
@Ralf Schmode: Jeder halbwegs aufgeweckte Schüler kennt Fettalkohole. Gewinnung durch Hydrierung von Fettsäuren.
Ralf Schmode hat völlig recht. So einfach brennt man aus Fett keinen Schnaps. Ein netter PR Gag. Nach ein paar Wochen kochgeistiger Interpretationsergüssen der Fachwelt über diese Schnapsidee, nach dem Motto, ist es Kunst und im Sinne Beuys, holt man die Katze in diesem Fall das Fett wieder aus dem Sack. Auf die Frage, ob er sein Publikum verarschen wolle, hatte Beuys mal mit einem klaren ja geantwortet. Die Aktion dürfte also in seinem Sinne sein. Da es auch auf dem Kunstmarkt um Beuys eher ruhig geworden ist, könnte es sich bei der Schnapsidee auch um eine marktstützende Solidaraktion für die armen Artconsulter handeln. Bei deren Rückkaufsgarantien mit Wertsteigerung wäre das hilfreich. Manus manum lavat oder dann mal prost.
Die Beuys’sche Lüge war reiner Selbstschutz, denn er wollte nicht jedem daher gelaufenen Journalisten in epischer Breite darlegen, warum er für seine Kunst vornehmlich die Materialien Fett und Filz verwendet. Also erfand er ein Märchen, das niemand vergisst, der es gehört hat, und das dennoch das wesentliche der Frage nach Fett und Filz beantwortet. Dass Johannes Stüttgen über die Entfernung der Düsseldorfer Fettecke zürnte, wird sofort verständlich, wenn man darauf hinweist, dass er bei ihrer Anbringung live zugegen war, wie in seinem Buch Zeitstau belegt ist. Und was den Schnaps (den ja bekanntlich der Teufel gemacht hat) angeht, hat sich mein Vorkommentator schon ausführlichst ausgelassen.
Schön, hier immer Informationen zu finden, die man sonst vergeblich sucht.
Dass “Intellelle” es mit den Naturwissenschaften nicht so haben (und damit ideale Opfer sind für esoterischen Schwachsinn wie Chemtrails, Homöopathie und Energiewende) ist ja hinlänglich bekannt. Deshalb hätten die Protagonisten dieser Story um Fett, Ruhm und Geld sich vielleicht mal bei jemandem erkundigen sollen, der sich mit sowas auskennt. Dann hätten sie erfahren, dass man aus Fett keinen Schnaps brennen kann, weil vom Fett zum Ethylalkohol, ohne den es keinen Schnaps gibt, kein Weg führt, jedenfalls nicht ohne aggressive Chemie. Früher wäre so etwas jedem halbwegs aufgeweckten Schüler aufgefallen, und in den Redaktionen gab es Wissenschaftsredakteure, durch die derart grober Unfug ausgesiebt wurde. Aber in einer Zeit, in der man in den Schulen seinen Namen tanzt, sich “gegen Rechts” positioniert und Wissenschaftsredakteure durch Greenpeace-Merchandiser ersetzt wurden, darf man wohl selbst ein Minimum an Recherchetätigkeit nicht mehr erwarten.
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