indubio / 30.05.2021 / 10:00 / 36 / Seite ausdrucken

Indubio Folge 131: Das alte und das neue Normal 

Der Philosoph und Medientheoretiker Prof. Norbert Bolz und die Schriftstellerin und Publizistin Cora Stephan diskutieren mit Burkhard Müller-Ullrich über Stephans neues Buch: „Lob des Normalen“ (erschienen im Finanzbuch-Verlag). Die Davos-Menschen mit ihren linken woken Stoßtrupps predigen Systemveränderung, um uns ihre Normen aufzuzwingen

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Lutz Serwuschok / 30.05.2021

Hallo Herr Müller-Ullrich, natürlich auch Frau Stephan und Herr Prof. Bolz, ich lausche Ihnen gern. In dieser Sendung (131) fiel das Wort Spiesser. Ohne es zu wissen, glaube ich, der Begriff rührt von Spieß, einer vergleichsweise billigen Waffe, in der Hand des Bürgers, also des Einwohners einer Burg, gewachsen zur Stadt, her. Von daher Spieß-Bürger. Für einen mittelalterlichen Krieger, insoweit geadelt, ein Objekt des Spottes. In Masse jedoch sehr wirksam. Wie gesagt, ich hab nur eine Ahnung; vielleicht könnten Sie demnächst ja mal drei Minuten diesem Phänomen widmen?! Ein Pate.

Thomas Schmied / 30.05.2021

“Das ist fortschrittlich”. Wer “fortschreiten” will, muß definieren, wohin er schreiten will. Das kann auch die völlig falsche Richtung sein. Deshalb ist der Begriff “Fortschritt” als grundsätzlicher Qualitätsbeleg unsinnig und immer abhängig von den Vorstellung derer, die ihn verwenden.

Rainer Niersberger / 30.05.2021

Nebenbei ist mein persönlicher Eindruck,  als Gasthoerer Philosophie, vom “akademischen Personal” und seinen rhetorischen Fähigkeiten ein anderer als der vom geschaetzten Herrn Bolz. Da sind sehr wenig Wissen, viel lauwarme Luft und Bullshit,  Sprechblasen und Auswendiggelerntes zu konstatieren. Einer entsprechenden Begegnung halten diese “Akademiker” noch einmal ansatzweise stand, was in den jeweiligen Reaktionen uebrigens sehr schnell deutlich wird. Da ist nichts, was einem vor 4 Jahrzehnten in Bayern ausgebildeten Juristen mit beiden Examen auch nur leicht beeindrucken koennte. Es reicht bereits, die richtigen Fragen zu stellen, selbst unterhalb des sokratischen Niveaus. Dann platzt das Blaeschen und dahinter kommt das blanke kognitive Elend. Logik sowie Erfassen von und Umgang mit Komplexität voellige Fehlanzeige. Sie suchen sich instinktiv die richtige, spätere Alimentation. Muessten sie in der freien Wirtschaft, die allerdings auch nicht mehr ist, was sie mal war, selbst und eigenverantwortlich (ein Ergebnis/eine Loesung) liefern, wuerden sie eingehen wie die bekannte Primel.

Thomas Schmied / 30.05.2021

Was auch interessant ist: Die wollen ein künstliches “neues Normal” erzeugen oder gar unter Androhung von Sanktionen anordnen, mit der moralisierenden Begründung, so Dinge zu verhindern, die in totalitären Zeiten extrem schief gelaufen sind. Was sie verkennen ist, dass die großen Katastrophen in der Geschichte immer , wirklich immer dadurch ausgelöst und ermöglicht wurden, dass eine kleine Gruppe mächtiger Ideologen der Masse ihr “neues Normal” vorgeschrieben haben. Sehr Wenige profitierten, sehr sehr Viele litten enorm. Zum Thema der Leitkultur, die tatsächlich die einzige Möglickeit ist, der zugelassenen Masseneinwanderung Kulturfremder zu begegnen: Auch Leitkultur wollen sie verbieten. Die wollen sogar das Wort “Integration” durch den Begriff “Teilhabe” ersetzen! Habe das Gefühl, die wollen gar keine Probleme lösen. Diese Politiker schaffen sich sogar permanent neue Probleme, die ihnen dann irgendwelche Moralkeulen oder Katastrophenzenarien in die Hand geben, mit denen sie dann ihre Machtbefugnisse erweitern oder übertreten können, so wie sie es jetzt seit Jahren tun.

