Peter Grimm / 23.07.2016 / 09:24 / 8 / Seite ausdrucken

Hoffnung auf den Amok-Läufer?

Dieser Text gibt einen vorläufigen Stand der Dinge wieder. Auch am Morgen danach herrscht noch viel Verwirrung. Neun Menschen wurden in München erschossen, die Stadt war schnell in einen Ausnahmezustand versetzt, der gesamte öffentliche Verkehr lahmgelegt, der Hauptbahnhof geräumt und der Bahnverkehr aus und in die Stadt komplett eingestellt. Vor allem konnte die Polizeipräsenz schnell massive Kräfte zusammenziehen und war überall präsent, selbst bei jedem kleinen Fehlalarm. Wäre das Ganze eine Übung oder eine Generalprobe für den terroristischen Ernstfall gewesen, dann würde man wahrscheinlich von einem Erfolg sprechen. Aber es war keine Übung, es sind neun Menschen gestorben. Aber war es nun der Ernstfall? Es war ja vielleicht gar kein Terroranschlag, sondern „nur“ ein Amok-Lauf. Das macht zwar eigentlich nichts besser, aber bei einem Terroranschlag denkt heutzutage nun einmal jeder an islamistischen Terror.

Mit einem islamistischen Terrorakt eines jungen Einzeltäters aus Afghanistan in einem Regionalzug bei Würzburg hatte die Woche begonnen. Sollte sie nun mit einem ebensolchen enden?

Alle Medien beeilten sich, zu berichten, dass es keine Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund gäbe. Die gab es in der Tat nicht, doch zu einem Zeitpunkt, an dem die Polizei noch nicht einmal wusste, wie viele Täter in dem Olympia-Einkaufszentrum in München geschossen hatten, schien das schon die wichtigste Frage zu sein. Auch diejenigen Meinungsbildner, die nach jedem islamistischen Anschlag bemüht sind, möglichst jede Verbindung zwischen Terror und Islam zu zerreden, wollten sofort klären, was der Islam damit zu tun haben könnte.

Als sich die Hinweise verdichteten, dass es doch nur ein Einzeltäter gewesen ist, der sich anschließend erschossen habe, kam bei einigen wieder die merkwürdige Hoffnung auf, der Täter könnte vielleicht ein verwirrter Amok-Läufer gewesen sein, der nichts mit dem Islam zu tun hat. Wo kein Terrorist ist, ist die Tat auch kein Terror.

Am Morgen danach erfährt die Öffentlichkeit, dass ein 18jähriger Deutsch-Iraner die neun Menschen allein erschossen hat. Bei dieser Herkunft könnte er zwar irgendetwas mit dem Islam zu tun gehabt haben, aber jeder, der jetzt am Morgen öffentlich spekuliert, hält eine geistige Verwirrung für das wahrscheinlichste Motiv. Was er in einem Handyvideo einem Anwohner zurief, stärkt diese Annahme.

Nun könnte man die Ermittlungen gelassen abwarten. Doch es gibt offenbar ein großes Interesse daran, dass es endlich eine nicht-islamistische Bluttat in die allgemeine öffentliche Wahrnehmung schafft. Da können es manche nicht abwarten. Es ist die zynische Hoffnung auf einen aktuellen Beleg dafür, dass gar nicht jeder größerer Gewaltakt vom Islam inspiriert ist und man deshalb weiterhin all die Gefahren, die von radikalmuslimischen Ideologen ausgehen kleinreden oder gnädig übersehen kann. Probleme lassen sich so besser wie gewohnt weginterpretieren. Das ist schließlich einfacher, als an Lösungen zu arbeiten.

Während die Polizei noch ermittelt, müssen Experten erklären, warum es kein islamistischer Anschlag gewesen sein kann. Jede Redaktion scheint sich ja inzwischen einen eigenen Terror-Experten für den Ernstfall in Bereitschaft zu halten. Der des Deutschlandfunks erklärte den Hörern am frühen Samstagmorgen, dass der ordentliche Dschihadist am Freitag zum Freitagsgebet geht und nicht anschließend Menschen erschießt. Zumal der sich auch nicht umbringen würde, weil er ja den Märtyrertod sucht.

Das mag alles so stimmen. Die Ermittlungsergebnisse werden dies gegebenenfalls bestätigen. Die Gefahr für uns alle wird dadurch nur nicht kleiner. Im Gegenteil: Die Extremisten machen Tat-Vorgaben, die sich nun auch andere Gestörte zum Vorbild nehmen. Nichts ist dadurch besser geworden, wenn die Tat von München „nur“ von einem Amokläufer verübt wurde. Die Erleichterung, die man etlichen Verantwortungsträgern schon anmerkte, als sich diese Möglichkeit abzeichnete, zeigt eigentlich nur Abgründe auf. Abgründe einer recht menschenverachtenden Sicht auf die eigene Gesellschaft.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Peter Grimms Blog Sichtplatz hier.

