indubio / 03.04.2020 / 12:00 / 13 / Seite ausdrucken

indubio – Eine Armlänge Abstand zur Angst

Burkhard Müller-Ullrich spricht mit dem Psychiater und Neuropsychologen Prof. Wolfgang Meins und Alexander Wendt, Autor des Buchs „Du Miststück – Meine Depression und ich“, über die psychischen Zustände, die durch Infektionsängste, Stillstand des öffentlichen Lebens, Quarantäne, Existenzbedrohung und Außerkraftsetzung von Freiheitsrechten entstehen. 

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toni Keller / 03.04.2020

@ Herr Kellmann, Ich fürchte Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen

Alexander Schilling / 03.04.2020

Auch Tacitus’ Erfahrungen mit einer Situation extremer Unfreiheit (Agr. 2,3 nos quid [ultimum] in seruitute [uidimus])—die dann vorliegt, wenn durch Schnüffelei sogar der freie Meinungsaustausch unterbunden ist (adempto per inquisitiones etiam loquendi audiendique commercio), führen zwangsläufig in eben die “Armlänge Abstand zur Angst”, von der in der heutigen Runde in ruhiger, beinahe entspannter Atmosphäre so sachkundig, und beinahe druckreif, gesprochen wird.—Ist es zu Ende, werden wir nicht nur andere, sondern gewissermaßen uns selbst überlebt haben (ibid. 3,2 non modo aliorum sed etiam nostri superstites sumus), und sei es nur, um zu beklagen, dass man Begabung und Fleiß leichter unterdrücken, als wieder aus dem Ärmel ziehen kann (ibid. 3,1 ingenia studiaque oppresseris facilius quam revocaveris).

Winfried Kellmann / 03.04.2020

Man muß sich das mal vorstellen: Jahrelang lebten wir in Vorahnung der großen Krise, dem Klimawandel. Jahrelang log sich die Gesamtgesellschaft fiebrig etwas vor. Dann kommt eine objektive “Krise”, vielleicht so gefährlich wie die Hongkong-Grippe in den 60ern. Niemand sah sie voraus, niemand ist schuld, und es wird begeistert zugegriffen. Endlich erlebt man etwas Existentielles und hat ein gemeinsames Schicksal! Lügen und Selbstbetrug sind eine anstrengende Angelegenheit - wenn dann wirklich etwas passiert, ist es eine Befreiung. Endlich mit der Wahrheit versöhnt, endlich wissenschaftlich verbürgte und unbezweifelte Orientierung, außer von den ewigen Zweiflern, doch die kennt man ja. Unterlegt mit zahllosen Einzelbeispielen menschlichen Leids und katastrophaler Krisenbewältigung - im Ausland. Das Warten auf den Krieg nährt die Sehnsucht nach ihm.  Bis man dann Opfer wird. Doch es wird ja alles nicht so schlimm! Schon die Finanzkrise hat uns gelehrt, daß Krisen mit Kankra eigentlich keine Krisen sind.  Heißa, ist das schön. Der Optimismus könnte nicht größer sein, daß sie, Kankra, die Viertel-nach-Zwölfte, die jetzige Krise einfach durch ihr unprätentiöses, Geborgenheit versprechendes Dasein meistert.  Man könnte sogar sagen, daß unsere Gesellschaft vor der Krise gesamtdepressiv war: Die Realität widersprach der Untergangsstimmung. Jetzt ist die Selbstisolation des Depressiven plötzlich nicht mehr abweichendes Verhalten, sondern normal.  Die Bedeutungslosigkeit des Individuums ist jetzt für die Gemeinschaft überlebenswichtig. Auch der zwanghafte Handwäscher ist versöhnt mit seiner Umwelt, denn sein Tun ist sinnvoll geworden und er kann es entspannter angehen. Die gegenwärtige Lust an der gemeinsamen Existenzbewältigung durch Staatszuschüsse wird in’s Gegenteil umschlagen, falls die Krise zur selbstgemachten, existentiellen, ökonomischen Krise wird, da dann guter Rat teuer ist.

