Volker Seitz / 11.01.2021 / 10:00 / Foto: Pixabay / 8 / Seite ausdrucken

In der „Perle Afrikas“ wird am 14. Januar gewählt

Als die „Perle Afrikas“ bezeichnete einst Winston Churchill Uganda. Das ehemalige britische Protektorat Uganda (Hauptstadt Kampala) in Ostafrika grenzt an Südsudan, Kenia, Tansania, Ruanda und die Demokratische Republik Kongo. Nach der Unabhängigkeit folgten zwei Jahrzehnte voller Unruhen und Machtkämpfe. Von 1966 bis 1986 wurde das Land von den brutalen Gewaltherrschern Milton Obote (1962–1971 und 1980–1985) und Idi Amin (1971–1979) regiert. Während ihrer Amtszeit wurden Oppositionspolitiker verfolgt. Idi Amin legte sich den Titel „His Excellency, President for Life, Field Marshal Al Hadji, Doctor Idi Amin, Lord of all the Beasts of the Earth and Fishes of the Seas and Conqueror of the British Empire in Africa in General and Uganda in Particular“ zu. Bis zu 400.000 Menschen sollen während seiner achtjährigen Diktatur verschwunden sein. Asiatische Ugander, die im Handel bestimmend waren, wurden des Landes verwiesen. 1979 wurde Kampala von tansanischen Truppen und Exilugandern eingenommen. Amin floh über Libyen und den Irak ins Exil in Saudi-Arabien, wo er 2003 starb. In dem Film „Der letzte König von Schottland – In den Fängen der Macht“ (2006) wurde das Leben von Idi Amin (gespielt von Forest Whitaker) nachgezeichnet.

Die Ugander unter 35 Jahren – und das sind mehr als drei Viertel der Bevölkerung – kennen als Präsidenten nur Yoweri Kaguta Museveni. 1986 kam er durch einen bewaffneten Aufstand an die Macht. Museveni (ein Hirtensohn von der Ethnie der Hima) ist einer jener afrikanischen Herrscher, die sich an die Macht klammern. 1986 eroberte er mit seinen Rebellen die Hauptstadt Kampala und rief sich zum Staatsoberhaupt aus. Er versprach seinerzeit, die Amtsgeschäfte rechtzeitig zu übergeben. „Afrikas Problem sind Politiker, die nicht von der Macht lassen können", sagte er damals. 2021 regiert er immer noch und hofft auf eine sechste Amtszeit. Entsprechend der Verfassung von 1995 hätte er 2005 nicht mehr kandidieren dürfen. Er ließ jedoch 2004 die Begrenzung der Amtszeit aufheben. Während der letzten Wahl vor fünf Jahren, als er nach seinem Rücktritt gefragt wurde, sagte er: „Wie kann ich aus einer Bananenplantage austreten, die ich gepflanzt habe und bereits Früchte trägt?“ In der Zeit seiner Herrschaft hat sich in der Tat die politische Stabilität und wirtschaftliche Lage Ugandas – trotz Korruption (Teile des Haushalts werden als geheim eingestuft) und Misswirtschaft – verbessert. Aber 15 Prozent der jungen Menschen sind arbeitslos und über 21 Prozent der Bevölkerung leben in Armut.

Museveni hat es geschafft, sich an der Macht zu halten, indem er einen Personenkult und Klientelismus förderte, unabhängige Institutionen verhinderte und Gegner ausschaltete. Eine unabhängige Justiz und Grundrechte werden durch politische Einflussnahme und Einschüchterung unterlaufen. Kizza Besigye vom oppositionellen Forum für demokratischen Wandel, einst Musevenis Leibarzt, trat bei den Wahlen 2001 erstmals gegen ihn an. Er wurde wegen Hochverrat und Vergewaltigung strafrechtlich verfolgt und inhaftiert.

