Die Sündenböcke sind ausgemacht, und nur zu bereitwillig wird ihrer Bestrafung zugestimmt. Ein psychologisches Experiment von 1971 zeigte schon, wie es funktioniert.
Von Okko Tom Brok.
Seit Jahren werden wir medial darauf eingestimmt: Die Beleidung, Demütigung und Erniedrigung von Menschen ist, zunächst als Unterhaltungskonzept drittklassiger TV-Sender gestartet, neuerdings auch in der „großen Politik“ angekommen. Aber warum nur zuschauen, wenn im fernen australischen Busch Kandidaten und Kandidatinnen einer Reality Show auf jede nur denkbare Weise gequält werden, wenn man doch selbst aktiv mitwirken kann? Etwa über die Ausgrenzung sog. „Querdenker“ oder gleich der Gruppe aller Ungeimpften? Ein gruseliges Psychoexperiment der 1970er Jahre, das sich gerade zum fünfzigsten Male jährt, liefert den weltanschaulichen Deutungsrahmen: das Stanford Prison Experiment von Philip Zimbardo.
Wer sich vor Jahren vielleicht noch über die Obszönitäten mancher TV-Formate mit Ekelfaktor ärgerte, konnte sich immerhin damit trösten, dass seinerzeit niemand zur Teilnahme an öffentlichen Selbstentäußerungen, der Verspeisung von lebenden Spinnen oder Vollbädern in Jauche gezwungen war. Was viele Sendungen von Big Brother bis Dschungelcamp verband, war jedoch ein psychologisch höchst brisantes Phänomen: die Bereitschaft von ausgesprochen durchschnittlichen, ja selbst von hochstehenden, gebildeten Menschen, die Qualen anderer Menschen nicht nur erträglich, sondern gerechtfertigt oder gar amüsant zu finden.
Wir machen es uns vermutlich zu leicht, solchen Sadismus als Phänomen verwahrloster Unterschichten abzutun. Das Phänomen ist deutlich universaler. Es handelt sich um eine sogenannte anthropologische Konstante.
Jüngst wurde die Öffentlichkeit in Kenntnis gesetzt, dass selbst Angehörige der einst ehrwürdigen deutschen Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina wie der Verhaltensforscher Armin Falk, deren Aufgabe u.a. darin besteht, die Politik und Gesellschaft zu beraten, offenbar den „Kitzel“ kennen, anderen Menschen schweres Leid zufügen zu wollen. Im Juli forderte Falk, seines Zeichens Ökonom an der Universität Bonn, man möge Menschen, die sich aus individuell sehr unterschiedlichen Gründen nicht gegen Covid-19 impfen lassen möchten oder können, im Falle einer Verknappung von Intensivbetten im Winter die lebensnotwendige Behandlung im Krankenhaus verweigern (sog. Triage). Was als ethischer Extremfall galt und gilt, wird urplötzlich zum Denkmodell für den Alltag. Vulgär-Utilitarismus als Blaupause für böses Tun?
Gefallen finden an der Züchtigung der Aufsässigen
„Es würde sehr wenig Böses auf Erden getan werden, wenn das Böse niemals im Namen des Guten getan werden könnte", wusste schon die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach. Das Böse maskiert sich zumeist als das Gute, während niemand außer einigen wenigen Hobby-Satanisten explizit „das Böse“ hofieren würde. Umso sprachloser beobachten wir, wie gesellschaftliche „Lockerungen“ neuerdings vor allem medizinische, ethische und juristische Standards betreffen. Und was noch vor kurzer Zeit als zutiefst verwerfliches, unethisches Denken und Handeln galt, scheint in einem atemberaubenden Tempo diskussionswürdig zu werden.
Ein Erklärungsmodell der explosionsartigen Entfaltung des Bösen unter Menschen entstand vor genau 50 Jahren im Rahmen eines der wohl bedeutendsten Psychologie-Experimente aller Zeiten: dem Stanford Prison Experiment, das vom 14. bis 20. August 1971 in den Räumlichkeiten der Stanford University im US-Bundesstaat Kalifornien stattfand.