E. Meierdierks / 03.04.2020

Das Grundvertrauen in unserer Gesellschaft ist noch relativ in Ordnung??? Da sollten wir wohl mal klären, was unter relativ zu verstehen ist. Mein relativ bedeutet: gar nicht.  Sie bemerken sehr richtig, daß entgegen vorheriger Ankündigungen zB die Unternehmenskredite jetzt doch wieder zum Schaden der mittelständischen Unternehmen und ihrer Mitarbeiter über die Banken laufen und 1,5 Minuten später ist es richtig, daß das Grundvertrauen relativ in Ordnung ist? Wenn “Hassrede! Kreisch! Die AfD ist schuld!” Montag noch richtig ist und Mittwoch die WHO die Pandemie erklärt? Nichts für ungut, aber wahrscheinlich leben wir nicht in der gleichen Blase ...

Gabriele H. Schulze / 03.04.2020

Goldene Zeiten für Misanthropen bzw. misanthropisch Angehauchte. Abstand, bitte!! Hauptsache, Gretas Wunsch/Befehl wurde erfüllt: Panik!

Marc Thorstein / 03.04.2020

Man sollte langsam mal, auch in diesem Medium wie mit den ärztlichen Kollegen geschehen, die immer noch von „nur eine kräftige Grippe“ sprachen, aufhören, alles zu verharmlosen und als hysterisch hinzustellen. Der Fachkollege sollte auch wissen, dass Emotionen nun einmal weder politisch korrekt noch im Kern steuerbar sind, also jegliche Bewertung von Emotionen als „richtig“ oder „falsch“, „übertrieben“ oder „angemessen“ ohnehin obsolet ist. Einzig und allein wird sinnvoll sein, wie wir mit diesen Emotionen umgehen, auch gemeinsam, wie wir sie teilen, anstatt das Gegenüber zu dafür zu kritisieren. Die Realität in Italien, Spanien, den USA und bald wohl auch hier macht ohnehin alles „Bewertende“ und jegliche intellektualisierende Abwehr beteiligter Affekte überflüssig. Wir sollten unsere ärztliche und psychotherapeutische Fachkompetenz lieber darauf konzentrieren, die Menschen und ihre Affekte durchaus akzeptierend zu containen, als herumzuschwurbeln!

toni Keller / 03.04.2020

Ich habe nur kurz reingehört und sofort wieder abgeschaltet! Leute, es gibt keine Seuche! All die gehypten Todeszahlen entsprechen den ganz normalen Todesraten! Es sterben nun mal täglich weltweit 150000 Menschen und dazu leisten wir uns täglich 129000 ganz kleine Menschen, die wir mittels Abtreibung auch noch aus der Welt schaffen, weil es eh besser ist, man doch keiner Frau zumuten kann, wegen so einem schreienden Gör auf irgendwas zu verzichten, und sowieso viel zu viele Menschen auf der Welt sind! Unter dem Standpunkt eines unvoreingenommenen Beobachters ist es fast kurios zu sehen, wie die Leute paniken, wenn sie die Befürchtung haben, dass die eigenen Kriterien auf einem selber angewendet werden könnten. All die Hysteriker, auch hier auf der Achse im Kommentarbereich, und vermehrt in anderen Medien und auch draussen in der Realität erwarten von der Gesellschaft, dass die sich einschränkt, dass sie alles opfert was sie ausmacht, nur damit man selber nicht etwas vorzeitig, an der Grippe stirbt. Was du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem andern zu, so einfach ist das. Weiter erschreckt mich die Vehemenz mit der nach harten Durchgreifen, noch mehr Verboten gerufen wird. Es kann sich ja jeder, der sich fürchtet, für vier Wochen, unterm Bett verkriechen, aber das von anderen zu fordern ist schon dreist!

