Hitler-Stalin Pakt. Geschichte umschreiben, dritter Versuch.

Früher nannte man sie Kreml-Astrologen. Die selbsternannten Kenner der Gemütslage im Politbüro der damals existierenden UdSSR. Aus der Positionierung auf dem Lenin-Mausoleum bei Staatsakten oder mit Hilfe anderer Zeichendeutungen betrieben sie ihr Handwerk von Kaffeesatzlesen. Immer in stramm antikommunistischer Haltung, ohne Rücksicht auf Haltungsschäden. Ohne Rücksicht auf die Realität.

Die UdSSR ist Geschichte, aber bis heute gilt auch für sie der gute Satz von William Faulkner: Das Vergangene ist nicht tot. Es ist nicht einmal vergangen. Also wird Vergangenes immer wieder neu umgegraben, neu interpretiert, anders dargestellt. Daran ist nichts auszusetzen, im Prinzip. Nachdem sowohl die bürgerliche wie die marxistische Geschichtsschreibung den Anspruch aufgegeben hat, die objektive und richtige Wahrheit aus der Vergangenheit destillieren zu können, sollte Geschichtsschreibung mehr denn je dazu dienen, Gegenwärtiges, mögliche zukünftige Entwicklungen aus der Analyse vergangener Zeiten zu verstehen.

Denn der auch nicht schlechte Satz, dass, wer aus der Vergangenheit nicht die richtigen Schlüsse zieht, dazu verurteilt ist, die Geschichte zu wiederholen, ist schon Anlass genug, immer wieder den Blick rückwärts zu richten. Runde Jahrestage eignen sich immer dafür. So hat der Erste Weltkrieg, seine Entstehungsgeschichte, hundert Jahre danach eine Fülle von hochinteressanten, neuen Untersuchungen hervorgebracht. Die neue Einsichten ermöglichten, erwähnt sei nur das großartige Werk „Die Schlafwandler“.

Wenig ergiebig, geradezu sinn- und zwecklos ist allerdings eine Geschichtsschreibung, die nichts anderes als einen Zirkelschluss betreibt. Der große deutsche Schriftsteller Lion Feuchtwanger, als Sympathisant Stalins im US-Exil gestorben, wollte mit seinen Romanen beweisen, dass es die Hegelsche List der Vernunft tatsächlich gibt. Also dass in der Geschichte Personen auch gegen ihren Willen oder ohne diese Absicht den Fortschritt der Vernunft befördern. Das wollte er in großartigen historischen Werken beschreiben, wobei er mit seinem Roman „Erfolg“ das wohl beste und geradezu seherische Buch über das Aufkommen des Hitler-Faschismus in Deutschland schrieb.

Zirkelschluss ohne jede Beweiskraft.

Aber so erfolgreich er auch selbst war – seine Romane machten ihn zu einem wohlhabenden Mann, der in Pacific Palisades, einem Vorort von Los Angeles, Hof hielt und viele verarmte deutsche Exilanten empfing, bewirtete und auch unterstützte –, sie kranken an einem grundsätzlichen Mangel und Denkfehler: Feuchtwanger untersuchte die Geschichte auf Beispiele des listigen Wirkens der Vernunft, und wenn er eins gefunden haben wollte, beschrieb er es als Beweis für die Richtigkeit dieser Auffassung. Unterhaltsam, lehrreich, aber als Zirkelschluss ohne jede Beweiskraft.

Genauso zweifelhaft, nicht erkenntnisfördernd, höchstens zur Verwirrung beitragend sind viele aktuelle Geschichtsinterpretationen. Häufig gilt dafür weiterhin der marxistische Satz, dass die herrschende Geschichtsauffassung die Auffassung der Herrschenden, zumindest der Sieger sei. Ist eine Revolution erfolgreich, ist ihre Vorgeschichte in der offiziösen Geschichtsschreibung eine Abfolge von heroischen Taten, die zwangsläufig zum völlig berechtigten Umsturz führen mussten.

