Kaum sind die Wahlen in Sachsen und Brandenburg gelaufen, betreibt man bei den Altparteien erneut Ursachenforschung. Dabei sollte man meinen, dass die Gründe für die herben Verluste der Etablierten, vier Jahre nach der Grenzöffnung durch Angela Merkel, nicht erst seit Sonntag klar auf der Hand liegen. Wer sich trotz aller Verwerfungen und Abgründe, die sich in den letzten vier Jahren aufgetan haben, immer noch einer kritischen Auseinandersetzung mit den Themen Asyl und Islam entzieht – oder, was noch viel schlimmer ist, in den absurden Auswüchsen einer unkontrollierten Migration eine Welt voll bunter Vielfalt sieht – der braucht sich über eine starke AfD jedenfalls nicht wundern. Dies gilt insbesondere für die ehemals konservative CDU.
84.000 Wähler hat sie allein in Sachsen an die AfD verloren. Bei 645.000 CDU-Wählern entspricht das einem Anteil von 13 Prozent. Genauso hoch ist der prozentuale Anteil in Brandenburg, wo man 29.000 Wähler an die AfD verloren hat. Keine andere Partei musste mehr gegenüber der AfD einbüßen. Während in Brandenburg gerade einmal 47,6 Prozent der CDU-Wähler von 2014 auch 2019 ihr Kreuz bei Schwarz machten, kommt die AfD hier auf einen Wert von 74,2 Prozent. In Sachsen sieht es mit 60,5 Prozent zu 78,6 Prozent, trotz der Mühen von Ministerpräsident Michael Kretschmer, nur unwesentlich besser aus (Quelle hier). Im Osten gäbe es, anders als im Westen, keine allzu große Parteienbindung, heißt es hierzu bei Anne Will. Der AfD scheint sie dennoch ganz gut zu gelingen.
Über den Hauptgrund des Erfolges der Blauen schweigt man sich dennoch aus und fabuliert stattdessen lieber über „Ostthemen“, die man stärker besetzen müsse. Plötzlich ist er wieder da: der „abgehängte Ossi“, der sich zurückgesetzt fühlt und aufgrund von Perspektivlosigkeit und fehlender Bananen AfD wählt. Dass die Mauer seit 30 Jahren nicht mehr steht und die Mehrheit der Bürger im Osten mit ihrer Situation ziemlich zufrieden ist, das interessiert die Anwesenden nicht. „Der typische AfD-Wähler“, schreibt der Tagesspiegel, „ist ein Mann jüngeren oder mittleren Alters, er verdient gut und gehört zum eher gehobenen Bildungsdurchschnitt. Ihn treiben vorrangig nicht wirtschaftliche oder soziale Sorgen um, sondern die sogenannten SOS-Themen – Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit“. Wirtschaftliche Faktoren würden für ihn keine Rolle spielen. Ihm ginge es eher um immaterielle Begriffe wie Identität, Heimat, Abendland, Gemeinschaft.
Man kann sich sicher sein, dass dies nicht die „Ostthemen“ sind, die Manuela Schwesig und Rainer Haseloff bei Anne Will meinten. „Identität, Heimat, Abendland, Gemeinschaft“, das sind Begriffe, mit denen man sich bei den Etablierten schwer tut. Das gesellschaftliche Klima ist über die Jahre hinweg dermaßen nach links gerückt, dass jedes Bedürfnis von Teilen der Bevölkerung nach Identität und einer Art gesundem Patriotismus sofort nach „Nazi“ klingt. Und Nazi möchte man bei den Altparteien noch weniger sein als Wahlverlierer. Also diskutiert man in den Talkshows lieber weiter über Ursachen, die keine sind und überlegt, wie man den Ostdeutschen wahlweise beleidigen oder noch ein bisschen mehr den Kopf tätscheln kann. Dass es neben der Verweigerung gegenüber kritischen Themen, wie der Asyl- und Islampolitik, genau diese Herabwürdigung des Wählers ist, die Stimmen kostet, will man leider immer noch nicht einsehen.
Wider besseres Wissen keine klare Problembenennung
Wo wir bei der Frage angelangt sind, was eigentlich schlimmer ist: eine aus ideologischer Ignoranz, Naivität und intellektuellem Unvermögen resultierende Bankrotterklärung, die es den Politikern und einer Mehrheit der hiesigen Medienvertreter unmöglich macht, die Gründe für den Erfolg der AfD klar zu benennen oder ein bedauernswerter selbstauferlegter politisch korrekter Zwang, der wider besseres Wissen eine klare Problembenennung unmöglich macht. Letzteres wäre in der Tat ein Grund, den eigenen Gemütszustand von wütend auf mitleidig zu ändern.
