Stefan Frank / 16.08.2023 / 16:00 / Foto: Public Domain / 3 / Seite ausdrucken

Hotel Stalingrad – Israels Rettung 1948 (10)

An einem Tag im Dezember 1947 ist der amerikanische Weltkriegsveteran Hank Greenspun gerade dabei, an seinem Wohnort in Las Vegas feierlich seine lange geplante Radiostation zu eröffnen. Da schickt ihn sein Cousin Rey auf eine lebenswichtige Haganah-Mission nach Hawaii.

Um sich auf die für den 15. Mai 1948, den Tag, an dem die Briten aus Palästina abziehen würden, angekündigte Invasion der arabischen Armeen vorzubereiten, waren die Juden Palästinas auf die Unterstützung durch Juden aus der ganzen Welt angewiesen. 

Viele Juden hatten im Zweiten Weltkrieg gekämpft. Danach waren sie ins zivile Leben zurückgekehrt, hatten Familien und Berufe. Nach dem UN-Teilungsbeschluss vom 29. November 1947 und den folgenden arabischen Angriffen auf die palästinensischen Juden entschlossen sich etliche der Veteranen, noch einmal an einem Krieg teilzunehmen, um den bedrängten Juden zu helfen, den geplanten jüdischen Staat zu schützen und das Überleben des jüdischen Volkes zu sichern. Die Freiwilligen von außerhalb des Landes nennt man auf Hebräisch Mitnadvei Chutz LaAretz, kurz: Machal. Schätzungsweise 4.500 Machalniks nahmen am arabisch-jüdischen Krieg von 1948 teil.

Für amerikanische Bürger war eine solche Teilnahme jedoch illegal. In jedem damals gedruckten US-Reisepass stand, dass es verboten war, in fremden Streitkräften zu dienen. Bei Zuwiderhandlung drohten Geldstrafen, Gefängnis oder der Verlust der amerikanischen Staatsangehörigkeit. Und gegen das von den Vereinten Nationen und US-Präsident Harry S. Truman verhängte Embargo, Waffen nach Palästina zu schicken, zu verstoßen, war noch einmal eine Straftat für sich.

Es fällt schwer, sich vorzustellen, wie es ist, das eigene bürgerliche Leben plötzlich aufzugeben und unter Missachtung der Gesetze an einem ausländischen Konflikt teilzunehmen, gleichzeitig aber die privaten Sorgen, die ja nicht aufhören, weiter mit sich zu tragen – und das alles womöglich auch noch vor der eigenen Familie geheim halten zu müssen. 

Das ist die Geschichte von Herman „Hank“ Milton Greenspun (1909–1989), der ungeplant zum Waffenschmuggler der Haganah wurde. (Alle Zitate, Beschreibungen, Dialoge und inneren Monologe entstammen seinem 1966 erschienenen autobiografischen Buch Where I Stand. The Record of a Reckless Man.) Während des Zweiten Weltkriegs war Greenspun, ein jüdischer Anwalt aus New Haven, Connecticut, vom Gefreiten zum Captain (Hauptmann) aufgestiegen und von den USA und Frankreichs General Charles de Gaulle mit Orden ausgezeichnet worden. Er hatte im August 1944 an der Kesselschlacht von Falaise teilgenommen, über die General Eisenhower in seinem Buch Crusade in Europe schrieb:

„Das Schlachtfeld von Falaise war zweifelsohne eines der größten Schlachtfelder aller Kriegsgebiete. Achtundvierzig Stunden nach der Schließung des Kessels wurde ich zu Fuß dorthin geführt und erlebte Szenen, die nur Dante beschreiben konnte. Es war buchstäblich möglich, Hunderte von Metern am Stück zu gehen und dabei auf nichts anderes als totes und verwesendes Fleisch zu stoßen.“

Der Schwur von Nancy

In der ostfranzösischen Stadt Nancy erlebte Greenspun am 27. September 1944 etwas, das sich noch tiefer in seine Seele einbrannte als die Schrecken des Schlachtfelds. Es war der jüdische Versöhnungstag, und der protestantische Kaplan, Colonel Hall, hatte für die Truppen einen Jom-Kippur-Gottesdienst in der einst stattlichen Synagoge von Nancy eingerichtet. Es waren die ersten jüdischen Gottesdienste, die seit 1940 in Nancy abgehalten wurden. 

