Der hochmögende Aachner Karlspreis und der ebenfalls in Aachen entsprungene karnevalistische "Orden wider die tierischen Ernst" streiten sich darum, welche Preisträger-Auswahl den schrägsten Humor verrät. Ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen.
Aachen hat zwar keinen Kaiser mehr. Dafür ein weltbekanntes Reit- und Springturiner, einen glamourösen Keksfabrikanten und zwei Preise, die in den Medien auf beachtliches Interesse stoßen. Zum einen den überaus ernst gemeinten Aachener Karlspreis, der für Verdienste bei der Europäischen Einigung verliehen wird, zum anderen den weniger ernst gemeinten „Orden wider den tierischen Ernst“ des Aachener Karnevalsvereins (AKV) für Menschen, die angeblich „Humor und Menschlichkeit im Amt“ bewiesen haben. Wenn man weiß, wie ernst Karnevalisten ihre Sache nehmen, dürfte der „Orden wider den tierischen Ernst“ vielleicht noch ernster gemeint sein als der Karlspreis.
In Sachen (schrägen) Humors haben allerdings dieses Jahr die Verantwortlichen des Aachener Karlspreises eindeutig die Nase vorn. Ihre Entscheidung, Ursula von der Leyen die Auszeichnung des Jahres 2025 zukommen zu lassen (Verleihung am 29. Mai), ist allemal ein Schenkelklopfer. Keine Politikerin in der langen Geschichte der Preisträger hat weniger für die Europäische Einigung getan als Merkels Politgeschöpf. Im Gegenteil: unter ihrer verhängnisvollen Ägide ist Europa zerstrittener denn je, wirtschaftlich im Niedergang begriffen und, nicht zuletzt aufgrund einer dilettantischen Diplomatie, von Feinden umzingelt, zu denen nicht nur Putin, Xi und Trump gehören, sondern auch all jene europäischen Länder die aus dem grünlinken Konsens ausgeschert sind.
Das Karlspreis-Direktorium würdigt mit der Preisverleihung „eine herausragende Führungspersönlichkeit des Vereinten Europas, die die Union visionär, mutig und handlungsstark, mit Entschlossenheit und Weitsicht durch eine Zeit tiefgreifender Transformationen leitet.“ Gelächter, Tusch, Narrhallamarsch. Unterzeichnende sind: Dr. Jürgen Linden, Ex-Oberbürgermeister (SPD) von Aachen, seines Zeichens Vorsitzender des Direktoriums der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises sowie Sibylle Keupen, amtierende Oberbürgermeisterin, parteilos, aber von den Grünen vorgeschlagen. Was will man da erwarten?
Zu allem Unglück ist der Karlspreis dieses Jahr erstmals mit einer Million Euro dotiert. Die beachtliche Summe stammt von einem Aachener Unternehmerehepaar, die ihr Geld als Zulieferer der Automobilindustrie verdienen, die von der Leyen qua „Green New Deal“ inklusive Verbrennerverbot zum Auslaufmodell erklärt hat. Man wolle, so der 80-jährige Unternehmer, auch ein Zeichen gegen erstarkende rechtsradikale Gruppierungen setzen, die die EU und den Euro zerstören wollten. Klingt nach Reinhold Würth, dessen betriebsinterne Warnung vor der AfD sein Unternehmen einen Millionenumsatz kostete.
Hafturlaub während der Karnevalszeit
Da wendet man sich mit sardonischem Grinsen ab und lieber dem echten Karnevalspreis zu, der dieses Jahr am 8. Februar an einen noch recht jugendlich wirkenden Politiker namens Lars Klingbeil verliehen wird, der dem Autor bislang nicht als SPD-Parteichef bewusst war. Ist er aber, sogar schon seit 2021, es war mir irgendwie entgangen. Ich dachte immer Kevin Kühnert, aber der war nur Generalsekretär, was Klingbeil vor ihm war.
Den Preis gibt es seit 1950, als James Arthur Dugdale, dem Staatsanwalt und Anklagevertreter der britischen Besatzungsmacht, die Ehrung zuerkannt wurde, weil er einem Delinquenten während der Karnevalszeit Hafturlaub gewährt hatte, damit dieser „die höchsten Feiertage im Rheinland“ nicht hinter Gitter verbringen musste. Eigentlich war der „Orden wider den tierischen Ernst“ nur als einmalige Tat gedacht, doch ging man ab 1957 dazu über, die Auszeichnung jährlich zu verleihen. Wahrscheinlich hatte man früh erkannt, wie gut man damit in die Medien kommt.