Rainer Niersberger / 03.04.2020

Eine Ergänzung zum existentiellen Thema Resilienz : Wenn wir von ” der Gesellschaft” reden, sollten wir im Unterschied zu den suedostasiatischen Gesellschaften und im Unterschied zu einigen westlichen Gesellschaften einige Fakten angemessen berücksichtigen. Ob wir von einer! Gesellschaft ausgehen dürfen ist fraglich, eine homogene Gesellschaft gibt es nicht (mehr) und damit auch keine Gemeinschaft, was auch aber nicht allein mit den Menschen zu tun hat, immerhin etliche Millionen an der Zahl, die entgegen unserer Ideologen und Gutmenschen zwar abgreifen, aber nicht dazugehören wollen. Allerdings ziehen sich gewollte Spaltungserscheinungen auch durch den biodeutschen Teil, von denen ein nicht geringer Teil exakt “diese Gesellschaft” ablehnt. Die offensichtlichen Phaenomene sollten bei Fragen der Resilienz oder auch der Solidarität, eines der häufig von Links missbrauchten Begriffe,  nicht vergessen werden, vor allem in der vergleichenden Betrachtung mit anderen, die gänzlich auf die Migrationsbeglueckung verzichten. Die Unterschiedlichkeiten insbesondere im Verständnis von Recht und Rücksichtnahme und Recht des aggressiven Stärkeren gegenüber (schwächeren) Ungläubigen sind partiell heute schon sichtbar, duerften sich aber dramatisch verstärken, wenn die “Not” groesser wird.  Merkel und Co. wird es freuen, die tatsaechlich Betroffenen eher weniger. Vermutlich ist eine homogene Gesellschaft oder Gemeinschaft per se relisientet, wobei heute noch Verweichlichung, Verwoehnung und Wohlstandsverwahrlosung insbesondere der Prinzen und Prinzessinnen und deren Hipstereltern dazukommen.  Und Disziplin ist ebenso eine KZ-Tugend wie andere Sekundaertugenden geworden und verpönt wie auch Recht und Ordnung.  Der tribalistische Behemoth laesst gruessen.

Jens Richter / 03.04.2020

@Andreas Rühl: Morbus luxuriosus? Wohlstandsirresein? Wie wollen wir es nennen, wenn Menschen nach zwei Wochen auf der Fernsehcouch aus allen Nerven platzen? Was machen die eigentlich auf einem Kreuzfahrtschiff? Können die Menschen nicht mehr das Geringste aushalten? Und das mit Internetanschluss? Wie wär’s mit einem Online-Sprachkurs? Oder einer Einführung in die Mathematik der Mittelstufe (1965)? Dann würde man nicht so viel Blödsinn lesen im Zusammenhang mit einer Infektionsausbreitung.  Bücher lesen oder gar schreiben? Langeweile ist Denkfaulheit.

Werner Arning / 03.04.2020

Richtig, die „Waschzwangleute“ haben gewonnen. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass bestimmte Menschen, die unter Angststörungen, Somatisierungsstörungen, sozialen Phobien oder Zwängen litten, nun beobachten, dass sie ja relativ „normal“ sind. Dass es auch den Anderen, den „Gesunden“ so ergeht wie ihnen. Dieses scheint beruhigend auf sie zu wirken. Und auch die, die sich immer schon isoliert haben, wenig Sozialkontakte hatten, die fühlen sich in ihrer Lebensweise bestärkt, fühlen sich mitunter als „Krisengewinnler“. Denn nun sind sie es, die sich (immer schon) normal verhalten haben und die Anderen eifern ihnen nun, wenn auch gezwungenermaßen, nach. Der „Angstgestörte“ wird zum Modell für die Gesellschaft. Er gilt als Vorbild, er macht jetzt alles richtig. Und mit seiner Angst etwa vor Krankheit und Ansteckung steht er nicht mehr allein da. Er fällt nicht mehr auf. Seine Angst ist die Angst von Jedermann und dieses Gefühl nun endlich wie alle anderen zu sein, wirkt wohl auf manchen psychisch Gestörten befreiend, Er wächst nun geradezu über sich hinaus, ist guter Laune und gibt den Anderen Ratschläge, wie sie sich zu schützen haben. So kommt Corona für den ein oder anderen wie gerufen. Seien ihnen diese Gefühle gegönnt.

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