Wird die Revolution niedergeschlagen, haben Umstürzler, Terroristen, Systemveränderer glücklicherweise vergeblich versucht, eine für alle Teilhaber angenehme Gesellschaftsform zu zerstören und durch völliges Chaos zu ersetzen. Das alles ist so langweilig wie bekannt wie in ewigen Wiederholungsschleifen durchgedreht. Aus Spaß und Tollerei oder gesteuert werden gerade in der deutschen Geschichte immer wieder Versuche der Neu- und Uminterpretation gewagt. Vor allem, was die Zeiten des Hitler-Faschismus betrifft.

Selbst die Existenz von Konzentrationslagern oder die industrielle Vernichtung von Juden, Kommunisten, Bolschewisten und anderen "Untermenschen" wird ab und an bezweifelt. Immerhin stellen sich Apologeten dieser Um-Schreibung außerhalb des vernünftigen und akzeptierten Diskurses. Ernsthafter diskutiert wurde die These, dass es sich beim Überfall von Hitler-Deutschland auf die Sowjetunion nicht um einen Angriffskrieg gehandelt habe, sondern um einen Präventivschlag, um einem Angriff Stalins zuvorzukommen.

Kann man so sehen. Aber stimmt das auch?

Diese Behauptung wurde gleich mehrfach aufgestellt, zuerst in den 1960er Jahren, um eine Alleinschuld Deutschlands am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu bestreiten. Sie wurde dann widerlegt, nur um ab 1985 nochmal durch die Historikerzunft zu geistern. Einige Jahre später war sie auch im zweiten Anlauf entkräftet. Und wartet vielleicht auf den dritten Versuch.

Nun jährt sich der Hitler-Stalin-Pakt gerade zum 80. Mal. Kein anderes Einzelereignis im letzten Jahrhundert wurde häufiger als dieses Abkommen dafür herangezogen, eine Analogie, eine Wesensgleichheit zwischen Hitler-Deutschland und der Sowjetunion zu behaupten. Hier hätten sich zwei Verbrecher und Massenmörder, zwei Vertreter einer menschenverachtenden Ideologie getroffen, der eine habe sich im anderen wiedererkannt, und gemeinsam habe man dann einen Pakt geschlossen, der skrupellos die Teilung und Ausradierung des polnischen Staats beschloss.

Neben dem offiziellen Nichtangriffspakt gab es zusätzlich ein von der UdSSR lange Jahre bestrittenes Zusatzabkommen, das diese Aufteilung inklusive Grenzziehung zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion festlegte. Damit hätten Nationalsozialisten in Berlin und Sozialisten in Moskau in „einem Raubzug“ nicht nur Osteuropa unter sich aufgeteilt, sondern auch „gemeinsam die Weichen für den Zweiten Weltkrieg gestellt“. Wird behauptet, und jeder wundert sich darüber, dass noch heute da und dort Sympathie für den Pakt der Verbrecher existiere. In Russland sei das immer noch ein Tabuthema, aber auch in Deutschland mangle es an Aufarbeitung.

Kann man sicher so sehen; nur: Stimmt das auch? Oder anders gefragt: Angesichts des Fehlens einer objektiv richtigen Geschichtsschreibung, lässt sich die Behauptung halten, dass „Stalin zu Beginn des Zweiten Weltkriegs de facto auf Seiten Hitlers kämpfte“? Ist es Anlass zu Empörung, dass Präsident Putin diesen Pakt als Massnahme verteidigt, damals eine Konfrontation mit Hitler hinauszuzögern? Ist es historisch auf Niveau argumentiert, wenn als mögliches Motiv dieser Aussage Putins erwähnt wird, dass dessen „Opa Koch bei Stalin war“?

