Eine Ermahnung zum Neuen Jahr, nicht so viele abstrakte Ideale vor sich her zu tragen und womöglich auch noch als Grundrechte „des Menschen auf unserem Planeten“ durchsetzen zu wollen.
Wenn einige neue Ministerinnen der Bundesregierung das Böse in dieser Welt lautstark bekämpfen, indem sie auf „unsere Werte“ pochen, bedienen sie das Weltbild einer grün-gläubigen Klientel. Jene teilt die Welt in „Nationalisten“ und Kosmopoliten.
Die Grün-Gläubigen blicken auf jene Leute herab, die den Staat für wichtig halten, in dem sie leben. Aber die meisten dieser Leute sind keine Nationalisten, sondern ihnen geht es um die Bürgerrechte. Und sie verlangen, dass die Politiker sich an das Grundgesetz und die Länderverfassungen halten. Die Grün-Gläubigen halten das für out of step. Denn „wir“ sind heute doch alle Kosmopoliten!
Kosmopoliten haben das Allgemeine im Blick: „den Menschen“ auf diesem Planeten, „das gemeinsame Menschsein“. Und damit auch „die Menschenrechte“. Menschenrechte zu realisieren, ist selbstverständlich eine gute und notwendige Sache. Keine Frage, dass es ein Fortschritt in der Menschheitsgeschichte ist, dass die UNO es mittels Verträgen und Konventionen durchsetzt, dass Folter verboten wird, Kriegsverbrechen vor ein internationales Gericht kommen, Staaten Bürgerrechte garantieren müssen – ebenso Rechte der Frauen und Kinder –, dass sie sich um Flüchtlingslager kümmert etc.
Wie weit ein Staat gehen soll, wenn die Bürger- und Menschenrechte von einem anderen Staat nicht eingehalten werden, ist eine Frage der Interessenpolitik und der dafür erforderlichen Diplomatie, das ist hier nicht das Thema. – Aber es gibt hierbei auch ein Problem: Wenn man aus Menschenrechten einzelne Grundrechte „des Menschen“ ableiten möchte, kommt das Dilemma zum Vorschein, dass die Vorstellungen über die Naturrechte „des Menschen“ abstrakt sind, ein quasireligiöses Ideal. Und schlimm wird es, wenn das abstrakte Ideal gegen die konkreten Bürgerrechte eingesetzt wird. Denn die Anbetung des Ideals hat eine fatale Folge: Jede Politikerin, jede Wissenschaftlerin, jede Richterin kann dann behaupten, dass das, was ihr gerade opportun erscheint, der Allgemeinwille „des Menschen“ sei und damit ein Menschenrecht und Grundrecht.
„Wunderlichkeit eines Willens“
Dann wird aus dem kindlichen Wunsch – unsere Kinder sind ja sooo intelligent! – nach lieben Menschen und schönem Wetter auf der ganzen Erde plötzlich ein menschliches Grundrecht auf eine feste Erdtemperatur – ein Grundrecht, das ins Grundgesetz gehört. (Siehe die seltsam erweiterte Deutung des Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG im Klimaurteil des BVerfG vom 24.3.2021. Zum „Faktencheck“ zu diesem seltsamen Urteil siehe Vahrenholt und Lüning: Unfehlbar? 2021. Nur nebenbei sei erwähnt, dass dieses „Grundrecht auf Klimaschutz“ auch ein Grundrecht auf eine Zerstörung vorhandener Industrien, vorhandener Arbeitsplätze, vorhandener Lebensweisen etc. enthält.)
Die Moralphilosophin Seyla Benhabib ist sogar ernsthaft der Auffassung, dass jeder illegal Eingereiste ein „Menschenrecht auf Zugehörigkeit“ habe. (Die Rechte der Anderen. 2008, S. 141. Das ist übergriffig, denn hier wird die Gewährung einer kostenlosen Wohnung, von Sozialhilfe, Kindergeld etc. an den illegal Eingereisten aus dem Ideal angeblich naturgegebener Rechte „des Menschen“ hergeleitet und damit über die reale Gesetzeslage und über die Interessen der realen Steuerzahler, der Bürgerinnen und Bürger in dem konkreten Staat gestellt.)
