Robert von Loewenstern / 07.10.2018 / 06:29 / Foto: U.S. N.A.R.A / 129 / Seite ausdrucken

Ich will AfD-Wähler verstehen. Wie peinlich!

Ich bin peinlich. Das erklärte mir Alan Posener in der „Welt“ zum Tag der Deutschen Einheit unter einer Überschrift von erfrischender Klarheit: „Verständnis für AfD-Wähler? Einfach nur peinlich“. Kolumnist Posener ist nicht irgendwer, sondern bei der „Welt“-Gruppe seit zehn Jahren „Korrespondent für Politik und Gesellschaft“. Einen derart sinnfreien Titel erhält man im Medienbusiness gemeinhin nur dann, wenn man entweder eine sogenannte Edelfeder ist oder aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht gefeuert werden kann und deshalb einen Resopaltisch zwischen Archiv und Notstromaggregat bewohnt.

Da Herrn Poseners Schreibtisch in der Berliner Kochstraße Tageslicht empfängt und in unmittelbarer Nähe der „Welt“-Wirtschaftsredaktion angesiedelt ist, gehört der Korrespondent für Things and Stuff unzweifelhaft in die Kategorie Edelfeder. Er darf also über alles und jeden schreiben, und was er schreibt, hat grundsätzlich Gewicht, jedenfalls aus Verlagssicht, weil es mit einiger Wahrscheinlichkeit erstens klug ist und zweitens brillant formuliert. 

Seine Gewichtsklasse ist der eine Grund, warum es mich kümmert und bekümmert, wenn Alan Posener mich peinlich findet. Der zweite Grund ist, dass Henryk M. Broder den „Welt“-Kollegen Posener seinen Freund nennt. Und ja, es ist mir ein bisschen peinlich, wenn Freunde des geschätzten Henryk M. mich peinlich finden, auch wenn HMB schreibt, dass er mit seinem Freund Alan selten einer Meinung sei.

AfD-Wähler: dumm oder perfide

Peinlich bin ich für Posener deshalb, weil ich mich bemühe, AfD-Wähler zu verstehen. Sogar mit einigem Erfolg, gebe ich hiermit offen zu, was wahrscheinlich strafverschärfend ist. Wenigstens schramme ich knapp an der Maximalverurteilung vorbei, Gott beziehungsweise Posener sei Dank, denn selbst zähle ich nicht zu den AfD-Wählern. Denen bescheinigt Feingeist Posener nämlich „Dummheit oder Perfidie“. Immerhin, da ist ein „oder“ involviert. Der AfD-Wähler darf sich also aussuchen, welche der beiden Pauschalbeleidigungen er auf sich bezieht. So geht edelfedrige Differenzierung.

Posener wörtlich: „Wer sich mit offenen Augen entschließt, eine Partei zu wählen, die den Liberalismus und die Globalisierung mitsamt der Europäischen Union und der Nato ablehnt und sich einem autoritären und chauvinistischen Herrscher wie Wladimir Putin andient – der muss damit leben, dass ein Kolumnist diesen Wahlakt beim Namen nennt, nämlich Dummheit oder Perfidie.“ Keine leichte Bürde für die unterbelichteten bzw. verschlagenen AfD-Anhänger. Mein Gefühl ist allerdings, dass „ein Kolumnist“ sich hier tendenziell etwas überschätzt und den Angesprochenen seine Namensnennerei glatt am Rektum vorbeigehen könnte. Sie sind schließlich einiges gewohnt. 

Das ahnt wohl auch der Autor. Um sicherzugehen, dass seine zarten Anspielungen beim stumpfen Pack nicht untergehen, schiebt er zwei originelle Einfälle nach: einen Vergleich von AfD-Wählern mit Nazi-Wählern (die zu verstehen bereits Klaus Mann ablehnte) und einen mit jugendlichen Hakenkreuz-Schmierern (die wegen angeblicher Befindlichkeiten Schultafeln verunzieren). 

Mehr Edding als Edelfeder

Beim Stichwort Schmierer mag nun der eine oder andere spontan assoziieren, auch der Posener-Artikel sei durch eine gewisse Gedankenblässe gekennzeichnet, zudem von überschaubarer Formulierungskunst. Mehr Edding als Edelfeder, sozusagen. Ich maße mir da kein Urteil an. Nicht meine Gewichtsklasse, wie gesagt. Einigen wir uns der Einfachheit halber auf Edel-Edding.

