Jennifer Nathalie Pyka (Archiv) / 29.11.2013 / 05:51 / 8 / Seite ausdrucken

Im Zweifel für Ruprecht Polenz

Es ist nicht immer leicht, ein kritischer Freund Israels zu sein. Tagein tagaus engagiert man sich, klopft den Israelis auf die Finger, belehrt sie, erklärt ihnen Demokratie und Frieden, maßregelt sie, und doch wird man nicht entsprechend gewürdigt.  Stetig versucht man, im Wettbewerb mit Dialog orientierten Rentnern, passionierten Leserbriefschreibern und promovierten Schreibtisch-Aktivisten zu bestehen. Dabei gelingt es allerdings nur wenigen, sich nach Art der Langer sowie der Butler mit Bundesverdienstkreuz oder Adorno schmücken zu können.

So kann es also passieren, dass auch wahre Kapazitäten der freundschaftlichen Israelkritik manchmal zu kurz kommen. Vergessene Vermittler, unterbewertete Unterhändler. Einer davon kommt ursprünglich aus Münster, hielt sich dann fast ebenso lang auf Facebook wie im Bundestag auf und arbeitet nun als „Fellow“ für das „Istanbul Policy Center“ an der Völkerverständigung im Nahen Osten. Die Rede ist, Sie ahnen es schon, von Ruprecht Polenz (CDU) - dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses a.D., der sich nicht nur als Generalsekretär mit extrem kurzer Haltbarkeit, sondern auch als äußerst engagierter Freund Israels einen Namen gemacht hat.

Dabei kam Polenz seiner selbst auferlegten Verpflichtung, gerade als Freund den Freund kritisieren zu müssen, nicht nur nach. Er übertraf sich in dieser Disziplin sogar. „Im Zweifel für die Meinungsfreiheit“ bot er sowohl Verschwörungstheoretikern und Hamas-Sympathisanten als auch Holocaustleugnern auf seiner Facebook-Seite Asyl. Das Säbelrasseln der israelischen Regierung raubte ihm ebenso den Schlaf wie die Blockade des Gazastreifens und die Umtriebe jüdischer Häuslebauer. Im Gegenzug konnte sich kein Reporter der Haaretz, kein palästinensischer Vollzeitaktivist, ja, nicht einmal Jakob Augstein seiner Unterstützung entziehen. So erstaunt es nicht, dass er daneben kaum Zeit für Kritik an Bombenbastlern aus Teheran und Raketen-Konstrukteuren aus Gaza fand.

Doch Polenz sprach nicht nur, er handelte auch. Im Rahmen einer Dienstreise nach Israel inspizierte er einen arabisch-jüdischen Waldorf-Kindergarten nahe Haifa. Ein Besuch, der ebenso zu den Höhepunkten der Polenz’schen Amtszeit zählt wie sein Engagement für die Remagener Hochstaplerin Irena Wachendorff, die sich über Jahrzehnte als israelkritische Jüdin kostümierte und dabei sowohl vor als auch nach ihrer Enttarnung auf Wohlwollen aus Münster zählen konnte.

Jedoch: Mit Ausnahme seines Facebook-Fanclubs würdigte kaum jemand seine Bemühungen öffentlich. Kein Bundesverdienstkreuz, kein Adorno-Preis, nicht einmal der Aachener Friedenspreis oder eine Ehrenmitgliedschaft bei B’Tselem waren ihm vergönnt. Bis jetzt. Denn nun ist ein Mitarbeiter der israelischen Botschafter auf die Idee gekommen, Polenz in seiner Funktion als einen der „geschicktesten und sachkundigsten Akteure in den deutsch-israelischen Beziehungen“ und „wichtigen Partner der Botschaft des Staates Israel in den letzten Jahren“ zu würdigen. Glauben Sie nicht? Staunen Sie selbst:

Empfang des Botschafters zu Ehren von Ruprecht Polenz

Der Botschafter des Staates Israel in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, lud am Dienstagabend zu einem Empfang zu Ehren von Ruprecht Polenz.

Der Empfang in der Residenz des Botschafters fand anlässlich des Rückzuges des CDU-Politikers aus der aktiven Politik statt. Polenz kandidierte nach 19 Jahren Arbeit als Bundestagsabgeordneter in diesem Jahr nicht mehr für das Parlament. Er saß lange Jahre dem Auswärtigen Ausschuss des Bundestages vor und wird als hervorragender Experte der deutschen Außenpolitik und als Kenner Israels geschätzt. Botschafter Yakov Hadas-Handelsman würdigte Rupert Polenz mit dem Empfang als wichtigen Partner der Botschaft des Staates Israel in den letzten Jahren.