Brandgefährlich falsch

Rechtzeitig zum Jahrestag ist natürlich eine Reihe von Publikationen erschienen. Darunter das Werk „Der Pakt“ im renommierten C.H. Beck Verlag. Die deutsche Professorin Claudia Weber beschreibt hier die Übereinkunft als Ausdruck einer Konvergenz zweier totalitärer, wesensgleicher Systeme. Nicht nur die FAZ rümpft darüber die Nase und vermutet, dass diese Perspektive dem Problem geschuldet sei, dass Geschichte, Hintergründe und Auswirkungen des Hitler-Stalin-Pakts bereits umfangreich und ausführlich historisch aufgearbeitet wurden. Also im Pakt nichts Neues, außer, man setzt sich in historischer Distanz eine Meinungsbrille auf und findet – wie bei Feuchtwanger – in der Geschichte das, was man zuvor in sie hineingetragen hat.

All das ist nicht nur Geschichtsbetrachtung durch die dicke ideologische Brille, es ist es ist nicht nur ahistorisch, es ist nicht nur unsinnig, es ist noch schlimmer: Es ist schlichtweg falsch.  Es ist brandgefährlich falsch, wenn aus dieser Gleichsetzung von braunen und roten Fäusten, von zwei Diktatoren die Schlussfolgerung in die Jetztzeit gezogen wird, dass nun auch wieder „Polen, Balten, Ukrainer und andere Osteuropäer“ gemeinsame Projekte Deutschlands mit Russland – wie ein Pipelinebau – als „Schlag in den Rücken“ empfänden, wie ein ehemaliger Moskau-Korrespondent unlängst schrieb. Gar von einem „Putin-Stalin-Pakt“ fantasiert der Journalist Konstantin Eggert in einem Gastkommentar der reputierten Deutschen Welle.

Sozusagen eine Dolchstoßlegende, neu interpretiert. Aber Spaß beiseite. Wenn es eine historische Konstante in der Geschichte Europas gibt, dann die, dass bei einem Bündnis oder zumindest bei friedlicher Koexistenz zwischen Deutschland in allen Ausformungen und Russland in allen Regierungsformen Frieden herrschte. Wer über den Nichtangriffs-Pakt herzieht, ohne das Münchner Abkommen zu erwähnen, ohne die zuvor gescheiterten Verhandlungen in Moskau zwischen der UdSSR und Frankreich sowie England, der will nicht geschichtliche Aufklärung betreiben, sondern Geschichtsklitterung.

Wer bei der langen und komplizierten Geschichte zwischen Polen und Russland nicht einmal auf die Curzon-Linie, ihr Entstehen und die Tatsache hinweist, dass sie in diesem Zusatzabkommen wieder verwendet wurde, will bewusst oder aus Unfähigkeit solche historischen Tatsachen ausblenden. Wer polnische Eroberungszüge im Gefolge der Oktoberrevolution außen vor lässt, genauso wie Pogrome und Antisemitismus in virulenter Form in Polen, Weissrussland und in der Ukraine, wer die Kollaboration mit den Nazi-Besetzern in diesen Ländern unterschlägt, hat entweder keine Ahnung oder ist böswillig.

Von der Landkarte radiert

Kaum ein Land wurde in der europäischen Geschichte der Neuzeit so geschunden wie Polen. Es wurde sogar von der Landkarte radiert und erst nach dem Ersten Weltkrieg wieder als unabhängiger Staat wiedererweckt. Die Curzon-Linie diente dabei als Grenzziehung im Osten gegenüber der damaligen UdSSR. Die sich im Überlebenskampf befindliche Sowjetunion schlug Polen sogar 1920 eine noch weiter nach Osten verschobene Grenze vor. Im Frieden von Riga, der den polnisch-sowjetischen Krieg erst 1921 beendete, verleibte sich Polen ein großes Stück Russlands ein. Genau dieses eroberte Gebiet nahm sich Stalin in diesem Pakt zurück. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb es dabei, und Polen wurde sozusagen nach Westen verschoben, auf Kosten Deutschlands.