Wer sich eingehender mit diesem Experiment beschäftigt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hier verdichtet sich ein Gesamtbild der „Banalität“ des im Menschen schlummernden Bösen, wie es Hannah Arendt einst bezeichnete. Irritiert hatte sie bereits diagnostiziert, dass auch hochkultivierte Familienväter während des NS-Regimes zu kaltblütigen KZ-Aufsehern und Mördern mutieren konnten. Sie waren sich der Tragweite ihrer Handlungen offenbar durchaus bewusst und galten in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen von 1945 bis 1949 als voll schuldfähig. (Allerdings stellte Arendt später einschränkend fest, die Mörder-Familienväter des Dritten Reiches hätten kein „einziges Gedicht geschrieben, das es wert wäre, dass man sich daran erinnerte, oder ein anhörenswertes Musikstück komponiert oder ein Bild gemalt, bei dem irgend jemand daran gelegen wäre, es an seine Wand zu hängen.“ (H. Arendt, Über das Böse, S. 80))
Dass Bosheit keinen Mangel an Intellekt darstellt, wurde durch das Stanford Prison Experiment in den frühen 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit der schlichten Einladung zu einem kleinen psychologischen Experiment bei 15 Dollar Tagesverdienst lud der Psychologie-Professor Philip Zimbardo vor genau 50 Jahren zahlreiche studentische Teilnehmer (Frauen wurden nicht beteiligt) in einen Keller der Universität Stanford ein, um dort eine makabre Gefängnissituation zu simulieren. Im Versuchsaufbau sollten die „Wärter“ die viel zu strengen Regeln des fiktiven Gefängnisses gegenüber den „Insassen“ um jeden Preis durchsetzen. Die Insassen erhielten nach ihrer Einlieferung Gefangenenkleidung und eine Fußkette, wurden von den Wärtern gefilmt und rund um die Uhr ihrer Privatsphäre beraubt. Als bereits nach einem Tag eine Gefangenenrevolte ausbrach, wurde ein System aus Strafen und Belohnungen implementiert, um die Insassen ruhigzustellen. Bereits nach wenigen Tagen waren mehrere Teilnehmer schwer traumatisiert. Das Verblüffende war: Die Wärter und sogar Zimbardo selbst leisteten den Anweisungen nicht nur Folge, sondern gewannen schließlich Gefallen an der grausamen Züchtigung ihrer Gefangenen. Der „Erfolg“ des Experiments war so durchschlagend, dass Zimbardo auf Druck seiner Getreuen den Versuch vorzeitig nach wenigen Tagen abbrach.
Ein Land, zerfurcht von Angst, Hass und Feindschaft
Das Experiment ist oft zitiert und als Vergleich bei echten Gefängnisskandalen herangezogen worden, wie etwa in Abu Ghraib (Irak), wo US-Militärangehörige und selbst Ärzte irakische Kriegsgefangene grausam misshandelten. Zimbardo selbst hat sein Experiment immer wieder gegen vorrangig methodische Kritik verteidigt, weil es wichtige Grundeinsichten über die Natur des Bösen geliefert habe.
Kann man also Umstände ausmachen, unter denen grausame Gewaltexzesse wahrscheinlicher werden und das Zusammenleben menschlicher Gesellschaften bedrohen? Der Psychologe aus Stanford sieht gewisse gesellschaftliche oder kollektive „Rahmenbedingungen“, die böse Handlungen und Gewalt förderten. Und diese Liste hat es in sich: Am Anfang stehe eine akute oder als akut empfundene Bedrohungslage, die es um jeden Preis zu bekämpfen gelte. Wer hier schon an die Gegenwart denken muss, liegt nicht falsch, und auch die folgenden Beobachtungen lassen Rückschlüsse auf die Gegenwart zu: Jeder Mensch könne ein sadistisches Monster werden, sobald neben der als akut empfundenen Notlage besonders scharfe Anweisungen einer vertrauenswürdigen Autorität, ein ausreichender Gruppendruck und zur endgültigen Überwindung aller Skrupel Anonymität und ein subjektives Gefühl des Rechthabens hinzuträten.
