Heinz-Erich Thoma
Ich glaube es zumindest, weil ich irgendwie an das Gute im Menschen glaube. Ich bin auch kein Intellektueller. Ich habe ein Studium der Hüttenkunde abgebrochen, weil ich für die erforderlichen mathematischen-naturwissenschaftlichen Grundkenntnisse zu faul im Gymnasium war oder zu doof, je nachdem….
Um Journalist zu werden, was mir als junger Fetz von 20 Jahren gelegen hätte, hatte ich keine Beziehungen und zu arme Eltern, die mir ein kostenloses Volontariat bei der Aachener Volkszeitung finanzieren sollten. Also bekam ich Existenzangst, die dazu führte, dass ich mein nutzloses Studium abbrach und eine Lehre als Glaser in einem Aachener Betrieb machte. Eine ehrliche Arbeit mit meinen beiden Händen, die ich immer schon geschickt einsetzen konnte. Ich war ein erfolgreicher Lehrling, ein erfolgreicher junger Ehemann, ein angepasster Schwiegersohn, ein lausiger Vater (in der Retrospektive), ein ungeduldiger Glasergeselle und ein hoffnungsvoller Unternehmensgründer.
Jetzt bin ich nur noch ein Idiot.
Ach ja, ich war auch mal ein Gutmensch. So einer, der samstags mit anderen Eltern die Klassenzimmer sämtlicher Schulen seiner Kinder mit renoviert hat, der aus Erbarmen die Hand gehoben hat, wenn sich sonst niemand in den Klassen-Pflegschaften zur Verfügung gestellt hat, der beim Kindergartenfest immer schon Freitags nach der Arbeit die Zelte aufgebaut hat und Sonntag abends, wenn die anderen besoffen nach Hause gingen, diese Zelte wieder abgebaut und mit seinem großen Lieferwagen abtransportierte.
Ich war der, der die lästige Arbeit im Kirchenvorstand machen konnte, für die die anderen zu vergeistigt waren, weil man auf ein beschissenes Gerüst steigen musste, der, den man brauchte, um mit seinem Auto Kinder, Material, Kunstgegenstände und Baumaterial zu transportieren.
Ich war bei der Gründung eines Freundschaftsvereins dabei, in dem es um die Verbesserung der Lebensbedingungen eines Kaffs in Burkina Faso ging, ich hab ehrenamtlich im Vorstand eines Gewerbevereins meiner Gemeinde den völlig zeitintensiven Job eines Kassierers gemacht, weil der Steuerberater, der sich dafür vorher aufgedrängt hatte, sich dies mit überzogenen Rechnungen versilbern ließ.
Wie ich schon sagte, ich bin ein Idiot, weil ich all dies ohne eine müde Mark zu erhalten gemacht habe, weil ich die Frechheit besaß, all dies den Verantwortlichen nach Erledigung ohne Brimborium wieder vor die Füße zu werfen und ihnen irgendwelche Ausreden zu präsentieren, warum ich es nicht weiter machen wolle.
Eigentlich weiß ich erst seit 2006, dass ich ein Idiot bin, vorher hab ich mich für einen prima Kerl gehalten. Aber nach 22 Jahren Ehe mit einer gutmenschlichen Doppelnamen-Lehrerin hatte ich keine Lust mehr, der nützliche Depp zu sein und nur zu funktionieren. Nach meinem Entschluss, zu gehen wurde mir bewusst, dass ich mein Leben bis dahin nur für andere gelebt hatte, ist das nicht idiotisch?
Jetzt bin ich immer noch ein Idiot, weil ich weiterhin in meinem kleinen Handwerksladen 3 Gesellen und immer ein bis zwei Lehrlingen Arbeit verschaffe, deren Früchte dann vom Finanzamt dankend abgebucht werden, nachdem ich vorher für meine Kinder einen Obulus abgedrückt habe, von dem meine beamtete und fürstlich alimentierte Ex-Frau immer per Anwalt und Richterentscheid unterstützt behauptet, dass er viel zu gering sei und überhaupt sei ja schließlich die Hälfte meiner Firma von ihr… Ich habe keine Ahnung, warum ich immer noch so viel arbeite, immer noch kreativ nach Lösungen für meine Kunden suche, die sie nirgendwo anders so erhalten und ich mich freue, wenn am Monatsende die Löhne meiner Jungs in den Kontokorrentkredit passen.
Ich bin ein Freund klarer Aussagen, nachdem ich meine polit-korrekte Haltung abgelegt habe, mich zu meiner Grenzdebilität bekannt habe und das ausspreche, was ich denke, fühle ich mich wesentlich freier, als dies in meinem früheren Leben der Fall war.
Sie haben mal geschrieben, dass sie Schreiben würden, weil sie nichts anderes könnten, und wenn es sie überkommt, dann „kotzen“ sie es raus. Dies ist eine solch simple und ehrliche Aussage, dass sie vermutlich dafür schon vielfach (unter anderem) beschimpft worden sind. Mit geht es ähnlich, ich kann nur „glasern“ und ehrlich sein. Ich werde dafür(weil es in der Anonymität passiert) zwar nicht beschimpft, aber staatlicherseits ausgeplündert. Weil ich diesen Zustand, auch mit Blick auf die lächerlichen Summen, die meinen langjährigen Mitarbeitern nach Abzug der Zwangsabgaben nur noch zur Verfügung bleiben, für unerträglich halte, habe ich angefangen, mich politisch zu engagieren. Seit März des Jahres bin ich in die Bürgerrechtspartei DIE FREIHEIT eingetreten.
Vermutlich aus einem pawlowschen Reflex, der meinem idiotischen Leben unterliegt, habe ich die Resthoffnung, mit einer Partei, die nicht dem Mainstream nacheifert, etwas Bewegung in die verkrustete und kriecherische Politikszene zu bringen. Ich habe nach kurzer Zeit von den Mitgliedern ein Mandat erhalten, als stellvertretender Landesvorsitzender in NRW rumzuturnen. Auch hier stelle ich fest, dass es wie überall Arschlöcher gibt. Ich weigere mich aber, eines Tages in die Kiste zu steigen, ohne das mir Mögliche gegen die ekelhafte und arglistige Politik der großen Parteien unternommen zu haben. Wenn Sie mal auf unser Programm schauen, werden Sie vermutlich den ein oder anderen Punkt finden, mit dem Sie einverstanden sein könnten. Wahrscheinlich werden Sie aber auch manches feststellen, wofür Sie uns beschimpfen werden. Aber eine Beschimpfung durch Sie wäre mir immer noch lieber als eine Zustimmung durch irgendeinen etablierten Politiker. Aktuell steht ein Bundesparteitag an, auf dem ich ein Mandat erhalten möchte, um mein Anliegen für eine ehrliche, demokratische Politik weiter transportieren zu können.
Idiotisch, nicht wahr?