Seit 1960 wird das zum „närrischen Staatsakt“ hochgejazzte Spektakel deutschlandweit im Fernsehen übertragen, was dem AKV auch ein beträchtliches Fernsehhonorar beschert. Dieses Jahr gibt es wegen der Neuwahl des Deutschen Bundestags am 23. Februar keine Liveübertragung, sondern nur eine zweitversetzt und auch nur im WDR ausgestrahlte Aufzeichnung. Laut ARD-Usancen dürfen Politiker, die selbst am Wahlkampf teilnehmen, in einem Zeitraum von sechs Wochen vor der Wahl nicht in Unterhaltungssendungen auftreten. Aber vielleicht ist die Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst ja gar keine Unterhaltung?
Die Fernsehübertragung und die mit ihr verbundenen Wohltaten für die Funktionäre des AKV bringt es mit sich, dass eigentlich nur noch bundesweit bekannte Politiker in den Aachener Narrenkäfig steigen dürfen. Ein Herr namens Jules von Jouanne wäre heute wohl chancenlos. Der vormalige schleswig-holsteinische Regierungsrat ließ in der „Eulenspiegel-Stadt“ Mölln den zu einer Konferenz versammelten deutschen Finanzministern die festlich gedeckte Tafel wieder abräumen und Eintopf servieren. Begründung: „Schleswig-Holstein ist arm“. Ebenso wie Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die 2008 den Narrenpreis in Empfang nehmen durfte, mittlerweile aber eindeutig auf der falschen Seite steht. Dagegen würde Franz Josef Strauß, der 1989 den Preis posthum erhielt, heute vielleicht gerade noch als Demokrat durchgehen.
Eine durchaus schwungvolle Rede
Mittlerweile werden die Ordensritter kaum noch nach einem wie auch immer beschaffenen Humorpotential ausgewählt. Stattdessen gibt sich das bundesdeutsche Polit-Establishment wie bei Talkshows die Klinke in die Hand mit gelegentlichen artfremden Einsprengseln wie Mario Adorf, Ottfried Fischer oder Iris Berben, die als „Mahnerin gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ gepriesen wurde, gefolgt von Annalena Baerbock, Ordensritterin des Jahres 2023. Ihre Rede strotze vor den üblichen Peinlichkeiten und wurde auch noch, hochoffiziell, vom Pressedienst des Auswärtigen Amtes verbreitet.
Nach Baerbock kam das grüne U-Boot Daniel Günther, eine Spaßbremse erster Güte. Am Abend der Verleihung weilte er zusammen mit AKV-Präsident Wolfgang Hyrenbach auf der Aachener „Demo gegen Rechts“ - eine gute Vorlage für den Norddeutschen Lars Klingbeil, dem man das karnevalistische Potential eines ungefüllten Berliner Pfannkuchens zugebilligt hätte, wäre ihm nicht anlässlich der Ordensverleihung vor zwei Jahren an Baerbock als Vorredner eine durchaus schwungvolle karnevalistische Jungfernrede gelungen.
Klingbeil witzelte zunächst über die ihm selbst unterstellte Humorlosigkeit, um sich dann über jene des Genossen Scholz lustig zu machen. Auf seine Frage, ob er, Scholz, nicht einen Witz zu seiner Rede beisteuern könne, habe der nur „gescholzt“: „Grinst einen an und sagt nix“. Damit könnte sich Scholz nach der närrischen Arithmetik des Aachener Karnevalsvereins durchaus schon selbst für den Orden qualifiziert haben. Nach gewonnener Wahl in einem Bündnis mit Grünen, FDP, Linker und BSW. Das wäre lustig.
Georg Etscheit ist Autor und Journalist in München. Fast zehn Jahre arbeitete er für die Agentur dpa, schreibt seit 2000 aber lieber „frei“ über Umweltthemen sowie über Wirtschaft, Feinschmeckerei, Oper und klassische Musik u.a. für die Süddeutsche Zeitung. Er schreibt auch für www.aufgegessen.info, den von ihm mit gegründeten gastrosophischen Blog für freien Genuss, und auf Achgut.com eine kulinarische Kolumne.

