld“ und diskutieren über die prekäre Frage, ob es nicht auch für liberale Geister rote Linien gibt, bei denen man sich einem offenen Gespräch verweigert.
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Auf der einen Seite sind sich die Diskutanten darüber einig, dass es Cancel Culture gibt und diese nicht gut ist und dies vor allem durch die Mainstream Medien gepuscht wird. Auf der anderen Seite beklagen Frau Röhl und Herr Vahlefeld pauschal und mit aggressivem Unterton, dass es ein NoGo ist mit KenFM überhaupt zu reden. Das ist an Widersprüchlichkeit kaum zu toppen. Merken die beiden gar nicht, dass sie hier im gleichen Fahrwasser unterwegs sind wie die MSM? Wer fast an zu schreien fängt und anderen dauernd ins Wort fällt hat i.d.R. keine guten Argumente. Scheint hier auch so zu sein.
Es ist doch wohl ein Unterschied, ob man jemanden ganz und gar nicht zu Wort kommen lässt oder sich nur nicht mit ihn an einen Tisch setzen möchte. Ich höre mir zum Beispiel gerne ab und zu Jepsen, noch besser ist Janich, an. Deren Unterhaltungswert ist schwer zu toppen, da kommen selbst Däniken, Flacherdler, Chemtrailer und Area 51 Freaks nicht mit. Nur David Icke ist noch irrer. Jepsen, Janich und ähnliche würden mir echt fehlen. Interessant übrigens auch die Kommentare unter deren Filmen. Die dort zu findenden Beiträge kurieren jeden, der glaubt, Antisemitismus in Deutschland ginge nur noch von Muslimen aus.
Bravo! Es bleibt der Eindruck, dass wir über Cancel Culture noch viel nachdenken und streiten müssen. Definitiv am weitesten war in der Runde Milosz Matuschek. Freilich ist der eskalierend hetzerischen Propaganda von heute und ihren öffentlich-rechtlichen und Mainstream-Oberhetzern, -Aussortierern, -Boykotthetzern und -Stummschaltern mit den Methoden des Mediators nicht beizukommen. Was wir als Cancel Culture beklagen, ist in erschreckendem Maße inhuman und antidemokratisch. Die Debatte darüber ist überfällig. Pirinci, den Volkslehrer und KenFM als Kandidaten für etwa "berechtigtes" Cancelling anzuführen, waren logische und rhetorische Entgleisungen, die ich von der geschätzten Bettina Röhl und dem geschätzten Markus Vahlefeld nie erwartet hätte! Bravo, Herr Müller-Ullrich, für die vorzügliche Gesprächsleitung und dafür, dass Sie expressis verbis das Abgleiten in eine Art Cancel-Gerichtshof verhindert haben. Solche Diskussionen führen weiter. Danke an alle Diskutanten!
Cancel-Culture gibt es doch nicht erst seit den 50er Jahren, wie Frau Röhl es behauptet. Jede Religion, zumindest alle monotheistischen (Ich bin der Herr dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir!) haben das Verbot bzw. das Mundtotmachen abweichender Meinungen. Gotteslästerern, Ketzern und Hexen wurden nicht nur die Verbreitung ihrer abweichenden Meinung verunmöglicht, sondern sie wurden häufig auch gleich zum Tode veurteilt und getötet (in einer bestimmten großen, monotheistischen Religion ja bis heute Praxis). --- Religion ist ein Teil der menschlichen Kultur und Kultur dient dem Menschen zum Überleben - das ist der ursprüngliche Grund von Kultur. Kultur versus Natur. Der Mensch kämpt, genau wie das Tier und die Pflanze, um sein Überleben, also gegen die Natur. Natur heißt: Der Stärkere gewinnt, der Schwächere stirbt. Stärke ist Macht - Macht ist Stärke. Deshalb der ewige Machtkampf. Denn natürlich geht es bei der Cancel-Culture um nichts anderes, als um Macht,
Wer von vornherein Listen erstellt mit Leuten, mit denen auf keinen Fall gesprochen werden darf, hat die Debatte schon verloren. Erst wenn wirklich alle an einer Diskussion teilhaben, kann von einem demokratischen Diskurs gesprochen werden. Man kann und muß ja nicht alle von seinem eigenen Standpunkt überzeugen, sollte die andere Meinung aber wenigsten anhören. Es gibt in den öffentlich-rechtlichen doch auch noch sehens/hörenswerte Sendungen: 3nach9 auf Radio Bremen. Sendung vom 18.09.2020 (You Tube). Ab Min. 11:12 gibt der Journalist Jan Weiler ein Statement zu "Cancel Culture" ab, wie wir es, so glaube ich, in Zukunft auch bei den "Öffentlichen" häufiger hören werden. In der Sendung ist die Kabarettistin Lisa Eckhart zu Gast...
Problematisch ist es, wenn die Tatsache des Mundtotmachens von einer der beiden Seiten bestritten wird. Für viele Linke in Deutschland und den USA existiert dieses „Problem“ nur in der Vorstellung der Rechten. Und da die Linken die veröffentlichte Meinung fast konkurrenzlos beherrschen, fällt es ihnen leicht, so etwas zu behaupten. Aus ihrer Sicht findet keine Ausgrenzung statt. Denn die Menschen, die sie für diskussionsberechtigt halten, werden schließlich nicht ausgeschlossen oder benachteiligt. Nur reduzieren sie eben das Spektrum, welches an der Diskussion teilnehmen darf. Diejenigen, die sie außerhalb des Spektrums ansiedeln, gelten ihnen als rechte Volksverhetzer, denen man keine Plattform bieten dürfe. So gesehen, gibt es für sie keinen Bedarf für eine Petition. Und auch keinen Bedarf für ein Aufeinanderzugehen. Durch die Etikettierung des politisch Andersdenkenden, verschwindet die Notwendigkeit eines gleichberechtigten Austausches. Die Linke wird Ansinnen dieser Art als durchschaubaren Trick der Rechten deuten, die sich Gehör verschaffen möchten. Die Fronten scheinen zu verhärtet, die Schützengräben zu tief zu sein. Hier will eine Seite die andere nicht zu Wort kommen lassen, gerade weil sie an der Berechtigung der eigenen Position Zweifel hat. Jedoch auf den Vorteil die Hoheit über die veröffentlichte Meinung zu besitzen, nicht verzichten will.
Die Diskussion mit Gegnern sollte man durchaus suchen, die mit Feinden jedoch nicht. Ein fundierte, sachliche Argumentation über die alternativen unabhängigen Kanäle wird allmählich, unterstützt durch die Realität, mehr und mehr Leute auf die andere Seite bringen.