Peter Maier / 30.05.2021

Den Diskutanten folgend, dass das Gros der Bevölkerung der Gruppe der Normalen zuzurechnen sei, wäre den Parteien doch zu raten, die Forderung nach Normalität als Wahlkampfslogan aufzunehmen. Aber oooohhh…das hat ja eine Partei gerade unlängst getan. Die allgemeine Reaktion hierauf war eindeutig. Weder diese Partei noch gar die Forderung nach Normalität sei normal und zeitgemäß. Wenn überhaupt normal, dann nur in Form der NEUEN NORMALITÄT und die ist auf jeden Fall und zuallermindest bunt, divers, woke und politisch korrekt. Das vorherige Normal, dieses Unterdrückungsinstrument alter weißer Männer wird in Soziologieseminaren und Redaktionsstuben fortlaufend dekonstruiert und einer unehrenhaften Bestattung ausserhalb der Mauern der NEUEN NORMALITÄT zugeführt. Diese mittelalterliche Form der finalen Ausgrenzung korrespondiert aufs Trefflichste der NEUEN Inquisition, welche nun tagtäglich ihre Verhandlungen abhält und über die Alt-Normalen zu Gericht sitzt

Rainer Niersberger / 30.05.2021

Nachtrag :, “Ausgehandelt” wird hier uebrigens schon lange nichts mehr. Mit Muslimen ist genauso schwer, kulturell zu verhandeln wie mit pseudolinken Ideologen oder Autokratin. Normen gibt es, sie werden allerdings “etwas anders sein, als die einer liberaldemokratischen Kulturnation westlichen Zuschnitts. Und sie werden ganz sicher nicht ausgehandelt, zumal dieses Aushandeln ergebnisoffen sein muesste und es am Ende einen Maßstab, Argumente und Fakten geben muesste, an denen sich das Ergebnis, um das es ja gehen muss, orientiert. Der Koran sollte es wohl nicht sein, oder doch?

Rainer Niersberger / 30.05.2021

Eine gute Runde, mit der Einschränkung, dass ich den Schlussoptimismus leider nicht teilen kann und will, bezogen allerdings nur auf das, was man den Westen nennt und bezogen konkret und vor allen Dingen auf dieses Land und diese Gesellschaft. Der entscheidende Schluessel wurde am Ende auch genannt, naemlich die Frage, wie es um den evolutionaeren Ueberlebenswillen bestellt ist, um die Abwehrreflexe und Instinkte, denn die Ratio ist es natuerlich nicht, die uns helfen kann. Überleben betrifft hier nicht die physische Existenz, von “Kollateralschaeden” der Systemtransformation abgesehen, sondern das, worum es der Runde und auch mir geht, das Überleben in einer kulturell und menschlich positiven Zivilisation mit allden “Zutaten”, die es dazu essentiell braucht. Wobei bereits bei diesen Zutaten das Problem auftaucht, dass es doch massive Beduerfnisdifferenzen und Gewichtungen gibt, wenn wir von “dieser Gesellschaft” sprechen. Das Migrationsthema und seine Implikationen gehoeren ebenso dazu wie der Niedergang in fast allen Gesellschaft relevanten Bereichen und die fundamentale Wandlung des Staatssystems. An die gepflegten und getriggerten Neurosen weiter Teile dieser Gesellschaft im Niedergang sei erinner, ebenso an den von Herrn Bolz erwähnte n Prozesscharakter, die Entgrenzung nach der Oeffnung, was in den weiteren Folgen immer noch unterschätzt wird. Diese Prozesse, siehe dazu die faktische Entbildung oder Entgeistigung, die mit der Ausbildung von “exzellenten” Ideologen und perfekt funktionierenden “Humanrobotern” korreliert, enden nicht einfach so, sie sind allesamt sich selbst verstärkend angelegt. Mit dem Begriff “intelligent” fuer die aktuellen “Akademiker” waere ich vorsichtig. Ob der “Ueberlebenswille” der Deutschen ueber die physohedonist. Existenz hinaus geht, ist zumindest fraglich. Man “loest sich kult. lieber auf”. Fuer einen evolutionär angelegten Optimismus gibt es hierzulande sehr wenig Anlass, fuer eine Massentherapie allerdings sehr viel.

Peter Ridder / 30.05.2021

Viele Runden dieser Gesprächsreihe berücksichtigen mE zu wenig, daß Europa im 21ten Jahrhundert keine ernst zu nehmende Rolle spielt. Wie sich die Welt entwickelt, welches System erfolgreich ist, wird nicht hier entschieden. Und daher sind deutsche oder europäische Sonderwege, Kapriolen der Politik aktuellen Zuschnitts für die wirklichen global Player vollkommen egal. Bei uns wird alles diskutiert, nur nicht wie sich Europa im globalen Wettbewerb tatsächlich bewehren will.

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