Chaim Noll, Gastautor / 10.12.2017 / 12:30 / Foto: Fabian Nicolay / 4 / Seite ausdrucken

Heute Jerusalem, morgen Neukölln

Europäische Medien haben sich stark erregt über die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch den amerikanischen Präsidenten Trump. Er begründete diesen Schritt mit der Notwendigkeit, sich in der Politik an Tatsachen zu orientieren, nicht an Illusionen. „Heute erkennen wir endlich das Offensichtliche an“, sagte er. „dass Jerusalem die Hauptstadt Israels ist. Das ist nichts anderes als die Anerkennung der Realität.“

Gegen diese Erklärung wurden vor allem zwei Argumente vorgetragen, die einen legitimen „Anspruch der Palästinenser“ auf Jerusalem als ihre Hauptstadt begründen sollen. Das erste: Jerusalem sei die „drittheiligste Stätte“ des Islam, basierend auf der unbewiesenen Annahme, mit der in Sure 17 Vers 1 erwähnten „fernen Moschee“ sei die Al Aqsa in Jerusalem gemeint, obwohl diese Moschee erst rund hundert Jahre nach dem erwähnten Ereignis gebaut wurde und das Wort Jerusalem im Koran nicht ein einziges Mal vorkommt. Zudem werden hier zwei Sphären vermengt, die eigentlich – zumindest aus Sicht des aufgeklärten Europa – getrennt zu behandeln wären: die „Heiligkeit“ von Orten und deren Funktion in der Politik. Rechtfertigt die „Heiligkeit“ eines Ortes den Anspruch, ihn als Hauptstadt eines gewünschten Staates zu reklamieren?

Das zweite Argument ist die Anwesenheit zahlreicher Araber in Jerusalem. So gaben am 6. Dezember „Die Welt” und die Frankfurter Allgemeine Zeitung – wörtlich gleichlautend – folgende Begründung für einen „Anspruch der Palästinenser“ auf Jerusalem: „Der Ostteil der Stadt ist arabisch geprägt und wird vorwiegend von Arabern bewohnt.“ Der selbe Satz, identisch, Wort für Wort, findet sich im manager magazin, auf der Website des Bayerischen Rundfunks, im Wiener Standard, in der Märkischen Allgemeinen, in der Hannoveraner Neuen Presse, in der Kölnischen Rundschau und vielen anderen Zeitungen. Ist keinem der zahlreichen Schreiber und Nachschreiber aufgefallen, dass dieses Argument inzwischen auch auf viele Städte Europas zutrifft? Sind nicht längst Stadtteile von Berlin, Köln, Düsseldorf, Paris, Brüssel, Malmö oder Birmingham „arabisch geprägt“ und „vorwiegend von Arabern bewohnt“?

Damit besteht dann logischerweise auch ein „Anspruch der Palästinenser“ auf viele europäische Städte. Erfolgreich, ganz im Sinne multikultureller Durchdringung, haben die Schöpfer dieses Satzes islamisches Denken und Fühlen verinnerlicht. Denn der Koran gesteht seinen Anhängern unbegrenzte Gebiete zu. Heute Jerusalem. Und morgen die ganze Welt.

Foto: Fabian Nicolay

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Leserpost (4)
Mike Loewe / 10.12.2017

Danke für den Artikel. Es ist beruhigend zu wissen, dass es noch intelligente Autoren gibt, während in den Mainstream-Medien die Verblödung um sich greift. Zudem schließt die Anerkennung von Jerusalem als israelischer Hauptstadt ja nicht aus, dass (Ost-)Jerusalem als Hauptstadt der Palästinenser fungiert. Ein Land kann zwar keine zwei Hauptstädte haben, denn das wäre sinnlos, aber warum soll nicht eine Stadt Hauptstadt zweier Ländern sein?

Tobias Striegl / 10.12.2017

Angst vor der Konfrontation lässt uns unsere eigenen Interessen verleugnen, wie sie uns verdrängen lässt, dass Andere Interessen haben, die unserer Lebensweise zuwiderlaufen. Jerusalem zeigt die Erbärmlichkeit Deutschlands in voller Pracht, wenn wir die Realität nicht anzuerkennen vermögen, da uns die Frucht vor der Wut weniger lähmt. In unserem Bemühen, das Recht des Stärkeren einzuschränken, haben wir es pervertiert, es durch das Vorrecht der lausten Heulboje ersetzt. Gewohnheitsrechte haben keine Bedeutung mehr. Es ist war geworden, das Zusammenleben muss jeden Tag neu ausgehandelt werden.

Leo Lepin / 10.12.2017

Ich frage mich schon länger, wie es sein kann, dass die betreffenden Leute,  Journalisten und Politiker offenbar immun gegen jedes einleuchtende und vernünftige Argument sind. Auch dieser Artikel, sollten sie ihn lesen, wird wohl nicht in ihr Hirn vordringen. Vielleicht geht ihnen einfach die Muffe, sie denken vielleicht, wenn man ganz nett zu diesen Fanatikern ist, dann tun sie einem nichts. Oder insgeheim sympathisieren sie mit deren Vorstellungen hinsichtlich Israel.

Axel Ziegler / 10.12.2017

Das haben Sie ganz nett herausgearbeitet. Warten wir mal ab, welche Stadt in D als erste von muslimischen Mitbewohnern als Hauptstadt reklamiert wird. Ich tippe auf Berlin, oder doch eher Brüssel?

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