Ein Idealist. Ein schönes Wort. Es klingt nach Haltung, nach Moral, nach einem inneren Kompass. In Wahrheit beschreibt es oft Menschen, die systematisch neben der Spur laufen, wie Politiker im allgemeinem. Menschen, die manchmal tatsächlich etwas Gutes tun, meistens aber nur glauben, etwas Gutes zu tun. Mein Freund war schon immer so. Sonst wird man auch nicht Lehrer.
Ich erinnere mich an seine Anfangsjahre. Begeisterung, Pathos, pädagogischer Sendungsauftrag. Er hat nie an seinem Beruf gezweifelt. Und ich glaube, er tut es bis heute nicht. Das ist bemerkenswert, denn er arbeitet längst an einer Brennpunktschule. Den Begriff gab es noch nicht, als er anfing. Heute ist er Normalität. Dass er trotzdem nicht zweifelt, verdankt er genau dieser Eigenschaft: Er ist neben der Spur. Er sieht die Probleme. Er kann sie nur nicht benennen. Oder er darf es nicht.
Der klarste Beweis dafür ist sein Wahlverhalten. Für ihn existieren bei Bundestagswahlen exakt zwei Möglichkeiten. Jahrelang grün, zuletzt SPD. Alles andere ist moralisch nicht existent. Für mich ist er ein Idealist, ein Albträumer und im Kern ein verzweifelter Lehrer. Ein Brennpunktlehrer. Einer, der mitten im Zerfall arbeitet und sich einredet, er befinde sich noch im pädagogischen Prozess.
Mein Freund ist zugleich ein Lügner. Kein persönlicher, sondern ein systemischer. Er belügt sich selbst, die Eltern, die Schüler, die sogenannte Wertegemeinschaft. Er spielt Normalität, wo längst Anomie herrscht. Eine Schulstunde dauert bei ihm faktisch knapp fünf Minuten. Das ist der Zeitraum, in dem er glaubt, überhaupt noch jemanden erreichen zu können. Von 25 Schülern hält er drei oder vier für aufnahmefähig. Nicht lernwillig, nicht leistungsbereit, nur theoretisch noch erreichbar. Beim Lärm, bei der Aggression, beim völligen Kontrollverlust ist Lernen eine theoretische Kategorie.
Noten gibt es kaum, dafür pädagogische Prosa
Ein Wort fällt in seinen Berichten nie: Migrant. Dieses Schweigen erklärt mehr als jede Bildungsstudie. Er erlebt die Realität täglich, aber er nimmt sie nicht zur Kenntnis. Er ist dauerhaft am Rand der Verzweiflung, schafft es aber zuverlässig, diesen Rand nicht zu überschreiten. Pädagogisch stabilisiert im Zusammenbruch.
Er erzählt von Elternsprechtagen, zu denen er die Eltern der schwierigsten Fälle nicht nur schriftlich einlädt, sondern zusätzlich persönlich anruft. Zweiundzwanzig Eltern. Die restlichen drei Schüler scheinen genau jene zu sein, denen er so etwas wie Aufnahmefähigkeit zuschreibt. Manche Eltern, sagt er, würden Elternsprechtage mit Fernsehabenden verwechseln. Es gab Fälle, da erschienen sie mit Popcorn und Chips. Bildungskooperation auf Sofa-Niveau.
Das ist keine Überzeichnung. Ich habe es selbst erlebt. Als Erziehungsbeistand. Mittelschulabschluss fast ohne Noten, weil der Schüler faktisch nie da war. Solche Zeugnisse umfassen vier Seiten. Die erste verkündet den erfolgreichen Abschluss. Nicht immer, aber immer öfter, wenn man den Schüler einfach loswerden möchte. Noten gibt es kaum, dafür pädagogische Prosa. „XY deutete bei den wenigen Anwesenheiten an, dass er in Mathematik hätte erfolgreich sein können.“ Könnte. Würde. Hätte sein können. Eine Sprache, die nichts erklärt und alles entschuldigt.
