Eine kürzlich in „Nature“ veröffentlichte Studie sorgt für Schlagzeilen: Der Klimawandel wird uns hungrig machen. Diese Aussage relativiert sich jedoch, sobald man das Kleingedruckte liest.
Eine kürzlich in Nature veröffentlichte Studie sorgt für Schlagzeilen: Der Klimawandel wird uns hungrig machen. „Selbst mit einer gewissen Anpassung der Landwirtschaft an die Erderwärmung verringert sich künftig die weltweite Ernte. Einer neuen Studie zufolge reduziert jedes zusätzliche Grad-Celsius die Fähigkeit der Welt, Nahrungsmittel zu produzieren, um 120 Kilokalorien pro Person und Tag oder um 4,4 Prozent des empfohlenen Tagesverbrauchs“, schreibt der Tagesspiegel. Ebenso alarmistisch titelt die Zeit: „Klimaerwärmung verringert Ernte in den nächsten Jahren um acht Prozent. Forscher der Stanford University haben die Folgen der Klimakrise auf die globale Ernährung berechnet. Mit jedem zusätzlichen Grad fehlen 120 Kalorien pro Person und Tag.“ Bei web.de heißt es: „Weltweite Ernten könnten in den nächsten Jahren drastisch sinken.“
Der unbedarfte Leser dürfte das so verstehen, dass wir in ein paar Jahren weniger zu essen haben und der Hunger in der Welt wächst. Die Studienautoren Andrew Hultgren und Solomon Hsiang haben wenig getan, um die Hysterie um ihre Forschung zu dämpfen. Ihre zentrale Behauptung: Jedes Grad Celsius Erwärmung führt zu einem Verlust von etwa 120 Kalorien pro Person und Tag. Hochgerechnet auf eine um 3°C erwärmte Welt entspräche das laut Hsiang dem „Verzicht auf das Frühstück für alle“. Wer nun glaubt, durch die wohltuende Wirkung des so zwangsverordneten Intervallfastens werde sich der allgemeine Gesundheitszustand ordentlich verbessern, hat sich zu früh gefreut. Denn wenn man die Studie tatsächlich liest, bleibt von der verkündeten Kalorienreduktion nichts übrig. (Dabei ist noch das geringste Problem, dass mit „in den nächsten Jahren“ das Jahr 2050 gemeint ist.)
Was die Studie wirklich aussagt
Eine genauere Betrachtung offenbart ein anderes Bild. Die projizierten Ernteverluste beziehen sich auf eine kontrafaktische Welt ohne zukünftigen Klimawandel – nicht auf die heutigen Ernteerträge. Dieser entscheidende Punkt wird weder im Abstract erwähnt noch in den Mediendarstellungen klargestellt. Im Tagesspiegel steht zwar ganz am Ende des Artikels: „Die prognostizierten Ertragseinbußen verstehen die Autoren […] als Abweichungen von einem zukünftigen durchschnittlichen Ertragstrend, der von noch unbekannten Faktoren getrieben werde.“ Doch welchem Leser ist klar, was mit diesem Satz gemeint ist?
Lauren Teixeira and Alex Trembath vom Breakthrough Institute erläutern die Methodik: Wenn wir über relative Auswirkungen sprechen, ist es entscheidend, diese im Kontext des Basistrends zu betrachten. Die Studie prognostiziert unter dem RCP 8.5-Szenario eine globale durchschnittliche Ertragsreduktion von 15,6 Prozent im Vergleich zum Szenario ohne Klimawandel. Das klingt bedrohlich – bis man sich die historischen Trends ansieht.
Dank der Grünen Revolution sind die globalen Getreideerträge seit 1961 trotz des Klimawandels um über 215 Prozent gestiegen. Eine einfache Extrapolation der vergangenen sechs Jahrzehnte zeigt: Selbst mit der prognostizierten 15,6-prozentigen Reduktion würden die Erträge bis zum Jahrhundert-Ende noch immer um über 50 Prozent gegenüber heute wachsen. Unter dem plausibleren RCP 4.5-Szenario mit nur 5,9 Prozent Reduktion läge das Wachstum sogar bei 72 Prozent.
Hinzu kommt, dass die Modellrechnungen eben nur Modellrechnungen sind. Die Autoren geben selbst zu, dass ihre Projektionen unsicher sind und dass es, mit geringerer Wahrscheinlichkeit, auch eine positive Auswirkung des Klimawandels geben könnte. Unter dem RCP 8.5-Szenario reicht die Spanne von 45,7 Prozent Ertragsrückgang bis zu 41 Prozent Ertragssteigerung. Die Simulationen zeigen eine 47,7-prozentige Wahrscheinlichkeit positiver Klimaeffekte bei Reis, 25,8 Prozent bei Mais und 32,9 Prozent bei Hirse. Nur bei Weizen ist ein positiver Effekt sehr unwahrscheinlich (3,8 Prozent).