Neben Vertretern der Botschaft und des Auswärtigen Amtes waren auch Vertreter aller Parteien, Botschafter anderer Länder, Freunde und Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in die Residenz geladen. Als Geschenk überreichte Botschafter Hadas-Handelsman eine Urkunde des Jüdischen Nationalfonds JNF-KKL über eine Spende für 18 Bäume, wobei die Zahl 18 in hebräischen Buchstaben geschrieben dem Wort für “Leben” entspricht.

Der Gesandte der Botschaft, Emmanuel Nahshon, hieß Rupert Polenz als Freund in der Residenz willkommen und würdigte ihn in seiner Ansprache als einen der „geschicktesten und sachkundigsten Akteure in den deutsch-israelischen Beziehungen.

Weiter sagte der Gesandte Nahshon: „Im Lauf der Jahre hat Rupert Polenz immer wieder gezeigt, wie tief sein Verständnis in diesem Bereich ist. Und er hat sein Wissen genutzt, um die Interessen Deutschlands und Europas bestmöglich zu fördern. Er hat die enorme Wichtigkeit der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel erkannt und sehr dazu beigetragen, dass sie sich weiter entwickelt haben.“

 

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Leserpost

netiquette:

Björn Wagner / 02.12.2013

Das darf doch nicht wahr sein….....!

Maria Leuschner / 30.11.2013

Liebe Frau Pyka, zuerst mal freue ich mich, wieder von Ihnen zu hören, bzw. zu lesen! Und Ihr Artikel hat die altgewohnte tolle Qualität. Maria Leuschner

Fritz Wunderlich / 29.11.2013

Umarme deine Feinde zu Tode, beschäme sie mit deiner Goßzügigkeit, ... ;-)

Stefan Göpke / 29.11.2013

Die 18 könnte aber auch ein codierter Hinweis auf die Initialen AH eines verstorbenen Politikers sein, den zwar viele der Polenzschen facebook-Schützlinge angeben nicht zu mögen, jedoch dessen Ideologie in Teilen vollkommen verinnerlicht haben und vertreten. Das nenne ich diplomatische Kritik.

Dieter Dohmen / 29.11.2013

Danke! Als ich die Nachricht gestern im Newsletter der Botschaft las, traf mich der Schlag und ich fiel beinahe vom Stuhl… Kann mir das nur mit einer Art fortgeschrittenem Oslosyndrom erklären. Stellt sich aber nun die Frage: Wieso wurde Günni GraSS übergangen??

Eliyah Havemann / 29.11.2013

Damit ist er erledigt. Umarme deinen Feind, es wird ihn erdrücken!

Christian Weyland / 29.11.2013

Jüdischer Humor ist eben ein spezieller…. obwohl der Hohn in diesem Fall schon ein wenig plumper ist („geschicktesten und sachkundigsten Akteure in den deutsch-israelischen Beziehungen.”). Macht nix, für “Rupert” hats gereicht. Der ärgert sich erst in ein oder zwei Wochen, wenn ihm aufgeht, dass er da schön veralbert wurde.

Martina Maier / 29.11.2013

Tja, so ist das Leben. Ich glaube auch kaum, dass der Botschafter für die Pinnwand der polenzenschen Fangemeinde irgendwie Interesse gehabt hätte und überhaupt weiß, was da vorgegangen ist. Zumal, was Polenz dort preisgegeben hat, dürfte wohl kaum irgendwelche Auswirkungen, auf irgend eine Politik gehabt haben. Israel hat genug andere Feinde, das ist der Polenz ein kleines Licht und wie immer, nimmt man es mit Humor und Großzügigkeit. Sein Engagement scheint dahingend gewürdigt zu werden, dass er eben auf der Pinnwand gezeigt hat, wie die Menschen ticken. Er hat provoziert und das überwiegend den antisemitischen Teil, die er damit rausgelockt hat ;-) Da gab es viel zu beobachten und man hat viel gelernt. Das war das Positive auf der Pinnwand. Wer weiß, vielleicht ist er sowas wie ein Agent Provokateur gewesen ;-) und wusste es selbst nicht? Alles und nichts ist möglich!

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