„Jetzt haben Sie einen neuen Verlag, einen Neuanfang. Das wäre jetzt ja die Gelegenheit, sich grundsätzlich zu den sogenannten Neuen Rechten zu positionieren“, sagt die Kollegin Mara Delius im WELT-Interview mit der Schriftstellerin Monika Maron (14. Nov. 2020) anstelle einer Frage. Ich finde das sehr richtig. Die Dinge zu ordnen, ist immer wichtig. Man kann Leben und Werk nicht einfach so dahinhudeln, ohne sich im Meinungs-GPS eine klare Ortskennzahl zu geben.
Rechts, neurechts, alt-, mittel-, zwischen-, semi-rechts – die Öffentlichkeit hat schließlich ein Rechts darauf, die klaren Koordinaten auf der nach rechts offenen Rechtenskala zu erfahren. Wo kämen wir hin, wenn man einfach so über Bücher und Werk von Autoren spräche! Ob das heroische Männerbild, das Monika Maron in „Artur Lanz“ thematisiert, tatsächlich im Schwinden begriffen ist, ob Rollenbilder womöglich für eine Gesellschaft auch produktiv sein können oder die Natur die zwei Geschlechter womöglich im Sinne produktiver Befruchtung und Polarität hervorgebracht hat. Aber das wäre ja langweilig.
„Sag mir, wo du stehst / Und welchen Weg du gehst!“, sang dereinst in der DDR der FDJ-„Oktoberclub“. „Wir haben ein Recht darauf dich zu erkennen, / auch nickende Masken nützen uns nichts. / Ich will beim richtigen Namen dich nennen, / und darum zeig mir dein wahres Gesicht.“
Nein, nein, das ist natürlich gemein, den grassierenden Bekenntniszwang der immer rechthabenden Partei mit der Etikettierung von Autoren heute zu vergleichen. Denn dieser Zwang beinhaltet ja bereits eine Unterverdachtstellung, die allenfalls durch glaubhafte Distanzierung entkräftet werden kann. Na, wollen wir es mal glauben, Genosse. Aber die Partei vergisst nicht… Es ist zweifellos ein gravierender Unterschied, ob eine System- und Staatspartei zum öffentlichen Bekenntnis antreten lässt, oder in freiheitlicher Selbstorganisation im öffentlichen Raum unter Verdacht gestellt wird.
Ein Körnchen Wahrheit im Meinungsmüsli
Ordnung ist immer wichtig im Leben. Manche meinen sogar, in einer Hälfte des Lebens sei sie es ganz. Wir Metal-Fans zum Beispiel sortieren da penibel nach Heavy Metal, Death Metal, Melocic Death Metal, Power Metal, Thrash, Doom, Math, Prog, Industrial, Black, Ambient, Folk und Nu Metal und Metalcore. Und natürlich Mischformen. Was das im Einzelnen ist, weiß auch keiner. Ist auch wurscht. Hauptsache heavy.
Bei der Rechten, der neuen oder alten, ist das komplizierter und die Sortierung weniger arglos. Hier gibt es Vorstufen, wie etwa das für sich genommen unscheinbar daherkommende „umstritten“. Ein „umstrittener“ Autor ist so etwas wie die „Ernte 23“ unter den Publizisten. Rauchen kann tödlich sein. Vor diesem Autor muss gewarnt werden. Schockbilder auf Büchern, die Lektüre kann Spuren von Gedanken enthalten. Ein Körnchen Wahrheit im Meinungsmüsli. Obacht für Inhaber von Denkprothesen! Gegen „umstritten“ kann man sich nicht wehren, und es liegt die Frage nahe, ob es überhaupt erstrebenswert wäre, ein „unumstrittener“ Autor zu sein. Aufzuschreiben, was alle anderen auch denken, klingt zumindest wenig aufregend. Die Schriften von Nicolae Ceausescu und Enver Hodscha waren zeitweise im regionalen Kontext unumstritten, was aber hier auch nicht weiterführt…
Eine andere Form des dezenten Angezähltseins ist die „Scharnierfunktion“, wie es die Frankfurter Allgemeine unlängst über die Berliner Bibliothek des Konservatismus schrieb. Diese werde dem „Umfeld“ der Neuen Rechten zugeordnet, hieß es in einem Beitrag über den Rücktritt des sächsischen Bischofs Carsten Rentzing. Muss man mehr sagen? „Scharnier“, „Umfeld“ – weißte Bescheid, Schätzelein. Eine Art geistig-kultureller No-Go-Ärea, von der man sich besser fern hält. Man weiß zwar nichts genaues, aber man kann sich’s ja denken. Nicht auszuschließen, dass man dort auf einen trifft, der „umstritten“ ist oder dem „Umfeld“ zugeordnet wird. Oder vielleicht war früher mal einer dort oder später kommt einer, der mit einem gesehen wurde, der auch schon an einer Anthologie mitgewirkt hat, die über einen Verlag vertrieben wurde.
