Das psychische Leiden selbst scheint in Mode gekommen zu sein. So wird es heute als durchaus „schick“ (oder woke) betrachtet, mit dem ein oder anderen kleinen Neuroserl hausieren zu gehen. Emotionen zulassen. Und vor allen Dingen: heilen, heilen, heilen! Und bei Ihnen so? Haben Sie noch alle Tassen im Schrank?
Hätte man Sie vor fünf Jahren mit dem Begriff „gaslighting“ konfrontiert, hätten Sie da auf Anhieb gewusst, wovon Ihr Gegenüber spricht? Damals noch kaum geläufig, wird der Begriff heute gerne dafür verwendet, den politischen Gegner zu demaskieren oder toxische Beziehungsgeflechte aufzudecken. Apropos „toxisch“: Es ist noch gar nicht so lange her, da hätten die meisten diesen Begriff wohl eher in den Chemieunterricht verortet. Stattdessen sprechen wir heute von toxischem Verhalten, toxischen Beziehungen oder toxischer Männlichkeit.
Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Begriff „Trigger“. Der medizinische Fachbegriff hat sich erst in den letzten Jahren in unsere Alltagssprache geschlichen. So nehmen wir eine Situation oder Handlung heute nicht mehr als störend wahr, nein, sie triggert uns. Diese Entwicklung wurde unlängst auch von vielen Medienschaffenden aufgegriffen, die uns mit sogenannten „Triggerwarnungen“ auf sensible Inhalte aufmerksam machen wollen, sodass wir vor einer möglichen Konfrontation mit unverarbeiteten Ängsten und Ereignissen gefeit sind.
Wahn! Wahn! Überall Wahn!
Verwundern tut der mediale Ausbruch der Triggerwarnungen kaum. Seit Jahren steigt die Zahl der psychischen Erkrankungen kontinuierlich an. Der Grund dafür kann bis heute nicht abschließend geklärt werden. Für die einen liegt er in der Entstigmatisierung des psychischen Leidens. Für die anderen ist es erst das Leben in den modernen Industriestaaten, das uns krank macht. Fakt ist, dass psychische Erkrankungen in unserer Gesellschaft auf eine immer größer werdende Akzeptanz stoßen.
Doch dabei bleibt es nicht. Das psychische Leiden selbst scheint in Mode gekommen zu sein. So wird es heute als durchaus „schick“ (oder woke) betrachtet, mit dem ein oder anderen kleinen Neuroserl hausieren zu gehen. In Talkrunden wird der seelische Gemütszustand der Gäste immer öfter zum Thema. Promi-Paare berichten nicht mehr von ihrem gemeinsamen Ibiza-Urlaub, sondern von der Paartherapie. Erst vor zwei Jahren machte der Komiker Kurt Krömer seine Depression öffentlich, und Ex-Spielerfrau Cathy Hummels schrieb mal eben einen Bestseller über ihre Kindheit, ihre Ängste und depressive Phasen. Die USA erklärte gleich den gesamten Mai zum „mental health awareness month“. Die Botschaft ist dabei immer dieselbe: Bewusstsein schaffen für die eigenen Gefühlswelten. Emotionen zulassen. Und vor allen Dingen: heilen, heilen, heilen!
Und bei Ihnen so? Haben Sie noch alle Tassen im Schrank?
Denn wenn wir Pech haben, dann starten wir schon unglücklich in das Leben, nämlich mit einem Geburtstrauma. Und ab da wird es auch nicht viel besser: Angststörungen, Depressionen, Aufmerksamkeitsstörungen, Stress, soziale Phobien, Zwangsstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Hypersensibilität, Paranoia, Essstörungen, Bindungsstörungen, Panikattacken, Suchtkrankheiten, Burnouts und ein bunter Strauß an Traumata begleiten von da an unser Leben. Wir alle müssen uns wohl weniger die Frage stellen, ob wir an einer psychischen Erkrankung leiden. Sondern eher, an wie vielen. (Es sei denn, Sie gehören zu den Abgebrühten unter uns. Dann lehnen Sie sich beim Anblick des derzeitigen „Kampfs der Marotten“ entspannt zurück, machen sich zu Ihrem Neuroserl noch ein Weinerl auf und geben gleich freimütig zu: „Hab ick alles!“ Möglicherweise handelt es sich dabei aber auch um Größenwahn. Oder eine schizophrene Phase.)