Wer schließlich den Anti-Komintern-Pakt zwischen Deutschland, Italien und Japan unerwähnt lässt, der unterschlägt, dass dieser Nichtangriffs-Pakt in Japan mit höchstem Missfallen quittiert wurde. Der wohl wichtigste Spion des Zweiten Weltkriegs, Richard Sorge, konnte später nach Moskau melden, dass Japan von allen Invasionsplänen im Rücken der UdSSR Abstand genommen hatte. Obwohl der Paranoiker Stalin seinen Spionen nur begrenzt vertraute, zog er immerhin Truppen aus Sibirien ab, die bei der Verteidigung Moskaus und Stalingrads eine wohl mitentscheidende Rolle spielten.

War Stalin ein paranoischer Massenmörder, der mehr Mitglieder des Politbüros und des ZKs umbrachte als alle Feinde der Sowjetunion zusammen? Natürlich. Er vertraute den Berichten seiner Spione nicht, unter ihnen Sorge, die auf den Tag genau den Beginn der deutschen Invasion der Sowjetunion vorhersagten. Führte sein Wüten unter den Militärführern der Roten Armee dazu, dass die UdSSR längere Zeit dramatische Niederlagen und Verluste von Millionen von Menschenleben hinnehmen musste? Unbezweifelbar.

War der Pakt mit Hitler und die Aufteilung Polens viel mehr als der Versuch, eine direkte Konfrontation so lange wie möglich hinauszuzögern, in einem hegemonialen Verständnis, Gebiete sich wieder einzuverleiben, die zu Russland gehört hatten? Geboren aus der realen Lage, dass die UdSSR von faschistischen und imperialistischen Staaten umzingelt war, die sich möglicherweise gegen den damals einzig existierenden kommunistischen Staat verbünden könnten? So wie Invasionsheere nach der Oktoberrevolution versuchten, die Umstürzler um Lenin von der Macht zu vertreiben? Dauert es dann nicht bis 1944, lange nach Stalingrad, bis die westlichen Alliierten und Verbündeten der UdSSR mit der wirklichen Grossoffensive gegen Hitler-Deutschland begannen? Nicht zuletzt getrieben durch die Befürchtung, dass sonst die vorrückende Rote Armee ganz Europa befreien oder erobern könnte?

In Deutschland betriebener Umschreibung

Es gibt keinen belastbaren Beleg dafür, dass Winston Churchill, ohne Zweifel der weitsichtigste und intelligenteste Gegenspieler sowohl Hitlers wie auch Stalins, nach dem Sieg über Hitler-Deutschland gesagt haben soll: Wir haben das falsche Schwein geschlachtet. Aber es gibt genügend Belege und Dokumente dafür, dass Wehrmachtskreise, auch um die hochgelobten Stauffenberg-Attentäter herum, immer wieder versuchten, mit den westlichen Alliierten einen Separatfrieden zu schließen, um dann gemeinsam auf die ausgeblutete UdSSR loszugehen. Dem stand aber Hitler entgegen, als GröFAZ konsequent bis zum Schluss als Militärstratege ein Versager.

Und letztlich: Wird in Russland tatsächlich eine so einseitige Geschichtsklitterung aus sowjetischer Sicht betrieben, wie sie in Deutschland von Historikern und Russland-Kennern dargeboten wird? Wobei nicht einmal erwähnt wird, dass sich Polen gerne an der Auslöschung der Tschechoslowakei beteiligte, deren Aufteilung noch vom damaligen britischen Premier Chamberlain als Sieg des anhaltenden Friedens in Europa missverstanden wurde. Und wenn, wie behauptet wird, tatsächlich Stalin und Hitler Kampfgenossen am Anfang des Zweiten Weltkriegs gewesen sein sollen, wieso erklärten dann Frankreich und England nach der Aufteilung Polens nur Deutschland den Krieg?