Während der Besatzung hatten die Deutschen Vorräte in der Synagoge gelagert, was der einzige Grund dafür war, dass sie noch stand. Die Synagoge war beschädigt und geplündert. Orgel und Kronleuchter waren herausgerissen worden. Ein Katholik hatte die Torah-Rollen vor der Zerstörung gerettet und vier Jahre lang aufbewahrt. Auf den Eingangstüren standen deutsche Wörter, darunter immer wieder „VERBOTEN“. Innen hatte jemand mit Kreide auf Deutsch „Verrückte Juden“ an die Wand gekritzelt.

Greenspun schrieb in einem Brief an seine Eltern in New Haven:

„Mein Gedenken an die Toten galt allen meinen Freunden, die getötet wurden, allen Juden in Nancy, die getötet worden waren, der geschändeten Synagoge, die uns das Herz zerbrach, der alten Frau, die mehr tot als lebendig aussah, dem Sohn, dessen trauernder Vater sich immer wieder die Haare raufte, und dem Oberrabbiner von Nancy, der zu den letzten achtzig Juden gehörte, die aus ihren Häusern gerissen und nach Deutschland deportiert wurden. Sechzig von ihnen wurden auf dem Weg dorthin getötet. 

Wir alle haben heute ein Gelübde abgelegt. Jeder amerikanische Soldat, der am Gottesdienst teilgenommen hat, weiß, dass das Gericht über diese fanatischen Bestien, die so viel Elend über die Welt gebracht haben, hereinbrechen wird. Diese Barbaren, die geschworen haben, jeden Juden auszulöschen, werden zur Rechenschaft gezogen werden. Wir wissen, dass Gott sie nicht entkommen lassen wird, aber wir wissen auch, dass es eine große Aufgabe ist. Er wird Hilfe brauchen … und wir werden Ihm helfen.“

Auf diese Weise sei ihm in der verwüsteten Synagoge von Nancy die „jüdische Verantwortung für das Schicksal aller Juden zutiefst bewusst“ geworden, schreibt Greenspun in seinen Memoiren. Aber das Bewusstsein reichte nicht aus: „Was wirklich zählte, war, sich dieser Verantwortung zu stellen, wenn die Zeit gekommen war, und entsprechend zu handeln.“

Im Herbst 1946 zog Greenspun mit seiner aus Nordirland stammenden jüdischen Frau Barbara und der einjährigen Tochter Susan von New Haven nach Las Vegas. Barbara war zum zweiten Mal schwanger. Der Anwaltsberuf ödete ihn an, darum plante Greenspun 1947 den Bau eines Lokals namens Desert Inn und die Eröffnung einer Radiostation.

Nathan Liff

Zu jener Zeit erschien auf einem der Donnerstagstreffen des Sonneborn Institute in New York ein Gast namens Nathan Liff. Liff war ein aus Russland stammender Jude. Im Holocaust waren zahlreiche seiner Verwandten in Europa ermordet worden. 

„Liff war kein Ideologe, sondern ein Zionist mit einem kleinen ,z‘“, schrieben zwei Journalisten des Honolulu Star Bulletin 2006 über ihn. Als Teenager hatte er 1905 in Russland in einem alten Brunnen Waffen versteckt, mit denen sich jüdische Dorfbewohner während der gewaltsamen Pogrome hatten verteidigen können. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte er in der US-Armee in der Panamakanalzone gedient, dann noch einmal während des Kriegs.