Allerdings gibt es auch immer mehr Stimmen, die dem Ausbruch der mentalen Krankheiten kritisch gegenüberstehen. Der enorme Anstieg der psychischen Erkrankungen wurde auch zum Gesprächsthema zwischen der politischen Kommentatorin Candace Owens und dem Internetphänomen Andrew Tate. Das insgesamt dreistündige Interview wurde schnell zu einem viralen Hit und erreichte schon nach wenigen Tagen millionenfache Aufrufe.
Achtung, Triggerwarnung!
Auslöser für die Diskussion rund um die mentale Gesundheit war unter anderem Ex-Royal Prinz Harry. Ein eingespielter Video-Ausschnitt zeigt ihn dabei, wie er, die Arme vor der Brust verschränkt, tief ein- und ausatmet und sich mit den Fingern abwechselnd auf den Schultern rumtrommelt. Anscheinend eine Achtsamkeitsübung. Während wir gesellschaftlich darauf programmiert werden sollen, diesen Akt als mutig zu empfinden und Prinz Harry für seine Sensibilität und Verletzlichkeit zu loben, finden Owens und Tate diesen Anblick zum Fremdschämen.
Candace Owens kritisiert sowohl unsere Entwicklung hin zu einer Therapie-Gesellschaft als auch unser zunehmendes Bedürfnis, jedes noch so kleine Gefühl wie auf dem Seziertisch ausschlachten zu müssen. Nicht jedes Gefühl sei es wert, erkundschaftet zu werden. Andrew Tate schließt sich dem an, denn für ihn ist Emotionalität zwar ein wahrer Segen, allerdings nur dann, wenn sie an den richtigen Stellen zum Einsatz kommt (zum Beispiel in der Mutterschaft). Reißt man sie aus ihrem Ur-Zweck und lenkt sie in die falsche Richtung, kann das schnell zerstörerisch werden. Heute lassen wir zu, dass unsere Gefühle die Grundlage für politische Entscheidungen bilden und kulturelle Entwicklungen beeinflussen oder sogar hervorbringen.
Es sei ein Teil der Propaganda- und Nachrichtenmaschine, statt logischer in erster Linie emotionale Argumente zu verwenden, sagt Tate. „Wenn man jemandem mit einem emotionalen Argument überzeugen kann, kann man ihn von fast allem überzeugen. Mit Logik ist es viel schwerer. Stellen Sie sich eine Gesellschaft vor, die Sie allein durch emotionale Argumente kontrollieren können. Wir sind fast da.“ Somit sei es nur konsequent, dass die Idee eines Matriarchats weiter vorangetrieben wird, schließlich seien Frauen viel empfänglicher für emotionale Argumente. Der Niedergang vom wehrhaften Mann hin zum trommelnden Vaterlandsverräter Prinz Harry reihe sich dem nahtlos an. Wir sollen lernen, unsere Gefühle auszuleben, da eine emotionale Person leichter zu kontrollieren ist. Das Ziel ist schließlich die völlige Abhängigkeit von der Regierung.
Mit Hilfe der Psychotherapie zum perfekten Untertan?
Es gilt, so Tate, den Menschen die Idee des absoluten Egoismus zu vermitteln, sodass sie sich für nichts mehr interessieren, was außerhalb ihrer selbst geschieht – weder für eine Gemeinschaft noch ihre Stadt oder gar ihr Land. Der ideale Bürger sei laut Andrew Tate selbstverliebt, immer am Rande einer Depression stehend, vorwiegend in seinem eigenen Kopf unterwegs und besessen von den eigenen Gefühlswelten, während er gleichzeitig davon überzeugt ist, dass er irgendwie unterdrückt werde (Patriarchat!) und ein Opfer emotionalen Missbrauchs geworden sei (Kindheitstrauma!). Um diesen Bürger zu kreieren, sei Therapie ein fantastischer Weg. „Wenn Sie jemanden davon überzeugen, dass er stundenlang pro Woche auf einem Stuhl sitzen und über das Gefühl sprechen muss, das er letzten Donnerstag in der Küche hatte, dann erschaffen sie mentale Erkrankungen. (…) Ich kann mir keinen schnelleren Weg vorstellen, das eigene Selbstverständnis zu ruinieren und die Fähigkeit zu zerstören, den Gefahren des Lebens zu widerstehen, als eine Therapie zu machen.“
Kann Selbstliebe sündhaft sein?