Die Erkenntnisse des Korrespondenten für Politik und Gesellschaft noch einmal zusammengefasst: AfD-Wähler sind wie Nazi-Wähler früher und Hakenkreuz-Schmierer heute. Dumm oder perfide. Und jeder, der das AfD-Nazi-Gesocks verstehen will, ist einfach nur peinlich. Ich finde zwar ganz persönlich, dass etwas mehr als „peinlich“ drin gewesen wäre. Aber was weiß ich schon. Ich bin ja nicht mal Edel-Edding. 

Festzuhalten bleibt: „Welt“-Autor Posener kann ordentlich austeilen. Bei der zweiten boxerischen Tugend, dem Einstecken, sieht’s nicht ganz so sonnig aus. 

Alan Posener fühlt sich nämlich übel beschimpft, und zwar von Christian Lindner. Der hatte ein paar Tage zuvor in einem „Welt“-Interview „dumme Sachen“ (Posener) gesagt. Genau genommen war es dieser eine Lindner-Satz, der den Kolumnisten tief verletzte: „Mich besorgt, dass auf die AfD nur mit der Denunziation ihrer Wähler reagiert wird, statt zu erkennen, dass es in ihrer Wählerschaft viele erreichbare Menschen gibt, die zwar nicht mit den Status quo zufrieden, aber die noch nicht radikalisiert sind.“

Posener auch peinlich?

Das konnte der „Welt“-Korrespondent für Alles und Mehr natürlich nicht unwidersprochen hinnehmen. Verständlich, dass er dem FDP-Vorsitzenden seine Schranken aufzeigt. Lindner „sollte nicht jene beschimpfen, die Klartext reden“. So. Das saß aber mal.

Nun geht es Ihnen möglicherweise wie mir. Ich gestehe, ich hatte die Posener-Beschimpfung in Lindners Interview-Aussage völlig übersehen. Ist halt nicht jeder ein sensibler Feingeist. Das weiß auch der erfahrene Kolumnist und hilft dem entwicklungsverzögerten Teil der Leserschaft auf die Sprünge: „Ich nehme Lindners Worte persönlich, weil ich hier geschrieben habe, ich könnte den gemeinen AfD-Wähler zwar gut verstehen, ihm gerade deshalb nicht verzeihen.“

Ach so. Lindner hatte es nicht persönlich gemeint, aber Posener hatte es persönlich genommen. Hm. Falls Sie immer noch nicht richtig auf der Höhe sind, hier meine Erklärung in Einfacher Sprache (bitte nicht persönlich nehmen, ich musste ja auch dreimal lesen, bis ich’s kapiert hatte): Posener findet AfD-Wähler doof. Lindner findet „Denunziation von AfD-Wählern“ doof. Posener fühlt sich erwischt beziehungsweise von Lindner als Denunziant beleidigt. Deswegen schreibt Posener dem Lindner in einer Kolumne, dass er ihn jetzt auch doof findet.

So weit klar. Was mich allerdings nachhaltig irritiert, ist Poseners Aussage, er könne den „gemeinen AfD-Wähler gut verstehen“. Ja, was denn nun? Ist Posener etwa auch AfD-Wähler-Versteher? Das heißt, er ist genauso peinlich wie Lindner und ich? Wozu dann die Kolumne? Ehrlich, das Rätsel habe ich trotz langer Grübelei nicht gelöst.

Mein böser Verdacht

Aber ich habe da so einen Verdacht. Vielleicht geht es nicht um Christian Lindner. Schon gar nicht um mich. Es gibt da nämlich eine gewisse Vorgeschichte.

Alan Posener schrieb bereits in einer Kolumne am 18. September (Titel: „Ich will die Wähler der AfD gar nicht verstehen“), dass es laut Klaus Mann ein „Alles-verstehen-Können“ gibt, das „zu weit geht“. Dem schloss sich der Kolumnist an und fand: „Von diesem Radikalismus brauchen wir mehr.“ Die „Welt“-Abonnenten fanden das eher weniger. Die Daumen-hoch-Daumen-runter-Abstimmung unter dem Bezahlbeitrag ging 82:997 gegen Posener aus. Auch die über 500 Leserkommentare zum Artikel waren, sagen wir es vorsichtig, medium-freundlich.