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Leserpost

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Engelbert Gartner / 23.07.2016

Wenn man erlebt hat, wie groß die mediale Aufmerksamkeit im Bezug auf Tat und den Täter war, wird dies anderen, ebenfalls gestörten ( ob religiös oder was auch immer ) motivieren, sich selbst die gleiche Aufmerksamkeit zu holen. Die nächste Taten sind sicherlich schon in der Planungsphase. Mit traurigen Grüßen E. Gartner

Helge Hildebrand / 23.07.2016

Nachzutragen bleibt, dass sicher wieder nach schärferen Waffengesetzen gerufen wird, und Herr Mayzek fordert, die Muslime in Deutschland dürften nicht diskreminiert werden. Ich bin gespannt, wer zuerst zu einer Großdemonstration gegen rechte Gewalt in München aufruft.

Günter Lüdeking / 23.07.2016

Jede Gewalttat, egal von wem auch immer vollzogen, wird von einem gestörten Geist ausgeführt. Der Islam stört nach meiner Auffassung, häufiger als andere Glaubensgemeinschaften den Geist. Herr Grimm danke Ihnen für diesen Beitrag!      

Gerhard Sponsel Lemvig / 23.07.2016

Danke ! PS. Bei dem ZDF-Kleber sagte ein hochbezahlter Terrorexperte vom diesem deutsche Bezahlsender: “Er gehe davon aus das es mindesten einen Täter gibt” Da zahlt mder deutsche nachrichtenkonsument doch gerrne seine GEZ-Gebür.

Thomas Meyer / 23.07.2016

Guten Morgen, mir ist etwas interessantes Aufgefallen: In englischen Medien ist der Name des Täters als Ali S. angegeben, bei einem hamburger Nachrichtenmagazin mit David. S.. Das finde ich schon sehr seltsam, wenn nicht sogar beunruhigend. Auch das in englischen Medien eine Zeugin aussagt, das er beim schiessen die magischen Worte gerufen hat, erfährt man nicht. Das finde ich noch seltsamer und beunruhigender.

Silvia Schulz / 23.07.2016

Ich persönlich hatte eher den Eindruck, dass Gewalt, im Kollektiv oder von einzelnen Muslimen, gerade am Freitag besonders heftig ausfällt.  Und dass Selbstmord nicht zum Märtyrer und zum Besitzer der sexwilligen Huris macht, ist Riesenunfug. Gerade deswegen weil es zum Märtyrer macht, sprengen sich Muslime selbst mit in die Luft. Es ist halt nur wichtig, dass man möglichst viele mitnimmt. Wir werden denen zum Frass vorgeworfen und dabei von Politik und Medien noch verhöhnt.

Marcel Seiler / 23.07.2016

“Islamistisch” und “Geistig gestört” schließen sich keinesfalls aus. Es gibt geistige Störungen (etwa das Borderline Syndrom oder Schizophrenie), die sehr empfänglich für äußere Stimmungen und damit auch für gesellschaftliche Strömungen machen. Ein Klima, in dem islamische Terrorakte zum Alltag gehören und in gewissen Kreisen als gerechtfertigt angesehen werden, wird geistig Gestörte hervorbringen, die Aspekte davon übernehmen und Taten begehen werden, die sie in einem anderen gesellschaftlichen Klima nicht begangen hätten. Ob dies in München der Fall war, weiß ich nicht; im Moment ist ja über den Täter praktisch nichts bekannt. Sollte sich aber herausstellen, dass der Täter psychisch krank gewesen ist, so werden sicherlich viele Beschwichtiger behaupten, deshalb *könne* dies kein islamischer Anschlag gewesen sein. Ein solcher kategorischer Ausschluss ist falsch.

Stephan Jankowiak / 23.07.2016

Wie pervers ist diese Gesellschaft unter Möchtegernführung ihrer Politiker und Medienmanipulatoren, daß mittlerweile jedes Verbrechen anhand von Herkunft, Geschlecht oder Unterhosenfarbe relativiert wird? Als überlebendes Opfer bzw. Angehöriger ist es doch wohl herzlich egal, ob Täter(in) weiß, braun, schwarz, rot gelb ist, ob der Jehova, Jesus, Allah, die heilige Kuh oder den 1. FC Köln anbetet. Im Einzelfall ist ein Mensch von denen wohl äußerst unterschiedslos vergewaltigt, malträtiert, ermordet worden. Es ist schlimm und schrecklich, daß es mittlerweile wohl 10 Tote und viele Verletzte in München gibt. Gott oder wer auch immer gebe den Überlebenden und Angehörigen die Kraft, diese brutale Zeit zu überstehen und behüte sie vor manipulierenden Politikern und Journalisten, die allesamt versuchen werden, ihr eigenes Süppchen zu kochen - widerlich. Denn eins wird leider von denen immer vergessen: “Wir sind alle Menschen”  - kein dummer Spruch, sondern vor über 30 Jahren das wohltuende und immer wieder geäußerte Motto eines Freundes aus Bangladesch.

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