Rainer Bonhorst / 06.01.2017 / 14:56 / Foto: Army Medicine / 6 / Seite ausdrucken

Patientin: „Ich bin so hin und hergerissen“

Doktor: Grüß Gott, bitte nehmen sie auf der Couch Platz. Wie kann ich Ihnen helfen?

Patientin: Ach, Herr Doktor, ich weiß gar nicht, ob mir überhaupt jemand helfen kann.

Doktor: Nur Mut, nur Mut. Was quält Sie denn?

Patientin: Ich fühle mich innerlich so hin und her gerissen. Manchmal ist mir so, als würde es mich glatt zerbröseln.

Doktor: Ach, wissen Sie. Das geht vielen Menschen so. Wir leben in chaotischen Zeiten.

Patientin: Das mag ja sein. Aber ich bin Grünen-Politikerin.

Doktor (zückt seinen Notizblock): Das ist natürlich ein ernsteres Problem. Wo fangen wir am besten an …

Patientin: … vielleicht mit der Polizei?

Doktor: Gerne. Was belastet Sie da so sehr?

Patientin: Unsere Tradition, Herr Doktor. Traditionell sind wir keine Freunde und Helfer der Polizei. Wir mögen uns irgendwie nicht. Das hat etwas mit der Chemie zu tun. Und mit damals. Sie erinnern sich. Steine gegen Tränengas.

Doktor: Ich erinnere mich. Aber man muss ja nicht mit jedem Freundschaft schließen.

Patientin: Das stimmt. Aber wir sind ja auch eine Frauenpartei. Schwestern helfen Schwestern, verstehen Sie?

Doktor: Nicht ganz.

Patientin: Dann sagen Sie mir, warum ausgerechnet die Polizei unsere Schwestern vor Angriffen böser Männer schützen muss? Sollen wir das etwa kritiklos hinnehmen? Doch wohl kaum. Aber wenn wir unsere Bedenken vortragen, kriegen wir einen furchtbaren Ärger.

Doktor: Könnten Sie die Polizei nicht ausnahmsweise mal loben?

Patientin: Herr Doktor, das können Sie nun wirklich nicht von uns verlangen.  Lieber zerreiße ich innerlich. Aber das ist es ja nicht allein.

Doktor: Nein?

Patientin: Nein. Es ist noch viel komplizierter. Das Schlimme ist: Die Männer, die unsere Schwestern angreifen, sind immer wieder Migranten. Stellen Sie sich das mal vor!

Doktor: Was soll ich mir da vorstellen?

Patientin: Aber verstehen Sie doch, Herr Doktor. Wir sind eine migrantenfreundliche Partei. Die Migranten, das sind unsere Leute. Und dann schützt ausgerechnet die Polizei, die wir nicht mögen, unsere Schwestern, die wir lieben, vor lauter Migranten, die wir auch lieben. Ein unhaltbarer Zustand. Da wird einem ja ganz flau im Kopf.

Doktor: Jetzt verstehe ich. Das ist in der Tat eine fast ausweglose Situation.

Patientin: Sehen Sie. Aber das ist ja nicht alles.

Doktor: Was quält Sie denn noch?

Patientin: Die Sache mit der Burka.

Doktor: Die ist wirklich ein blödes Bekleidungsstück.

Patientin: Das finde ich im Prinzip auch. Wir sind ja für die Emanzipation des weiblichen Gesichts. Wir wollen, dass unsere Schwestern selbstbewusst in die Welt blicken und sie erobern.

Doktor: Na, also.

Patientin: Aber so einfach ist es nicht. Leider wird die Burka den Frauen nicht von Bio-Deutschen sondern von einigen unserer geliebten Migranten übergestülpt. Den Bio-Deutschen könnten wir ordentlich die Leviten lesen. Aber den Migranten doch nicht! Wir wollen schließlich, dass sie sich bei uns frei entfalten. Dann können wir ihnen doch nicht verbieten, ihre Frauen in die Burka zu stecken!

Doktor: Das ist natürlich eine Zerreißprobe.

Patientin: Uns bleibt gar nichts anderes übrig, als gleichzeitig für und gegen die Burka zu sein. Aber das ist noch nicht alles.

Doktor: Nein?

Patientin: So vertrackt das alles ist, als politische Partei müssen wir unsere Ziele endlich besser durchzusetzen.

Doktor: Welche Ziele?

Patientin: Herr Doktor, machen Sie sich etwa über mein Spaltungsleiden lustig?

Doktor: Natürlich nicht. Entschuldigung.

Patientin: Wie dem auch sei: Wir wollen wieder mitregieren.

Doktor: Das leuchtet ein.

Patientin: Aber wenn wir uns mit Angela Merkel schwarzgrün verbünden, kriegen wir auch Horst Seehofer, die Schlange in unserem Paradies.

Doktor: Das ist wirklich eine üble Zwickmühle. Und wenn Sie Rotrotgrün machen?

Patientin: Sehr verlockend. Aber dann kriegen wir Sahra Wagenknecht, diese fiese Schwester. Eine siebengescheite Quasselstrippe. Die würde uns ständig die Schau stehlen. Nein, die Sahra kommt nicht in Frage. Dann schon eher der Horst.