„Soll ich mich von mir selbst distanzieren?“
Ich war eigentlich ehedem recht froh, dass die Zeit vorbei war, als Akten angelegt wurden, wenn man mit wem gesehen wurde. Der Feind schläft nicht. Kontrolle ist besser. „Was soll ich sagen?“, sagt Monika Maron in dem WELT-Interview. „Seit zwei Jahren steht über mich in der Zeitung, ich sei neurechts oder rechts oder von irgendwelchem neurechten Gedankengut infiltriert. Soll ich mich von mir selbst distanzieren? Ich habe weder mit nationalistischen oder rassistischen noch sonst wie verdächtigen Positionen das Geringste zu tun und habe darum auch keinen Grund, mich in dieser Sache zu erklären. Ich distanziere mich ja auch nicht öffentlich von Mord und Totschlag oder sonstigen Gewaltverbrechen, obwohl ich das natürlich furchtbar finde, aber eben nichts damit zu tun habe. Erklären müssen sich die Leute, die bedenkenlos andere zu politischen Verdachtspersonen erklären, weil die etwas anderes denken als sie selbst.“
Um irgendeine politische Auffassung oder literarische Meinung von Monika Maron geht es in dem ganzseitigen Zeitungsinterview übrigens nicht. Ich distanziere mich jedenfalls schon einmal präventiv von diesem Beitrag und seinem Umfeld…

"Lächerlichkeit tötet" -- Versuchen wir uns, wie Sie in Ihrem Beitrag, im Lächerlichmachen!
Da möchte ich nicht nachstehen und distanziere mich von meinem Übergewicht, Diabetes, chronischen Bluthochdruck und natürlich vor mir selber einem alten (54) weißen konservativen Mann.
Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll . Ich distanziere mich . Das haben DDR BÜRGER Jahrzehnte lang getan ,heimlich . Wenn der Bundespräsident eines Tages wieder das Eiserne Kreuz und das Ritterkreutz verleiht an regierungstreue Untertanen , Denunzianten, und Kämpfer gegen alte Nazi Umwelt Säue wird der Beifall bei der sonst so schweigenden Mehrheit unüberhörbar sein den , ALLE WOLLEN ES HABEN . Die DDR gibt es noch, sie wurde nicht übernommen ,sie ist beigetreten. Übernommen wird gerade die ALTE Bonner Republik. Die Einen merken es nicht ,die Anderen sind begeistert . Und wer nicht mitmachen will und sich distanziert ist ein Nazie.
Ich trage noch einen Punkt in die Springer Schmäh-Liste ein, Ralf Schuler. Alle Hinweise auf des Bundespräsidenten Vergangenheit bei Pahl-Rugenstein werden bei der weLT regelmäßig gelöscht. Also, dass Frank-Walter Steinmeier jahrelang von blutigem Stasi-Geld gelebt hat - wuscht! Spielt keine Rolle. - Ah, eine Ausnahme: Don Alphonso ließ das bei seinen weLT-Artikeln durch. Rechts wird der Dreck unterm Fingernagel gesucht, links hat automatisch eine reine Weste...
Wer bitte nimmt diese Mara Delius überhaupt ernst? Ich erinnere mich noch an ihre infantil vorlaute ätzende Kritik an Michel Houellebeqs Roman "Unterwerfung", den sie bereits rezensierte, bevor er in deutscher Sprache auf dem Markt war. Wahrscheinlich hat sie sich da an unserer tollen Kanzleröse orientiert und das Buch als "nicht hilfreich" eingestuft, ohne es gelesen zu haben. Würde ja passen. Dieser Roman ist im Übrigen nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich auf französisch ein Hochgenuss. Wohl für die Tante von Welt als "Soumission" im Niveau zu hoch angesiedelt. Auch Monika Marons Bücher sollte man von der ersten bis zur letzten Seite mit Verstand lesen - soweit Verstand vorhanden ist.
Ich will hinzufügen, dasss die Herren Ulf Poschardt und Matthias Döpfner, als WELT-Chef und Springerr Chef, ebenfalls quasi gewohnheitsmäßig gegen rechts vorgehen und Kontaktschuldvorwürfe anbringen. Die Mara Delius, die ein kleines Licht ist auf deren Torte, genauso wie dei Herren Reichein und Kämmerlings usw., schaut natürlich auch, woher der große Wind im Hause Springer weht.
An Jörg Plath: Das erinnert mich an die überraschende Tatsache das nicht alle bei der AFD der gleichen Meinung sind. Ist das nun glaubwürdig? Unglaubwürdig ist eher der Meinungseinheitsbrei der anderen der aber verständlich ist. Würde ich zB im Iran leben würde ich auch lügen wenn man mich fragte ob ich an Gott glaube. Die Wahrheit zu sagen: Ich bin vom glauben abgefallen, wäre dort tödlich. Hier führt die abweichende Meinung zZt nur zur medialen Steinigung. Der Autor gehört wohl zu den robusteren Naturen mit ausreichender Resilienz. PS Die Aktionäre der Axel-Springer SE mögen rechte Milieus verachten, die Bild bedient sie dann doch hin und wieder da sie auf den Absatzmarkt nicht verzichten will.