Wo immer man in der Debatte um die neuen deutschen Verhältnisse stehen mag, fast alle Kommentatoren - von rechts bis links – scheinen einer Meinung zu sein, wenn es um die FDP geht: sie gilt als der eigentliche Verlierer der Landtagswahlen in Hessen und Hamburg. Das Handelsblatt warnt die Liberalen vor dem Weg ins Abseits, während die ZEIT die FDP bereits Im liberalen Abseits angekommen sieht.
Dabei wird den FDP-Parteistrategen vor allem vorgehalten, zu halsstarrig dem politischen Lagerdenken verfallen zu sein, also zu dogmatisch an Bündnissen mit der CDU festzuhalten, und zu wenig pragmatische Flexibilität erkennen zu lassen.
Keine Frage: die FDP wird nach den Wahlen in Hessen und Hamburg umdenken müßen. Dabei sind die politischen Bedingungen für die Liberalen sehr viel besser als allgemein angenommen wird. Durch den dramatischen Linksruck der SPD entsteht jetzt in der politischen Mitte eine breite Lücke, eine unschätzbar wertvolle Position, die von den Sozialdemokraten freiwillig aufgegen wurde und von der SPD in ihrer jetzigen Verfassung nicht auszufüllen ist. Diese politische Marktlücke nun selbstbewußt für sich in Anspruch zu nehmen - bevor die Grünen auf dieselbe Idee kommen -, dürfte jetzt eine der dringlichen Aufgaben der FDP-Führung sein. Dazu gehört vor allem eine deutliche Neupositionierung der Liberalen in Hessen.
Eine Ampel-Koalition ist unter gegenwärtigen Bedingungen natürlich undenkbar. Nicht einmal der linksliberale Flügel der FDP ruft danach. Freilich könnte eine pfiffige FDP den Sozialdemokraten schon jetzt ein indirektes Angebot unterbreiten, das der nach einer Ampel-Koalition verlangenden SPD den Wind aus den Segeln nehmen würde. Wenn nicht alles täuscht, düfte es in Hessen schon bald zu Neuwahlen kommen. Die FDP könnte sich durch einen politisch mutigen Schachzug mit einem Schlag aus der politischen Defensive befreien: sie müßten sich als Partei der Mitte grundsätzlich zu einer Koalition mit der stärksten aus den nächsten Landtagswahlen hervorgehenden Partei bereit erklären, sei es nun die CDU oder die SPD.
