Gerd Buurmann / 29.06.2023 / 06:15 / Foto: Stefan Müller / 142 / Seite ausdrucken

„heute-show“: Christine Prayon spielt nicht mehr mit

Die Kabarettistin Christine Prayon, die durch ihre Rolle als Reporterin Birte Schneider in der „heute-show" Berühmtheit erlangt hat, will nicht mehr in der ZDF-Show auftreten, weil dort „Stimmung gegen Andersdenkende" gemacht werde.

Es gibt Menschen, die haben Witz, andere haben Humor und wieder anderen besitzen Ironie. Der Rest schaltet den Fernseher an und schaut Kabarett auf ARD und ZDF. Da nämlich tummeln sie sich, die öffentlich-rechtlichen Inquisitoren, die gemeinsam mit einer Horde im Publikum ein Feindbild auslachen und niedermachen. Bei ARD und ZDF macht das Ausgrenzen Spaß, denn dort wirken Hofnarren als Scharfmacher. Sie erschaffen Feindbilder, an denen das Publikum dann die eigenen Gefühle abreagieren kann.

Mehr als zehn Jahre lang hat Christine Prayon in der „heute-show" als Reporterin Birte Schneider bei dieser Scharfmacherei mitgemacht. Mittlerweile aber sind ihr Zweifel gekommen. In einem Interview mit der „Kontextwochenzeitung" erklärt sie: „Ich habe mit der Art, wie die großen gesellschaftlich prägenden Themen seit Corona behandelt werden, zunehmend Bauchschmerzen bekommen.“

„Nein, ich bin überhaupt keine Freundin mehr von Satiresendungen, egal ob Böhmermann, ,Anstalt' oder andere“, sagte Christine Prayon, und erklärte auch, warum. Sie wolle sich einfach nicht daran beteiligen, Andersdenkende der Lächerlichkeit preiszugeben. Außerdem dürfe Satire sich nicht daran beteiligen, den Diskurs zu verengen. Das aber würde beim ZDF stattfinden:

„Da werden Narrative und Positionen von Gruppen, die gesellschaftlich in der Hierarchie weit oben stehen, unablässig wiederholt und gleichzeitig wird Stimmung gegen Andersdenkende gemacht. Das hat nach meinem Dafürhalten nichts mehr mit Satire zu tun."

Für Christine Prayon ist besonders eine Sendung von Jan Böhmermann in Erinnerung geblieben:

„An eine Sendung kann ich mich noch gut erinnern. Da ging es um Nichtgeimpfte, und dann lehnte er sich zurück und zeigte zwei Stinkefinger. Ich dachte, wie kann man das machen?"

Corona hat die Brutalität der Öffi-Spaßmacher offenbart

Ja, wie kann man das machen, das habe ich mich auch immer wieder gefragt, als ich in der Corona-Zeit als Stand-up-Comedian auf einer Bühne gestanden habe. Ich habe jedoch stets erklärt, dass ich keine Witze über ungeimpfte Menschen machen werde, solange sie nicht ins Theater dürfen. 

Ich habe einige Monate lang nicht auf der Bühne über Ungeimpfte geredet. Es gehört sich nämlich nicht, über Menschen in ihrer erzwungenen Abwesenheit zu sprechen. Da wir aber in einer Zeit gelebt haben, da Ungeimpfte nicht in ein Theater gelassen wurden und somit nur geimpfte Menschen im Publikum sitzen konnten, habe ich es mir in der Zeit verbeten, über jene zu lachen, die nicht einmal die Möglichkeit hatten, anwesend zu sein.

Die Corona-Krise hat die Brutalität der öffentlich-rechtlichen Spaßmacher offenbart. Durch die öffentlich-rechtlichen Anstalten werden Narren an den Hof berufen, um dort als zwangsfinanzierte Hofnarren Propaganda zu machen. Durch die Zwangsfinanzierung werden die Hofnarren bewaffnet, während sich all die anderen Narren unbewaffnet auf dem Feld des Humors behaupten müssen.

Megafone an ausgewählte Narren verteilt

Historisch gesehen hielt sich der Hof einen Hofnarren als vermeintlichen Vertreter des Volks gegen den Herrscher. Im Mittelalter war er oft der Einzige, der den Monarchen ungestraft kritisieren und verspotten durfte. Allerdings wurde der Hofnarr nicht vom Volk gewählt und war daher kein Vertreter des Volkes. Er war lediglich das Bild, das sich der König vom Volk machte.

Ein Hofnarr ist ein Narr mit staatlicher Macht. Die Verballhornen der Macht ist jedoch eines der wichtigen Themen eines jeden Narren. Durch das öffentlich-rechtliche System werden Megafone an ausgewählte Narren verteilt und damit brüllen sie alles nieder, was ihnen und ihrem König gefährlich werden könnte.

Ich möchte Christine Prayon herzlich gratulieren, diesem fürchterlichen Schauspiel der öffentlich-rechtlichen Spaßzentrale endlich den Rücken gekehrt zu haben. Mit diesem Austritt hat für sie das Treten nach unten nun endlich ein Ende. 