Denn es muss schon tragisch sein, ständig in Talkshows zu sitzen, Interviews geben zu müssen und so zu tun, als wüsste man nicht ganz genau, worum es den Wählern eigentlich geht. Sicherlich mag unter den AfD-Wählern auch der ein oder andere „abgehängte Modernisierungsverlierer“ sein. Die Verluste der Linken an die AfD, die sonst den Ruf der Kümmerer-Partei im Osten genoss, sprechen dafür. Und ja, auch der ein oder andere Neonazi wird sicherlich AfD gewählt haben. Das erklärt jedoch mitnichten einen Zuwachs von 17,8 Prozent an Wählerstimmen in Sachsen und 11,3 Prozent in Brandenburg.
Es ist unschwer zu erkennen, dass die ewige Mär des rechten, abgehängten Ossis nicht ausreicht, um die Gründe für den Erfolg zu beschreiben. Zumal die „Abgehängten“ einer jeden Gesellschaft zumeist dazu neigen, bei Wahlen zu Hause zu bleiben. Dass die AfD unglaubliche 246.000 Nichtwähler mobilisieren konnte, spricht also nicht für die These des „abgehängten Ossis“. Sie widerlegt sie. Es sind die Überzeugten, die Protestler, die überdurchschnittlich gebildeten und wirtschaftlich gut aufgestellten Bürger, die Blau wählen.
Es sind in hohem Maße diejenigen, die eine Abkehr von der derzeitigen unkontrollierten Asylpolitik und der bedingungslosen Toleranz gegenüber dem strengen Islam fordern. Die sagen: Wir haben auch ein Anrecht auf Identität, auf Verteidigung unserer freiheitlichen Werte, und wir fühlen uns in diesen Ansichten von den anderen Parteien nicht mehr ausreichend vertreten. Es sind dies die Forderungen, die im Osten stärker ausgeprägt sind als im Westen. Nicht, weil man keine Erfahrungswerte mit „Ausländern“ hat, sondern weil man am Westen sieht, wie schlimm es noch werden kann. Weil „der Ossi“ aufgrund seiner DDR-Vergangenheit kritischer als der „Wessi“ ist, wenn es um totalitäre Ideologien und auferlegten Zwang geht.
„Nein, wir wollen das nicht mehr“
Nein, die AfD ist sicherlich nicht die ultimative Antwort auf alles, aber sie ist für viele das einzig verbleibende Mittel geworden, um der derzeitigen Politik eine klare Absage zu erteilen. Zu sagen: „Nein, wir wollen das nicht mehr.“ Und es sollte die Altparteien aufhorchen lassen, dass nicht einmal ein unappetitlich auftretender Andreas Kalbitz die nötige abschreckende Wirkung entfaltet. Dass all die Versuche, eine „demokratische“ Front gegen die AfD aufzubauen, nichts genützt haben.
Es ist an der Zeit, zu erkennen, dass man mit dem üblichen Geschwafel nicht mehr weiterkommt. Dass es nicht vorrangig darum geht, wie viele Hausbesuche jemand macht und ob er sich um die „Ostthemen“ bemüht, sondern um eine Abkehr von der derzeitigen Asyl- und Migrationspolitik. Um einen funktionierenden Rechtsstaat, um Sicherheit, Verteilungsgerechtigkeit, um gute Bildung, mehr Netto vom Brutto und eine gute Infrastruktur.
Um alles, was in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt wurde, weil es den Etablierten wichtiger war, auch jene zu alimentieren und unkontrolliert ins Land zu lassen, die kein Anrecht auf Schutz und Hilfe haben. Ob die AfD es besser machen würde, steht auf einem anderen Blatt. Aber sie wirbt damit, etwas zu stoppen, was ein wachsender Teil der Bevölkerung nicht mehr will. Darum geht es letztlich und um nichts anderes.

Bevor man sich in Vermutungen stürzt, könnte man natürlich auch das Parteiprogramm der Afd lesen. Richtig bemerkt wurde hier in den Leserbriefen schon "warum sollte ein Neonazi Afd wählen". Leider auch im Artikel der Hinweis auf mögliche Nazis die Afd wählen. Aufgefallen sind mir in der letzten Zeit aber vorallem selbsternannte Demokraten mit Aussprüchen und Vorschlägen, die mit dem besten Willen nicht als demokratisch bezeichnet werden können. Um die machen Sie sich aber keine Sorgen. Und zum Islam: es gibt keinen strengen und weniger strengen Islam. Das müßten Sie wissen.