Das Problem ist, dass sich aus der Vorstellung von der Gattung „Mensch“ nichts anderes ergibt als das, was Rousseau die „volonté générale“, den „Allgemeinwillen“ genannt hat – also ein Abstraktum. Ein ungenannter Autor in der Zeitschrift Gegenstandpunkt sagte das so:
„Die überindividuelle Menschennatur, die sich der moderne Staat gegenüber stellt und der er die über-rechtlichen Vorgaben für sein Walten zu entnehmen vorgibt, zeichnet sich im Unterschied zu den konkreten Zweibeinern durch die Wunderlichkeit eines Willens als solchen aus: Nicht was ein Mensch will, sondern dass er der Gattung angehört, die es überhaupt als gattungsspezifische Eigenschaft dazu gebracht hat, dass ihre Mitglieder einen Willen besitzen: Dem gilt der ‚unbedingte Achtungsanspruch’, den die Natur für jeden Menschen geltend machen soll, getrennt davon, was der will oder braucht, unter welchen Umständen er lebt […]“ (2013, S. 37 f.)
Souverän sind die realen Staatsangehörigen
Selbst wenn diese überindividuelle Menschennatur ein abstraktes, weil inhaltsleeres Ideal ist, setzt heute, wie der ungenannte Autor sagt, der Staat dieses Dogma als sein idealisiertes Gegenüber ein, weil der Glaube an einen absoluten Menschenwillen auch dem Staat einen Achtungsanspruch einbringt. Wenn ein Staat sich ein „Naturrecht des Menschen“ gegenüberstellt und behauptet, jenes durch rigorose Maßnahmen in Realität umsetzen zu können, schaffen die regierenden Eliten sich damit einen geradezu göttlichen Achtungsanspruch.
Aber es ist nicht die Aufgabe eines Parlaments, einer Regierung und eines Gerichts, eine abstrakte kosmopolitische Perspektive zu vertreten. Es ist ihre Aufgabe, Schaden von der eigenen Bevölkerung abzuwenden. Zur Bevölkerung eines Staates gehören alle, die einen Pass dieses Staates haben. Es sind die realen Staatsangehörigen, die in ihrem Land der Souverän sind. Voltaire, Philosoph der Aufklärung sah das so:
„Den Menschen bleibt nicht mehr zu ihrer Verteidigung als die Gesetze und die Lebensweisen ihres Landes: Gesetze, die oft missachtet werden und Lebensweisen, die oft opportunistisch sind.“ (Essais sur les moeurs [1756] 1970, Paris 1990, S. 529)
Angesichts der Konstruktion abstrakter Grundrechte-Ideale – deren Durchsetzung über UNO-Pakte und EU-Beschlüsse und den jene abnickenden Bundestag geschieht – bleibt den Menschen in der Bundesrepublik das Grundgesetz. Ihm kann man nicht einfach „Grundrechte des Menschen“ aufsetzen. Denn: Unmögliches – wie „dem Menschen“ ein geregeltes Weltklima zu verschaffen oder jedem illegal Einreisenden eine kostenlose Wohnung, Sozialhilfe, Kindergeld etc. –, das ist unmöglich. („Impossibilium non est obligatio.“) Und was die Lebensweisen des Landes betrifft: Es gibt sie noch, die guten Interessen an Freiheit, Selbstbestimmung, Souveränität. Das Grundgesetz und der Freiheitswille der eigenen Bevölkerung – das ist das, was empirisch vorhanden ist. Und es ist niemals schlau, unrealisierbaren Idealen anzuhängen und schon gar nicht, sich selbst und die Bevölkerung damit zu belasten. Die Idealistinnen und Idealisten, auch die grün-gläubigen, müssen lernen, mit dem vorhandenen Material zu arbeiten.
Dieter Prokop ist Professor em. für Soziologie an der Universität Frankfurt. Sein neuestes Buch ist: Warum die Tiere jetzt immer „essen“. Und andere mehr oder weniger unterhaltsame Stücke.