Liff gehörte nun die Universal Airplane Salvage Company, die Flugzeuge ausschlachtete und das Metall verwertete. Liff erzählte, dass es auf seinem Schrottplatz in der Nähe des Navy-Flugplatzes Honolulu, Hawaii, viele Triebwerke und Flugzeugteile gebe, welche die Juden in Palästina vielleicht brauchen könnten. 

Einer der regelmäßigen Teilnehmer des Treffens, Julius „Rusty“ Jarcho, gab die Information an Al Schwimmer weiter. Schwimmer war sehr interessiert. Er war gerade im Begriff, von der War Assets Administration eine vierte von der US Air Force ausgemusterte Constellation zu kaufen, weil er Teile brauchte, um die drei, die er bereits erworben hatte, wieder flugfähig zu machen. Schwimmer und sein Partner, der ehemalige TWA-Flugzeugmechaniker Rey Selk, konnten nicht selbst nach Hawaii fliegen. „Ich kenne jemanden, der das machen kann“, sagte Selk. „Mein Cousin – Hank Greenspun.“

Last Frontier

Für die feierliche Eröffnung seiner Radiostation Ende 1947 hatte Greenspun die ganze Prominenz von Las Vegas eingeladen. Sogar Vall Pittman, der Gouverneur von Nevada, war gekommen. Ausgerechnet an jenem Tag musste Greenspun nebenbei seinen Cousin treffen. Rey hatte einige Wochen zuvor angerufen und gesagt, er würde mit einem Freund in den Westen zu Besuch kommen. Er brauche Hilfe, hatte aber nicht erklärt, welcher Art. Rey war im Hotel Last Frontier abgestiegen, dorthin sollte Greenspun kommen. Als Greenspun Rey Selk im Hotel traf, stellte dieser ihm seinen Freund Al Schwimmer vor.

„Wir haben einen heißen Tipp über 500 Hektar voll aussortierter Kriegsgüter bekommen. Wir möchten, dass du dorthin reist und es dir ansiehst.“ – „Wo soll ich hinreisen?“ – „Hawaii. Nach unseren Informationen gibt es dort einen ganzen Schrottplatz voller Flugzeugteile und Motoren. Da gibt es tonnenweise von dem Zeug, das wir wirklich brauchen.“ – „Wie lange wird das dauern?“ – „Ein, zwei Wochen. Wie lange dauert es, einen Haufen Schrott zu überprüfen?“ – „Okay, du hast dir einen neuen Jungen geangelt. Aber jetzt muss ich zurück zur Eröffnung der Radiostation. Da wartet ein Gouverneur und Nevada-Glitzer für eine Million Dollar. Ich packe heute Abend und treffe dich gleich morgen früh.“ – „Vergiss die Eröffnung. Du reist jetzt.“

Greenspun starrte Rey und Schwimmer an. Er fühlte sich in der Falle und war verärgert. Gleichzeitig fühlte er sich seltsam ergriffen, wie er sich später erinnerte. „Endlich war ich im Begriff, etwas zu tun, anstatt bloß einen frommen Schwur zu sprechen.“

„In Ordnung, ich werde eine Reservierung vornehmen …“ – »Du hast bereits eine Reservierung für den Clipper [Flugboot nach Hawaii; Anm. d. Red.] ab Los Angeles für heute Abend“, informierte ihn Al Schwimmer. „Wir werden dich mit der Cessna an die Küste fliegen.“ – „Ich brauche Kleidung …“– „Meine Sachen werden dir passen“, sagte Rey und schob ihn praktisch zur Tür hinaus. „Ihr müsst verrückt sein! Ich muss mich von Barbara und den Babys verabschieden …“ Das würde Rey übernehmen, sagte er. Er würde ihr sagen, dass sie zusammen eine Fluggesellschaft gründeten, Service Airways. Dafür müssten sie ein paar Dinge erledigen: „Lass uns gehen, Hank.“ 

Rey Selk nahm ihn am Arm, und die drei gingen zur Landebahn. „Innerhalb weniger Minuten drehte sich der Propeller der Cessna im Leerlauf durch die Wüstenluft“, schreibt Greenspun. Für ihn hatte die ganze Szene „etwas Unheimliches, Traumhaftes“ an sich. Es fiel ihm schwer, sich selbst davon zu überzeugen, dass dies wirklich geschah. Sein roter Buick war noch auf dem Parkplatz vor dem Hotel Last Frontier geparkt. Für wie lange würde das Auto dort stehen bleiben? 