Hat Tate an dieser Stelle etwa recht? Sollten wir unseren Gefühlen weniger Beachtung schenken und dafür öfters mal die kalte Schulter zeigen? Ist es nicht gerade lobenswert, sich über sein eigenes Verhalten und die eigenen blinden Flecken bewusst zu werden? Und sollte es nicht eine Selbstverständlichkeit sein, bei starkem psychischem Leid auch das Konsultieren von professioneller Hilfe in Erwägung zu ziehen? Schließlich gibt es Erkrankungen der Seele, bei denen eine psychotherapeutische Behandlung ratsam oder sogar unbedingt erforderlich ist. Gewiss haben sich auch die meisten von uns schon mal gewünscht, unsere Eltern oder Großeltern hätten zunächst mit ihrer eigenen Lebensgeschichte aufgeräumt, bevor sie ihre destruktiven Verhaltensweisen oder Gedankenmuster an uns weitergaben.
Unweigerlich muss ich hier aber auch an meinen Großvater denken. Mein Opa starb einige Jahre nach Kriegsende an einer kriegsbedingten Erkrankung. In den Jahren vor seinem Tod bekam er allerdings noch drei Kinder, kümmerte sich um Haus, Hof und Geschäft. Was wäre gewesen, hätte er stattdessen erst mal sein Kriegstrauma geheilt (was so ganz nebenbei mit Sicherheit schwerwiegender war als so manches unser heutigen psychischen Alltags-Wehwehchen)? Was wäre gewesen, hätte er seine Zeit mit Achtsamkeitsübungen, Atemübungen und der Suche nach sich selbst verbracht? Meine Mutter wäre wahrscheinlich heute nicht auf der Welt. Und somit auch ich nicht.
Lesen Sie Morgen in Teil 2: Selbstliebe oder Selbstsucht? – Das Geschäft mit der mentalen Gesundheit.
Marei Bestek, Jahrgang 1990, wohnt in Köln und hat Medienkommunikation & Journalismus studiert.

Den Spagat zwischen der erforderlichen bedingungslosen Wertschätzung und der notwendigen Konfrontation in einer Psychotherapie mit den unüberwundenen infantilen Bedürfnissen kann man nicht immer einfach halten. Offenbar ist es aber politisch gewollt, dass der Hinweis auf eine neurotische Entwicklung, also ein Befund der Abnormität, nicht mehr gestellt werden soll. Dieser Relativismus lässt keine Differenzierung, die als unzulässige Diskriminierung diffamiert wird, mehr zu. Eine wertfreie Gesellschaft wird dadurch zunehmend eine wertlose.
„Auf der Boderline nachts um halb Eins, wenn du nen Dödel hast, Und heißt dennoch Karl-Heinz, amüsiert man sich, hofft man messert nicht, auf der Borderline nachts um halb Eins.“ UND JETZT ALLE : „Hey, hey, wir sind die goldenen Reiter. Hey, hey, wir waren ganz hoch auf der Leiter, und dann gings bergab, ja dann gings Grün ab.“ (Frei nach: Hans Albers, Max Goldt, Joachim Witt und Grüner Mist)
Ich habe offenbar auch nicht mehr alle Tassen im Schrank, denn ich bin immer noch hier und will dieses Land nicht so einfach aufgeben. Ich bin eben ein Gewohnheitsmensch, ich muss offenbar verrückt sein, denn ich verbleibe freiwillig in einem gigantischen Irrenhaus, das sich täglich verschlimmert. Und ich kann nicht einmal genau sagen, warum ich nicht gehe. Neben der Gewohnheit ist das wohl die Befürchtung, dass es anderswo möglicherweise nicht besser ist, denn während der letzten Jahre mit Covid-19 gab es nicht viele Länder, in denen nur ansatzweise die Vernunft waltete. Und es gibt auch hierzulande nach wie vor Menschen, die bei Verstand sind und man kennt sich. Trotzdem scheint es mir verrückt, hierzubleiben, was denkt sich diese Ampel wohl morgen aus? Ich bin wohl komplett irre, ich bin noch immer hier.