Natürlich gibt es in Russland sicherlich auch Historiker oder angebliche Kenner, die auf dem Niveau von Geschichtsklitterung argumentieren, auslassen, verfälschen, die Geschichte gegen den Strich bürsten. Aber was die offizielle Historikerzunft, soweit es im Westen zugänglich ist, an Geschichtsforschung und an Interpretation dieses Pakts betreibt, was sich auch in einer großen Ausstellung in Moskau niederschlägt, unterscheidet sich doch sehr wohlwollend von in Deutschland betriebener Umschreibung. Voller Fehler, Auslassungen und unsinniger Behauptungen bis in die Gegenwart hinein.

Das Vergangene ist nicht vergangen. Wer den Pakt zum Anlass nimmt, das heutige Russland und Präsident Putin in eine Linie mit Stalin zu stellen, wer gemeinsame Unternehmungen von Deutschland und Russland auf wirtschaftlichem Gebiet als schädlich und gefährlich für östliche Staaten und die Ukraine erklärt, dem muss vorgehalten werden, dass er dazu beitragen will, dass sich die Geschichte wiederholt.

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Dr.H.Böttger / 09.09.2019

Der Artikel ist leider - um mit Merkel zu sprechen - nicht hilfreich. Es werden keine glaubhaften Grundlinien der Geschehnisse herausgestellt, sondern nur ein eher zufälliges Potpourri von Splittern geboten.  Angesichts der Vielfalt der zu berücksichtigenden Ereignisse und Abläufe sicher nicht leicht zu vermeiden. Wäre aber besser gewesen, ein gründlicheres Sachverständnis vorher zu erarbeiten. So fallen hier eher Kuriosa auf, wie der Engländer Curzon, der mal eben so eine Grenze zwischen den aktuell kämpfenden Mächten festlegt, die von den laufenden Kriegshandlungen sehr bald weggewischt wird, und die keiner kennen würde, wenn sie nicht von der sowjetischen Rechtfertigungspropaganda nach dem WK II aus der Gruft gezaubert worden wäre. Das das keine ethnisch zwingende Grenzziehung, sondern ein Konstrukt, zu dem die Ethnizität nach dem WK II gewaltam hergestellt wurde. Usw. usf. Als Grundprinzip bliebe eher hervorzuheben, daß beide Partner zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses absolut personalisierte totalitäre Staaten waren, die beide nicht von irgendwie parlamentarisch oder sonstwie demokratisch legitimierten Machthabern geleitet wurden. Weder Ribbentrop noch Molotow hatten eine entscheidende Rolle. Alle Absichten und politischen Entscheidungen beruhten letzten Endes auf dem vor ihren Hofschranzen sogar weitgehend versteckten Willen Hitlers resp. Stalins. Beider Weltbild war geprägt von Weltmachtfantasien. Bei beiden rekurrierend auf die imperialen Ideen der guten alten Zeit vor dem WK I.  Bei Hitler weit darüber hinausgreifend, ohne das Detailbeweise hier nötig wären. Bei Stalin nachweisbar, durch seine persönliche Steuerung der Geschichtsschreibung seit Mitte der 30er in Richtung eines schier unglaublich scheinenden Rückgriffs auf die Ideologie des Großrussentums, heroischer Zaren, panslawistischer Machtfantasien nur mit weltrevolutionärem Sendungsbewußtsein angereichert.

Giovanni Brunner / 09.09.2019

Als Historiker kann ich nur anmerken, dass der Artikel sehr gut recherchiert ist und nichts vorenthält. Nicht ganz einverstanden bin ich mit der von Ihnen beschriebenen Einschätzung der Rolle von Graf Schenk zu Stauffenberg. Im Kreise der Verschwörer (Geisauer Kreis etc ) gab es sehr divergierende Ansichten. Separatfrieden mit den Westallierten zu schließen war sicherlich eine Mehrheitsmeinung. Im Falle der UdSSR war die Sache schon komplizierter, denn ein Teil votierte für Waffenstillstandsverhandlungen, jedoch von einer nahezu einheitlichen Meinung zu sprechen, das man mit dem Westallierten gegen Stalin marschiert, halte ich für gewagt. Auch hatte sich die unconditional surrender Forderung bereits herumgesprochen.