Die am schnellsten wachsende Bevölkerung

Bobi Wine (38), ein Sänger, der eigentlich Robert Kyagulanyi heißt, ist ein aussichtsreicher Herausforderer bei den Wahlen am 14. Januar. Er wurde mehrfach verhaftet und schwer misshandelt. Während der Proteste im November 2020, die auf die Verhaftung von Bobi Wine folgten, wurden 54 Menschen getötet. Vor allem bei der Jugend gilt Wine als Hoffnungsträger. Uganda hat die am schnellsten wachsende Bevölkerung mit einem Durchschnittsalter von 16 Jahren. Die Einwohnerzahl ist seit 1986 von 15 auf 47 Millionen gestiegen. Dennoch gibt es in etwa 260 Bezirken im Land keine staatlichen Schulen, oft nicht einmal Privatschulen. Rund die Hälfte der Bevölkerung ist im schulfähigen Alter. Es fehlen jedoch 10.000 Lehrer. Der Grund scheint die geringe Bezahlung zu sein. Zu den 3.000 privaten Sekundärschulen kommen lediglich 1.000 staatliche weiterführende Schulen. Bildungsministerin seit 2016 ist Janet Museveni, die Frau von Staatspräsident Yoweri Museveni.

Ein Sieg Musevenis bei den Wahlen am 14. Januar ist wahrscheinlich. Es ist zu befürchten, dass Museveni die Macht nicht friedlich abgeben wird. Je länger Museveni an der Macht bleibt, desto repressiver wird das politische System. Deutschland und die EU werden – auch im Namen der „Entwicklungszusammenarbeit“ – das „freie und faire“ Wahl-Ergebnis auch diesmal hinnehmen – egal wie es zustande kommt. Sie werden höchstens von ein paar Unregelmäßigkeiten reden. Sie sehen trotz einer verbreiteten Unzufriedenheit über Musevenis Amtsführung seine Wiederwahl als „Stabilität“. Obwohl die Opposition (Museveni: es sind vom Ausland bezahlte Agenten und Homosexuelle) verfolgt wird, sieht Entwicklungsminister Müller keinen Grund, sich aus dem Land zurückzuziehen oder wenigstens Rechtsstaatlichkeit, bessere Regierungsführung oder den Kampf gegen Korruption anzumahnen.


Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“. Die aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe erschien im September 2018. Drei Nachauflagen folgten 2019 und 2020. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.

Foto: Pixabay

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Karola Sunck / 11.01.2021

Wahlen in Afrika brauchen im Grunde genommen gar nicht stattfinden, es steht schon viel früher, lange vor der Wahl fest, wer gewinnt. Alles nur eine Art demokratische Fassade um den Anschein zu wahren. Eventuelle Ähnlichkeiten bei Wahlen in Deutschland und den USA sind wohl nur ein Versehen.

Horst Jungsbluth / 11.01.2021

V. S. Naipaul erwähnt in seinem Buch “An der Biegung des großen Flusses” die Namen der Städte und Staaten der Handlungen nicht, aber er schreibt konkret von dem afrikanischen “Paris” Bujumbura (Hauptstadt von Burundi) und von Uganda, der afrikanischen “Perle”. Leider sieht es wohl heute ganz anders aus, da mörderische Stammesfehden und und ebensolche Despoten diese beiden Staaten weit zurückgeworfen haben.  Uganda importiert wertmäßig das Doppelte, was es exportiert und hält sich über Wasser mit Entwicklungshilfe und Rücküberweisungen, wobei die normale Bevölkerung wohl wenig davon hat. Idi Amin hat die fleißigen Asiaten aus dem Land getrieben, schlimmste Verbrechen begangen und seine Nachfolger sind wohl nicht ganz so grausam, aber ebenso geldgierig und unfähig. Das Problem wohl (fast) aller afrikanischen Staaten ist, dass die despotischen Strukturen keine vernünftige Verwaltung und Justiz zulassen und die Hilfsgelder das alles eher zementieren. Was tut eigentlich die UNO?

Marc Greiner / 11.01.2021

Na ja, freie und faire Wahlen gibt es ja nicht einmal mehr in Amerika! Überall wird gebogen und betrogen. Und falls nötig, wiederholt.

Richard Loewe / 11.01.2021

sehr schoene Parabel auf Biden. Besonders das mit der Bananenplantage, die er vor 48 Jahren gepflanzt hat und mit den freien und fairen Wahlen. Bloed nur fuer Biden, dass er Ostern im Altersheim verbringen muss und nicht wie Museveni President sein wird.