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Zu „Konstruktion abstrakter Grundrechte-Ideale – deren Durchsetzung über UNO-Pakte und EU-Beschlüsse und den jene abnickenden Bundestag geschieht –“ aus dem letzten Absatz zitiert, sollte man vielleicht noch anfügen, daß inzwischen überall sog. NGO dazwischen funken und Gelder der Gates, Rockefellers, Soros und sonstiger Foundations zielgerichtet investieren, die die Corona-Maßnahmen global ordnende WHO z. B. schon komplett finanziell gekapert haben. Auch das hinterfragt gar niemand mehr und trägt auftragsgemäß brav Maske, so man noch vor die Tür darf.
An den Grundrechten wird gerade wieder „rum geschraubt“ und eingeschränkt, alles wegen der möglicherweise auf „uns“ zukommenden Auslastung der Intensivbetten in den Hospitälern, Und damit dieser Zustand nicht allzu fern ist, sind gerade erneut 800 dieser Spezialbehandlungseinrichtungen politisch gewollt abgebaut worden, vermutlich auch noch vom Steuerzahler honoriert nach dem Dings-bums-StrukturGesetz. Auch hier zahlen die Entrechteten wieder mal dafür, daß sie nach allen Regeln der politischen Kunst verarscht werden. Das freundlichere „hinter die Fichte geführt“ paßt für die Vorgänge im Lande schon lange nicht mehr.
Wenn Menschen reich werden wollen oder sich freuen, dass sie es schon sind, dann um Freiheiten auszuleben, die sie gegenüber der Masse der Durchschnittlichen privilegieren. Macht schon ein geringer Hauch von Kommunismus die Privilegien zunichte, macht es keinen Sinn mehr, Besonderes zu leisten oder große Vermögen und Besitztümer zu verwalten. Dann frisst die große Transformation ihre Honoratioren. Und ich glaube, man kann getrost davon ausgehen, dass dies schon auf halbem Wege bemerkt werden wird.
@ L. Luhmann Der Satz ist nach einem Zitat von Tom Clancy. Natürlich könnte man aus den Reich Gottes der faschistischen Ratio den Kampf ansagen. 1. Es müsste dazu ein Reich Gottes geben. 2. Was soll die pöse Ratio sein? Der Sozialismus oder ähnliche Kirchen ohne Gott? Auf jeden Fall ne steile These in einer Zeit, in der doch gerade Ration schwer unter Druck steht. Am Schluß wird arg „filo so fisch“.
j.@heini, alle diese Standes„zertreter“ in einen Sack, mal düschtsch durchgeprügelt, und ich versichere Ihnen, Sie trafen NIE den falschen. Überall in den medizinischen Hierarchien wird nach Schleimeinheiten gemessen. Diese jahrelangen Demütigungen, welche die Ehrgeizlinge und Ambitioniertesten persönlich auf ihren Wegen durchlitten, spiegeln sich „ganz oben“ in deren Selbstdarstellungen wider. Montgomery, Söder, Lauterbach stellen mit höchster Befriedigung zügellos ihre Machtpositionen wie ein erigiertes Geschlechtsteil bei jeder Gelegenheit dar. Scholz ist eher der stille Sadist. Als Zwergenwüchsiger genießt er innerlich dauererregt die ständige Aufmerksamkeit, die seinem Amt entgegengebracht wird. Dieser Mann wächst auch nicht mit seinen Aufgaben. Er schrumpft mit seinen Lügen. Nur das Mißtrauen der Bevölkerung wächst. Montgomery ist ein reiner Lobbyist. Seit 15 Jahren keiner ärztlichen Tätigkeit nachgegangen, tingelt er zwischen Pharmaindustrie und Apobank. Er ist der Klassiker. Kalt, skrupellos, käuflich. Er ist zu Recht ganz oben in diesem korrupten System angekommen. Er repräsentiert es so ´immanentˋ wie er kann, und kämpft stringent für die Transformation.