MaxMüller / 09.09.2019

Aufschlussreich zum Komplex Vor- und Nachgeschichte des zweiten 30-jährigen Krieges ist die Trilogie von Helmut Roewer.

E Ekat / 09.09.2019

Nicht zu vergessen: die Wehrmacht trat gegen die UdSSR in Sommerkleidung an. Hierzu wären verschiedene möglich. Eine davon: es existiert wohl nur ein Volk, daß sich in Sommerkleidung in den russischen Winter in Marsch setzen läßt. Noch was: beileibe nicht nur Polen wurde aufgeteilt. Baltische Staaten? Bessarabien? Schließlich: Putin wäre nicht zu trauen wird bei uns vorgetragen von Leuten, denen daran gelegen ist, das Vertrauen in Merkel zu stützen.

Marcel Seiler / 09.09.2019

Ich verstehe den ganzen Aufsatz nicht. Der Autor versäumt es, dem Teil der Leserschaft, die nicht in seiner Welt lebt, zu erklären, was die ganze Diskussion soll. Des weiteren fehlt mir eine klare Darstellung der Auffassung des Autors. War jetzt Stalin weniger schlimm als Hitler? Und deshalb sollen wir Putin trauen? Oder was?

Karla Kuhn / 09.09.2019

Ich habe keine Lust mich mit den beiden ABARTIGEN MASSENMÖRDERN Hitler und Stalin zu beschäftigen , beide keine Intelligenzbestien aber mit hemmungsloser Mordlust im KRANKEN HIRN ausgestattet.  Vielleicht sollten die polnischen Historiker zu Wort kommen, denn die POLEN waren die “Angeschissensten”  dieser beiden Lumpen !

dr. michael kubina / 09.09.2019

Das ist das Problem einer Geschichtsschreibung, die ständig irgendwelche Lehren ziehen will und immer mit Begriffen wie “Schuld” sogar in den zwischenstaatlichen Bezeihungen argumentiert. Europa vor fast 100 Jahrren war ein Irrenhaus und ist es heute wieder. Lernen kann man daraus gar nichts, jedenfalls nichts für unsere Zukunft oder höchstens, dass die Irren in der Regel sich ihres Irreseins nicht bewusst sind, sondern sich als rational und durch irgendetwas legitimiert agierend sehen.

Josef Cissek / 09.09.2019

Ich empfehle dem Author, die Karte Polens und Russlands 1772 sich genauer anzuschauen. Russland hat Polen im XVIII Jh. enorme Gebiete geraubt und nicht umgekehrt. In 123 Jahren versuchten die Russen die Polen zu rusifizieren. Widerständler wurden nach Sibirien verbannt. Vilnius, Lemberg und viele andere Städte im Osten Polens waren für polnische Kultur von enormer Bedeutung. Es waren und es sind bis heute polnischer Prägung. Auf dem Lande hat man mehr als 150.00 Polen grausam ermordet, den Rest vertrieben und deren Besitz geklaut oder niedergebrannt (Stichwort Wolyn 1943). Lieber Author, fahren Sie mal hin. Jedes Haus, jedes Kulturdenkmal dort trägt polnische Handschrift. Sollte man Ihnen folgen, müßte die westliche Grenze Polens irgendwo zwischen Magdeburg und Berlin liegen. Die Slawen waren lange vor Deutschen da.

