Bernd Leber, Gastautor / 10.08.2017 / 11:49 / 4 / Seite ausdrucken

In der Flüchtlingsfalle: Der NDR verliert die Übersicht

Von Bernd Leber.

Der von mir ansonsten sehr geschätzte ARD-Radiosender „NDR Info“, der mich viertelstündlich mit Nachrichten versorgt, hängt, wie so viele der sogenannten Qualitätsmedien in Deutschland, der verbreiteten Sprachregelung an, sämtliche Migranten (wenn nicht gar alle Ausländer) pauschal als Flüchtlinge zu bezeichnen. Dies ist wohl auch der Grund dafür, dass in den letzten Tagen zu zwei aktuellen Themen in der Berichterstattung wieder mal ärgerlicher Unsinn verzapft wurde:

- Zur zeitweiligen Aussetzung von Abschiebungen von Ausreisepflichtigen nach Afghanistan berichtete der Sender am 9.8.17, dass derzeit „keine Flüchtlinge nach Afghanistan abgeschoben“ würden. Richtig ist, dass aus Deutschland zu keinem Zeitpunkt Flüchtlinge irgendwohin abgeschoben werden, denn das wäre ein Verstoß gegen das Grundgesetz wie gegen die Genfer Flüchtlingskonvention. Es geht vielmehr - wie sich auch aus der im Bericht zitierten Verlautbarung des Bundesamtes für Flüchtlinge (BAMF) ergab - um ausreisepflichtige abgelehnte Asylbewerber. Und das sind eben keine Flüchtlinge. 

- Zur Wirkung der zeitweisen Aussetzung der Vorbehaltsprüfung bei der Arbeitsaufnahme von Asylbewerbern, Flüchtlingen und geduldeten Ausländern durch das Arbeitsministerium berichtet der NDR am 10.8.17, dass diese Regelung auch „geduldeten Flüchtlingen“ zugute kommt. Der absurde Begriff „geduldeter Flüchtling“ ist ein rechtlicher Widerspruch in sich: Es geht vielmehr auch hier um ausreisepflichtige abgelehnte Asylbewerber, deren Abschiebung zeitweise ausgesetzt wird. Und auch das sind ausdrücklich keine Flüchtlinge.

Der NDR tappt da offenbar in die selbst gestellte begriffliche Flüchtlings-Falle. Bisherige Versuche, den Sender mit Hinweisen auf solche Fehlinformationen zu einer korrekten Berichterstattung zu veranlassen, wurden noch nicht einmal einer Reaktion für würdig befunden. Da hilft nur der (abgewandelte) Skakespeare, wer sonst: „Ist es auch Unsinn, so hat es doch Methode.“

Bernd Leber, Diplom-Pädagoge und Diplomsoziologe beschäftigt sich seit Jahren mit Fragen der Wanderung und Integration. Er war u.a. Programme Officer beim Hochkommissar für Flüchtlinge der UN in Kenia

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Wolfgang Kaufmann / 11.08.2017

Die Redakteure (Fachrichtung Volksaufklärung und Propaganda?) scheinen IQ-Flüchtlinge zu sein. In keiner anderen Branche könnten sie mit derart ignorantem Murks gutes Geld verdienen. Ist es auch Wahnsinn, so ist es doch eine Kollektivneurose!

Thomas Koch / 11.08.2017

Ich glaube nicht, dass der NDR und die anderen Qualtätsmedien da in eine Falle tappen, sondern dass das mit Absicht so formuliert wird. Das ist Teil der Propaganda, mit der die Bevölkerung für dumm verkauft werden soll. Das Verbiegen und Umdeuten von Begriffen ist ein wesentliches Merkmal links-grüner, gendergeschwängerter Ideologen.

Dalek Sander / 11.08.2017

Vielleicht reden die Journalisten von NDR INFO von der Gewohnheit mancher illegal in Deutschland lebender Ausländer, beim Anblick eines Polizeibeamten kurzerhand die Flucht zu ergreifen. Oder gleich die Flucht nach vorn, etwa in Barmbek. Oder gar kreuz und quer durch Europa nach Italien zu fliehen, wie der Mörder Asid Amri. Lauter Dr. Kimble-Clones, wohin das Auge reicht… Mit anderen Worten: Herr Leber, danke für Ihren Beitrag, aber bei NDR Info scheint jede entsprechende Rückfrage, darunter auch einige von mir, in einer kafkaesken Endlosschleife hängen zu bleiben. Der Sender ist nicht einmal mehr bei den Verkehrsdurchsagen glaubwürdig.

Rudolf George / 11.08.2017

Wahrscheinlich liegt die ausbleibende Reaktion daran, dass alle beim NDR von der Gender-Beauftragten in Beschlag genommen wurden, damit zukünftig nur noch von Geflüchteten die Rede ist.

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