Gerd Buurmann, Gastautor / 03.02.2019 / 14:31 / 14 / Seite ausdrucken

Ich kann es kaum erwarten, die Sonne zu sehen!

Bilal Hassani ist ein französischer Liedermacher und Produzent. Er wurde im Jahr 1999 in Paris in eine muslimische Familie marokkanischer Herkunft hineingeboren. Schon früh bekannte er sich offen zu seiner Homosexualität. Mit dem Lied „Roi“ wird er Frankreich beim Eurovision Song Contest 2019 in Israel vertreten.

Sowohl für seine Entscheidung, in Israel aufzutreten, als auch für seinen Lebensstil bekommt Hassani Hassmails und Morddrohungen. Über den Hass, der ihm entgegenschlägt, spricht er ganz offen, sowohl in seinen Liedern, als auch zu seinen mittlerweile knapp eine Millionen Followern auf YouTube. Er erklärt: „Ich bin nur ein Junge aus der neuen Generation, der wirklich das Gefühl hat, etwas tun zu können.“

Über den Eurovision Song Contest und die Anfeindungen, die ihm entgegenschlagen, sagt er:

„Es gibt gelegentlich Leute, die versuchen, den Eurovision zu einem politischen Ereignis zu machen, aber mich interessiert das nicht. Die Bühne ist ein heiliger Ort. Ich habe gehört, dass das Leben in Tel Aviv wirklich aufregend ist. Ich kann es kaum erwarten, die Sonne zu sehen. Und ich kann es kaum erwarten, das Land zu besuchen. Ich verfolge den Eurovision seit meiner Kindheit. Ich habe immer gesagt: „Eines Tages werde ich Frankreich beim Eurovision vertreten.“

Mit dem Lied „Roi“ wird er nun seine Botschaft der Selbstakzeptanz und Emanzipation in Israel präsentieren und dabei besonders den Menschen seiner marokkanischen und muslimischen Herkunft zeigen, dass Liebe, Akzeptanz und Frieden möglich ist, auch für Homosexuelle, die selbstverständlich mit Juden in Israel singen, tanzen und feiern.

Marokko weigert sich, mit Israel zu singen

Gerade für Marokko ist Bilal Hassani ein Vorbild, denn bis zum heutigen Tage weigert sich das Land, am Wettbewerb teilzunehmen, obwohl es teilnahmeberechtigt ist. Der Grund ist so einfach wie schrecklich: Marokko weigert sich, mit Israel zu singen.

Im Jahr 1979 fand der Eurovision Song Contest erstmals in Israel statt, nachdem das Land 1978 den Wettbewerb gewonnen hatte. Da Israel in diesem Jahr zu Hause wieder gewann, hätte die Show 1980 eigentlich erneut in Israel stattfinden sollen, aber der austragende israelische Sender entschied sich, ein Jahr zu pausieren. Diese Entscheidung nutzte Marokko und bestätigte erstmals seine Teilnahme am israelfreien Wettbewerb.

Im Jahr 2015 meldete Marokko aufgrund einer wahrscheinlichen Absage Israels erneut Interesse am Eurovision Song Contest an. Als Israel dann aber doch seine Teilnahme für 2015 bestätigte, sagte Marokko am 31. Oktober 2014 seine Teilnahme ab und blieb dem Wettbewerb fern. Für die marokkanischen Verantwortlichen ist schon allein die Existenz von israelischen Menschen ein Affront. Im Jahr 1977 zog auch Tunesien aus dem selben Grund seine Teilnahme am Eurovision Song Contest zurück.

Der Libanon meldete sich für den Eurovision Song Contest 2005 an und wählte die Sängerin Aline Lahoud aus, um das Land mit „Quand tout s’enfuit“ zu vertreten. Es kam jedoch zu einer Auseinandersetzung mit der Europäischen Rundfunkunion (EBU), da der verantwortliche libanesische Sender Télé-Liban den israelischen Beitrag ausblenden wollte. Die EBU verlangte jedoch, dass alle Lieder gesendet werden müssten. Dies wollte Télé-Liban nicht garantieren, weshalb der Libanon dem Wettbewerb fern blieb.

Singt nicht mit Juden! Das scheint das Motto dieser diskriminierenden Länder zu sein. Bilal Hassani stellt sich diesem Hass entgegen. Er singt. Merci!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Gerd Buurmanns Blog Tapfer im Nirgendwo.

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Leserpost

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P.Steigert / 03.02.2019

In GB haben “Kulturschaffende” öffentlich die BBC aufgerufen, den Wettbewerb in Israel zu boykottieren: Peter Gabriel, Roger Waters(von Pink Floyd), Mike Leigh, Ken Loach, Vivienne Westwood ... Es gibt also auch in Europa viele, die unbedingt ein Feindbild brauchen.

Klaus Fellechner / 03.02.2019

Darum ist Deutschland bereit alle arabischen Länder in jeder Hinsicht zu unterstützen! Wenn die Sicherheit Israels Staatsräson ist,wie Frau Merkel großspurig in Israel tönte,dann sollten wir das Israel tagtäglich beweisen! Nicht nur bei Feiertagen oder Staatsbesuchen. Aber nein,wir machen genau das Gegenteil,wir unterstützen mit Mio. Euro jedes Jahr die Hamas,den grössten Feind Israels.

Marc Blenk / 03.02.2019

Lieber Herr Buurmann, da ich mich mit dem Songcontest so gar nicht beschäftige, danke ich Ihnen ganz besonders über ihren Bericht. Und ja. Dieser junge Mann ist ein Vorblid und gar nicht so unpolitisch, wie er vielleicht selbst von sich denkt. Ich hoffe, ihm wird kein Leid zuteil und eine Fatwa über ihn gesprochen. Vielleicht schaue ich mir den Songcontest diesmal sogar an und drücke ihm die Daumen.

Wilfried Cremer / 03.02.2019

In Köln passiert das Gegenteil. Ein Reggaesänger, der zur Gewalt an Homosexuellen aufrief, soll im Sommer auftreten. Schwarz sticht rosa, so wollen es die linken Regeln.

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