Henryk M. Broder war ebenfalls nicht restlos überzeugt. Zwei Tage später erschien seine zartfühlend-satirische Antwort hinter der „Welt“-Bezahlschranke mit der Überschrift „Ich will Angela Merkel nicht verstehen“. Auszug:

Eigentlich geht es mir wie meinem Freund und Kollegen Alan Posener, der die Wähler der AfD nicht verstehen will. Ich will die Bundesregierung, Angela Merkel vorneweg, nicht verstehen. Sie hatte mehr als drei Jahre Zeit, uns zu erklären, was sie will und wohin die Reise gehen soll. Stattdessen hat sie uns geraten, „uns zu unserer Religion zu bekennen, mal wieder in einen Gottesdienst zu gehen oder ein bisschen bibelfest zu sein“, christliche Lieder zu singen und jemand zu suchen, der uns auf der Blockflöte begleiten kann. Damit wir aus der Krise „besser herauskommen, als wir hineingekommen sind“. Ich will das alles nicht mehr verstehen. Ich will nur eines: dass dieser tägliche Albtraum endlich aufhört. Lieber Alan, steh mir bei!

Tore und Eigentore

Unter dem Broder-Beitrag fanden sich 403 überwiegend begeisterte Leserkommentare ein. Außerdem erhielt HMB von den „Welt“-Abonnenten 2.599 Upvotes und nur 54 Downvotes. In der Gesamtwertung Posener versus Broder stand es damit 136 zu 3596. Anders ausgedrückt: 3,6 Prozent Zustimmung für Posener, 96,4 Prozent Zustimmung für Broder. 

Im Fußball entspräche das nach Toren einem 1:27, was man wohl ein relativ klares Ergebnis nennen würde. Da kann man sich noch so viel schönreden. Ein derart heftiger Liebesentzug seitens der zahlenden Leserschaft schmerzt auch die souveränste Edelfeder. Einen Edel-Edding sowieso.

An dem Punkt hat sich mir der leise Verdacht aufgedrängt, dass der Herr Posener zur Schmerzbehandlung mit seiner Kolumne vom 3. Oktober gar nicht auf den Herrn Lindner geantwortet hat, sondern auf seinen Freund und Kollegen Broder. Nun könnte ich den geschätzten Henryk M. natürlich fragen, ob er das vielleicht auch so sieht. Würde ich aber nie tun, weil ich ihn ganz bestimmt nicht in Verlegenheit bringen will.

Bleiben wir also bei den harten Fakten: Der letzte Posener-Beitrag war überraschenderweise auch für Nichtzahler zugänglich. Entsprechend höher war die Anzahl der veröffentlichten Leserkommentare, nämlich rund 1.000, was für „Welt“-Verhältnisse eine ordentliche Menge ist. Das Stimmungsbild der Kommentare dürfen Sie selbst erraten (oder erlesen, ist ja frei einsehbar). Die Daumen-Abstimmung unter dem Artikel steht derzeit bei 176 pro zu 2.545 contra Posener. 

Das war nicht anders zu erwarten. Was wir daher auf jeden Fall anerkennen wollen, ist der unerschütterliche Kampfeswille des „Welt“-Kolumnisten. Um im Fußball-Bild zu bleiben: Auch wenn er noch so viel kassiert und sich zu allem Überfluss die Dinger selbst in den Kasten haut, er macht weiter, immer weiter. Respekt.

Protest oder Blitzbräunung?

Nachdem das geklärt wäre, bleibt eine Frage: Warum sollte es eigentlich peinlich sein, Wähler – gleich welcher Partei – und deren Motive verstehen zu wollen? Ich dachte bisher, das sei eher löblich und nützlich und nicht zuletzt der Sinn aufwändiger Wahlforschung.

Mit deren Hilfe lassen sich ganz schnell ein paar interessante Erkenntnisse gewinnen. Recherchefaule schauen zum Beispiel hier auf Wikipedia: Bei der Landtagswahl 2014 im angeblich so braun-versifften Sachsen erzielte die AfD mit rund 160.000 Stimmen einen Anteil von 9,7 Prozent. Knapp die Hälfte der AfD-Stimmen kam von Wählern, die zuvor „etabliert“ gewählt hatten, also CDU, FDP, Linke, SPD und Grüne. Nur 13.000 Stimmen stammten von vormaligen NPD-Wählern, der Rest von ehemaligen Nichtwählern oder Wählern „anderer“ nicht im Landtag vertretener Parteien. Nur 8 Prozent der AfD-Wähler hatten also zuvor braun-extremistisch gewählt (meinetwegen ein paar mehr, wenn man abstruse Splittergruppen dazuzählt). Heißt im Umkehrschluss: Mindestens 80 bis 90 Prozent der AfD-Wähler kamen nicht aus der braunen Ecke. Ganz ähnlich sieht es bei anderen Wahlen aus.

