Die US-amerikanische Alternative-Punk-Band mit dem außergewöhnlichen Namen gilt als Vorreiter von Gruppen wie Nirvana, den Pixies, My Bloody Valentine oder Green Day. Als diese in den 90er Jahren ihre großen Erfolge feierten, gab es Hüsker Dü schon gar nicht mehr. Auch hatte das Trio aus den Twin-Citys Minneapolis-Saint Paul nie deren Popularität und Verkaufszahlen erreicht. Hüsker Dü waren und blieben Underground.
Gleichwohl beeinflussten sie eine ganze Generation von Musikern und Bands, die nur ein paar Jahre nach ihnen unter dem Etikett „Grunge“ Furore machen sollten. Der Name Hüsker Dü leitet sich im Übrigen von einem Memory-ähnlichen Brettspiel namens „Hūsker Dū?“ ab. „Husker Du?“ wiederum (ohne Querstriche auf den beiden Us) bedeutet im Dänischen und Norwegischen so viel wie „Erinnerst Du Dich?“.
Mutmaßlich durch das „Ö“ im Namen der Band Motörhead, kamen die drei Musiker auf die Idee, die Querstriche durch Umlautpunkte zu ersetzen, was für Briten und Amerikaner wohl nicht nur außergewöhnlich, sondern auch irgendwie cool aussieht. Wie dem auch sei. Jedenfalls haben sich Gitarrist Bob Mould, Schlagzeuger Grant Hart und Bassist Greg Norton Ende der 70er Jahre in einem Plattenladen kennengelernt und schon bald damit begonnen, gemeinsam zu musizieren.
Die schnellste und härteste Band der Welt
Wenn man das überhaupt „musizieren“ nennen konnte. Denn offenbar hatten sich die drei zum Ziel gesetzt, die schnellste und härteste Band der Welt zu werden. Ihr Debütalbum namens „Land Speed Record“ von 1982 wurde live bei einem ihrer frühen Auftritte aufgenommen und klingt, als ob jeder so schnell spielen und so laut brüllen würde, wie er nur konnte. Kein Wunder, dass sie mit dem Etikett Hardcore versehen wurden, das ihnen bis zum Ende ihrer Karriere anhaftete. Allerdings zeigten sie spätestens ab ihrem dritten Album (beziehungsweise ihrer vierten Veröffentlichung, wenn man die EP „Metal Circus“ von 1983 mitzählt), dass sie durchaus ein Ohr für schöne Melodien hatten. Das Konzept-Doppelalbum „Zen Arcade“ von 1984, welches Fans und Kritikern als Opus magnum der Band gilt, beinhaltet neben einigen ihrer fetzigsten Hardcore-Krachern auch Stücke mit gefälligeren Harmonien, bei denen auch auch mal eine Akustikgitarre oder ein Klavier zu hören ist.
Und auf ihren beiden 1985er Alben „New Day Rising“ und „Flip Your Wig“ hatten sie endgültig die Kraft der Melodie entdeckt. Besonders Grant Hart trat immer mehr als Schöpfer eingängiger Ohrwürmer hervor. Sein herrliches „Green Eyes“ gehört für mich zu den schönsten Popsongs der 80er Jahre. Auch Bob Mould arbeitete seine eher spröden Kompositionen zunehmend musikalischer aus, wofür allem voran sein brillantes „Makes No Sense At All“ stehen kann.
Perfektionierter Lo-Fi-Sound
Inzwischen hatten Hüsker Dü auch ihren typischen dünnen Lo-Fi-Sound perfektioniert. Bei allem Getöse, klingt ihre Musik wie in Watte verpackt. Harts platschendes Schlagzeug und die breiige Zerre von Moulds Gitarre verleihen ihr irgendwie etwas Weiches, um nicht zu sagen Schwebendes. Und Greg Nortons flinkes Bassspiel, das sich auch gerne mal an der Gesangsmelodie orientiert, setzt dem Ganzen die Krone auf.
Hart und Mould haben sich aber nicht nur zu gereiften Songwritern entwickelt, sondern auch zu zwei ausdrucksstarken Sängern, die sich durch eine jeweils ganz eigene Stilistik auszeichnen. Während Hart zu länger gesungenen Tönen neigt, pflegt Mould einen eher stoßartigen, zuweilen bellenden Gesangsstil. Diese reizvolle Dualität ist es, die die Musik von Hüsker Dü, trotz ihres homogenen Grundsounds, so gehaltvoll und abwechslungsreich macht.
Zur Blüte kommt all das auf ihrem fünften Studioalbum „Candy Apple Grey“, welches vor ziemlich genau vierzig Jahren im Frühjahr 1986 erschienen ist. Ich bekam es vom Keyboarder unserer Band zum Geburtstag geschenkt und war sofort infiziert. Genau das, was ich damals brauchte. Nach und nach besorgte ich mir im Independent-Plattenladen – woanders bekam man so etwas seinerzeit nicht – auch ihre anderen Alben und war bald stolzer Besitzer aller Hüsker-Dü-Scheiben.
Von Indie zu Major
Aber so, wie die erste große Liebe, ist auch „Candy Apple Grey“ für mich etwas ganz Besonderes geblieben – ein eigentümliches Gefühl, das sich immer wieder von Neuem einstellt, wenn ich die Platte auflege. Das fängt für mich allerdings erst nach dem sperrigen Opener „Crystal“ an, mit dem ich nie richtig warm geworden bin. Dafür beginnt danach mit Harts „Don't Want To Know If You Are Lonely“ die beste Songabfolge im gesamten Katalog der Band.