So originell und humorig wie Hausstaub.
Das Titelbild ist verstörend. Die Horde aggressiv spießig gestylter Grinsekatzen, die sich um die Platinplazenta herum geschart hat, erweckt den Eindruck eines Zombie- Lynchmobs auf Koks. Etwa so humorvoll wie der widerliche Ernst und so honorig wie diese Preisverleihungen an die größten Widerlinge. Schade daß Heinrich Heine diese Figuren nicht mehr sarkastisch aufspießen kann. Wenn man allerdings zur Kenntnis nimmt, wie mit seinem Enkel Akif Pirincci verfahren wird, muß man zugestehen, daß Heine in einer besseren Zeit lebte.
Ich kannte diese „Humor-Rede“ unserer verehrten feministischen Außenministerin nicht und bin arglos auf den Link i’reingefallen. OMG, ich krieg das Bild nicht mehr aus dem Kopp, Annalena im Narrenkäfig in Aachen. Hatte man sie aus dem „Berliner Ship of Fools“ für ein paar Stunden an Land gehen lassen? Karneval sollte eigentlich humorvoll sein und die Jecken fröhlich stimmen (ich spreche aus Erfahrung, bin früher selbst in die „Bütt“ gstiegen und habe die Leute zum Lachen gebracht). Aber was die Dame bzw. deren Schreiber unter Humor versteht, ist einfach unterirdisch. Ersetzt in deren Rede mal das Wort <Karneval> durch <Karlspreis>, <soundsoviel Jahre Bundesrepublik> oder >Wiedervereinigung>, dann ist das die beste ernsthafte Rede, die sie je gehalten hat!
@Oliver Seipp: Der ist gut :-D
War nicht das Maschinengewehr der FDP auch unter den Preisträgerinnen „Wider den tierischen Ernst“, als sie Herrn Merz mit „nach außen bürgerlicher Schein“ titulierte? Man kann schon nostalgisch werden. August Everding erhielt diesen Preis; und der ganze Saal rief minutenlang und zwischendurch immer wieder lachend „August, August“. Später bekam ihn Gysi und musste sich erst die Gratulation und später die Kritik von Gertrud Höhler gefallen lassen. UvdL dagegen ist in etwa so humorvoll wie die Gebrauchsanweisung einer Waschmaschine. Das Lustigste an ihr ist noch ihr Oxford-Englisch mit deutschem Akzent. Da passt der Karlspreis tatsächlich besser zu ihr; kommt sie doch aus dem Land der Langobarden und ist sozusagen die Königstochter (von Ernst Albrecht). Und wird ihm, Karl dem Großen, nicht Ernst Albrecht, doch das Zitat zugeschrieben: „Wenn die Bevölkerung wüsste, mit welcher Idiotie sie regiert wird, würde sie revoltieren.“
Warum hat das Karlspreis-Direktorium diesen Preis nicht an Honecker verliehen? Schließlich ist Honecker ebenso wie vdL den Gedanken der sozialistischen Einheitspartei, unterstützt durch Zensur und Meinungsunterdrückung, gefolgt… Halt die „spezielle Demokratie“ wie in EU und allein schon im Namen Deutsche DEMOKRATISCHE Republik. Was Ulbricht so schön beschrieben hat mit: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in unseren Händen behalten“. Die Wahl in Rumänien ist beredtes Beispiel…
Dieses ganze Gehabe, ist – Sorry – nur noch zum Kotzen. Widerlich, wie sie sich gegenseitig Orden und Preise umhängen. Karneval in Aachen, wie lustig und dann noch im ZDF. Ich bin gespannt, wann die Leute und gar mancher Autor hier, merken, dass die „Guten Alten Zeiten“ vorbei sind und man sie niemals mehr herbeilügen kann. Wie wärs, man hole den Kohl aus der Gruft und VW baut wieder Golf 1. Nostalgie ist eine schreckliche Angewohnheit. Die Schlagerparade und den Große Preis, interessieren nun wirklich keinen mehr. Sind dass die heißen Themen hier, wer einen Dämlichkeitspreis oder wer einen Schergenorden bekommt? Das Haus brennt, aber der Abwasch muss noch gemacht werden.