Vor wenigen Tagen lief im Deutschlandfunk ein Interview mit Margot Käßmann, und einige ihrer Aussagen waren, höflich ausgedrückt, interessant. Sie behauptete, dass niemand ein Recht aufs Weihnachtsfest im großen Familienkreis habe und dass "Maria und Josef in der Ursprungsgeschichte auch nicht in einem großen Familienkreis zusammen" kamen. Wer es nicht glaubt, kann es hier nachhören.
Wie unschwer zu erraten, hat die gute Margot all dies ernst gemeint, um den momentanen Überbietungswettbewerb an politischen Schutzmaßnahmen gegen die Pandemie zu affirmieren. Damit steht sie bekanntlich in guter Tradition der protestantischen Kirche, die sich immer schon als religiöser Arm des politischen Zeitgeistes im Großdeutschen Reich verstanden hatte.
Die Bedford-Strohmisierung der protestantischen Kirche hat in den letzten Jahren Scharen von Gläubigen aus der Kirche getrieben. Aber das stört die wohlgenährten Kirchenfunktionäre nicht, denn natürlich wissen sie, dass, wenn die Kirchensteuergelder nicht mehr so üppig fließen, halt der Staat einspringen wird. Sein moralisches Sturmgeschütz würde er niemals ungefüttert lassen und schon gar nicht unter einer Kanzlerin, die selbst einem systemkonformen protestantischen DDR-Pfarrhaus entspringt.
Die protestantische Kirche war ja zuletzt allein über ihre Millionen, die sie in die Schleppertätigkeit im Mittelmeer investierte, in den Schlagzeilen. Seelsorgerisch-mildernd hat sie auf das regierungsamtliche Corona-Panikorchester zu keinem Zeitpunkt einwirken wollen. Die protestantische Kirche deswegen jedoch als "religiöse Schlepperbande" zu bezeichnen, verbietet selbstverständlich der Anstand.
Paradiesische Sehnsucht, triefende Sentimentalität
Nun also die weinselige Margot Käßmann wieder. Dass eine christliche Wanderpredigerin, die immerhin mal Bischöfin war und das höchste protestantische Amt in Deutschland innehatte, den Menschen das Recht aufs selbstbestimmte Weihnachtsfest abspricht, lässt aufmerken. Man darf unterstellen, dass es in China, Nordkorea und dem Iran ähnlich gesehen wird, und dass es dagegen im Interesse der Kirchen läge, zumindest eine klitzekleine Pflicht zum Weihnachtsfest zu konstatieren. Aber weit gefehlt.
Wir erinnern uns: Ins öffentliche Bewusstsein trat Margot Käßmann gewichtig erst, als sie angedüdelt mit 1,54 Promille des Nachts eine rote Ampel überfuhr, von der Polizei angehalten wurde und daraufhin als EKD-Vorsitzende zurücktrat. Das war 2010. Sie schaffte es immerhin, eine Art moderne Heldengeschichte um sich zu stricken, in der sie sich vom Saulus zum Paulus gewandelt als einsichtig, geläutert und wieder frohen Mutes darstellen konnte. Der Last des anstrengenden Amtes enthoben, habe sie endlich wieder Zeit für Achtsamkeit und die kleinen Dinge im Leben.
Und seitdem durchzieht ihre Vita diese Achtsamkeit für die kleinen Dinge wie die Perlen den Rosenkranz. Erst will sie mit den Taliban beten, um etwas für den Weltfrieden zu tun, dann Terroristen mit Liebe begegnen, um die Bundeswehr in Afghanistan zu entlasten. Dann wieder verweigert sie sich, mit AfDlern zu beten, geschweige denn ihnen mit Liebe zu begegnen, da dies ganz schädlich für den Weltfrieden und die innere Gestimmtheit der protestantischen Kirche wäre. Zudem lehnt sie, selbst zwei deutschen Eltern und vier deutschen Großeltern entsprungen, diese familiäre Konstellation entschieden ab, da man dann wüsste, „woher der braune Wind wirklich weht".