Foto: Stefan Müller CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

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Martin Schott / 29.06.2023

Satiresendungen wie die “heute-show” oder auch “Extra3” sind bieder, zotig und berechenbar (geworden) - und treten gleichzeitig noch immer mit dem alten und übrigens spezifisch deutschen Anspruch des politischen Kabaretts auf, die große Volkspädagogik zu betreiben. Jüngst hat Dieter Nuhr im Gespräch mit Ralf Schuler diesen Anspruch als “Lebenslüge” des deutschen Kabaretts bezeichnet. Diese Mischung ist es, welche die Sendungen mit ihren “Satirikern” so unerträglich macht. Dabei muss man nur zehn oder zwanzig Jahre zurückgehen um zu sehen, wie sehr das Niveau seitdem verflacht ist. Ich möchte wetten, dass beispielsweise “Extra3” seine Satire über das Berliner Holocaust-Mahnmal heutzutage nicht einmal mehr mit der Kneifzange aus dem Giftschrank holen würde.

F. Bothmann / 29.06.2023

Möglicherweise hat der Autor den einen Satz in dem Interview von Frau Prayon übersehen: “Ich bin lange nicht aufgetreten wegen meiner Post-Vac-Erkrankung, ...”. Möglicherweise hat dies auch zur Läuterung bzw. Ausstiegsentscheidung beigetragen.

Andrea Nöth / 29.06.2023

Zwangsfinanzierte Staatsmedien bilden eine ‘heimliche’ Regierung. Unangreifbar, unabwählbar, unbestrafbar. Willkür und Meinungsdiktatur, mit der Macht Menschen zu zersetzen und sie um ihre Existenz und ihr Leben zu bringen. Ich würde was drum geben, die zu erwischen.

Andrea Nöth / 29.06.2023

@Gunnar Holler: Vermutlich, weil der Nuhr zwar Gender und Klima kritisiert, aber damit man ihn nicht aus dem Programm wirft - immer schön AfD-Bashing betreibt und deren Wähler den gesunden Menschenverstand einfach abspricht. Er verunglimpft Gen’Impfstoff‘-Verweigerer und hält sich bei der illegalen Masseneinwanderung und Migrantengewalt auch ganz fein zurück. Da macht es auch nichts mehr wett, wenn er Sätze in Kanaksprache raushaut. Bei mir ist er inzwischen unten durch.

Judith Panther / 29.06.2023

Too little, too late.

Fred Burig / 29.06.2023

Sich von etwas zu distanzieren, wenn schon die ersten “Schwanzfedern brennen”, ist nicht die größte Tat! Es ist oft nur der Instinkt von Personen mit “Wendehals- Charakter”, der sie dazu veranlasst! Dennoch kann man es “akzeptieren” - ohne jedoch eine heroische Leistung daraus abzuleiten. MfG

Christian Steinberger / 29.06.2023

Als etwas feineren und freieren Hintergrund zu den beiden gebührenpflichtigen SpaSStitanen Jan Böhmermann und Oliver Welke erlaube ich mir, hier an die frühe Corona-Performance des österreichischen Kabarettisten Josef Hader zu erinnern. Welcher über die Grenzen hinweg für weit tiefgründigeren Humor bekannt ist, als die betreffenden Brechstangenhumoristen. Hader veröffentlichte im noch jungen Jahr 2020 wohl in Anlehnung an Helmut Qualtingers berühmtes Stück „Der Herr Karl“ ein kurzes Youtube-Video. In welchem er den typischen Querdenker zu persiflieren vermeinte. Ein offen dümmlicher Typ, mit Baseballcap und Red-Bull-Dosen im Hintergrund. So war das Werk nicht nur optisch relativ einfach als pure Rohkost erkenntlich. Dennoch schien der Schauspieler Hader (wie so viele und wie hypnotisiert vom Massenwahn?) nicht zu bemerken, dass nicht die vorzuführende Figur des Andersdenkenden, sondern vielmehr der Darsteller selbst den eigentlichen Herrn Karl verkörperte. Später dürfte es dem Künstler dann doch irgendwann gedämmert haben. Denn das Video ist wie so vieles heute nicht mehr auffindbar. „Heit is ma jo a überoi. Gewerkschoft und so. Denkt sie a nix dabei. Schaun Sie, die Leute in so einen Gemeindebau waren ja jahrelang unbetreut. Hat se do keiner um sie gekümmert. Ich habe eben nicht nur die Beiträge kassiert. Wei des hob i so nebenbei gmocht. Des hab i do kennan vom Sparverein. Ich habe ihnen Sprüche gebracht. Sinnsprüche. Von Goethe und Hitler. Gesundheit ist Pflicht. Und soiche Sochn…“

Peter Mielcarek / 29.06.2023

Ist heute auf Bild-Online: „Nach Knallhart-Abrechnung“ etc etc. Hat die Jagd auf Frau Prayon begonnen? Birte Schneider kann sich ja mit Herrn Steimle zusammentun. Und ihm das linke Pendant, den Gegenpart geben. Gebührenfrei denken, gegensätzliche Positionen satirisch vertreten.

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