Wasserstoff wird heute als Wundermittel der Energiewende gehandelt. Mit ihm sollen angeblich die Speicher-Probleme von Wind- und Sonnenenergie gelöst werden. Erster Teil einer Mythenkillerfolge über den „Hochlauf der grünen Wasserstoffwirtschaft“ in Deutschland.
Grüner Wasserstoff ist ein Energiewendeprojekt, dessen staatliche Zeit- und Umfangsvorhaben geprägt sind von Größenwahn, Allmachbarkeitsphantasien und physikalisch-ökonomischem Dilettantismus. Nicht mal die Staatliche Plankommission der DDR hätte es gewagt, mit derartigem Unfug in die Öffentlichkeit zu gehen.
Der Autor will gar nicht behaupten, dass Wasserstoff in der Zukunft keine Rolle in der Wirtschaft spielen wird. Doch der grüne Aktionismus der Ampelregierung spricht so offensichtlich jeder Vernunft Hohn, dass man ernsthafte Zweifel am Geisteszustand der beteiligten Protagonisten bekommt.
Der Ampel-Wasserstoffturbo für die H2-Wirtschaft
„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, sagte Helmut Schmidt einst. Wie weise. Die grünen Energiewender aber sollten diesen Ratschlag unbedingt vermeiden. Denn der Arzt würde sie gleich dabehalten und einweisen.
Wer dies für übertrieben hält, sollte das Dokument „Update der Nationalen Wasserstoffstrategie: Turbo für die H2-Wirtschaft“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) vom 26.07.2023 versuchen zu lesen. Doch Vorsicht, Lachkrämpfe können zu Atemnot und Ohnmachtsanfällen führen.
Dort fängt der Größenwahn so an: „Deutschland wird zur Wasserstoff-Wirtschaft. Ziel ist die Marktführerschaft in einem ganz neu entstehenden Markt. Die Nationale Wasserstoffstrategie hat dafür die Basis geschaffen. Ein Update setzt noch ehrgeizigere Ziele und zeigt auf, wie sich Deutschland in den kommenden Jahren aufstellt.“ Okay, wir haben die alten Ziele nicht erreicht. Wir halten aber daran fest und setzen uns noch viel höhere Ziele.
Mal abgesehen vom mangelhaften Deutsch – welcher Praktikant hat diesen regierungsamtlichen Unfug verzapft? „Nur mit Wasserstoff lassen sich große Teile der Industrie und des Verkehrs klimafreundlich gestalten. Noch ist klimafreundlicher Wasserstoff allerdings auf dem Sprung – raus aus dem Labor, rein in die Praxis: Ein ganz neuer Markt entsteht. Deutschland will von Anfang an mit dabei sein und sich eine Vorreiter-Position im internationalen Wettbewerb sichern – und selbst Wasserstoff nutzen, um unsere Klimaziele zu erreichen“.
Immer, wenn „Deutschland“ sich auf eine Vorreiter-Position drängelt, bekomme ich Angst. Ich zähle mal ein paar Visionen der Möchte-Gern-Vorreiter des BMBF auf, die so absurd sind, dass der Leser sprachlos zurückbleibt. Dafür werden die bezahlt? Man fasst es nicht.
„Bis 2030 will die Bundesregierung zehn Gigawatt Elektrolysekapazität aufbauen. Das reicht voraussichtlich aus, um 30 bis 50 Prozent des deutschen Wasserstoffbedarfs zu decken“.
Ein „Wasserstoff-Kernnetz“, für das nichts vorhanden ist
Liebe Visionäre, 2030 ist in sechs Jahren. 10 Gigawatt sind das Leistungsäquivalent von acht Kernkraftwerken – die Ihr in den letzten Jahren alle abgeschaltet habt. Ein Elektrolyseur läuft aber mit Strom, bei Euch mit grünem Strom – sonst wird es kein grüner Wasserstoff. Bei einer Verfügbarkeit von 20 Prozent braucht Ihr ungefähr 10.000 neue Windräder der 5-MW-Klasse, um die Elektrolyseure anzutreiben. Falls Wind weht. Falls nicht, tut es auch französischer Atomstrom – der ist auch grün. Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben.
