Gunter Weißgerber, langjähriger SPD-Parlamentarier im Bundestag, schrieb einen offenen Brief an den CDU-Bundeskanzler-Kandidaten Friedrich Merz, in dem er auf die Abstimmung vom vergangenen Freitag Bezug nimmt. Wir dokumentieren sein Schreiben:
Friedrich Merz MdB
Die CDU und die Bundestagswahl am 23. Februar 2025
Sehr geehrter Kollege Merz,
in den letzten Tagen bewiesen Sie Mumm, Konsequenz, eingängige Eloquenz. Dazu möchte ich Ihnen gratulieren. Seien Sie sicher, zwei Drittel der Bevölkerung atmeten auf. Schöpften sogar Hoffnung.
Als Sozialdemokrat, seit 2019 wieder ohne Parteibuch wie vor 1989, der sich immer gegen das Salonfähigmachen von Linksaußen, auch zum Schutz vor einem daraus folgenden Aufschwung von Rechtsaußen, verwahrte, sage ich ihnen mit dem Selbstbewusstsein eines Demokraten, das Parlament ist der Ort der Diskussion, der Entscheidungsfindung, der Abstimmung.
Nie spielte für meine frühere Partei in den Zeiten meiner Bundestagszugehörigkeit eine Rolle, wer ihr im Parlament zustimmt. Jede Stimme zählte. Egal von wem. Angenehmer waren Zustimmungen aus den Reihen der demokratischen Konkurrenz. Etwaige Zustimmungen aus dem Pulk der vormaligen Diktatur- und MfS-Partei SED (SED-PDS, PDS, Linke) wurden nicht gesucht, abgewiesen wurden die nie! Der Zeitgeist nannte das Demokratie.
Bleiben Sie bitte auf diesem Weg der Mehrheitsfindung im Parlament. Scheren Sie sich nicht um die wieder aufgenommen Hass- und Hetzelustbarkeiten gegen CDU/CSU. Helmut Kohl jedenfalls stand da immer sehr erfolgreich drüber. Wohlwissend, die strukturelle Mehrheit der Bevölkerung ist konservativ, will keine Experimente, dafür Sicherheit im Inneren wie im Äußeren.
Helmut Kohl und Franz-Josef Strauß hätten auch niemals eine Transformation ins Wirre zugelassen. Preiswerte Energie sahen die beiden Herren ebenso alternativlos für die Existenz der Bundesrepublik wie die Sicherheit im westlichen Bündnis und die tatsächliche Solidarität mit Israel.
Was das westliche Bündnis und Israel angeht, stehen Sie nach meinem Eindruck noch immer dort, wo die Union seit 1949 immer stand. Bitte bleiben Sie dabei.
Der ökologisch-sektiererisch basierte Rückbau Deutschlands in Gesellschaft, Wirtschaft, Automobilbau, Energieversorgung, Forschung und Wissenschaft harrt dagegen noch ihrer glaubwürdigen Ablehnung. Hier müssen Sie unbedingt noch vor der Wahl liefern.
Was Meinungsfreiheit und Zensur angehen, nehmen Sie sich bitte eine Anleihe bei der neuen US-Administration. Das schreibe ich auch, weil ich annehme, dass der erste Verfassungszusatz der US-Verfassung – Stichwort Meinungsfreiheit – in Kürze eine herausragende Rolle in der Kommunikation mit der demokratischen Führungsmacht der westlichen Welt spielen wird. Wäre ich Präsident Trump, würde ich vor Verhandlungen mit der EU und Deutschland eine Vorbedingung nennen, die da hieße
„Wir verhandeln nur mit unseren westlichen Partnern, wenn die umfassende Meinungs- und Informationsfreiheit garantieren. Basta!“
Sehr geehrter Kollege Merz, in meiner engeren und weiteren Umgebung bemerke ich Positionsveränderungen hinsichtlich der kommenden Bundestagswahl und speziell in der Sicht auf die Union. Vor kurzem noch unentschlossen, wen zu wählen, weil die Adressaten für das Kreuz an der richtigen Stelle verloren waren, nähert sich nach meinem Dafürhalten ein größerer Teil des Wahlbürgertums der Union wieder an. Viele Menschen überlegen, ihnen und CDU/CSU sozusagen als Vorschuss ihre Stimme zu geben. „Dem Mann müssen wir auf die Schulter klopfen!“, so höre ich das.
Falls das so geschieht, lieber Kollege Merz, dann nehmen Sie diese Wahlstimmen bitte nur als Vorschuss auf ihr Versprechen, Deutschland wieder in Ordnung bringen zu wollen. Halten Sie dieses Versprechen nicht, dann tragen Sie Mitverantwortung für eine/n AfD-Kanzler ab 2029. Die Leute haben den Kanal bis obenhin voll.
Beste Grüße und noch besseres Gelingen
Gunter Weißgerber
02.02.2025
P.S.: Ich erlaube mir, diesen Brief zu veröffentlichen.
