Die neuesten Jubelmeldungen künden vom Bau einer 140 Meter hohen Mega-Batterie in den USA. Solche Speicher sollen nach neuestem Wunschdenken auch unsere Energiewende retten. Und jetzt zum Kopfrechnen: Leider kann ein solches Bauwerk nur zwei Minuten lang die Energie bereitstellen, die die gerade abgeschalteten Kernkraftwerke hergaben.
Bild Online vermeldet jubelnd: „140 METER HOCH! Schweizer Firma baut Mega-Batterie in den USA. Energie klimafreundlich zu erzeugen ist die eine Sache, ein ganz andere ist, Strom über längere Zeit in großer Menge zu speichern. Doch an der Lösung dieses Speicher-Problems wird gearbeitet! So hat sich das Schweizer Start-up Energy Vault zum Ziel gesetzt, riesige Speicher-Einheiten für unsere Energie zu bauen“.
Die Botschaft ist klar: Liebe Deutsche, die Energiewende ist hauptsächlich wegen fehlender Speicher vergurkt. Aber keine Sorge – Energy Vault arbeitet an „riesigen Speichern“ – mit festem Glauben und großer Hoffnung.
Bild weiter: „Große Hoffnung liegt auf Schwerkraft-Batterien. Die Idee ist, Energie mithilfe mechanischer Bewegung zu speichern statt mit Chemie. So funktioniert’s: Riesige Brocken aus hochkomprimierter Erde werden in einem großen Gebäude nach oben gezogen. Die Brocken wiegen jeweils etwa 24 Tonnen. Angetrieben wird die Hochhebe-Maschine durch Sonnenkollektoren und Windturbinen. Ein automatisiertes System hebt und lagert Hunderte dieser Steine, wenn die Sonne scheint und der Wind weht. Sobald Sonnenschein und Wind nachlassen, senkt das Steuerungssystem der Anlage die 24-Tonnen-Brocken wieder ab – und setzt damit Stromgeneratoren in Gang. Im Grunde ist das mit Riesen-Steinen gefüllte Gebäude eine gigantische mechanische Batterie“.
Na ja, es ist nach meiner Meinung so etwas wie ein mit Steinen gefülltes Pumpspeicherwerk. Nur dass ein Pumpspeicherwerk ein richtiger Energiespeicher ist, mit einer Speicherhöhe von 350 Meter und einem Volumen von 12 Millionen Kubikmeter Wasser (Goldisthal). Und somit bei einer Leistung von 1.060 MW ca. 8,5 Gigawattstunden speichern kann.
Bild berichtet weiter:
„Es werden zwei Mega-Batterien errichtet. Eine in China, sie befindet sich in einem 122 Meter hohen Gebäude und wird eine Energiespeicherkapazität von 100 Megawattstunden haben. Das ist genug, um 3400 Haushalte einen ganzen Tag lang mit Strom zu versorgen. Die Anlage soll bis Juni fertiggestellt sein. Das texanische System, das in einem 140 Meter hohen (aber schmaleren) Gebäude untergebracht ist, wird eine Kapazität von etwa 36 Megawattstunden bieten“.
Weniger als zwei Minuten
Dann holen wir mal den Taschenrechner raus und vergleichen die von den beiden „Batterien“ zur Verfügung gestellte Arbeit mit der Arbeit der vor einer Woche abgestellten Kernkraftwerke ISAR2, Neckarwestheim2 und Emsland, die zusammen eine installierte Leistung von 4.350 MW hatten und 10 Millionen Haushalte versorgen konnten.
Meine Frage ist nun: Für welchen Zeitraum könnten die beiden bejubelten Batterien mit zusammen 136 Megawattstunden die Arbeit der drei verschrotteten deutschen Kernkraftwerke ersetzen?
Es sind weniger als zwei Minuten, dann sind alle Batterie-Brocken unten. Um auch nur eine Stunde die Arbeit der drei KKW zu ersetzen, müsste man das 32-fache an den beschriebenen Schwerkraftbatterien installieren.
Da eine Dunkelflaute gern mal zwei Wochen dauert, kann Professorin Claudia „Speicher noch und nöcher“ Kemfert jetzt gerne selber nachrechnen, wie viele Mega-Schwerkraftspeicher nur als Ersatz der drei KKW für die zweiwöchige Dunkelflaute gebraucht werden. Es sind 10.752 solche Schwerkraftbatterien. Noch Fragen?
