Henryk M. Broder / 01.12.2011 / 09:00 / 0 / Seite ausdrucken

Heimarbeit

Letzten Freitag brachte eine vierzig Jahre alte Frau in einer Berliner Klinik einen Jungen zur Welt. Der Vorgang wäre unbemerkt geblieben, wenn es nicht das 14.?Kind der Mutter gewesen wäre und dazu noch ein extrem schweres Baby: Es wog bei der Geburt 6080 Gramm. Hinzu kam noch der Name, den die Eltern ihrem jüngsten Sohn gaben: Jihad. Der sollte allerdings, versicherte der Vater, nicht etwa «Heiliger Krieg» bedeuten, sondern die Aufgabe, «seine Pflichten gegenüber Allah zu erfüllen».

Und so sorgte die Geschichte für Aufsehen. «Nach unseren Recherchen ist in Deutschland niemals zuvor ein so schweres Kind ohne Operation geboren worden», sagte der Chefarzt der Frauenklinik. Die Zeitungen gaben ziemlich alle Details der Geburt wieder, die Dauer der Wehen, die Weigerung der Mutter, einen Kaiserschnitt vornehmen zu lassen. Auch das Gewicht der Frau, 240 Kilo, und ihre Diabetes erkrankung wurden angemessen gewürdigt.Nach einer Information suchte man freilich in den Berichten vergeblich: Wovon lebt eine Familie mit 14 Kindern? Eine Andeutung konnte man in einem Bericht der Welt finden: «Die gebürtige Ostberlinerin und ihr aus dem Libanon stammender Mann sind vollauf mit der Kindererziehung beschäftigt und müssen daheim bleiben.»

Sie müssen es nicht nur, sie können es auch. Die Eltern von 14 Kindern bekommen monatlich 2923 Euro Kindergeld. Hinzu kommen Kosten für die Unterkunft (Miete, Heizung), Übernahme der Krankenversicherung für die ganze Familie durch das Sozialamt, Zuschüsse für Kleidung, verbilligte Bus- und Bahnkarten, kostenlose Lehrmittel und andere «Naturalien». Alles in allem hat eine 16-köpfige Familie ohne Arbeit ein Einkommen von etwa 5500 Euro monatlich zur Verfügung. Das mag bei 14 Kindern nicht viel sein, aber es ist erheblich mehr, als ein Arbeiter bei Opel oder eine Kassiererin bei Aldi verdienen, die ihre Miete und ihre Versicherung selber bezahlen müssen.

Denn die Bundesrepublik ist ein Sozialstaat, der den Menschen die Verantwortung für ihr Leben abnimmt. Die Kinder kommen von Allah oder von Gott. Das Kindergeld aber überweist das Arbeitsamt.

© Die Weltwoche, 1.12.11

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