Vom italienischen Ministerpräsidenten der Nachkriegszeit, Giulio Andreotti, dem Erfinder zahlloser kurzlebiger Koalitionsregierungen, stammt das Bonmot: „Die Macht nutzt bloß jene ab, die sie nicht haben.“ Das, hat man Hessens Gemengelage im Blick, scheint, auch über Italien hinaus, zuzutreffen.
In Wiesbaden jedenfalls feiert der im Frühjahr knapp abgewählte CDU-Mann Koch geschäftsführend weiterhin Triumphe über die Opposition. Die SPD-Fraktionssprecherin Andrea Ypsilanti, die sich als Auserwählte versteht, hat nach wie vor keine Regierungsmehrheit und auch keine brauchbare Idee, wie sie dazu kommen könnte. Das hat damit zu tun, dass sie, bei ihren Überlegungen, über die Grundrechenarten nicht hinauskommt. Sie addiert immer nur tapfer, und unterm Strich steht dann auch nichts als das, was ohnehin bekannt ist: Links-Partei.
So arbeitet die Zeit für Koch. Seine Chance sind Neuwahlen. Und das nicht, weil er eine tolle Arbeit macht, sondern weil seine Gegnerin ihn durch ihre schrillen Aktivitäten, als den Kompetenteren erscheinen lässt, für manche wird er sogar das kleinere Übel verkörpern.
Andrea Ypsilanti hat es fertiggebracht, sich in kürzester Zeit selber zur Ein-Thema-Politikerin zu machen, zum Ornament der Rot-Rot-Debatte.
Während von allen Seiten die Machtfrage gestellt wird, schrumpfen die Parteien unentwegt. Seit 1990 hat die SPD 40% ihrer Mitglieder verloren, die CDU 25%. Damit ist ihre gesellschaftliche Verankerung deutlich zurückgegangen. Das Bürgerengagement weicht der Dienstleistung. Ist der Bürger damit noch Wähler oder bereits Kunde? Vielleicht kommt ja daher der Ausdruck, er oder sie verkaufe sich gut. Was aber ist, wenn alle sich schlecht verkaufen?