Bedrohungslage? Scharfe Anweisungen? Gruppendruck? Anonymität? Recht haben wollen? Wer Zimbardos Experiment mit der immer maßloseren Corona-Politik der Bundesregierung vergleicht, muss befürchten, dass sich nach 16 Jahren der viel zu langen Kanzlerschaft Angela Merkels in Deutschland etwas zutiefst Besorgniserregendes ereignet. Sollte sich der politische Umgangston in unserem Land nicht mäßigen, könnten – das lehrt nicht nur das Experiment Zimbardos – schwerste Gewaltexzesse gegenüber Andersdenkenden deutlich wahrscheinlicher werden. Wer so unverhohlen wie heutige Regierungspolitiker, Verbandsfunktionäre und sonstige Funktionsträger Menschen ärztliche Behandlungen vorenthalten, sie vom öffentlichen Leben ausschließen und ihnen sogar kollektiv die Schuld für bestehende Gesundheitskrisen zuweisen möchte, handelt m.E. nicht nur sitten- und grundgesetzwidrig, er legt vor allem eine hochgefährliche Saat des Bösen und der Gewalt.
Selbst wenn ein Impfzwang und weitere Zwangsmaßnahmen nicht durchgesetzt würden, sind die öffentlichen Verwünschungen und Anathemas gegenüber Andersdenkenden, Regierungskritikern und jetzt sogar einfach nur Ungeimpften bereits viel zu lautstark erklungen, um keinerlei negative Wirkungen zu entfalten. Bereits heute leben wir in einem von Angst, Hass und Feindschaft zerfurchten Land.
Die bösartige Dynamik in ihren Anfängen stoppen
Gibt es Hoffnung? Was empfiehlt Prof. Zimbardo, um die bösartige Gewaltspirale zu unterbinden? Unter dem im Deutschen etwas sperrigen Titel „Zehn-Stufen-Programm zur Abwehr unerwünschter Einflüsse“ entwickelt Zimbardo zehn Regeln, schließlich ist die Zehnzahl seit dem Dekalog Moses im ethischen Diskurs geläufig. Der englischsprachige Wortlaut kommt der Sache schon näher, wenn es heißt: A Ten-Step Program to Build Resistance and Resilience.
Es geht also bei Zimbardo um die Ausbildung innerer Widerstandsfähigkeit (resilience), aus der Widerstand (resistance) im Sinne eines „zivilen Ungehorsams“ erwachsen kann. Wir sollen der Versuchung in uns selbst widerstehen, in Gefahrensituationen vorschnell Schuldige zu identifizieren, eigene Erkenntnisse absolut zu setzen und unkritisch sittenwidrige Befehle und Anordnungen auszuführen.
In Zimbardos Zehn-Punkte-Plan lautet demzufolge der erste und oberste Grundsatz, Fehler einzugestehen und die Möglichkeit eigenen Irrtums stets einzukalkulieren. Wer fortwährend „alternativlose Wahrheiten“ postuliert, droht den bösen Einflüsterungen bereits auf den ersten Metern zu erliegen. Ferner gilt es, die eigene Verantwortung in einer gegebenen Situation wahrzunehmen und sich nicht auf „Befehlsnotstände“ oder Anweisungen noch so ranghoher und vertrauenswürdiger Dritter zu verlassen. Ein weiterer wichtiger Grundsatz lautet, man werde gerechte Ordnungen stets respektieren, gegen ungerechte Ordnungen jedoch rebellieren. Gegen einen kollektivistischen Sog der Gewalt gerichtet, fordert Zimbardo außerdem, man dürfe sich zwar nach Gruppenzugehörigkeit sehnen, solle aber seine geistige Unabhängigkeit gegenüber Gruppen, denen man angehöre, nie ganz aufgeben. Der vielleicht zentrale Satz des „Zimbardo’schen Dekalogs“ ist jedoch dieser: Ich werde weder persönliche noch bürgerliche Freiheitsrechte zugunsten der Illusion von Sicherheit aufgeben (“I will not sacrifice personal or civic freedoms for the illusion of security”). Konnte Philip Zimbardo in die Zukunft sehen, als er diese Sätze formulierte?