Bild stellt die Frage am Ende des Artikels selbst:
„Noch ist das Schweizer Unternehmen nicht aus den roten Zahlen: 2022 vermeldete es bei 146 Millionen Dollar Umsatz einen Verlust von 78 Millionen Dollar. Aber: Die Investoren glauben bisher daran – und vielleicht können die Mega-Batterien ja wirklich zur Lösung des Speicher-Problems beitragen“.
Liebe Bild-Redakteure, hier werden Sie geholfen
Die Antwort auf Eure Frage ist, trotz Eures durchaus ehrenwerten festen Glaubens: „Nein, können diese Sorte Mega-Batterien nicht. Sie können höchstens kurzfristige Schwankungen ausgleichen. Weil keiner den Strom daraus bezahlen kann. Auch dann nicht, wenn weder Wind noch Sonne noch Schwerkraft eine Rechnung schicken“. Stellt Euch nur mal die gigantischen Betonskelette, die tausenden Seilzüge, Umlenkrollen, Motoren und Seilbremsen vor. Wäre da zur Energiespeicherung nicht ein Pumpspeicherwerk viel einfacher zu bauen und zu betreiben? Oder vielleicht sogar in Kombination mit einem Kernkraftwerk, das rund um die Uhr Grundlast liefern kann? Auch bei Dunkelflaute?
Ich frage mich, warum merken grüngelbrotschwarze Journalisten und Politiker nicht, wenn sie auf physikalischen Unfug hereinfallen? Wieso bemerken sie nicht, dass ein Fernsehapparat keinen Strom aus der Luft erzeugen kann? Wieso glauben sie an ein batteriegetriebenes Lufttaxi? Wieso können sie sich nicht vorstellen, dass die Verzehnfachung der Ausbaugeschwindigkeit von Wind/Solar/Wärmepumpen/Elektroautos auf unlösbare technische und ökonomische Hindernisse hinauslaufen? Dass es sich irgendwann „ausgewummst“ hat, wenn die letzten Steuerzahler in die Stütze oder ins Ausland geflüchtet sind? Wieso glauben sie an pharaonisch anmutende Steinspeicher?
Die Antwort ist: Sie haben keine Vorstellung, kein mentales Bild, von der Größenordnung der Vorgänge und Dinge. „Größen-Ordnung“ bedingt, dass man eine Vorstellung darüber hat, in welchem Verhältnis zum Beispiel eine Megawattstunde zum täglichen Stromverbrauch eines Haushaltes steht. Es bedingt, dass man installierte Leistung von elektrischer Arbeit unterscheiden kann. Es bedingt, dass im Kopf irgendeine Ordnung herrscht. Wie das mit der Ordnung im Kopf in der Praxis bei unserem Führungspersonal aussehen kann, sehen Sie beispielsweise hier oder hier.
Wer nicht gut im Kopfrechnen ist, wer Physik in der Schule abgewählt hat, wer Tera, Giga und Kilo oder Leistung und Arbeit nicht auseinanderhalten kann, der merkt auch nicht, dass er Unfug redet, wenn er beispielsweise sagt: „Wir planen, dass bis 2030 10 Millionen Elektroautos in Deutschland fahren werden“ oder „Wir haben vereinbart, dass jährlich 500.000 Wärmepumpen installiert werden“, weil er gar nicht auf die Idee kommt, das mal auf den Tag runterzubrechen. Wenn ich mir die Größenordnung von einer Million nicht vorstellen kann, dann kommen mir gar keine Zweifel, ob mein völlig unrealistischer Plan überhaupt realisiert werden kann.
10 Millionen Elektroautos bis 2030 bedeutet, dass täglich inklusive Wochenenden 4.000 Elektroautos in Deutschland verkauft werden müssen, sonst kommt man nicht auf die 10 Millionen. 500.000 Wärmepumpen pro Jahr bedeutet, das täglich 1.400 Wärmepumpen installiert werden müssen, auch inklusive Wochenenden.
Um in Deutschland als Elektriker arbeiten zu dürfen, bedarf es eines Facharbeiterbriefes, der mit einem Kenntnisnachweis erworben werden muss.
Um in Deutschland Journalist bei den öffentlich-rechtlichen oder großen Medien zu werden, bedarf es einer linksgrünen Haltung. Kenntnisse in Grammatik und Orthografie wären gut, geht aber auch ohne – liest eh keiner.