Fehlende technologische Innovation
Das größte Problem der Studie: Sie berücksichtigt zwar generelle Anpassungen der Produzenten an das sich verändernde Klima, aber keine zukünftige technologische Innovation. Das Modell basiert ausschließlich auf historischen Daten und unterstellt, dass Landwirte in 25, 50 oder 75 Jahren noch immer mit der heutigen Technologie vorliebnehmen. Fortschritte in Biologie und Genetik – einschließlich Gene-Editing, genomischer Selektion und biologischer Inputs wie Biopestiziden – ermöglichen jedoch schnellere, zielgerichtetere Verbesserungen als in der Vergangenheit. Wir werden an jedem Punkt in der Zukunft über bessere technologische Möglichkeiten zur Ertragssteigerung und zur Anpassung an die jeweiligen klimatischen Verhältnisse verfügen als je zuvor.
Natürlich fehlt auch nicht das Problem, das fast omnipräsent ist, wenn es um Warnungen hinsichtlich der Folgen des Klimawandels geht: Es wird unverdrossen mit dem sogenannten RCP 8.5-Szenario operiert, das heute als extrem unwahrscheinlich gilt. Zudem koppeln die Autoren dieses mit dem pessimistischen SSP-3-Bevölkerungs- und Einkommensszenario – eine Kombination, die in der IPCC-Datenbank nicht existiert und physikalisch unmöglich ist, da eine relativ arme Bevölkerung nicht gleichzeitig einen immensen Energieverbrauch habe kann, so Teixeira and Trembath.
Ein weiteres Manko: Die Studie ignoriert Marktreaktionen völlig. Produzenten können auf Klimawandel reagieren, indem sie neue Flächen erschließen, Kulturen wechseln, Anbaugebiete verlagern oder Agrargüter aus Regionen importieren, wo sie besser gedeihen. In den USA wandert der Mais- und Sojaanbau bereits nordwärts. Die Autoren selbst räumen ein, dass solche Strategien klimawandelbedingte Ertragsrückgänge um etwa 55 Prozent reduzieren können. Sie liefern den Medien mit ihrer Geschichte vom verlorenen Frühstück aber Zahlen, die eben das außer Acht lassen.
Fazit
Jenseits der Schlagzeilen liefert die Studie eine sorgfältige, datengetriebene Analyse darüber, wie sich Produzenten in der Vergangenheit mit existierender Technologie an den Klimawandel angepasst haben. Sie zeigt plausible Herausforderungen für das Ertragswachstum auf. Die Autoren erkennen dies im Abstract an, wenn sie schreiben, dass ihre Ergebnisse „das Ausmaß von Innovation, Ackerlandausweitung oder weiterer Anpassung aufzeigen, das nötig sein könnte, um Ernährungssicherheit in einem sich verändernden Klima zu gewährleisten“.
Mit anderen Worten: Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass aufgrund des Klimawandels eine Verschlechterung der Ernährungslage zu erwarten ist. Sie schreiben selbst: „Unsere Prognosen sind Abweichungen von den lokalen Basisertragstrends, die in der Vergangenheit positiv waren und wahrscheinlich auch weiterhin positiv bleiben werden.“ Und sie räumen auch ein, dass methodisch anders konzipierte Studien gegenteilige Ergebnisse liefern: „Unsere Prognose zum Rückgang der Produktivität unter dem Einfluss des Klimawandels steht im Gegensatz zu den Ergebnissen prozessbasierter Modelle, die auf Versuchsbetriebe kalibriert sind, von Forschern definierte Anpassungsregeln verwenden und im Allgemeinen weltweit Produktivitätssteigerungen anzeigen.“
Letztlich ist die Aussage der Studie also nur, dass der Klimawandel das Tempo der Verbesserung gegebenenfalls verringern könnte. Wer abnehmen will, muss also schon selbst dafür sorgen, die konsumierten Kalorien zu reduzieren, der Klimawandel wird’s nicht richten.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Novo Argumente.
Thilo Spahl ist Diplom-Psychologe und lebt in Berlin. Er ist freier Wissenschaftsautor, Mitgründer des Freiblickinstituts und Redakteur bei „Novo“. Dieser Beitrag erschien zuerst bei Novo-Argumente. Mehr von Thilo Spahl lesen Sie im Buch „Schluss mit der Klimakrise: Problemlösung statt Katastrophenbeschwörung“.
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Beitragsbild: Library of Congress

Bei dem eingangs erwähnten Satz „Mit jedem zusätzlichen Grad fehlen 120 Kalorien pro Person und Tag.“ musste ich sofort daran denken, dass der wahre Grund einer reduzierten Nahrungsaufnahme für uns alle weniger mit dem wahrscheinlich nicht ganz so menschgemachten Klimawandel als mit einem anderen zwar weitaus kritischeren aber dennoch umso konsequenter totgeschwiegenen Faktor zusammenhängt: nämlich der voranschreitenden Überbevölkerung der Erde. Nimmt die Anzahl menschlicher Erdenbewohner weiterhin exponentiell zu, wird es in wenigen Generationen keinen Furz mehr interessieren, welche weltweite Durchschnittstemperatur irgendein angegrüntes Institut herbeirechnet. Dann haben wir bzw unsere Nachkommen ganz andere Probleme…
Diese „ Studie “ geht wie alle Klimaideologischen „ Erkenntnisse “ und Vorhersagen ,wie die gesamte links-grüne Religion von einem STATISCHEN Zustand
der Welt und des Lebens aus. Kann in die Tonne.