Herrlich, herrlich dieser Zustandsbericht. Ich habe ihn gleich ausgedruckt für meine 92-jährige Freundin. Denn die vielen „psychischen Leiden und Belastungen“ hierzulande, vor allem schon – man höre und staune – bei unseren „geplagten“ Schulkindern (!), ist unser beider Lieblingsthema. Meine liebe Freundin überlebte als Jugendliche das entsetzliche Auschwitz, mehrere Selektionen auf der Rampe und den schrenklichen Dr. Mengele. Zugegeben, d a s ist tatsächlich nicht mehr zu „toppen“ (wenn ich das mal so salopp formulieren darf.) Doch das heutige klagen und jammern, wo wir doch (noch) ein Dach über dem Kopf haben, das fließende Wasser (noch nicht zugeteilt) aus dem Hahn läuft und der Lichtschalter funktioniert (mancherorts soll es allerdings auch schon zu Blackouts gekommen sein) , sollten wir alle besser und schnellstens die Ärmel hochkremplen, den Verstand einschalten und uns sowie unseren Kindern und verwöhnten Jugendlichen sehr klar machen, was angebrachter wäre.
Leider habe ich mir bis jetzt noch keine psychische Störung zugelegt. Für Deutsche ohne Migrationshintergrund ist das auch sehr schwer. Deshalb darf ich mit dem Messer nur Kartoffeln schälen und wenn ich mal einer Frau zu nahe komme, wird das Gesetz mit voller Härte zuschlagen.
Gerade politisch interessierte und hier länger lebende Menschen können über diese bigotterie nur noch angewidert den Kopf schütteln. Bsp. der Rubiales küsst vor lauter Freude auf den Mund einer Fußballerin. Der müsste nur sagen er wäre ein Anhänger des des tibetischen Buddhismus und Dalai Lama. Oder Roderich Kiesewetter der im Barbarossa-Keller „Ihr seid ja schlimmer als KZ-Wächter“ sagte und medial schleunigst unter den Teppich gekehrt wurde. „Toleranz ist möglich – im Freisein von Angst.“ Diese dauerhafte Terrorregierung gehört sofort aus sämtlichen Regierungsverantwortungen. Allerdings will die Pharma Mafia das nicht, zu gut, geldbringend diese korrupte Regierung, Korporatismus. Deutschland ist mit der größte Psycho-Pillenkonsument und hier wird eu-weit der höchste Preis gesetzt. Studenten dopen sich ebenso. Angst frisst Seelen auf und macht krank. P.S. Rot-Grün scheint eine Krankheit geworden zu sein.
Neulich hatte ein Freund seiner Neurologin von einem schwachen Kurzzeitgedächtnis berichtet – mit fast 80 Jahren !
Darauf hat sie ihn zu einer MRT des Kopfes überwiesen, um nach Alzheimer zu fahnden. Diese MRT ist ein Höllenspektakel und alles andere als angenehm. Übertrieben ??? -
Die „woke“ Psycho – Masche ist aus den USA herüber geschwappt, wo es schick ist, möglichst zwei Therapeuten zu haben, bei denen man auf der Couch liegt. Am übelsten finde ich eine Therapie nach der Methode der Psychoanalyse – Freud läßt grüßen . Hier werden – zu Recht verdrängte – Traumata wieder hervorgeholt, weil sie noch „bearbeitet“ werden müssen.
Ich weiß, da gehen die Meinungen schnell und weit auseinander, aber ich habe meine Erfahrungen – nicht als Patient.