Nachtrag: Erstaunlich! – Was man zum Ende dieses blöden Jahres noch mitbekommen kann. Schönfelder&Sch;önfeld sind eine duale Einheit, als Mädchenstimme und Überredende in Gestalt von Topf&Deckel;. (Allerdings, Vorsicht bei Sirenen und ist ihr Gesang noch so süß.) – In einem hat die Überredende m. A. n. zweifelsfrei recht, wenn sie schreibt: „Wir befinden uns mitten im politischen Umsturz. Jeder weiß es, keiner will es wirklich wahrhaben.“ Zwei Wörter würde ich allerdings ersetzen: politisch durch gesellschaftlich und ‚Umsturz‘ durch Umwandlung. (Umsturz ist eher mehr ein plötzliches und zeitlich abgrenzbares Ereignis; die Umwandlung sehe ich als schleichenden Prozeß, und richtig, ‚wir‘ sind mittendrin.) In Erinnerung an die lebendige ‚Weihnachtspredigt‘ von P. Hahne hier auf Indubio, wo er ziemlich am Schluß zu seiner Meinung zu VT-en durch BMU befragt wurde, verneinte er einen solchen Aspekt. Wenn es keine VT ist, was ist es dann? Es kann ja kein Zufall sein, wenn in zahlreichen Ländern über Erdteile hinweg ähnliche Prozesse zu beobachten sind. In D-Land mögen diese ja besonders exzessiv ablaufen, dennoch scheint es verbindende gemeinsame Ursachen zu geben. Die ‚Pandemie‘ ist nur eine Randerscheinung, ein Testfall. Die Veränderungen finden ganz unabhängig von dieser statt. Freilich, von Kommunismus zu reden ist nicht ganz exakt. Kommunismus von ‚oben‘ oder ‚inverser Kommunismus‘ könnte ein Ansatz sein; es wird viele Besitzlose geben und der ‚Pseudostaat‘ regelt im Auftrage Dritter die Verteilung der Almosen, so wird es wohl werden. Bisherige Systeme sind in Auflösung. [PS: Sabine@er, Herr Giesemann wohnt meines Wissens nach nicht mit einem Dreibeinigen zusammen, weshalb er so auf die Kinderehen fixiert ist, erschließt sich mir nicht, daß er allerdings Grund zur Verägerung hat, ist verständlich.]
Wem meine Kommentare unverständlich sind, der möge sich bitte in Wikipedia den Artikel „Heinz Neumann (Politiker)“ ansehen. Der Neumann war 1923 aus Hamburg nach Österreich geflohen, weil er wegen Teilnahme am Aufstand gesucht wurde. Von Österreich wurde er in die Sowjetunion ausgewiesen. Dort ordnete er sich schnell der Stalin-Doktrin unter und stieg DESHALB in der Führung der KPD schnell auf, war aber intellektuell überfordert. Durch NEUMANN wurde die KPD „bolschwisiert“, d.h. der Stalinismus setzte sich in der KPD in Deutschland und im Exil durch. Stalin hatte die Theorie, dass Sozialdemokraten und Nazionalsozialisten zwei Seiten der selben Medaille waren (Sozialfaschismus-Theorie) Das führte dazu, dass die KPD in Deutschland die Sozialdemokraten stärker bekämpfte, als die Nationalsozialisten. In der Sache war die SPD dadurch in der Zange zwischen KPD und NSDAP. Faktisch erwies sich die KPD damit als linker Flügel der NSDAP. Das Ergebnis ist bekannt, 1933 gewann die NSDAP. Erst 1935, als es zu spöt war, korrigierte die stalinistische KPdSU diese saudumme Strategie. Stalin muss bewusst geworden sein, dass es sein kleinkarierter Hochmut war, der der NSDAP an die Macht geholfen hatte. Vielleicht war das aber auch Stalins Vorsatz? Neumann war zwar 1928 nach Deutschland zurück gekehrt, blieb aber der Statthalter Stalins in Deutschland. Erst als er 1935 wieder nach Russland ausgewiesen wurde, trat nun ein Problem für Stalin auf. Der willfährige Neumann, der die falschen Thesen Stalins verbreitet hatte, die der nun nicht mehr hören wollte, wurde jetzt als „Deutscher“, nicht als Kommunist, verfolgt, 1937 verhaftet. Die neue Strategie Stalins war der „Große Terror“ (Beseitigung der Mitwisser). Neumann wurde 1937 zum Tode verurteilt und von seinen „sowjetischen Genossen“ hingerichtet. Neumann sollte ALLEN, die auf Befehl von oben gegen die Vernunft handeln und reden, eine Warnung sein. Die Führer, für die sie Lügen und heucheln, werden ihnen morgen in den Rücken fallen!