Greenspun hatte während des Flugs nach Los Angeles Zeit darüber nachzudenken, was geschehen war und geschehen würde. Wie entschuldigte man sich bei einem Gouverneur, fragte er sich. Und wie sagt man seiner Frau, dass man sich gerade in die geheimen Aktivitäten einer fernen Untergrundarmee gestürzt hat? Man tut es nicht, entschied Greenspun. „Das würde sie zu einer Komplizin vor der Tat machen. Man lügt einfach und lügt weiter, ob man will oder nicht, bis der Job erledigt ist. … Die Anweisungen. Nathan Liff. Universal Airplanes Salvage Company. Oahu. Die Story mit Service Airways. Könnte ich vielleicht damit durchkommen?“

Honolulu

Vom Flughafen Honolulu aus nahm Greenspun ein Taxi zum Hotel Niumalu. Nachdem er eingecheckt hatte, duschte er, zog frische Kleidung an und machte sich daran, eine Postkarte mit einer Erklärung an seine Frau Barbara zu formulieren: „Mir fiel nichts ein, außer ihr zu sagen, wo ich das Auto geparkt hatte.“

Nathan Liff führte Greenspun über seinen Schrottplatz, zeigte ihm Berge von Kisten mit Flugzeugtriebwerken und Ersatzteilen. Alles würde eingeschmolzen werden, daraus würden Aluminiumbarren und neuer Stahl produziert, erläuterte er. Dafür hatte Liff Schmelzöfen, die er Greenspun auch zeigte.

„Diese Schmelzöfen“, sagte Greenspun zu Liff, „erinnern mich an Hitlers Öfen“. Liff wurde bleich. „Glaub’ nicht für eine Sekunde, Greenspun, dass ich mich nicht ebenfalls daran erinnern würde.“ Greenspun sah auf die vielen verschiedenen Triebwerke. Welche passten zu welchem Flugzeug? Er verstand nichts von Flugzeugen. Was soll ich hier überhaupt, fragte er sich. Dann sah er etwas, mit dem er sich auskannte: Maschinengewehre, Hunderte davon, die von Flugzeugen abmontiert worden waren. Er schreibt:

„Rey Selk und Al Schwimmer hatten nichts von Maschinengewehren gesagt. Aber ich wusste von Saint-Lô, Avranches[die Rede ist von dem Operation Cobra genannten alliierten Ausbruch aus dem Normandie-Brückenkopf im Juli und August 1944; Anm. d. Red.], Falaise und dem langen Vorstoß nach Nancy, dass Gewehre der einzige Weg sind, um Boden zu gewinnen und zu halten. Der Boden in der Normandie oder der Boden in Palästina.“

Gleichzeitig ging ihm durch den Kopf, dass der freundliche Liff im Gefängnis landen könnte, würde er Waffen an eine Nation verkaufen, die unter einem Embargo steht. Und genug Geld, um die MG zu bezahlen, hatte Greenspun auch nicht dabei. Da fiel ihm ein Marinesoldat auf, der auf der anderen Seite des Schrottplatzes patrouillierte. Dort lagen nagelneue MG. 