Und für Euer Stammbuch: Der Primärenergieverbrauch von Deutschland beträgt 12.000 Petajoule pro Jahr (*), was ungefähr 3,3 Millionen Gigawattstunden entspricht. Grüner Strom ist von den 3,3 Mio. GWh nur maximal ein Achtel. Bleiben 2,9 Mio. GWh zum Dekarbonisieren der Wirtschaft. Mit Euren 10 Gigawatt Elektrolyseuren könnt Ihr nicht mal 100.000 Gigawattstunden pro Jahr umsetzen. Das soll 30 bis 50 Prozent des Wasserstoffbedarfs sein? Was ist denn mit den 2,5 Millionen Gigawattstunden Primärenergieverbrauch, die in dieser Rechnung übrigbleiben? Da ergibt sich doch glatt die Frage: Was soll denn von Euch alles dann lieber doch nicht dekarbonisiert werden?
Das BMBF schreibt: „Grundvoraussetzung für den Hochlauf derWasserstoff-Wirtschaft ist, dass Wasserstoff überhaupt in ausreichendem Maße zur Verfügung steht. Und zwar dort, wo er gebraucht wird. Ein über 11.000 Kilometer langes Wasserstoff-Kernnetz soll daher bis 2032 alle großen Wasserstoff-Einspeiser mit allen großen Verbrauchern verbinden. Zudem soll das Wasserstoff-Tankstellennetz umfangreich ausgebaut werden.” (Orthografische Fehler beibehalten)
Liebe Visionäre, 2032 ist in acht Jahren. Ihr forscht gerade daran, aus welchem Material denn solche Rohre sein könnten, damit der Wasserstoff nicht durch die Rohrwände entweicht. Für die 11.000 Kilometer gibt es keine Ausschreibung, kein Planfeststellungsverfahren, keine Investoren, kein Kapital, keine Genehmigungen… Und vor allem – es gibt keinen Wasserstoff, und es gibt auch keine Wasserstoffwirtschaft.
Mal eben Industriezweige wie Stahl, Glas, Chemie, Papier umbauen
Doch der visionäre Wirtschaftsminister Habeck hat sogar schon ein Pappschild mit den visionären Leitungen für die Presse vorgezeigt. Laut dem Chef der Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) Thomas Gößmann wird 2025 erster Wasserstoff fließen. „Wir wissen, dass wir keine Zeit zu verlieren haben. Die Bagger müssen nächstes Jahr rollen.“ 20 Milliarden soll die Chose kosten. Da es aber zunächst relativ wenige Abnehmer geben wird, will „der Staat“ über die nächsten 20 Jahre in Vorleistung gehen, um die Nutzung bezahlbar zu halten und den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft zu fördern. Und wenn Dr. Habeck „der Staat“ sagt, meint er den Steuerzahler. Wie sagte Habeck sehr richtig: „Ist ja nur Geld“, und zwar das der Anderen.
Bisher gibt es seit zwei Monaten eine einzige wasserstofffähige Gasturbine von 123 MW in Leipzig, die allerdings in Ermangelung von Wasserstoff mit schnödem Erdgas betrieben wird. Liebe Visionäre, wenn Ihr den Gasturbinen-Plan der Bundesregierung für 2030 einhalten wollt, müsst Ihr bis 2030 noch 160 weitere Gasturbinen dieses Typs bauen. Das sind dann ein paar „große Verbraucher“.
Das BMBF weiter: „Klimafreundlicher Wasserstoff kann die Klimabilanz von Industrie und Verkehr erheblich verbessern. Damit das klappt, müssen allerdings ganze Industriezweige grundsätzlich umgebaut werden. Das gilt insbesondere für die Stahl- und die Chemieindustrie – aber auch für den gesamten Verkehrssektor.“
Liebe Visionäre, baut mal auf die Schnelle die Industriezweige Stahl, Glas, Chemie, Papier grundsätzlich um. Bisher gibt es ein Pilotprojekt, wo eine kleine Menge Stahl unter Einsatz von Milliardensubventionen mit Wasserstoff erschmolzen wird. Und vergesst nicht, die dreieinhalb Millionen LKW auf H2 umzubauen. Und natürlich die landwirtschaftlichen und Baumaschinen, die Schiffe und was sich sonst noch so alles bewegt.