Weiteres Beispiel: Im August 2015 dämmerte die AfD in bundesweiten Umfragen zwischen 3 und 4 Prozent vor sich hin. Bereits nach zwei Monaten Merkelscher Grenzfreigabe war die AfD im November 2015 auf 10,5 Prozent hochgeschossen und damit erstmals drittstärkste Partei. Erklärt sich das der lebenserfahrene und gebildete „Welt“-Korrespondent für Politik und Gesellschaft mit einer massenhaften Blitzradikalisierung? Millionen Deutsche haben innerhalb von drei Monaten den schlummernden Nazi in sich entdeckt? Oder haben schlagartig gemerkt, dass sie „abgehängt“ oder „islamophob“ sind oder Angst vor der Digitalisierung haben? Ernsthaft?

Gibt es nicht vielleicht doch eine näherliegende Erklärung? Nach fast allen Umfragen der letzten drei Jahre lehnt die Mehrheit der Schonlängerhierlebenden Angela Merkels Migrationspolitik ab. Ein Teil dieser Kritiker ist so empört über diese Politik und deren finanzielle und gesellschaftliche Folgen, dass er sich nicht anders zu helfen weiß, als seinen Protest durch ein Kreuz bei der AfD auszudrücken – nicht unbedingt, weil er deren Programm oder Personal so sahnig findet, sondern weil er damit die Hoffnung verbindet, Druck auf die anderen Parteien auszuüben. 

Nach meiner persönlichen Meinung spricht aufgrund der Faktenlage ein bisschen mehr für Erklärungsmuster zwei als für die Variante Blitzbräunung. Muss natürlich nichts heißen. Überhaupt darf man die Auseinandersetzung mit Tatsachen und Ursachen auch grundsätzlich ablehnen. Einfach so, weil man’s kann. Ein Alan Posener darf sich sogar Jakob Augstein anschließen, dem Hohepriester faktenfreier Meinungsstärke. Ist ein freies Land.

Aus genau diesem Grund darf Alan Posener mich auch peinlich finden. Und ich ihn.

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Ludwig Watzal / 07.10.2018

Intelligenter und witziger hätte man diese sogenannte Edelfeder nicht entzaubern können. Aber was will man von einem Merkel-Versteher und dem Merkel-Sprachrohr, Die Welt, auch anderes erwarten. War nicht A. Posener einmal auch eine sogenannte Edelfeder von achgut?

Karin Adler / 07.10.2018

Herrlich! Bezüglich des Innenlebens eines AfD-Wählers möchte ich zur Aufklärung beitragen. Als ehemalige CDU-Wählerin ergab sich schon vor Sept. 2015 ein gewisses Unbehagen gegenüber der EU-Finanz- und Bevormundungspolitik. Mit der Grenzöffnung Merkels wurde mir klar, dass es kein “weiter so” geben darf. Das mein Kreuz bei der AfD landete, war der Tatsache geschuldet, dass ich, allen Diffamierungsversuchen der Medien zum Trotz, feststellen durfte, dass in dieser Partei viel Fachwissen vorhanden ist. Den absoluten Ausschlag hat aber gegeben, dass die AfD-ler auf undemokratische Weise mittels Antifa, DGB, Parteien und von Steuergeldern finanziertem Vereinklüngel angegriffen werden und das nicht nur verbal. SPD, Grüne und Linke tun in forderster Front mit. Merkels CDU besieht sich das Ganze ohne einzuschreiten und hofft, davon zu profitieren. Nun verfolge ich amüsiert die Reden im Bundestag und warte eigentlich bis heute darauf, dass die sog. Altparteien die AfD endlich mit Fakten in der Debatte entzaubern. Was ich erlebe sind verbale Entgleisungen, Nazi-Geschrei und ein ekelhaft überhebliches Kindergartengehabe ohne sachliche Argumentation und Fakten von Seiten derer, die schon länger im Bundestag sitzen. Mein Fazit: Der Bundestag ist nicht mehr langweilig, die Reden der AfD-Politiker hochkarätig und legen den Finger in die Wunde. Das Gejaule von Hofreiter: Unbezahlbar. Ich würde sie immer wieder wählen.