„Was macht der da?“, fragte Greenspun. „Auf der anderen Seite ist Regierungsbesitz“, sagte Liff. „Mir gehört nur das hier. Das gebrauchte Zeug ist meines. All das neue Material auf der anderen Seite, das gehört Uncle Sam.“ – „Können wir da dran?“ – „Eines Tages, um Gottes willen. Heute ist es neu. Morgen ist es Schrott. Schrott ist mein Geschäft. Darum stehe ich hier, wo der Schrott ist.“

Das wäre genau das, was die Juden in Palästina brauchen, dachte Greenspun. Aber um an diese neuen Maschinengewehre zu kommen, müsste er freie Bahn haben; Liff dürfte nicht dabei sein, um nicht mit ins Gefängnis zu wandern. Greenspun entschloss, trotz des Risikos die Wahrheit zu sagen: dass er im Auftrag der Haganah hier war. Schweigen. Für einen Augenblick fürchtete Greenspun, einen furchtbaren Fehler gemacht zu haben. Dann fragte Liff: „Ist dies Gottes ehrliche Wahrheit, Greenspun?“ – „Das ist sie, Mr. Liff.“ – „Nimm, was du brauchst“, sagte Liff mit gedämpfter Stimme und ausgebreiteten Armen. „Vergiss das Geld. Alles ist deins.“

Die Gewehre

Greenspun lernte, wie man einen Gabelstapler bedient. Er schaffte damit Flugzeugtriebwerke beiseite und, ohne es Liff zu sagen, auch die alten Maschinengewehre. Doch die alten waren ihm nicht genug. Ihm war klar, dass sie nicht reichen würden, um Israels Überleben zu sichern. Er brauchte viel mehr Gewehre, auch die neuen, also jene, die der amerikanischen Regierung gehörten.

Zwischen dem Areal von Nathan Liff und dem der US Navy gab es keinen Zaun, sie waren nur durch ein Niemandsland voneinander getrennt. Dank genauer Beobachtung hatte Greenspun herausgefunden, dass es jede Nacht alle zwei Stunden einen Zeitraum von acht Minuten gab, in dem die beiden auf der anderen Seite patrouillierenden Marinesoldaten außer Sicht- und Hörweite waren. Diese acht Minuten nutzte Greenspun, um mit dem Gabelstapler Kisten mit Maschinengewehren zu stehlen und sie durch gleich schwere Kisten, gefüllt mit Schrott, zu ersetzen. 

„Es war schwer, nicht daran zu denken, was meine Familie, Freunde und Geschäftspartner sagen würden, würde ich dabei erwischt, wie ich ein Lager der US Navy auf Hawaii plünderte“, notierte er später. Verglichen damit schienen seine anderen Probleme geringfügig: Er hatte kein Geld für Frachtkosten und brauchte Hilfe beim Identifizieren der geeigneten Flugzeugtriebwerke. 

Greenspun schrieb an Al Schwimmer und bat um beides. Schwimmer schickte Willie Sosnow, der etwas von Flugzeugen verstand. Sosnow kam aber ohne Geld. Und ihm missfiel die Sache mit den Maschinengewehren: „Hast du den Verstand verloren? Du spielst mit diesen Gewehren Räuber und Gendarm und wirst dadurch das ganze Flugzeuggeschäft vermasseln!“ – „Beruhig’ dich.“ – „Das wird niemals klappen.“

Jeden Morgen luden Greenspun und Sosnow Maschinengewehre und Ersatzläufe in Triebwerkkisten, nagelten sie zu und markierten sie mit Zeichen zur Wiedererkennung. Nach einigen Wochen waren es insgesamt 58 Kisten, die, wenn nichts schiefging, erst in die USA verschifft würden und anschließend nach Mexiko, Panama, Dakar und schließlich nach Palästina.

Aloha Haganah 

Greenspun gestand Liff, dass es ihm an Geld für die Verschiffung mangelte. Er benötigte siebentausend Dollar. „Was für eine Art Geschäftsmann bist du?“, fragte Liff. „Die Art, die ohne Geld operiert“, antwortete Greenspun. Greenspun dachte nach. Dann fragte er Liff: „Kannst du ein Dutzend jüdischer Geschäftsleute in der Gegend kontaktieren? Die Art, die mit Geld operiert? Kannst du sie in deiner Wohnung versammeln und mich mit ihnen reden lassen?“ Liff stimmte zu. 