Der Wahnsinn nimmt seinen ungebremsten Lauf
Es ist bezeichnend, dass sich ein deutsches Ministerium mit einem derartigen Dokument an die Öffentlichkeit wagt. Für beide Seiten. Das Dokument zeigt nämlich, dass es beim Ministerium weder einen Qualitätssicherungsprozess für Ausdruck und Orthografie gibt noch einen Plausibilitätscheck des Inhaltes. Und es zeigt sich auch, dass es auf der Seite der Bürger keinerlei Interesse dafür gibt, wofür und wie das mühsam erarbeitete Steuergeld zum Fenster hinausgeworfen wird.
Es gibt auch offensichtlich keine Opposition, die mittels der Medien die überforderten Bürger auf den Regierungswahnsinn hinweisen könnte. Die Oppositionsparteien, die medienwirksam sind, gehören selbst zum Dilettantenstadl. Und die einzige Oppositionspartei, die warnt und fordert, wird von den Medien totgeschwiegen. Der Bürger wird im Dunkeln gelassen. Der Fürst sagt zum Bischof: „Halt du sie dumm, ich halt sie arm“.
Und so nimmt der Wahnsinn seinen ungebremsten Lauf. Es gibt die grünen Kraftwerke nicht, die die nicht vorhandenen Elektrolyseure antreiben könnten, um dann den nicht vorhandenen Wasserstoff in das nicht vorhandene Wasserstoffautobahn-Netz (Habeck) einzuspeisen und zu den nicht vorhandenen industriellen Wasserstoff-Verbrauchern zu leiten.
Der „Wasserstoffhochlauf“ ist ein Jahrhundertprojekt. Man sollte damit beginnen. Doch mit Bedacht und Vernunft, Stück für Stück, Sektor für Sektor, Steuereuro für Steuereuro. Auf eine Weise, dass eine Volkswirtschaft es ohne Verwerfungen stemmen kann. Bis 2030 oder 2032 wird es kein Ergebnis geben, jedenfalls nichts, was Sinn macht.
Im nächsten Kapitel beschäftigt sich der Autor mit den Eigenschaften des Energieträgers Wasserstoff und den Hürden bei seinem Einsatz in der Wirtschaft.
(*) Anm. d. Red.: Der Primärenergieverbrauch in Deutschland beträgt ca. 12.000 PJ, nicht 12 PJ. Der Fehler wurde korrigiert. Danke für den Leserhinweis.
Manfred Haferburg wurde 1948 in Querfurt geboren. Er studierte an der TU Dresden Kernenergetik und machte eine Blitzkarriere im damalig größten AKW der DDR in Greifswald. Wegen des frechen Absingens von Biermannliedern sowie einiger unbedachter Äußerungen beim Karneval wurde er zum feindlich-negativen Element der DDR ernannt und verbrachte folgerichtig einige Zeit unter der Obhut der Stasi in Hohenschönhausen. Nach der Wende kümmerte er sich für eine internationale Organisation um die Sicherheitskultur von Atomkraftwerken weltweit und hat so viele AKWs von innen gesehen wie kaum ein anderer. Im KUUUK-Verlag veröffentlichte er seinen auf Tatsachen beruhenden Roman „Wohn-Haft“ mit einem Vorwort von Wolf Biermann.

Nachtrag: Mit zehn Clicks im Internet kann jeder herausfinden wer die Ideengeber dieses Irrsinns sind. Fangen Sie bei Agora Energiewende an, gehen auf das Lobbyregister des Bundestages, finden die Fa. Smart Energy for Europe Platform (SEFEP) gGmbH, die von einem ehem. Staatssekretär der Grünen gegründet wurde. Diese „Firma“ und der „Pate“ Rainer Baake sind mit zahlreichen privaten US-Foundations verknüpft, die das Geschäftsmodell „Klima-Philanthropie“ betreiben. Noch Fragen? Es ist alles fremdgesteuert und hat das Ziel Deutschland zu schwächen! Es ist der heilige Krieg der Klima-Ritter. Weil es so ein Irrsinn ist, kann man auch sofort damit aufhören. Wenn wir die Macht dazu haben.