Peter Freimensch / 07.10.2018

Ob der Herr Posener nun seine Elaborate in die WELT pinselt oder auch nicht - wen juckt`s? Im Hause Springer gibt es den einen oder anderen Journalisten, der oder die diese Bezeichnung noch verdient. Scheuklappenträger wie Posener, Kellerhoff und andere Schreib-Zombies gehören meiner Meinung aber nach garantiert nicht dazu.

Reinhold Schmidt / 07.10.2018

Ohne jetzt auf den eigentlichen Punkt des Artikels einzugehen, kommt man langsam zu dem Schluss, dass man die WELT und insbesondere deren Kommentarbereich nicht mehr ganz ernst nehmen sollte. Ich weiss nicht, nach welchen Gesichtspunkten Kommentare dort veröffentlicht werden. Mögen sie noch so sachlich, vollkommen ohne jede Hetze, Diffamierungen o.ä. formuliert sein. Bei den im Artikel angeführten Pro- und Contra-Vergleichen würde die Anzahl der Contra Stimmen sicherlich noch viel größer ausfallen und die Anzahl der entsprechenden Kommentare wäre wesentlich höher, wenn nicht viele der WELT-“Zensur” zum Opfer fallen würden.

María José Blumen / 07.10.2018

Die AfD ist ebensowenig ein in Fels gehauenes politische Konstrukt wie die anderen Parteien. Jede Partei ist wandelbar, was man ja am besten an der CDU festmachen kann. Die hat sich von einer ehemals konservativen Volkspartei gewandelt zu einer Art SPD mit bürgerlichem Anstrich, deren einziges Ziel der Machterhalt ist - in welchen koalitionären Konstellationen auch immer. Aus ebendiesem Grund ist jetzt die SPD auch vollkommen überflüssig geworden. Auch die AfD wandelt sich - ständig. Es fing ja mal an mit Lucke & Henkel, ging dann über Petry zu Gauland & Co.. Das mag keine Entwicklung hin zum Besseren sein, aber die Zahl der AfD-Wähler steigt trotzdem. Warum? Diese Frage sollte man sich doch stellen, wenn man nicht von einer blasierten Haltung aus einfach ein Anwachsen der Dummheit der Deutschen konstatiert. Warum also wächst die Zahl der AfD-Wähler trotz aller medialer Propaganda gegen diese Partei? Heisst das nicht dass es in Deutschland ein Bedürfnis gibt die Merkelsche Utopie einer unbegrenzten Zuwanderung auf den Prüfstand zu stellen bevor die nächste Welle nach Deutschland schwappt? Heisst das nicht dass viele Bürger fragen haben zum Zustand des Euro und den Massnahmen der Europäischen Zentralbank? Denn diese Fragen werden von keiner der anderen Parteien aufgegriffen. Der öffentliche Diskurs wird verweigert. Es ist also nicht verwunderlich dass mehr und mehr Bürger als einzige Möglichkeit in diesen Fragen unvoreingenommene Diskussionen anzuschieben ihr Kreuzchen bei der AfD machen. Utopien müssen rechtzeitig überprüft werden - bevor man sie allen überstülpt. Die Menschen wollen ungefilterte Information im Parlament und in den Medien. Die Menschen wollen Demokratie. Ja, es ist eine demokratische Entscheidung sein Kreuzchen bei der AfD zu machen. Es ist kein Stück weniger demokratisch als sein Kreuzchen bei der CDU, oder den Grünen zu machen. Wer dies bestreitet ist kein Demokrat. Natürlich muss auch die AfD weiter kritisch beobachtet werden, wie jede Partei

