Heute habe ich ein Interview auf RBB-Info Radio (zu Gast bei Ingo Kahle) mit dem Kulturwissenschaftler Andreas Bernard über Reproduktionsmedizin und ihre gesellschaftlichen Folgen gehört.
Bernard wirft einen präzisen, an Fakten und Empirie orientierten und erfrischend unaufgeregten Blick auf das verminte Themenfeld und räumt mit Vorurteilen über “Social Freezing” und andere medizinische Möglichkeiten auf.
Und jetzt kommt der Hammer:
Gegner der Reproduktionsmedizin, egal ob Grüne oder Kirchenleute, malen ja immer den Teufel der nationalsozialistischen Eugenik an die Wand. Bernard studierte die Original-Quellen aus dem Dritten Reich. Ergebnis: Die Nazis waren fanatische Gegner der Reproduktionsmedizin, die damals z.B. schon in Amerika angewandt wurde (es gab bereits die Möglichkeit der Samenspende). Sie wollten zwar „lebensunwertes Leben“ ausrotten und Super-Arier züchten. Medizinische Hilfe bei der Zeugung war aus NS-Sicht jedoch eine jüdisch-künstliche Perversion. Die Grünen und die Bischöfe knüpfen mit ihrem Anti-Reproduktionsmedizin-Dogma also an die nationalsozialistische Weltanschauung an.
Wer mehr wissen möchte über die erstaunlichen Gemeinsamkeiten von Braun und Grün, lese das Kapitel „Nebel der Vergangenheit – Verdrängte Traditionslinien grünen Denkens“ in dem Buch Alles grün und gut?.

Die Zuordnung der historisch(-schrecklich)en zu aktuellen politischen Positionen im Artikel ist durchaus spannend, doch der "Hammer" ist eher die Verwendung eines Begriffes, der an sich neutral ist. Die Definition des Begriffs Eugenik - die Verbesserung eines bestimmten Genpools - beinhaltet weder bestimmte Mittel, noch wird umschrieben, welche Verbesserungen gemeint sein sollen. Diese zwei Aspekte sind immer Gegenstand politischer Formung.