Diese setzt sich fort mit Moulds mürrischem „I Don't Know For Sure“ und kulminiert schließlich in einem von Harts absoluten Meisterwerken: „Sorry Somehow“, mit Nortons wahrscheinlich genialster Basslinie. Wer jetzt noch kein Fan dieser großartigen Band geworden ist, dem kann ich dann leider auch nicht mehr helfen. Oder er probiert's vielleicht nochmal mit Moulds akustischer Ballade „Too Far Down“.
„Candy Apple Grey“ war zudem Hüsker Düs Debüt auf einem Major-Label. Anfang 1986 waren sie als eine der ersten Independent-Bands von den kleinen SST Records zum Medienkonzern Warner Bros. gewechselt. Was zwar keinerlei Auswirkungen auf ihren charakteristischen Sound hatte, aber von der Indie-Gemeinde argwöhnisch beäugt wurde. 1987 kam dann mit „Warehouse: Songs and Stories“ nochmal ein Doppelalbum, das auch ihr letztes bleiben sollte.
Auflösung und Solokarrieren
Und auch wenn die beiden Scheiben insgesamt recht durchwachsen ausgefallen sind, so lassen sich darauf dennoch einige Highlights entdecken. Vielleicht machten sich hier aber auch schon die Streitigkeiten zwischen Hart und Mould bemerkbar, die schon bald eskalierten und letzten Endes zum Ausstieg von Hart und zur Auflösung der Band führten. 1989 brachten Mould und Hart dann ihre ersten Soloalben heraus, die in der Szene viel Beachtung und Lob fanden.
Etwas später gründete Mould seine neue Band Sugar und Hart seine Nova Mob. Trotz einiger herausragender Songs, reichten die neuen Sachen insgesamt jedoch nicht an den Spirit der alten Hüsker Dü heran. Während sich Hart später mit Soloauftritten über Wasser hielt, bei denen er sich nur mit Gitarre begleitete, avancierte Mould zu einer Art Papst der Alternative-Rock-Szene. Erst vergangenes Jahr veröffentlichte er sein vierzehntes Soloalbum.
Auch Norton gründete zunächst seine eigene Band namens Grey Area, verabschiedete sich dann aber aus dem Musikbusiness und betrieb ein Restaurant in Red Wing, Minnesota. Seit 2006 wirkt er wieder als Bassist bei verschiedenen Bands mit; zuletzt bei UltraBomb. 2015 machten Gerüchte über eine eventuelle Wiedervereinigung von Hüsker Dü die Runde. Diese lösten sich jedoch in Luft auf, als Grant Hart kurz darauf an Krebs erkrankte und 2017 im Alter von 56 Jahren verstarb.
Beitragsbild: Photograph by Daniel Corrigan, Distributed by Warner Bros. Records, Public Domain, via Wikimedia Commons

Überbewertete Kritikerlieblinge. Motto, wenn es der Hörer Scheiße findet, muss es gut sein. Wie Sufjan Stevens, das Solowerk von Scott Walker, A von Radiohead. Ich habe noch nie von von einen gehört, Hüsker Krach sei seine Lieblingsband. Ich find Metal Machine Music von Lou Reed gut. Man muss ja nicht alle 4 Seiten hintereinander hören.
Sehr überraschend, ein Artikel über diese Band auf der Achse, Danke dafür!
Mit ihren „rustikalen“ Produktionen haben sie es dem Durchschnittshörer nicht leicht gemacht. Aber gerade der Mix aus schwer zugänglicher Krachigkeit und dem Melancholischen war seinerzeit das bahnbrechende. Direkt-aus-dem-Bauch-Geröhre voller Charisma und Emotion, gepaart mit manchmal noisigen, manchmal melodischen Gitarren.
Empfehlenswert ist übrigens auch das ähnlich charismatische britische Pendant, die unterbewerteten Leatherface.
Kenne ich auch nicht? Das hier kenne ich: „Gottfried & Lonzo – Hamburg ’75“ 1996
1996 war der NDR noch entspannt. Heute quatschen die da gekochte Sülze.
Udo Lindenberg kenne ich: Entschuldigen sie, ist das der Sonderzug nach Pankow?
Und: Rudi Ratlos heißt der Geiger, er streicht uns grad’n Evergreen.
Gut, dass ich von denen (Hüsker Dü) zuvor nie etwas gehört habe, Musik (?) zum abgewöhnen, da ist mir nichts entgangen und dabei soll es auch bleiben! Grausames Genre! Einflussreiche Musikgruppen der 1980-ziger Jahre waren für mich u. a. „The Commodores“,
„The Four Tops“ (Album „Tonight“ (1981)) oder auch „Simply Red“!
die dolp zen arcade war damals- und heute immer noch- ein absoluter hammer, muss ich mal wieder auflegen!
Green Eyes als einer der schönsten Popsongs der 80er.
Ich hab es mir angehört.
Uiuiui.
Nicht nur, daß Sugar aktuell wieder touren… jemand, der bei Bob Mould live öfters am Bass ausgeholfen hat (Jason Narducy) hat da auch eine erwähnenswert gute Band: Split Single.