Norbert Rahm / 07.10.2018

Ich lese Alan Posener sehr gerne, den Broder ebenfalls, und schätze sie beide sehr. Herr Posener ist aber nicht immer konsequent in seinen Äußerungen und Meinungen. Ich glaube, in diesem Fall hat er, wie es im Internet so schön heißt, mal so richtig getrollt. Weil er es kann, und weil er es darf. Gelesen wird es, Wellen schlägt es. Seine Abneigung gegenüber der AfD kann ich nicht wirklich verstehen. Aber wie gesagt, vielleicht wollte er selbst mal lesen, warum die Leute so ticken und was sie denken. Klar hat die AfD so einige braune Flecken und Wähler radikaler Parteien angelockt. Aber das ist so wie zu behaupten Chemnitz wäre ein einziger brauner Mob, und die Protestanten in Kandel alles Rechtsradikale, dumme, hasszerfressene Idioten. Das zu erkennen sollte man Posener zugestehen. Als Starfeder darf man wohl auch mal Starallüren haben, so seltsam sie auch sein mögen. Auch Posener sieht, was er aber anscheinend nicht sagen will. Die AfD ist zu einer Anti-Merkel-Politik-Partei geworden. Die Eurokritische Vergangenheit ist dadurch etwas in den Hintergrund getreten und ich meine, in Zeiten eines Brexit sollte man ruhig die heilige EU kritisieren dürfen! Der Brexit hätte ein Weckruf sein sollen, aber die EU hat sich trotzdem kein bisschen geändert. Brexit-Wähler werden auch gerne dämonisiert von Landsleuten und Presse. Versuche sie zurückzugewinnen, Kompromisse zu machen? Null. Und deswegen wähle ich die AfD, sonst tut sich ja nichts. Wenn ein als sehr gut integriert geltender palästinensischer Azubi die weibliche Personalchefin etwas nennt und anspuckt, was bei einem anderen Azubi zur sofortigen Kündigung geführt hätte, wenn die besten Vermittlungserfolge syrischer Flüchtlinge in Arbeit die eines Paketzustellers bei Hermes oder DPD sind, und die Deutschkenntnisse sich auf “Hallo” und “Tschüß” beschränken, halte ich es für recht erheiternd wenn ich weiter Parteien der endlosen Großen Mauschelei auf Merkelkurs wählen soll, nur weil “die AfD so furchtbar ist”.

Sandra Lehmann / 07.10.2018

Es ist für einen einfachen Leser und Nichtjournalisten wie mich ein unglaublich befriedigendes Gefühl, wenn jemand mit journalistischem Können die eigene Sichtweise so perfekt zum Ausdruck, wie man es selbst niemals zustande gebracht hätte. Vielen Dank dafür! :-) Was die Gründe des Großteils der AfD-Wähler angeht, zu ebendieser Partei zu wechseln, liegen Sie natürlich völlig richtig - und das ist ja nicht mal eine Kunst, denn das ist ja nun wirklich mehr als offensichtlich. Daher kann man eigentlich auch nur annehmen, dass das angebliche Unverständnis eher auf Absicht beruht. Und das wiederum sollte zu denken geben.

Sepp Kneip / 07.10.2018

“AfD-Wähler sind wie Nazi-Wähler früher und Hakenkreuz-Schmierer heute. Dumm oder perfide. Und jeder, der das AfD-Nazi-Gesocks verstehen will, ist einfach nur peinlich.” Wieviele wären das nach heutigen Umfrageergebnissen? Zehn Millionen? Zehn Millonen Nazi-Gesocks in Deutschland? Wieviel Millionen Euro kassiert so ein Schreiberling aus dem Etat “Kampf gegen Rechts”, der so viele Bürger in Deutschland verunglinpfen darf? Nein, peinlich sind mir die Wähler, die links/grünen Sirenenklängen auf den Leim gehen.  „Wer sich mit offenen Augen entschließt, eine Partei zu wählen, die den Liberalismus und die Globalisierung mitsamt der Europäischen Union und der Nato ablehnt und sich einem autoritären und chauvinistischen Herrscher wie Wladimir Putin andient – der muss damit leben, dass ein Kolumnist diesen Wahlakt beim Namen nennt, nämlich Dummheit oder Perfidie.“ Würde sich der Herr Kolumnist mal vor Augen führen, was Merkel in ihrer Amtszeit aus Deutschland gemacht hat, wie die Deutschland den Globalisten ausliefert, dürfte er sich nicht wundern, wenn zehn Millionen AfD-Wähler die anderen dumm oder perfide finden. Man braucht sich da nur die exzellenten Reden der AfD-Abgeordneten im Bundestag und die der anderen Parteien anzuhören, da erkennt man direkt, was peinlich ist. Schulz und Kahrs lassen grüßen.

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