Eine spannende Analyse der neuen globalen Superklasse liefert der US-Autor David Rothkopf. Zwar verfällt er ein wenig der Versuchung, die weltweiten Netzwerke aus Fondschefs, (Ex-)Politikern, Firmenlenkern und Popstars zu ironisieren. Doch die Lektüre macht dennoch klar: Diese länder- und funktionsübergreifenden inoffiziellen Zirkel Netzwerke haben richtig Macht. Damit ist ebenso klar: Für das Ansehen eines Landes ist es gut, wenn seine Entscheidungsträger in den Foren der Superklasse Präsenz zeigen. Und das heißt auch: Deutschland hat hier ein Problem. Auf internationalem Parkett sind wir nämlich unterrepräsentiert. Und zwar zurecht. Denn mal ehrlich – kann man sich, sagen wir, Kurt Beck im lässigen Geplauder mit Bono oder Stephen Schwarzman vorstellen? Kann man nicht, weil Beck a) vermutlich kein Englisch kann, b) dem Small Talk etwa über zeitgenössische Kunst eher abhold sein dürfte und c) sowieso lieber mit dem, was er „de Leud“ nennt, verkehrt. Er ist, einfach gesagt, zu provinziell. Diese Provinzialität, diese kleinbürgerliche Nivelliermentalität herrscht vielerorts im Land. Ein Grund dafür: die gut gelernte Rhetorik, die alles Provinzielle mit einer Aura des Authentischen, Erdigen, Unverdorbenen versieht.