Vollkommen richtig, Frau Schunke, nur können die Altparteien nicht öffentlich eingestehen, dass sie mindestens in den letzten vier Jahren eine völlig verfehlte Politik, insbesondere der sog. Asylpolitik, mit gravierenden Folgen in Sicherheitsfragen, der Geldpolitik, der Wohnungssituation etc. gemeinsam vertreten haben. Was soll die Öffentlichkeit dann zu einem solchen Eingeständnis sagen? Lieber hoffen die Politiker, dass man sich irgendwie durchwurschteln und mit der Weltenrettung alles erledigen kann.
Sehr geehrte Frau Schunke, - Sie haben mit Ihrem Artikel absolut recht! Nach den Wahlergebnissen von Sachsen und Brandenburg schöpfe ich wieder Hoffnung für Deutschland. Mit beginnender Rezession, wegbrechenden Steuereinnahmen und daraus resultierenden Problemen in der sozialen Umverteilung und der "Weltrettungsthemen" werden die Blockparteien weitere Wähler an die AfD verlieren.
Die Deutschlandabschaffer von SPD, Grünen, Linken und Merkelhörigen haben nichts kapiert. Der Großteil der Deutschen will nicht in einer islamisierten Villa Kunterbunt mit Scharia leben, obwohl diese im Endeffekt gar nicht mehr so vielfältig bunt sein wird. Der Nazibonus ist bei Beschimpfungen mittlerweile aufgebraucht, und die schon länger in diesem "Land" Lebenden merken wohin die Reise in dieser "Republik" geht. Das Wort " Deutschland" verursacht bei einigen Grünen schon Schnappatmung. Die Eliten müssen sich eine neue Strategie ausdenken. Auch permanente Antifaaktionen bringen nicht den gewünschten Erfolg, um Andersdenkende auszuschalten. Ratlosigkeit ist allenthalben sichtbar. Vielleicht ist es doch so, dass die Eliten das Problem sind und nicht das Volk, und das Volk - oder zumindestens doch große Teile davon - noch seinen klaren Verstand bewahrt hat. Der deutsche Michel scheint so langsam aufzuwachen.
Liebe Frau Schunke, fast ein gelungener Beitrag. Fakt ist: Wer nicht mit der jetzigen Politik einverstanden ist, der muß AfD wählen. Es geht nicht nur um Migration, es geht auch um Wirtschafts-, Energie-, Bildungs-, Währungs-, Europa und Fianzpolitik. Zusammengefasst: um die Zukunft dieses Landes. Wir sind am Scheideweg und können und müssen uns entscheiden. Hier findet ein Kulturkampf statt, der längst entschieden wäre, wenn es Waffengleichheit gäbe.
Dass sich Grüne/SPD/CDU zusammen tun, um in Sachsen zu gegen die Oppositionspartei AfD zu regieren, zeigt, dass der Wähler nur die Wahl hat zwischen zwei politischen Ausrichtungen. Einer linkeren sich selbst als sozial bezeichnenden Seite, die die Medien dominiert und davon träumt durch Umverteilung Mehrwerte zu schaffen und auf der anderen einer konservativen bewahrenden Seite, die dafür steht, dass sich Eigenverantwortung lohnt und dass sich Faulpelze damit abfinden müssen, weniger zu haben. Dass diese konservativen es als selbstverständlich ansehen, dass sie selbst hohe Qualifikationen haben oder aber Fleiß und Mut haben oder aber einen Kompass im Bereich Familie haben, versteht sich von selbst. Der Wähler hat die Wahl. Die CDU ist nicht mehr die CDU vor 2000...sondern Teil des Einheitsblocks. Die FDP bleibt eine Alternative ist aber dank der politischen Vertreter keine Option. Ich persönlich hoffe auf eine weitere Parteigründung zwischen dem linken und konservativen Block mit bekannten Größen, damit man dann gemeinsam das Land noch retten kann, wobei wir inzwischen 10 nach 12 UHR haben...
Perfekte Analyse! Bin öfters beruflich in westdeutschen Städten unterwegs- was ich jedoch nicht möchte sind Zustände wie in Neukölln oder auch sehr schön: Pforzheim - absolut nicht erstrebenswert!