Ich habe ihn gefragt, was er unter diesen Umständen wählt. „Auf keinen Fall die AfD“, sagte er. Reflexhaft. Wie ein Mantra. So neben der Spur, wie er ist. Ich gehe davon aus, dass er weiterhin unter den Niedergangs-Parteien seine Kreuze verteilt und in ein paar Jahren, mit vierzig, ausgebrannt sein wird. Oder auch nicht. Vielleicht wechselt er einfach auf eine andere Parallelspur des Lebens. Viele tun das. Das System trägt sie weich.
Die Bildung in Deutschland geht nicht wegen Geldmangel zugrunde, sondern wegen Realitätsverweigerung. Deutschland hat sich aufgegeben, nicht laut, sondern pädagogisch begleitet. Eine Umkehr wird es nicht geben. Das sage ich als einer, der mittendrin lebt und nicht auf der Parallelspur.
So wie mein Freund es schafft, in zwei Stunden Gespräch das Wort Migrant nicht ein einziges Mal auszusprechen, so schafft es dieses Land seit Jahren, die eigene Realität nicht zu benennen. Man kann alles sehen und dennoch wegsehen. Man kann mittendrin sein und sich auf eine Parallelspur retten. Die Bildung kollabiert nicht, sie wird leise aufgegeben. Pädagogisch, moralisch, begleitet von wohlmeinenden Idealisten, die überzeugt sind, auf der richtigen Seite zu stehen. Wer das erkennt, wird nicht gehört. Wer es ausspricht, wird markiert. Und am Ende bleiben zwei Möglichkeiten: mit untergehen oder lernen, den Niedergang auszuhalten – möglichst still, möglichst angepasst, möglichst ohne das falsche Wort zu benutzen.

Die meisten Lehrer, die ich kenne, begannen in den 70ern ihren Beruf mit der Idealisierung, daß Schüler alle lieb und begabt sind, und daß man sie vor ihren Nazi-Eltern und vor den anderen verbohrten Lehrern schützen muss.
Mach spätestens 5 Jahren kehrte sich das um, und sie hassten die Schüler und suchten nach Wegen, sich so viel wie möglich zu drücken. Die Frauen gingen in Teilzeit, auch wenn sie keine Kinder hatten. Die ängstlichen Männer wurden magenkrank, die robusteren arrangierten sich.
Über die Jahrzehnte wurde es immer schlimmer. Keiner wagt mehr, der Klasse den Rücken zuzudrehen. Ich halte maximal 20 Prozent der Lehrer für den Beruf geeignet: Natürliche Autorität durch geistige Stabilität, feste Stimme und physische Präsenz.
(Meine Beobachtungen beziehen sich sowohl auf Grundschule, Hauptschule und Gymnasium.)
>>Ein Wort fällt in seinen Berichten jedoch nie: Migrant.<<
## In der Gegend, wo ich noch zur Schule gegangen bin, dauerte jede Schulstunde einheitlich 45 Minuten. Nur wenn der Lehrer absolut unvorbereitet erschienen ist, und im zweifelsfall sogar die Materialien für die falsche Klassenstufe dabei hatte, konnten diese 45 Minuten nicht optimal genutzt werden. Das war nämlich bei uns ein Problem: Fachlehrer und der tägliche Wanderzirkus. Aber im sogenannten Lehrerzimmer gab es neben den Lehrer:Innen, die in den Freistunden die ganze Zeit mit Fingernagellackieren und schlauem Geschwätz beschäftigt waren, auch noch die etwas unscheinbareren, die den Stundenplan jeder Klasse, den Zimmerplan und die Pausenzeiten auswendig wussten Mit dem Lehrplan war es nicht so einfach. Es war den Lehrern schon überlassen, ob sie das Lehrbuch von hinten nach vorne oder von vorne nach hinten durcharbeiteten. Aber nicht jeder hat seine Rechte dabei voll ausgereizt. Ja, und Migranten hatten wir auch. Ich hatte zwei griechische Mädels in meiner Klasse und einen Achmed, der Freitags oft frei hatte, aber wir hatten keine Ahnung warum. Der machte auch nur zwei Jahre mit und ob sie dann wieder umgezogen sind, wer weiß. Entweder er war isoliert, oder ich. So kam es, dass wir niemals miteinander geredet haben. Also alles sehr überschaubar. Und LEISTUNGSORIENTIERT. Die beiden Griechinnen waren übrigens ziemlich die Klassenbesten. Die eine sprach literaturreif deutsch, die andere schaffte es irgendwie nicht so schnell. Aber fleißig und ehrgeizig waren sie sehr.