Prof. Zimbardo hat die immer gleiche Signatur autoritärer Gewaltbereitschaft für uns entschlüsselt. Und er hat Empfehlungen gegeben, wie diese bösartige Dynamik bereits in den Anfängen zu stoppen wäre. Haben wir nach 50 Jahren noch den Willen, aus Zimbardos Erfahrungen zu lernen?
Beitragsbild: 663highland CC BY 2.5 via Wikimedia Commons
Ich möchte auf Eugen Sorgs Bericht von 2011 „Die Lust am Bösen – warum Gewalt nicht heilbar ist“ hinweisen.
Zum Schluss zitiert er Baudelaire aus der „Blume des Bösen“ – „Die größte List des Teufels war es, uns zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt“.
FJS hat 1986 über Atomkraftgegner gesagt: „Wer Menschen in Unsicherheit, Aufregung und Furcht versetzt, betreibt das Werk des Teufels.“
Dies trifft heute auf die von AM zur rückgratlosen linken Blockpartei verdrehten CDU/CSU genau zu, von den den anderen Bonner Parteien ganz zu schweigen.
Jeder, der im September diese Parteien, wider besseres Wissen wählt, gibt sich und seine Familie, Enkel und Urenkel, wie im Artikel beschrieben, dem Bösen und damit dem Untergang preis.
Ich hörte vor ca. 15 Jahren auch mal von einem ähnlichen Experiment (ich meine ebenfalls aus den 70ern), in dem immer ein Proband einen anderen Menschen mit einem Stromschlag züchtigen sollte, wenn dieser eine Frage falsch beantwortete. Der Proband widerum hörte dabei auf die Anweisungen eines Aufsehers, der ihm sagte, wann er das Knöpfchen für den Stromschlag drücken sollte. Proband und „Opfer“, das in Wirklichkeit ein Schauspieler war, trennte ein Sichtschutz. Im Verlauf des Experimentes wurde die Stromstärke vermeintlich (!) immer weiter erhöht, bis sie eine lebensgefährliche Stärke erreicht hatte. Manche Probanden wurden angesichts der -gespielten- Schmerzensschreie des Opfers zwar unsicher, wurden dann aber durch nachdrückliche Befehle des Aufsehers wieder auf Spur gebracht. Ich meine, es war ein relativ kleines Experiment mit einem oder zwei Dutzend Probanden. Aus ethischen Gründen verweigert hat sich wohl bloß ein einziger. Ich weiß leider den Namen des Experimentes nicht mehr. Aber es zeigte deutlich, dass der Grat zwischen Zivilisation und Barbarei auch beim modernen Menschen sehr schmal ist. Die Ergebnisse des Experimentes sorgten damals für große Empörung. Man wollte nicht wahrhaben, das normale Menschen so ticken. Ich persönlich sage ja immer wieder und bleibe dabei, auch wenn ich noch so oft als blöd und naiv bezeichnet werde: das Böse ist oft erschreckend banal. Und für vieles, was heute geschieht braucht es gar keine Theorien über Weltverschwörungen oder sonstwas. Gerade bezüglich des Mitläufertums habe ich in meiner Schulzeit einige erhellende Erlebnisse gehabt, die meinen Glauben in den gesunden Menschverstand meiner Mitmenschen wirklich erschüttert haben. Auch Leute, die im Brustton der Überzeugung völligen Stuss erzählen faszinieren mich immer wieder! Viele Katastrophen waren nichts weiter eine Verkettung unglücklicher Umstände. Da da braucht es dann nur noch ein paar A***löcher, die einen Vorteil für sich wittern und fertig!
Liebe Inge Paul, Ihre Fragen stelle ich mir auch schon lange und mache es als älterer Mensch genau wie Sie. Innerer Rückzug, kochen, lesen, warten. Wie kann man untereinander Kontakt knüpfen, vor allem, wenn man nicht bei facebook etc mitmachen will. Aber die würden einen ja wahrscheinlich eh gleich rausschmeißen. Es sich gemütlich machen und hoffen, dass nichts passiert. War seit anderthalb Jahren nicht beim Arzt, nicht beim Zahnarzt, nicht beim Optiker, nirgends. Habe zum Glück auch keinen lieben Angehörigen im Krankenhaus besuchen müssen. Da käme man ja jetzt auch nicht mehr rein ohne Testgedöns. Aber wie lange kann man das durchhalten? So lange, wie es geht. Mich kriegen sie nicht. Mein geimpfter Ehepartner wird mein Überleben sichern, falls das Einkaufen auch erschwert werden würde.