Am Abend trafen sich ein Dutzend prominenter Juden in Nathan Liffs Apartment. In Hawaii-Hemden saßen die Männer um einen Tisch mit verschiedenen Sorten von Plätzchen und Tee mit Zitrone. Greenspun besah den Raum voller Fremder, während Nathan Liff die Situation erklärte. „Dieser Mann“, Liff zeigte mit dem Zeigefinger auf Greenspun, „Sie dürfen diesem Mann nicht zu viele Fragen stellen. Er kommt mit einem guten Grund, das versichere ich Ihnen hundertprozentig, für eine Sache, die uns allen sehr am Herzen liegt.“

Liff hielt inne und sah sich um. „Er braucht vielleicht 6.700 Dollar.“ Einen Moment lang herrschte Schweigen. „Es ist einfach so“, sagte Greenspun. „Wird das jüdische Volk leben oder wird es sterben?“ Liff ergänzte mit ruhiger Stimme: „Ich habe bereits Tausende von Dollar an Ausrüstung gespendet. Jetzt werde ich ihm siebzehnhundert Dollar geben, wenn der Rest von euch die fünftausend aufbringt.“ Die Männer, die sich in dem Raum versammelt hatten, starrten Liff, einander und Greenspun an. Trotz seines Zögerns, eine ausführlichere Erklärung abzugeben – vielleicht gerade deshalb – begannen sie, die Dringlichkeit seiner Mission zu verstehen. Und so wurden Schecks über fünftausend Dollar innerhalb von fünf Minuten ausgestellt, ohne dass Fragen gestellt wurden.

Teil 1 finden Sie hier.

Teil 2 finden Sie hier.

Teil 3 finden Sie hier.

Teil 4 finden Sie hier.

Teil 5 finden Sie hier.

Teil 6 finden Sie hier.

Teil 7 finden Sie hier.

Teil 8 finden Sie hier.

Teil 9 finden Sie hier.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Mena-Watch.

 

Stefan Frank, geboren 1976, ist unabhängiger Publizist und schreibt u.a. für Audiatur online, die Jüdische Rundschau und MENA Watch. Buchveröffentlichungen: „Die Weltvernichtungsmaschine. Vom Kreditboom zur Wirtschaftskrise“ (2009); „Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos“ (2012).

Foto: Public Domain Link

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Leserpost

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S. Marek / 16.08.2023

@ Boris Kotchoubey, wie viele Juden kennst Du ?  Und wenn es zwei sind, dann bestimmt nicht die richtigen.

Boris Kotchoubey / 16.08.2023

Auch Juden sind jetzt nicht mehr wie damals. Heute sind sie globalisiert, woke, links und bedingungslos pro-palästinensisch. Sie stehen auf der guten Seite. Ausnahmen gibt es wohl, aber sie sind genauso selten, wie unter Nicht-Juden.

Rudolf Krakora / 16.08.2023

Diese Geschichte erinnert mich an einen Freund - Arje Anhang aus Berlin. Ich habe ihn Ende der 70er Jahre auf einer Baustelle als Montagemeister an einer Papiermaschine in der Nähe von Manila (Philippinen) kennen und schätzen gelernt. Er erzählte mir seine Geschichte wie er als 17 jähriger 1937 von seinen Eltern von Berlin nach Palästina geschickt wurde und er als einziger den Holocaust überlebt hat. Im Krieg hat er auf einem englischen Schiff gedient und damit erste Erfahrungen mit Waffen gesammelt. 1948 war er beim Befreiungskrieg dabei und seinen letzten Einsatz hatte er im 6-Tage-Krieg. 1948 wurde er bei Kämpfen am Knie verwundet. Das letzte Mal habe ich ihn Anfang der 90er Jahre gesehen als ich auf einer Dienstreise in seiner 2. Heimatstadt zu tun hatte. Er war ein toller Kerl, ein guter Freund und heute noch denke ich mit Hochachtung an ihn.

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