Frank Dieckmann / 09.09.2019

Dieser Text ist gekennzeichnet von Selbstüberschätzung und gefährlichem Halbwissen. Wer anderen Geschichtsklitterung vorwirft und vorgibt im Besitz der einzigen Wahrheit zu sein, ist selbst ein Geschichtsklitterer. Die These des Präventivschlages ist z.B nicht aus den 60er Jahren, sondern von 1941! So niedergeschrieben in Meyers Konversationslexikon, Ausgabe von 1942. Die Sowjetunion steht übrigens als militärisch besiegt darinnen. Muß also wahr sein, wo es doch im Lexikon so geschrieben steht, oder? Die meisten Deutschen wissen auch nichts über die Amgriffskriege Polens gegen die Sowjetunion, Tschechien und Litauen. Der Geschichtsunterricht in Deutschland war seit dem 2. Weltkrieg geprägt von der Kriegspropaganda der Siegermächte. Bis heute dient ein englisches Propagandaplakat als Beleg für deutsche Welteroberungspläne. Unerwähnt bleibt auch die Beteiligung von de Gaulle bei Polens Raubzügen. Und es gab in Polen nicht nur Progrome gegen Juden, sondern auch gegen Russen, Tschechen, Litauer und Deutsche. Selbst die friedliche Revolution von 1989 wird verfälscht und umgedeutet. Wie? Kommt auf die jeweilige Interessenlage an. Und auch heute erleben wir live, wie Geschicjte entsteht am Beispiel der Chemnitzer Hetzjagden. Der Regierungssprecher und die Kanzlerin haben es gesagt und ARD, ZDF und fast alle überregionalen Zeitungen auch. Wenn aber schon den “Fakten” nicht immer getraut werden kann, warum dann bei deren Bewertung? Und welche Absicht hinter Handlungen stand, darüber haben sogar die jeweiligen Protagonisten gelogen. Woher also wollen dann Historiker wissen, wer was warum getan hat? Übrigens, falsch ist auch die Annahme, daß man Ereignisse nur mit anderen zusammen nennen dürfe. Wo soll denn das dann enden? Beim Urknall oder später bei der Ursuppe?

Jürgen Schnerr / 09.09.2019

Da hat der Herr Zeyer groß ausgeholt und am Ende einen Artikel geschrieben, welcher nur so von Geschichtsklitterung strotzt. Ich habe keinerlei Originalquellen gelesen, nur das, was öffentlich zugänglich ist. Aus diesen Informationen kann ich dem Artikel nicht folgen! Russland bezeichnet sich seit dem 18. Jahrhundert, nach den Siegen gegen Schweden und die Türkei als Nachfolger des Römischen Reiches; Moskau betrachtete sich nach Rom und Byzanz als 3. Rom. Der Doppeladler Ostroms/Byzanz im Wappen bis heute symbolisiert dies. Von der griechischen Schrift als Ursprung der russischen bis zur orthodoxen Kirche und ihren Riten kann man das Erbe erfassen. Und wie Rom wollte man die Welt beherrschen. Zar Alexander auf dem Wiener Kongress und Stalin in Potsdam haben entsprechend gehandelt. Sich Macht und Einfluss gesichert; 1815 Finnland und Polen, 1939/40 wieder Finnland (Wyborg) und Polen sowie das Baltikum und 1945 ganz Osteuropa bis zum Eisernen Vorhang. Später dann die Abenteuer in Korea und Afghanistan. Immer ging es nur um Macht und Einfluss. Ich sehe auch Putin in dieser Abfolge! Er selbst soll gesagt haben, der Untergang der Sowjetunion wäre für Russland die größte Katastrophe des 20. Jhd. gewesen. Dementsprechend folgerichtig der Kampf um die Ukraine. Wenn Stalin 1939 nur eine Atempause gegen Deutschland haben wollte, warum hat er dann Ostpolen und das Baltikum annektiert? Warum hat er Tausende polnische Offiziere in Katyn erschießen lassen? Sie waren seinen Plänen im Wege, sie stellten einen Teil der damaligen polnischen Elite dar. Nein, Nazideutschland und die Sowjetunion waren vom gleichen Schlag. Sie verteilten die Beute unter sich und waren sich doch klar darüber, das der Krieg zwischen ihnen nur aufgeschoben war. Insofern war dieser Pakt samt Geheimprotokoll ein Schandvertrag für beide! Auch wenn nicht abzustreiten ist, dass sich andere Länder vor und nach dem Pakt nicht klar und eindeutig verhalten haben.

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