Haben Sie mal ans Auswandern gedacht? Selbst, wenn der Zirkus hier mal vorbei sein sollte. In diesem Land kann man einfach nicht leben. Es ist ja nicht nur die Regierung. Die Masse geifert mit. Dieses Ratz-Fatz-Abgleiten unserer Mitbürger in eine Blockwart-Mentalität, in spalterischen Hass und Hetze; dieser Tonfall von „Klappe halten“ in Richtung Herrn Aiwanger bis Sozialschädlinge (Zitat eines FDP-Politikers) über „feige unsolidarische Schmarotzer“ und was sonst noch ungeniert rausgehauen wird. Das sind unsere Mitbürger? „Aus der Geschichte lernen“ hatte ich mir anders vorgestellt.
@Johannes Schuster, Sie bringen es auf den Punkt: „Es ist ja bloß eine legale Frage, nicht eine der Bereitschaft. Das ist absolut grauenhaft.“ Die Kruste der Zivilisation splittert schneller ab, als man gucken kann.
@Peer Munk: Die Erfahrung habe ich mit meinen linksliberalen Freunden bereits gemacht, als ich einen Artikel von Grimm zu einer der ersten Anti-Maßnahmen-Demos in Berlin rumschickte, um eine Gegenposition zu Zeit online anzubieten. Tenor: Achse des Guten sei ohnehin ein zweifelhafter Blog und die Demos grenzten sich nicht genug gegen Rechte ab. Kein einziges Wort zum Ausnahmezustand. Die Linke schnappt zu, sobald „Rasse“ und „Volk“ draufsteht – tauscht man das Label, ist sie hemmungslos am Mitmachen.
So schön es auf aktuelle Entwicklungen zu passen scheint: Das Stanford Prison Experiment wurde längst als Schwindel entlarvt, jüngst erst in Rutger Bregmans Bestseller „Im Grunde gut“). Zimbardos Manipulationen und der Druck, den er auf die Wärter ausübte, um sie zu brutalem Handeln aufzustachelten, machten das ganze zu einem „angeleiteten Improvisationstheater“. Auch das gerne zitierte „Holt mich hier raus“ büßt im Kontext betrachtet erheblich an dramatischer Wucht ein.
Der Versuch der BBC, das Experiment 2001 zu reproduzieren, endete kläglich in langweiligen Solidarisierungseffekten zwischen Wärtern und Gefangenen.
@Herrn Kiesewetter: Ihr Vergleich hinkt auf allen Beinen, und er wäre auch mit der richtigen Jahreszahl 1943 genauso abstrus
Das Problem scheint mir zu sein, daß die Damen und Herren Totalitaristen, diesen Versuchsaufbau natürlich auch kennen und stets bemüht sind ihn auf die Gesellschaft zu übertragen – natürlich nur zu unserem und vorallem zu ihrem Besten. Sie fördern und belohnen die entsprechenden niederen Charaktereigenschaften und rekrutieren dadurch ein Millionenheer von willfährigen Mitläufern. Im Dienste der höheren Sache sei das gerechtfertigt, so denken sie, und es stehe ja jedem Widerspenstigen jederzeit frei, sich zur gerechten Sache zu bekennen.- Das Grundübel ist wohl die Verdinglichung des Menschen, das Individuum wird nicht als eine einzigartige Manifestation von Sein betrachtet, als eine einzigartige Erfahrung und Interpretation der Welt, sondern nur als Mittel zum Zweck, als zu verwaltendes Objekt, als mehr oder weniger nützlicher Idiot, im besten Fall noch als ein der Fürsorge und Vormundschaft der Herrschenden anvertrauter Unmündiger. – Die Urheber des Grundgesetzes hatten nicht umsonst in Artikel 1 GG formuliert: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Ich würde fast schon wetten, daß weder Merkel noch Söder noch viele andere Politdarsteller, die Bedeutung dieses Satzes jemals wirklich verstanden haben.