Die Regierungen einiger Länder, wie z.B. Deutschland, dürstet es nach alarmistischen Klimanachrichten. Dafür werden reichlich Gelder locker gemacht, die Miet„wissenschaftler“ dazu verwenden, das gewünschte Ergebnis präsentieren zu können. Da wird dann auch schon mal eine geringere Zunahme als Abnahme umgedeutet. Jeder Statistiker in Deutschland, der sich mit Migration und deren „erfolgreicher“ Verminderung beschäftigt, weiß wie das geht. # Das ist alles nur noch niederträchtig und erbärmlich.
@Ralf.Michael-さん „Die Umstellung der Ernährung auf Gras und Kräuter“ Genau das Ziel wird verfolgt. Der Mensch soll sich nur noch aus dem Bio-/Chemielabor ernähren. Die Lagerung und Herstellung dieser Art von „Lebensmittel“ ist damit fast unbegrenzt. Damit das gelingt, pervertiert man die Begriffe wie Bio und Vegan. Die weltweite Lebensmittel und Ernährung wird von sehr wenigen Konzernen in der Zentrale Schweiz bestimmt. Bio-Perversion -->„Auf dem kürzlich stattgefundenen Codex-Treffen in Berlin (Codex Alimentarius 2018) wurde versucht, gentechnisch veränderte (GE) Lebensmittelzutaten als “biofortified„ zu definieren und somit die Verbraucher in die Irre zu führen. Biofortifikation mit gentechnischen Methoden. Biofortifikation ist die Anreicherung des Nährstoffgehalts von Nahrungsmitteln durch Pflanzenzucht….Das Patentrecht wird missbraucht mit dem Ziel, die Kontrolle über die Grundlagen der Ernährung zu erlangen.“<-- Inzwischen verkauft u.a. Nestle Frühstückscerealien die aus Heu/Stroh hergestellt werden und nennt sich Getreidemehl. Die schmecken wie Schweinestall. Dazu die spannende Ausgabe 2014 von „MISEREOR Agropoly“ suchen und lesen. Da wird einem echt übel, verlorene Vielfalt etc. Milliarden Menschen essen die gleichen geschmacklosen Zuchtlinien. Und um genau das umzusetzen wurde der Klimaterrorismus und CO2 erfunden.
„We are able to account for some, but not all, potential shifts in crop growing seasons under future climate change“ steht im Fazit der Studie. Oder auf Deutsch: Nichts genaues weiß man nicht.
Ganz klar, wenn man Anbauflaechen reduziert, wie @ Dr. K Voge richtig schildert, hat man weniger Ertrag. Wenn man zudem gern einen der ganz grossen Weizenexporteure (Russland) unter Sanktionen stellt, obglich man als Westen einen Schuldanteil am Ausbruch der „Spezialoperation“ traegt, hat man weniger Weizen. Da man auch weniger Gas und Oel hat, muss man noch mehr Anbauflaechen fuer Windrad und Solarzelle zweckentfremden. Man schiesst sich also selbst ins Knie wegen Lithium in der Ost-Ukraine und opfert dazu noch Millionen ukr. Maenner, ein paar aus dem Westen sollen auch dabei sein. Wenn man nicht hungern will, muss man die ganze Chose abschreiben, auf einen Energiemix setzen und sich an das jeweilige Klima anpassen. Da eine Erwaermung mehr Regen als Folge produziert, wird auch mehr wachsen. Laender, die diesen Wahnsinn nicht mitmachen, werden profitieren. Falls es noch einmal einen Holodomor geben sollte, rate ich schonmal das Land: Deutschland. Herzlichen Glueckwunsch an die Regierenden, die jetzigen und die davor. Individuen mit Doppelstaatsbuegerschaft werden sich dann wieder davonmachen………Es gibt in der Tat Produkte, die ich nicht mehr kaufe – zu teuer – die meisten sind vegetarisch, z.B. die Tomate, keinerlei Naehrwert. Und statt Fruchtzwerge lieber ein kleines teures Steak, Eiweiss, Eisen und Saettigungsfaktor. Oder ein Huhn…… Kaffee, so sagt man, wird inzwischen gern gestohlen. Bald sind wir wieder bei Muckefuck, fast wie Oma aus den Kriegen berichtete. Auf das Pfannekuchen, den wir aus Mehl und Wasser basteln, kommt bald wieder die Paste aus den Rueben. Ein seltsames Land, das solches seinen Buergern anschafft und dabei jeden Monat Geld verschenkt. Und stolz auf Landschaftsverschandelung ist. Und dabei noch behauptet hat, das koste so viel wie eine Kugel Eis, die sich auch nicht mehr jeder leisten kann.
Im Klima hat das Fehlerfortpflanzungsgesetz den größten Spielraum. Und in seiner Interpretation die Lüge ihren größten Freiraum.