Der Boom von Meereswindparks könnte ihre Rentabilität gefährden. Forscher warnen, dass sich die Turbinen den Wind stehlen. Über die Angst vor geringeren Erträgen und abspringenden Investoren.
Zitat aus dem Handelsblatt:
… was beim Sportler den Energieverbrauch senkt, könnte für einen der großen Hoffnungsträger der Energiewende zum Problem werden. Schließlich vermindert Windschatten umgekehrt die Energieausbeute jener Windturbinen, die künftig, von Nordseebrisen angetrieben, grünen Windstrom in deutsche Stromnetze speisen sollen. Bis 2030 will die Bundesregierung Anlagen mit 20 bis 25 Gigawatt Leistung in Nord- und Ostsee installieren lassen.
Es sind wahre Giganten, die diese Energiemengen produzieren. Der Generator M5000 von Areva Wind etwa wiegt mit 345 Tonnen so viel wie 70 Elefanten, sein Rotor hat einen Durchmesser von 116 Metern. 80 dieser Riesen werden im Windpark Global Tech I in der Nordsee verankert und maximal 400 Megawatt Leistung liefern. Im Sommer soll der erste Strom fließen.
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Im schmalen Sektor der Nordsee sollen die Anlagen in den nächsten Jahren zu einem riesigen Turbinenforst zusammenwachsen – von mehr als 100 Quadratkilometer Fläche. Bisher liegen Windparks in der Deutschen Bucht mit ihren Westwinden primär an östlichen Standorten. Künftig ändert sich das. Dann würden westlichere Windparks den östlicheren den Wind wegnehmen, sagt Dirk Briese, Geschäftsführer der Bremer Beratungsfirma trend:research: „Das wirkt sich auch auf den Gewinn aus.“
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Der Grund: Bläst die Brise an der Frontseite eines Windparks noch normal, entstehen dahinter Windschatten und Turbulenzen. Forscher der Texas Tech University haben berechnet, wie sehr sich die Turbinen gegenseitig im Weg stehen. Danach weht der Wind auch noch 15 Rotordurchmesser hinter einer Turbine langsamer als vor ihr. Bis zu 20 Prozent weniger Wind kommen in der zweiten Reihe an, in der dritten noch weniger. Hinter einem großen Generatorenfeld braucht der Luftstrom gar bis zu 14 Kilometer, bis er sich zur vollen Stärke regeneriert hat, ermittelte das dänische Risø National Laboratory.
Heutige Windparks produzieren im Jahresmittel pro Quadratkilometer über drei [sic!!!] Megawatt an Strom. Verschärft sich die Platznot, könnte dieser Wert womöglich nicht mehr zu halten sein. Nach Berechnungen von Amanda Adams von der University of North Carolina und David Keith von der Harvard University kann Windschatten den Ertrag großer oder eng benachbarter Windparks drastisch senken: Bei Flächen weit über 100 Quadratkilometern lasse sich maximal noch ein [sic!!!] Megawatt Leistung je Quadratkilometer erzielen. Forscher um Axel Kleidon am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena meldeten jüngst Ähnliches.
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Von den Ergebnissen hängt viel ab. Schon jetzt erschwert die Diskussion um Windschatten die Finanzierung neuer Anlagen, weil potenzielle Investoren um die Rentabilität der Projekte fürchten.