Um in Deutschland Minister oder Staatssekretär zu werden, bedarf es eines Parteibuchs oder einer Quote und einer guten Position im Parteienfilz. Ein Kenntnisnachweis ist dafür nicht erforderlich. Und wer als Politiker gar zu offensichtlich scheitert – in Brüssel gibt es noch viele bestdotierte Plätzchen für Versager.
Beitragsbild: Creative Commons CC0 Pixabay

„Honig im Kopf“. Ja, heute habe ich mit einem halben Ohr im Radio einen Begeisterer des DFR gehört. Es könnte der Kontrafunk gewesen sein. Der Herr hat jedenfalls erzählt, der DFR könnte auch abgereichertes Uran verbrennen. Soweit sind die schon. Ich hätte es nicht geglaubt. In Afrika, nicht am Hindukusch… Rechnen müsste man können.
Das Turm-Kraftwerk funktioniert so ähnlich wie eine alte Wanduhr: Jeden Tag zieht man kilo-schwere Gewichte hoch (mit Energie vom Abendessen), aber das reicht gerade mal aus, die beiden Zeiger zu bewegen und den Kuckuck schreien zu lassen.
Es scheint, als hätten die meisten Politiker das alles niemals durchgerechnet. Dass Forschung und Entwicklung bei den Zwischenspeichern vorangetrieben wird, ist gut und richtig. Das ist aber „Work in Progress“ und deshalb kein fester Faktor, mit dem man kalkulieren könnte. Die treiben da etwas mit kurzfristig terminierten Gesetzen voran, was bisher überhaupt keinen gesicherten Unterbau hat. Aus der Informatik kenne ich das Problem nur zu gut: Als Softwareentwickler weiß man ganz genau, was alles noch schief gehen kann, während die BWLer in den Führungsetagen da andauernd Veröffentlichungstermine raushauen, nur um die potentiellen Käufer interessiert zu halten. Das funktioniert aber bei einem derart großen Projekt wie der Energiewende nicht, weil es zu viele völlig unkalkulierbare Faktoren gibt, die auch kein Ingenieur allein auf dem Schirm haben kann. Ein Produkt wird ja nicht nur am Reißbrett entwickelt, es muss ja auch in Masse produziert werden. Und da greifen dann die verfügbaren Ressourcen und die potentiell zur Verfügung stehenden Produktionslinien. Und da wird es kritisch. Es ist absoluter Wahnsinn, bestehende Energieträger einfach so zu verbieten, während noch gar kein gesicherter Ersatz da ist. Denn wenn plötzlich das Licht ausgeht, weil das alte Produkt abgestellt wird bevor das neue Produkt marktreif ist, ist die Sache gescheitert. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch. Und was mir auch nicht eingeht: Wenn ich gleichzeitig(!) auf E-Mobilität und regenerative Energien umstellen will, stehen diese beiden Projekte in Wechselwirkung. Wenn das eine scheitert, scheitert auch das andere. Also muss da kommuniziert werden zwischen den Teams. Aber auch das scheint nicht zu passieren. Ich muss das jetzt so hart sagen: BWLer und Marketingfachleute verkaufen Produkte, von denen sie oftmals gar keine Ahnung haben. Sie halten sich aber für den Nabel der Welt. Nichts könnte falscher sein.
,Hat nicht der Kanzlernde vor 2 Tagen vorgeschlagen, das Energieproblem durch Solarzellen auf dem Mond lösen zu wollen?
Also mit „grüner Mathematik“ rechnet sich das immer. Kennen Sie nicht? Nun, dabei legt man das (gewünschte) Ergebnis fest und es kommt auch immer raus, unabhängig von den Eingangswerten und wie man rechnet. Genial, nicht wahr? Hat bestimmt ein Kobold erfunden. Ja, und wenn man so z.b. „errechnet“ hat, dass man nicht 30 Jahre sondern 4 Jahre für irgendwas brauchen wird, oder durch einmal pro Jahr in die Nordsee spucken sogar den Klimawandel stoppen kann, – na dann ist das so. Wer’s nicht glaubt, der ist ein Ketzer!
@Thomas Szabo, da haben Sie aber einen grandiosen Vergleich formuliert. Er zeigt überdeutlich den Irrsinn von LinksGrün!
@Gerhard Schmidt, Die Kobolde werden jetzt übers Mittelmeer importiert. Wobei ich der Ansicht war, dass diese im Hamsterrad laufen werden. Man lernt ja nie aus.