Der bestürzende Unfug beruht vermutlich auf einem „Ketten-Modell“, das Manfred Haferburg ja in seiner Nicht-vorhanden-Suada auf’s Korn nimmt. „Das nicht-vorh. Kraftwerk liefert nicht-vorh. grünen Strom, das in den nicht-vorh. Elektrolyseuren, etc. etc.“ Dieses Modell könnte man jederzeit kritisch und konstruktiv auf seine Begrenzungen hin abklopfen, aber stattdessen wird im Ministerium frei phantasiert… Die Planung eines Wasserstoff-NETZES offenbart die zweite Säule des Unfugs: alles was sich „netzartig“ ausbreitet, hat die Zukunft für sich… Da kann sich jeder ranhängen, wie an eine Polonaise; jeder Produzent kann sein privates Wasserstoff-Fürzchen einspeisen, und jeder Vorne-mit-dabei-Bürger seinen neuen Anschluss ins Haus legen lasssen… Nein, Leute, seid mir nicht böse, aber Deutschland ist in die Hände von Spießbürgern gefallen, oder noch konkreter: es sind die anders begabten KINDER alteingesessener BEAMTEN-GENERATIONEN, die mit dem Land spielen!
Sollte der gute Haferburg recht behalten, wird er als schlimmer Staatsfeind in die Geschichtsbücher eingehen, wenn nicht, dann als ebenso schlimmer Schwarzmaler. Ich dagegen, das erwähne ich nur am Rande, habe dieses Jahr knapp 200kg CO2 „eingespart“ und deswegen eine kleine Prämie von meinem Versorger erhalten. Und außerdem werde ich jetzt ganz nett mit „klimafreundlichen Grüßen“ geduzt. Dagegen können Sie mit Ihrem Atombombenstrom nicht anstinken, nicht wahr? Ich befürchte allerdings, unsere Dubai-Minister haben die 200kg CO2 schon zwischen Frühstück und Gänsebraten wieder verflogen. Natürlich möchte ich auch gleich auf etwas Positives hinweisen, auf das offensichtlich noch niemand gekommen ist: Der viele benötigte Wasserstoff ließe sich auch in Ballons lagern. Ich meine zeppelinmäßig frei in der Luft an einem Seil. Ja, man könnte sogar schwere Eisenbahnwaggons mit daran geknüpften Wasserstoffballons leichter machen und so zusätzlich Energie einsparen. Halt, das war ein Scherz, Sie müssen nicht alles immer gleich so ernst nehmen. Aber einen hab ich noch, was für reinrassige Physiker, wo ist denn der Vince Ebert? Also nehmen wir mal im Stil sozialistischer Denkfabriklogik an, der Wasserstoff wird nicht oberflächlich bei NN sondern in 500m Tiefe am Meeresboden elektrolysiert. Braucht das mehr Strom oder nicht? Der Wasserstoff kommt natürlich gleich mit 50 at in den Tank, aber den entstehenden Sauerstoff könnte man doch eine Arbeit verrichten lassen, während er im Meer auf NN aufsteigt und sein Volumen dabei drastisch vergrößert. Ich wollte damit jetzt nicht gesagt haben, dass man damit auch Flugzeugträger versenken könnte, die Sauerstoffblase hätte ja eine Wasserverdrängung, die sich doch in Strom umwandeln lassen müsste. Selbst wenn es dadurch kein Perpetuum Mobile wird, sagt jetzt nicht, das wär Blödsinn.
„Delirium“ ist fast ein Euphemismus.
Vielleicht Entropie-Suizid?
Und deshalb schauen alle erwartungsvoll auf „künstliche“ Intelligenz.
@A. Nölle: Genau! „Zur Stunde blamiert Frau Bärbock dieses Land in Dubai unsterblich:“ Wenn ich so etwas lese oder höre, kommen Erinnerungen hoch: Wenn das deutsche Volk aus diesen Stahlgewittern und Feuerbrünsten (Erderhitzung?) nicht gestählt hervortritt, hat es nicht verdient, weiter zu existieren. Hat Frau Baerbock schon einen Termin genannt, ab dem uns die Sonne keine Rechnung mehr schickt?
Übrigens ist das „Agorameter“ von AGORA-Energiewende seit mindestens zwei Tagen nicht mehr vorhanden bzw. nicht aufrufbar. Vermutlich, weil die aktuellen Daten „nicht hilfreich“ sind. Dabei wären sie gerade jetzt „hilfreich“, um auch dem größten Flachkopf zu zeigen, wo Habeck & Co uns da eigentlich hineinreiten. Deutschland, ein Land, in dem wir früher mal gut und gerne gelebt haben.