Doktor: Liebe Patientin. Ihre innere Zerrissenheit geht tiefer als ich dachte. Ich fürchte, ich kann Ihnen mit konventionellen Mitteln der Seelenheilkunde nicht helfen.

Patientin: Ach, Herr Doktor.

Doktor: Aber ich kann Ihnen einen alternativen Kollegen empfehlen, der als Schamane bei den Inuit erstaunliche Erfolge erzielt hat.

Patientin: Vielen Dank, Herr Doktor. Hoffentlich kann der mir helfen. Übrigens: Habe ich Ihnen schon die Sache mit Winfried Kretschmann geschildert?

Doktor: Nein, noch nicht. Aber das erzählen Sie lieber meinem Kollegen.  

Foto: Army Medicine Flickr CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Paypal via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Georg Dobler / 06.01.2017

Herr Bonhorst, danke für diesen Text. Zum Kaputt-Lachen aber trifft genau die Realität. Der Doktor bräuchte bestimmt eine Therapie wenn anschließend ein Patient der FDP um Behandlung bäte und erklärte wie er nun monatelang Wahlkampf machen müsse und gleichzeitig christlich-CDU,- sozial-SPD-, und grüne -Wähler zufriedenstelle müsse, da alle Koalitionen, Hauptsache endlich wieder an der Macht und auf den lukrativen Posten, möglich seien.

Christian Renner / 06.01.2017

Klasse Gedankenspiel, Herr Bonhorst! Es ist zwar traurig, aber genauso sieht es in den Hirnen der Grünen jetzt aus. Es kann nicht sein, was nicht sein darf und daher sind deren Köpfe vor lauter Verwirrung auch kurz davor zu explodieren.

Karla Kuhn / 06.01.2017

Ist es nicht herrlich, die Grünen auf die Schippe zu nehmen ? Das ist Ihnen hervorragend gelungen Herr Bonhorst. Wenn jetzt bald das Wahrheits-Abwehrzentrum eröffnet wird, wäre es doch eine ganz prima Idee sich nur noch über Satire zu verständigen. Ich muß so lachen. Dankeschön.

Rolf Oetinger / 06.01.2017

Danke!!

I.Schuler / 06.01.2017

Herrlich! Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Beschreibung trifft genau den Punkt.                  

Stefan Maschke / 06.01.2017

Die Dame har leider ein Symptom vergessen. Aber was soll’ s - geben wir ihr den Rest. In den 90ern waren die Grünen aus Umweltschutzgründen gegen die knielange Badehose um Wasser in den Schwimmbecken zu sparen, außerdem wird sie in der Regel von Jungs (schlimm) und Männern (ganz arg schlimm) getragen. Heute sind sie für den Burkini damit sich die muslimische Frau (ganz arg gut) frei entfalten kann. Da muss die Umwelt wohl hinten anstehen.

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Rainer Bonhorst / 17.04.2024 / 10:00 / 31

​​​​​​​Die Bayer(n)-Revolution

Rekordmeister Bayern muss den Meistertitel an Bayer abgeben. Ein Menetekel für die Politik? Wie wird es weitergehen? San mir net mehr mir? Ist rheinisch das…/ mehr

Rainer Bonhorst / 08.03.2024 / 12:00 / 19

Bye bye Nikki, hello Oldies

In den USA duellieren sich Biden und Trump um den Einzug ins Weiße Haus. In diesem Alter würde man in Deutschland weniger auf Karriere als…/ mehr

Rainer Bonhorst / 22.02.2024 / 14:00 / 26

Kamala gegen Nikki – ein Traum

Statt der beiden betagten Kontrahenten Joe Biden und Donald Trump wünsche ich mir eine ganz andere Konstellation im Kampf um das Amt des US-Präsidenten. Man…/ mehr

Rainer Bonhorst / 13.02.2024 / 12:00 / 39

Gendern im Fußball? Fans zeigen rote Karte!

Wie woke soll der Fußball sein? Oder genauer: Wie viele Geschlechter soll der Fußball kennen? Es wird Zeit, mal wieder auf den Fußballplatz zu gehen.…/ mehr

Rainer Bonhorst / 12.02.2024 / 12:00 / 35

Giorgia Meloni als Mamma Europa?

Georgia Meloni beginnt in Europa eine wichtige Rolle zu spielen. Die Politik hält sich mal wieder nicht an die ideologischen Vorgaben deutscher Medien.    Ja, darf…/ mehr

Rainer Bonhorst / 04.02.2024 / 14:00 / 33

Gedanken beim Demo-Gucken

Im Grunde haben wir ja Glück, dass in Deutschland die Verhältnisse so klar sind. Wir haben keine dunkelhäutigen Politiker in Berlin, die die Frechheit besitzen…/ mehr

Rainer Bonhorst / 30.01.2024 / 06:15 / 88

Danke! Die ungehaltene Rede auf meiner Traum-Demo

Ich habe einen Traum. Den hab ich öfter mal, aber jetzt hat er sich aus aktuellem Anlass wieder gemeldet. Weil ich in den letzten großen…/ mehr

Rainer Bonhorst / 24.01.2024 / 11:30 / 65

Ich wäre gerne mitmarschiert

Schade, ich bin zu den großen Demonstrationen gegen rechts leider zu spät gekommen. Ich wäre so gerne mitmarschiert. Aber ich war zu langsam. Weil ich…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com