Der Herr Lehrer hat sich in seiner ideologischen Wohlfühloase eingerichtet, die allerdings nur überleben kann, wenn er das reale Leben ausblendet. Sollte er mal mit der Nase drauf gestubst werden, wird es böse für ihn enden, in der „Klappse“ mit folgender Frühverrentung. Aber er ist einer der Vielen, die das System genau so am Laufen halten, wie es seit Dekaden schief läuft. bleibt nur noch die Frage, wo das Schicksal sodann plötzlich den Felssturz einrichtet, über den diese Lemminge sodann völlig überraschend ins Finale abstürzen.
„XY deutete bei den wenigen Anwesenheiten an, dass er in Mathematik hätte erfolgreich sein können.“ Mit großer Wahrscheinlichkeit lautet der nächste Satz: „Er zeigt Ansätze von Teamfähigkeit“ und „hat sich im Unterricht stets bemüht“.
Das heißt aber auch, daß man sich im Lehrerzimmer der Unfähigkeit bewußt ist? Das Zeugnis ist damit der Qualitätsbrief für das Bürgergeld.
Meine alten Freunde sind alle auf der Spur. Soweit ich das sehe, habe nur ich mich ausgekoppelt.
Man muß konzentriert bleiben und darf sich nicht reizen lassen. Sonst ist der Abend im Eimer.
Der Idealismus ist ja grundsätzlich zu loben, aber man darf nicht naiv sein. Idealismus heißt auch, die Ursachen zu akzeptieren und die zu beseitigen.
Es gibt sicher solche, die so leben können, aber im Allgemeinen glaube ich das nicht. Manchmal wird’s ja doch impulsiv. Das ist nicht gut, da reden die sich schnell um Kopf und kragen.
Der Konventionsdruck unter den Lehrern ist groß. Man belauert sich mißtrauisch und da sind dann so üble Wortführer:innen und ganz besonders scharfe darunter. STOPPT FEMIZIDE, .. Wenn alle das gleiche denken, denkt keiner mehr.
Humorlosigkeit ist ein schlechtes Zeichen. Man merkt ja doch, ob das Gegenüber gelöst ist, oder eher Trübsal bläst.
Ich glaube, daß viele aufgezehrt sind und unter einer „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ leiden. Da findet man die Symptome.
Die Amerikaner haben identische Probleme. „bitchute video M8fPk94kCupI“ suchen. Da berichten Leher. Vierzig Prozent der Viertklässler können nicht lesen. Noch weniger können auf ihrer Klassenstufe lesen. Ein Lehrer, der für 110 Achtklässler verantwortlich ist, berichtet, daß nur zwei in der Klassenstufe lesen können.
Und das sind die zukünftigen Demokraten!
Vielleicht drückt das politische Personal die Schulen auch nur auf das eigene Bildungsniveau?
Ihr Freund ist nicht nur Teil des Problems, er und seinesgleichen sind das Problem. Festgefahren in überholter Ideologie, blind für die Realitäten, maximal angepasst. Opportunisten, die sich selbst für moralisch überlegen halten. Ewig-gestrig im heutigen Sinne, tatenlos der Zersetzung jenes Staates und jener Kultur zusehend, welche sie förderte und entlohnte. Sie sägen am Ast, auf dem sie selbst und wir alle (noch) sitzen.
Schon beim Begriff „Brennpunktschule“ kriege ich immer eine Krise: Wo brennt’s da? Was fokussiert sich da? Sollte damit das totale Scheitern der ganzen Sozial- und Bildungsscheiße des rot-grünen Rotzes gemeint sein, was nur keiner so präzisieren darf?
Egal. Für mich sind das ganz einfach Ghettoschulen.
Und sowas ist ihr Freund ? Wie funktioniert das denn ?