Redaktioneller Hinweis: Gunter Weißgerber (Jahrgang 1955) trat am 8. Oktober 1989 in das Neue Forum ein und war am 7. November 1989 Gründungsmitglied der Leipziger SDP. Für die SDP/SPD sprach er regelmäßige als Redner der Leipziger Montagsdemonstrationen 1989/90. Er war von 1990 bis 2009 Bundestagsabgeordneter und in dieser Zeit 15 Jahre Vorsitzender der sächsischen Landesgruppe der SPD-Bundestagsfraktion (1990 bis 2005). Den Deutschen Bundestag verließ er 2009 aus freier Entscheidung. 2019 trat er aus der SPD aus. Die Gründe dafür erläutert er hier. Er sieht sich, wie schon mal bis 1989, wieder als “Sozialdemokrat ohne Parteibuch”. Weißgerber ist studierter Ingenieur für Tiefbohr-Technologie. Er ist derzeit Unternehmensberater und Publizist.

Herr Weißgerber, Sie sind – wie ich – im Osten aufgewachsen, haben diese gruselige Ost-Diktatur „genießen“ dürfen und schreiben solch einen Brief (Pamphlet), unglaublich! Haben Sie ALLES vergessen?
Apropos Mumm, kann es sein, dass Merz diesen nicht bewiesen, sondern auf der Laschet-Party in zu großer Menge getrunken hat? Den gleichnamigen Sekt meine ich. Das ist für mich viel wahrscheinlicher.
Meine Güte,was für ein erbärmliches Schauspiel nach dem Schauspiel.
Man muss sich mal vergegenwärtigen,dass dieser vollkommen naive Mensch,der diesen lächerlichen Brief geschrieben hat,
noch vor garnicht so langer Zeit im Bundestag bei der (eingebildeten) Elite gesessen ist. Wie blöd muss man eigentlich sein, um einem Merz,der alle
AFD – Wähler als Gesindel bezeichnet hat,einen solchen, vor Naivität triefenden , Brief zu schicken.Herr Weißgerber beherrscht es mit offenen Augen zu schlafen.Merz ist ein Blender,ein Schaumschläger vor dem Herrn.Und zu glauben,dass sich mit diesem Herrn auch nur 0,001 Prozent ändert ist an Naivität und Dummheit nicht mehr zu überbieten.
Das Treffen bei der Lusche Laschet müsste selbst den Allerdümmsten aus dem Schlaf gerissen haben oder glauben Sie ,Herr Weißgerber,dass man sich da nur zufällig zum Smalltalk getroffen hat ? Ausgerechnet bei der Lusche Laschet ?
Aber eigentlich überrascht mich das alles nicht mehr.Ich z.Bsp. käme im Leben nicht auch nur auf den Gedanken Merz als meinen Kollegen zu bezeichnen,
so wie Herr Weißgerber dies im letzten Abschnitt tut.
Merz ist kein Kollege,er ist ein Feind.Ihnen,Herr Weißgerber und Ihrem Kollegen Herrn Merz,wünsche ich,dass die AFD schon im März 2025 die Kanzlerin stellt
und den Blockparteien wünsche ich den verdienten Untergang,vorher aber den Gang vor ordentliche Gerichte.
Ach,hätte ich beinahe vergessen Herr Weißgerber :
Auch ich bin ein Demokrat,nur habe ich es nicht nötig dies öffentlich herauszuposaunen.Wer dies nötig hat,ist kein Demokrat,sondern das genaue Gegenteil…
Mit 2G- Merz vom Regen unter die Traufe. Höhere Beiträge für ePA-Verweigerer? Es geht schon wieder los. Nein danke, Merz ist nicht die Lösung, sondern Teil des Problems.
Und hat der Herr Merz diesen Brief am Umtrunk bei Laschet seinen grünen Freunden denn schon vorlesen können ?
Und was haben seine grünen Freunde dazu gesagt ? Und wie sehr haben sie darüber gelacht ? Schenkel geklopft ?
Ich frage für einen Freund – allerdings keinen grünen …
@Hjalmar Kreutzer – Trotz (oder wegen) Ihres leider verunglückten Versuchs, den Ar***gang des Kanzlerkandidaten auf Grundeis latinisiert zu entschärfen, möchte ich Ihnen zustimmen. Es gibt tatsächlich etliche Programmpunkte der CDU, die die Koalitionsfähigkeit mit der AfD nachgerade ausschließen. Das sage ich aus der AfD-Perspektive! Wer wie Merz ruft, dass mit ihm nicht zu verhandeln sei, hat sich als vertrauenswürdiger Volksvertreter disqualifiziert! Seine Führungslobbyisten werden sich neu orientieren müssen. Ein Wahlsieg der CDU am 23. Februar müsste als „Unfall“ der Demokratie angesehen und folglich rückgängig gemacht werden. Die Antifa, der Veranstalter von Antifa-Events Campact, das Geheimmedium Correctiv und Genosse Weißgerber können sich beruhigen. Der Krieg bleibt in den richtigen Händen.
Ich würde sagen, der Mumm war eher Zugzwang. Hätte Merz mit der Rest-Ampel gestimmt, dann wäre er als Merkels Bettvorleger gelandet und hätte auch sämtliche Ambitionen auf das Kanzleramt begraben können. Jetzt hat er sich etwas Luft verschafft, mal sehen was er daraus macht.