Hidden Champions

Es gibt Menschen wie Donald Trump, Karl Lauterbach oder Barbara Schöneberger, die sind extrovertiert. Sie haben ein unbändiges Mitteilungsbedürfnis, sie quatschen viel, manchmal zu viel, und setzen sich in Pose. Sie sind omnipräsent, sie sind Champions in der öffentlichen Wahrnehmung. 

Dazu folgende Richtigstellung: 

Viel interessanter als diese Schwatzbacken sind, finde ich, die ganz Stillen, die keine Spur hinterlassen, die einfach weg sind, quasi vom Winde verweht, und über die man fortwährend spricht. Hidden Champions.

Nehmen wir mal die phantastische Oligarchin-Darstellerin im Strache-Dramolett. Wer war sie, warum war sie so schön? Handelte es sich um eine Gymnasiallehrerin, um eine Urenkelin des Zaren oder um eine Escort-Lady? Alles schon vermutet, alles ungeklärt. Kein Ruhmesblatt für den Recherche-Journalismus.

Womit wir bei Dan Cooper wären, dem legendären Flugzeugentführer, der 1971 mit dem Fallschirm und 200.000 Dollar in der Tasche aus einer fliegenden Boeing 727 über den südlichen Kaskaden absprang und nie gefunden wurde – das Schulbeispiel für alle, die sich in Luft auflösen. Zwischendurch wurde nach Behle gesucht („Wo ist Behle?“) und nach dem Baumeister Dr. Jürgen Schneider – leider wurde er schnell gefasst.

Aber wo ist Jan Marsalek, der geniale Finanzdirigent von Wirecard? Letzte Spur Minsk, doch vielleicht lebt Marsalek inzwischen auch mit der schönen Russin von Strache zusammen, wer weiß das schon. Bliebe Claas Relotius, der „Spiegel“-Phantast, den wir alle so gerne gelesen haben. Vielleicht schreibt er inzwischen Kinderbücher, unter dem Namen Dr. Schneider, vielleicht sitzt er auch in der Psychiatrie. Die soll in Weißrussland nicht so angenehm sein. Und wer da schreit „Ich bin Journalist“, der bleibt sowieso drin. 

Zuerst erschienen im Euro am Sonntag

Foto: Polizeiinspektion Flughafen München

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Leserpost

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b. stein / 10.10.2020

Über Marsaleks Verschwinden wurde täglich neu spekuliert, aber letzten Endes hieß es doch eigentlich nur, dass er “geflüchtet sein soll”. Kann also auch sein, dass er wegen der Brisanz für die 1. Reihe unseres Spitzenpersonals, wohin auch immer, gebracht wurde.

Horst Kruse / 10.10.2020

Eine Korrektur : Claas Relotius schreibt nicht unter dem Pseudonym Dr. Schneider Kinderbücher , sondern unter dem Pseudonym Robert Habeck .

Jürgen Fischer / 10.10.2020

Relotius ist gerade unter dem Namen Drosten unterwegs.

A. Ostrovsky / 10.10.2020

“Wer war sie, warum war sie so schön?” Ich vermute, sie war Böhmermenn ohne Maske. Immerhin kannte er alle Details und mus demzufolge dabei gewesen sein. Dass er den Kickl gespielt hat würde ich eher ausschließen.

Gerhard Hotz / 10.10.2020

Dass Jan Marsalek noch nicht gefasst wurde, ist schon einigermassen erstaunlich. Pässe sind heute fälschungssicher, Gesichterkennungssoftware ist überall im Einsatz und alle Daten sind digitalisiert und global verfügbar. Da wird das Sichverstecken sehr schwierig. Wenn er sich in Minsk aufhält, stellt sich die Frage: Was hat Weissrussland davon, wenn es ihn protegiert?

Ralf Pöhling / 10.10.2020

Es gibt Menschen, die sind mal hier und dann mal da. Je nachdem wo sie gerade sind, haben sie andere Namen, eine andere Lebensgeschichte, einen anderen Beruf und sehen meist auch etwas anders aus. Sehr häufig erfüllt dies einen sehr wichtigen und sehr guten Zweck, denn die Bevölkerung soll auch in Krisenzeiten ruhig schlafen können. Schwierig wird es dann, wenn die Interessenlage dieser Leute gegen die Interessen der angestammten Bevölkerung gerichtet ist. Was immer dann passiert, wenn man die Tür zu lange offen und unkontrolliert die falschen Leute hinein lässt. Oder die eigene Regierung gegen das eigene Volk agiert, um widerrechtlich einen Systemwechsel zu erzwingen. Wer unter solchen Bedingungen was wo zu welchem Zweck beabsichtigt, ist dann nur noch schwer zu überblicken. Im Kalten Krieg gab es nur zwei Lager und funktionierende Grenzen, die das Problem kanalisiert und damit fokussiert haben. Heutzutage gibt es keine funktionierenden Grenzen mehr und dank Globalisierung eine unzählige Anzahl an verschiedenen Interessen, die miteinander konkurrieren. Manche Gesellschaftsideen klingen auf dem Papier verführerisch gut. In der Praxis erweisen sie sich als Tor zur Hölle. Denn wie die globalisierte Weltgesellschaft letztlich umgesetzt werden soll, da gibt es genauso viele unzählige Vorstellungen, wie es eben auch unzählige Interessen gibt. Und wenn es auf politischer Verhandlungsebene nicht wie gewünscht funktioniert, die eigene Vorstellung für eine globalisierte Weltgesellschaft durchzusetzen, dann wird hinter den Kulissen kräftig nachgeholfen. Es gibt eine sichtbare Ebene und eine unsichtbare. Und die unsichtbare spielt momentan die entscheidende Rolle. Bis die Vernunft wieder einkehrt, man die Türen zur EU schließt und jeden, der Einlass begehrt, vorher auf Herz und Nieren prüft.

Steffen Huebner / 10.10.2020

Dr. Jürgen Schneider wird von den Leipzigern verehrt - immerhin hat er als Gegenleistung ein ansehnlich historisch- restauriertes Stadtzentrum hinterlassen und die Außenstände der Handwerksbetriebe wurden wohl dem Vernehmen nach, von der Deutschen Bank übernommen. „Peanuts“ meinte damals Hilmar Kopper - Problem gelöst, alle zufrieden.

Gabriele H. Schulze / 10.10.2020

Ach, Vertrautes - fühle mich an die Rubrik “Was macht eigentlich…?” erinnert. Na gut, ist Wochenende….

Harald Unger / 10.10.2020

Die Achse macht uns bedrückend klar, wie es hienieden zugeht, jetzt, wo Feuerstein nur noch Petrus Sketche in Szene setzt.

Thomas Taterka / 10.10.2020

” So wirf denn alles ab und behalte nur diese wenigen Sätze! - Vergiss nie, daß jeder nur diesen gegenwärtigen Moment lebt. Die übrige Zeit hat er entweder gelebt oder sie liegt im Ungewissen. Es ist also nur eine winzige Spanne Zeit, die ein jeder lebt, winzig auch der Fleck Erde, wo er lebt. Winzig auch der längste Nachruhm, der obendrein nur auf der Überlieferung von Menschen beruht, die schon morgen sterben werden und sich nicht einmal selber kennen, geschweige denn einen Mann, der schon lange tot ist. ” Marc Aurel

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