Stefan Frank / 29.09.2020 / 16:00 / 8 / Seite ausdrucken

Honduras will Botschaft nach Jerusalem verlegen

Honduras plant, noch vor Jahresende eine Botschaft in Israels Hauptstadt Jerusalem zu eröffnen. Das habe er mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu besprochen, teilte Juan Orlando Hernández, der Präsident des mittelamerikanischen Staates, am 21. September auf Twitter mit. Gleichzeitig will Israel eine Botschaft in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa eröffnen. Bislang war Israels Botschafter in Guatemala für die Belange in Honduras zuständig.

Schon im letzten Jahr hatten Israel und Honduras Schritte zur Aufwertung der diplomatischen und bilateralen Beziehungen unternommen. Bei einem gemeinsamen Treffen, das am 1. Januar 2019 am Rande der Amtseinführung des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia stattfand, gaben der amerikanische Außenminister Mike Pompeo, Ministerpräsident Netanjahu und Präsident Hernández eine Erklärung ab, wonach sich die drei Länder darauf „einigen, die politischen Beziehungen zu stärken und die Zusammenarbeit bei der Entwicklung in Honduras zu koordinieren“.

Zudem kündigten sie einen „Aktionsplan“ an, der die Eröffnung von Botschaften in Tegucigalpa und Jerusalem vorbereiten sollte. Hernández sprach damals Reportern gegenüber von einem „wichtigen Bündnis“. Als Vorstufe zu einer Botschaft hatte Honduras im September 2019 ein Handelsbüro in Jerusalem eingerichtet. Im August 2020 eröffnete Israel im Gegenzug ein Handelsbüro in Tegucigalpa.

Netanjahu bedankte sich für die Freundschaft

„Heute, da ihre Flaggen über der Hauptstadt des jeweils anderen wehen, möchten Israel und Honduras die Absicht verkünden, den Aktionsplan mit der gegenseitigen Eröffnung und Einweihung ihrer Botschaften in beiden Hauptstädten abzuschließen“, teilten die Regierungen beider Länder am Montag dieser Woche in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Ministerpräsident Netanjahu und Präsident Hernández hätten „bekräftigt, dass Honduras und Israel enge Freunde und strategische Verbündete sind“, hieß es weiter. Hernández gratulierte Israel zu dem „historischen Friedensabkommen“ mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und wünschte aus Anlass des jüdischen Neujahrsfests Rosch Haschana alles Gute zum neuen Jahr 5781 des jüdischen Kalenders. Netanjahu bedankte sich für die „Freundschaft und die unerschütterliche Unterstützung“, die Israel von Honduras erhalte, und bekräftigte das „Engagement seines Landes, diese Partnerschaft durch Entwicklung, Zusammenarbeit, Tourismus, Investitionen, Technologie, Landwirtschaft, Bildung und Handel zu stärken“.

UNO gegen Jerusalem

Honduras wäre nach den Vereinigten Staaten von Amerika und Guatemala das dritte Land, das eine Botschaft in Jerusalem eröffnet. Paraguays Regierung hatte dies im Mai 2018 ebenfalls getan; doch nach einem Regierungswechsel im August 2018 entschied die neue Regierung, die Botschaft nach nur drei Monaten zurück nach Tel Aviv zu verlegen.

Botschaften in Jerusalem sind international umstritten. Nachdem das israelische Parlament am 30. Juli 1980 das Jerusalemgesetz verabschiedet hatte, das die ehemals geteilte Stadt wiedervereinigte und ganz Jerusalem zu Israels Hauptstadt erklärte, drängte der UN-Sicherheitsrat in einer Resolution im August 1980 jene UN-Mitgliedsländer, die zu diesem Zeitpunkt Botschaften in Jerusalem unterhielten, diese aus Protest nach Tel Aviv zu verlegen.

Die UNO vertritt den Rechtsstandpunkt, dass Jerusalem nicht zu Israel gehört, sondern gemäß dem UN-Teilungsplan von November 1947 als corpus separatum unter internationale Verwaltung zu stellen sei. Der Plan blieb allerdings eine Fiktion, da er von der arabischen Seite abgelehnt wurde und die UNO keinerlei Schritte unternahm, um ihn durchzusetzen. Schon vor der Abstimmung am 29. November 1947 hatte die jordanische Arabische Legion einen Angriff auf Jerusalem begonnen. Am 27. Mai 1948 nahm sie die Jerusalemer Altstadt ein und führte eine ethnische Säuberung durch, bei der sie alle Juden vertrieb, sämtliche Synagogen zerstörte, Torah-Rollen vernichtete und den Friedhof auf dem Ölberg verwüstete.

Durch die Freundschaft mit Israel zieht Honduras den Hass der Vereinten Nationen auf sich. Wegen des Plans, seine Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, werde Honduras angefeindet, erklärte Hernández im Dezember 2019 bei einer Rede auf dem Treffen des Israeli-American Council (IAC), einer Organisation israelischer US-Bürger, in Miami. So habe die Entscheidung Honduras den Vorsitz in der UN-Generalversammlung gekostet.

Hernández spielte darauf an, dass der Anti-Israel-Block in der UN-Generalversammlung bei der Abstimmung im Juni 2018 den Mitbewerber Ecuador gegen Honduras unterstützt hatte, sodass Honduras mit 128 zu 62 Stimmen unterlag. Als Grund wurde angenommen, dass Honduras am 21. Dezember 2017 eines von nur neun Ländern gewesen war, die gegen eine Resolution der Generalversammlung gestimmt hatten, die den Status Jerusalems als Israels Hauptstadt für „null und nichtig“ erklärte (die anderen Länder waren Guatemala, Israel, die Marshall-Inseln, Mikronesien, Nauru, Palau, Togo und die USA).