Hans Buschmann / 11.01.2021

Deutschland nähert sich in beunruhigendem Maße den Zuständen in Uganda an.

Klaus Klinner / 11.01.2021

Lieber Herr Seitz, Ihre Beiträge lese ich regelmäßig und mit Gewinn. Sie sind eine ergiebige Wissensquelle.

Jürgen Fischer / 11.01.2021

„Afrikas Problem sind Politiker, die nicht von der Macht lassen können“ - Dazu müssen wir nicht nach Afrika schauen. Zum Fremdschämen ist außerdem (wieder mal) die Rolle - oder besser Nichtfunktion - des Ministers Müller. Aber wir hatten ja schonmal einen Politiker, der das Amt des Entwicklungshilfeministers abschaffen wollte. Als er es dann selber wurde, wollte er nichts mehr davon wissen. Gleiches Schema allerorten …

Wilfried Cremer / 11.01.2021

Guten Tag Herr Seitz, Herr Museveni und Frau Merkel sind in punkto Machtgeilheit vom gleichen Schlage. Sekundäre äußerliche Unterschiede zu betonen, wäre doch Rassismus.

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Volker Seitz / 22.01.2021 / 15:00 / 8

Afrika-ABC in Zitaten: Frauen

Fehlender Respekt und Gewaltbereitschaft gegenüber Frauen sind in einigen Staaten tief verwurzelt. In afrikanischen Ländern ist doch meist der Mann der Chef im Haus. Nigerias…/ mehr

Volker Seitz / 21.01.2021 / 15:00 / 6

Afrika-ABC in Zitaten: Erwartungen der Familie an Migranten

Erwartungen der Familie an Migranten Die senegalesische Schriftstellerin Fatou Diome in ihrem Roman „Ketala“, Diogenes-TB 2009 und 2019: „Während Makhous Eltern sich mit seinen gelegentlichen spontanen…/ mehr

Volker Seitz / 20.01.2021 / 15:00 / 5

Afrika-ABC in Zitaten: Entwicklungshilfe

Der Hang zum Paternalismus und Samaritertum herrscht im westlichen Afrikaengagement vor. In meinem Beruf habe ich immer wieder festgestellt, dass der Idealismus mit der Entfernung zum…/ mehr

Volker Seitz / 19.01.2021 / 15:00 / 11

Afrika-ABC in Zitaten: China in Afrika

In einem Interview mit der Deutschen-Welle-TV vom 6.11.2012 erklärte James Shikwati, Gründer des Wirtschaftsmagazins „The New African Executive“ und Direktor des marktliberalen Think Tanks, IREN-Institut…/ mehr

Volker Seitz / 18.01.2021 / 10:00 / 13

Afrika-ABC in Zitaten: Brückenphilosophie

In der Satire „Die Durchsichtigen“ macht sich der angolanische Schriftsteller Ondjaki auch Gedanken über die Brückenphilosophie: „In Angola wird zu viel gearbeitet“. „Und wie weit…/ mehr

Volker Seitz / 17.01.2021 / 15:00 / 5

Afrika-ABC in Zitaten: Bleichungsmittel, Brautpreis und Brain Drain

Bleichungsmittel Alain Mabanckou sagt („Zerbrochenes Glas“, Liebeskind, 2013 S. 38): „Afrikanerinnen lassen sich die Haut bleichen und die Haare glattziehen, damit sie aussehen wie die Weißen…/ mehr

Volker Seitz / 16.01.2021 / 11:00 / 16

Afrika-ABC in Zitaten: Beschneidung

BeschneidungDie weibliche Beschneidung, oder die Genitalverstümmelung an Frauen, wie sie heute richtiger bezeichnet wird, kommt hauptsächlich in 28 Ländern Afrikas vor. Zwei Millionen Mädchen und…/ mehr

Volker Seitz / 15.01.2021 / 15:00 / 0

Afrika-ABC in Zitaten: Afrikapolitik der USA

Afrikapolitik der USAChristian Pusch, Afrika-Korrespondent der WELT, interviewte am 25.11.2020 den südafrikanischen Wirtschaftsjournalisten und erfolgreichen Buchautor Moeletsi Mbeki und befragte ihn nach der Afrikapolitik unter…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com