News-Redaktion / 12.07.2019 / 14:00 / Foto: Human evolution scheme / 0 / Seite ausdrucken

Homo Sapiens erreichte Europa viel früher als bisher gedacht

Ein hunderttausende Jahre alter Knochenfund wirft ein neues Licht auf die Besiedlungsgeschichte Europas. Am Mittwoch erschienen in der Fachzeitschrift „Nature“ die Ergebnisse einer Untersuchung zweier Schädel, die bereits 1978 in der griechischen Höhle Apidima entdeckt wurden. Nach Angaben der Studienautoren zeigten die Uran-Thorium-Datierung und die Rekonstruktion der beschädigten Knochenteile, dass der eine Schädel (Apidima 1) rund 210.000 Jahre alt ist und einen Mix aus anatomisch modernen und archaischen Merkmalen aufweist. Der zweite Schädel (Apidima 2) sei rund 170.000 Jahre alt und stamme von einem Neandertaler.

Apidima 1 wäre damit 20.000 Jahre älter als rund 190.000 Jahre alte Homo-Sapiens-Relikte aus Israel. Diese Knochen galten bislang als die ältesten Fossilien unserer Art außerhalb Afrikas. Die bisher ältesten Zeugnisse des Homo Sapiens in Südeuropa waren rund 40.000 Jahre alt – und damit mehr als 150.000 Jahre jünger als Apidima 1.

Lange Zeit nahmen Forscher an, dass anatomisch moderne Menschen vor circa 70.000 Jahren aus Afrika auswanderten und Europa, Asien und den pazifischen Raum besiedelten. Die jüngsten Funde in Israel und die aktuelle Untersuchung der Apidima-Schädel legen jedoch nahe, dass es eine weitere, viel frühere Auswanderungswelle gab. Die ersten Homo Sapiens konnten sich jedoch nach Ansicht von Wissenschaftlern nicht dauerhaft in Europa etablieren. „Alle Menschen, die heute außerhalb von Afrika leben, stammen von der letzten, erfolgreichen Auswanderungswelle ab“, zitiert das Internetportal „Greek Reporter“ die Studienautorin Katerina Harvati von der Universität Tübingen. „Der heutige Mensch enthält kein genetisches Material von frühen Migranten wie Apidima 1.“

„Unserer Hypothese zufolge wurden frühe Homo-Sapiens-Populationen im heutigen Griechenland später durch die Neandertaler verdrängt, deren Präsenz im Süden des Landes gut dokumentiert ist – dazu gehört auch Apidima 2“, erklärte Harvati dem Wissensmagazin Scinexx. „In der späten Altsteinzeit vor rund 40.000 Jahren erreichte dann eine neue Migrationswelle moderner Menschen die Region und andere Teile Europas. Dies ist der Zeitpunkt, an dem die Neandertaler ausstarben.“

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