An der Seite Israels

Alldem zum Trotz werde Honduras an der Seite Israels bleiben, so Hernández. In seiner Rede vor dem IAC sagte er: „Heutzutage, wo die letzten Überlebenden der Nazi-Konzentrationslager noch in der Lage sind, Zeugnis abzugeben, ist es erschreckend, dass die Existenz Israels von der BDS-Bewegung bedroht wird. Angesichts des wachsenden Antisemitismus in der Welt, angesichts von Raketen, die auf das israelische Volk abgeschossen werden, müssen wir sagen: Nie wieder! Nie wieder!“

Israel und Honduras wollen auf den Gebieten der Entwicklung der Infrastruktur, des Tourismus, der Landwirtschaft, des Wassermanagements, der Bildung, des Handels und der regionalen Sicherheit zusammenarbeiten. Zu den größten gesellschaftlichen Problemen von Honduras zählen der Drogenkrieg – das Land hat eine der höchsten Mordraten der Welt – und seit Jahren wiederkehrende Dürren.

Hernández ist seit 2014 im Amt. 2015 besuchte er Israel erstmals als Präsident. 1991 war er als 22-jähriger Stipendiat des israelischen Bildungsprogramms MASHAV nach Israel gekommen. Dies schilderte er später als eine „das Leben verändernde Erfahrung und der Ursprung meiner tiefen Bewunderung für Israel“. Im Oktober 2015 sagte er bei einer Rede vor dem World Jewish Congress in Jerusalem: „Solange ich Präsident bin, wird Honduras an der Seite Israels stehen.“

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Mena-Watch.

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Leserpost

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Karla Kuhn / 29.09.2020

Hartwig Hübner,  “Wie kann die Welt solch gewichtigen Entscheidungen treffen ohne unsere bösartige Hexe um Erlaubnis zu fragen?”  GENAU. Honduras wird schon wissen warum. Und es geht kein anderes Land etwas an, Deutschland am allerwenigsten ! “Gleichzeitig will Israel eine Botschaft in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa eröffnen.”  Wahrscheinlich eine win-win Situation, ich wünsche ihnen Erfolg.                                               

N.Lehmann / 29.09.2020

Dieses Thema ist genauso umstritten, wie der Mundnasenschutz! Gibt halt nicht soviele, die Eier in der Hose haben und Fakten schaffen. Deutschland muss sich um wichtigeres kümmern und die Gäste aus dem Morgenland verköstigen. Aber unser Walter von Boller-Belvue hält ne starke Rede und Bedford-Marx legen dafür ihre Orden ab. Als Sahnehäubchen gibts ein kostenloses U-Boot.

Hans-Peter Dollhopf / 29.09.2020

Eines der widerlichsten Merkmale der UNO ist, dass man in ihr abzustimmen pflegt. Dort sind irre Diktatoren-Staaten anzutreffen, die “daheim” weder freie Demokratie noch unabhängigen Rechtsstaat dulden. Aber in der großartigen, ethisch verrotteten Assembly pflegen diese menschenrechtlichen Shitholes gerne mit abzustimmen. Die Stimmen dieser UNO-Repräsentanten aus den Herrschaftsgebieten es gehobenen Abschaums repräsentieren überhaupt nicht die auf den von ihnen gekaperten Ländereien lebenden Teil der Weltbevölkerung! Trotzdem, in der UN Assembly, da werden sie wie legitim akzeptiert. Und dann stimmen die auch so ab, dass es den Interessen ihrer Diktaturen am meisten nutzt. Die UNO ist dadurch indirekt ein Stabilisator der Zustände. Eine Reform der UN ist aber auch nicht möglich. bomber harris do it again

Oliver Fischer / 29.09.2020

Dazu kann ich nur eines sagen. Bravo Herr Hernandez , bravo Honduras. Die UNO ist längst ein von radikalen Islamisten kontrollierter Müllhaufen.

Hartwig Hübner / 29.09.2020

Wunderbar. ++ Hoffentlich fällt deswegen möglichst sehr vielen Möchtegern-Experten in der geistig provinziellen und spießigen Stadt, derjenigen zwischen Stettin und Leipzig, der Himmel auf den Kopf und/oder die Kinnlade soweit herunter, es täte sehr weh. ++ Wie kann die Welt solch gewichtigen Entscheidungen treffen ohne unsere bösartige Hexe um Erlaubnis zu fragen?

Markus Kranz / 29.09.2020

Da muss Angela Merkel gleich nach Honduras fliegen und irgendetwas machen um das zu verhindern. Denn Israel ist ja gleich nach Deutschland und Amerika ihr größtes Problem.

Wilfried Cremer / 29.09.2020

In D ist, so viel ich weiß, nur die AfD dafür. Soll ich die jetzt wählen, wenn ich die Verlegung für richtig halte? Was sagen Sie?

Susanne antalic / 29.09.2020

Oj, joj joj, das wird aber den deutschen herrschenden Herrenmenschen nicht gefallen, da werden sie sich wieder Sanktionen gegen Honduras überlegen. Wo kämme man hin, wenn sich jemand nicht an Deutschlands Hass auf Israel nicht hällt.

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