Liebe Leser,
da dieser Text von Mathias Döpfner, der gestern zuerst in Die Welt erschienen ist, dort inzwischen hinter einer Bezahlschranke steht, können wir ihn hier nicht weiter kostenlos anbieten. Hier ist der Link zum Text bei Die Welt, ein Abo lohnt sich. Achgut.com wird Mathias Döpfners Beitrag zu gegebener Zeit wieder einsetzen, wenn er dort im kostenlosen Angebot freigegeben ist. Wir danken Mathias Döpfner noch einmal dafür, dass wir den Text zunächst einsetzen durften.
Bei aller berechtigter Kritik zu Bild und deren "Mainstream-Wohlfühloase-Journalismus", die haben auch einen Ralf Schuler in ihren Reihen, der auch mal Tacheles redet , wenn man ihn denn läßt , wie neulich bei Plasberg !
@F. Johnson: Die Geschichte mit der Tür erklärt so einiges...
Das ist jetzt ein wenig ot, so halb. Die Jungen meinen, sie könnten das nicht bekommen, weit gefehlt. Es ist Pech, wenn man es kriegt, aber auch Jüngere haben es, und vorgestern wurde vom Tod eines 18jährigen auf der Insel berichtet. Die Jungen gehen entsprechend arrogant damit um (natürlich nicht alle) und streckenweise höhnisch. Ihr Hühnerstalllied sprach auch Bände, und so zwischen 2006 und 2009 hatte Tobias Kaufmann in der alten Achse einen link zum Kölner Stadtanzeiger mit einer Phantasie, wie die Jungen 2021 oder 23 die Alten umbringen. Die Jüngeren und Medien reden ebenso höhnisch über "geburtenstarke Jahrgänge". Das ist im Kern falsch, denn sehr viele Frauen fanden gar keinen Mann, sehr viele Männer waren in beiden Kriegen gefallen. Einige bekamen mehr Kinder, während andere ihr Leben lang solo bleiben mussten, manchmal auch wollten, wie meine Großmutter nach WWI. Diese wiederum schafften wohl die Trümmer weg. Eine aus meiner Familie, 19 Jahre, wurde auf der Flucht in Ostpreußen vergewaltigt und verschwand. Mein Großvater fand sie vier Jahre später in der Psychiatrie. Sie hat niemals geheiratet. Man muss aufpassen, was man sagt. Wer nur Computerspiele und Facebook-Likes kann, sollte sich erstmal über 1918-1948 gründlich belesen, dann kriegt er alles auf einmal abgeschminkt von seinen Tränen: Antisemitismus, Hass auf Alte, blöde Sprüche über Amerikaner, Kranke nicht wahrnehmen. Ein Besuch in Arromanches ist auch empfehlenswert. Und ein Buch über den Mediziner Mengele, um immer schön skeptisch zu bleiben. Die Behandlung von Hysterie hat auch einige interessante historische Verfehlungen in D aufzuweisen. Kurz: Eigentlich muss man zusammenhalten zwischen Alt und Jung.
An die Achgut-Macher: ich bin ein Verfechter der Meinungsfreiheit, getreu dem oft fälschlicherweise Voltaire zugeschriebenen "ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Du es sagen darfst". Dennoch muss ich, und ich denke, da geht es so manchem Achgut-Leser ähnlich, mich fragen, warum der Mann hier veröffentlichen darf, der Chef ist zahlreicher Medienerzeugnisse, die unkritisch eine linksgrüne Politik hofieren, Merkel auch bei katastrophalen Aktivitäten noch loben und in journalistisch wie politisch absolut indiskutabler Weise lautstark den "Kampf gegen Rääächts" anführen. Für mich ist der Mann ein Paradebeispiel dafür, wie heruntergekommen der deutsche Journalismus ist, ja, er ist sogar dafür mitverantwortlich, weil er es zumindest durch Nichtstun duldet und fördert. Sorry, bei aller Meinungsfreiheit, man muss in einem Medium nicht jede Meinung publizieren.
Wir sehen eine Massenhysterie, Ja, liebe Leute so etwas gibt. Über Massenphänomene gibt es sogar Bücher, welche man für ein paar Euro kaufen kann. Ich bin echt erstaunt über die Dummheit der Leute, bzw. über den Unwillen oder das Unvermögen aus der eigenen Beschränktheit herauszuklettern. Gibt es zwei Sorten Menschen? Welche mit Vernunft und welche mit Herdeninstinkt? Lernen Menschen nur auf die harte Tour? Nach dem unsägliche Geschwätz der letzen Jahre, ist die gignatischen Unsinnsmaschine zu stehen gekommen. Wofür das Ganze? Nur für trocken Socken, frisches Essen und eine warem Bude? Oder war da mehr? Und jetzt reiben sich alle beleidigt die Augen, sich fragend, ob ihre Strategien und Pfünde zukünftig ein Auskommen sichern. Hier werden Diskussionen von Gestern geführt, statt sich die Frage zu stellen was man zukünftig habe will. Wer man sein will und in welchen Verhältnisse man leben möchte. Der Schwindel ist in der Zwischenzeit so groß, dass allen schwindlig ist. Es geht nicht ohne Zäsur. Alles wurde schon mal gedacht und gar niedergeschrieben. Warum wird rumgeschwätzt, wie seit jeher rumgeschwätz wurde? Ich ende mit der Definition von Kant über den gesunden Menschenverstand: Selbstdenken, An der Stelle jedes andern denken, Jederzeit mit sich selbst einstimmig denken.
Nicht wenige Tschornalisten haben noch vor kurzem konstatiert, dass ihre Aufgabe keine neutrale Berichterstattung sondern Volkserziehung ist. Und plötzlich ist das anders im Hause Springer? Nee, wahrscheinlich hat Angela bei Friede einen Durchhalteartikel bestellt.
Das Zitat von Prof. Streeck wirft eine Frage bei mir auf: hätte man, wenn es sich um eine Grippe handeln würde, mit der gleichen Hysterie die gleichen Maßnahmen ausgerufen? Oder hat man hier lediglich die Gelegenheit am Schopf gepackt? Oder war am Ende schon alles erwartet und geplant (ich hab' da immer diese ominöse Bundesdrucksache 17/12051 vom 3.1.2013 im Hinterkopf)? Und es ist immer noch nicht die Frage beantwortet, wem das nun alles nutzt. Außer, dass die "Verantwortlichen" a) wieder ein bisschen Zeit gewinnen vor dem Crash, und b) hinterher einen Sündenbock bzw. eine Ausrede haben. Aber ist das alles? Ich kann es mir nicht vorstellen. Warten wir mal ab, bis der Spuk so halbwegs vorbei ist, die Linksgrünen wieder aus ihren Löchern gekrochen kommen und sofort wieder die übliche dicke Lippe riskieren, als hätten sie die "Krise" alleine "besiegt". Und dann wundert man sich auch nicht mehr, warum in Deutschland so wenig gelacht wird. Weil wir immer weniger zu lachen haben.