Das Phänomen Margot Käßmann ist neben allen politischen Implikationen ein Phänomen, das man am besten unter "deutschem Kitsch" zusammenfassen könnte. Es ist diese Mischung aus paradiesischer Sehnsucht, triefender Sentimentalität, verschrobenem Denken und schlechtem Geschmack. Darüber hinaus durchzieht viele Biografien, die sich durch ein Erweckungserlebnis á la Saulus/Paulus auszeichnen, der Hang zu einer esoterischen Vernunft, für die es noch keinen passenden Begriff gibt. Ich erlaube mir, diese Vernunft eine "negative Vernunft" zu nennen. Sie ist tief ins Christentum eingeschrieben, und Sätze wie "Wer geschlagen wird, soll auch noch die andere Wange hinhalten", "Die, die einem Böses wollen, soll man lieben", "Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen" oder "Wenn du schnell ans Ziel willst, gehe langsam" sind lupenreine Glaubensbekenntnisse dieser negativen Vernunft. Auf den ersten Blick erscheinen derartige Aussagen als weise und tief, sie gedeihen aber am buntesten und lautesten in einem Umfeld, das sich durch die komplette Weigerung, Verantwortung für die eigenen Ratschläge zu übernehmen, auszeichnet.
Limousinen, Panzerglas und Bodyguards
Als psychiatrische Auffälligkeit ist die negative Vernunft in unserer christlich tingierten Kultur die Sehnsucht, zu einem Urchristentum zurückzukehren, dessen Vertreter bekanntlich in Höhlen lebten und ein reines Leben führten. Dass diese Sehnsucht meist bei den Vertretern der herrschenden Zeitgeistklasse in Deutschland gepflegt wird, ist an Ironie nicht zu überbieten. Limousinen, Panzerglas und Bodyguards sind fast so etwas wie die Voraussetzung, um dieser Sehnsucht anheim zu fallen.
Ob im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, bei den Grünen oder neuerdings auch bei der CSU: Für den, der sich in die Komfortzone der staatlichen Alimentierung begeben hat, ist die negative Vernunft die letzte sichere Bastion, um seine eigenen Pfründen gegen die Interessen der Zahlenden abzusichern. Eine „Kultur des Weniger", wie sie von Frau Göring-Eckardt gepredigt wird, fasst ja nur zusammen, was die seit Jahren gepflegte politische Richtung ist: "Wir müssen uns schaden, um zu wachsen". Das ist der Mustertext aller momentanen politischen Akteure und negative Vernunft par excellence.
Margot Käßmann ist für den deutschen Zeitgeist ein nicht ganz unerheblicher Baustein dieser propagierten Sehnsucht nach dem Reinen, Kleinen und Guten. Sie bedient den deutschen Kitsch, der sich vor 100 Jahren mit "Hirsch vor Bergpanorama" manifestierte und inzwischen durch "Flüchtling mit gefundener Geldbörse" abgelöst wurde. In dieser Welt ist Jesus zu einer Art freundlichem Gartenzwerg mutiert, mit dessen hochaggressivem Rauswurf der Geldwechsler aus dem Tempel man so recht nichts anzufangen weiß. Ohne die neuesten theologischen Diskussionen zu kennen, unterstelle ich, dass man Jesus Christus dieses rabiate Vorgehen inzwischen als kleine menschliche Schwäche auslegt, die ihn umso sympathischer macht. Von einem wehrhaften Christentum, das heilige Bezirke achtet und aus einer geistigen Vollmacht spricht, haben sich die Protestanten schon lange verabschiedet.
„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“, war von Anbeginn des Christentums die Maxime, um im Dualismus zwischen Weltlichem und Himmlischem leben zu können. Dem Kaiser – oder korrekt gegendert: der Kaiserin – nun das Weihnachtsfest zu übergeben, ist der sichtbare Beweis, dass die Kirchen geistig und religiös restlos ausgehöhlt sind. Dass dies mit der Geburtsgeschichte im Stall argumentativ unterfüttert wird, indem Frau Käßmann darauf hinweist, dass auch Josef und Maria bei der Geburt nicht im großen Familienkreis zusammenkamen, ist dann nur noch lustig, unterstreicht aber diese Sehnsucht nach einer "Kultur des Weniger", in der das Leben im Stall das Höchste und der Mangel das Schönste ist.
Folgerichtig müsste der nächste Satz von Frau Käßmann lauten: "Bleibt den Kirchen fern, denn Jesus Christus hat auch nie in einem Gotteshaus gepredigt!" An diesen Ratschlag würde ich mich sogar halten. Auf ewig und immer. Amen.

Diese "Dame" ist so typisch für Menschen, die nie im Leben etwas leisten mussten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen bzw. dauerhaft zu erkämpfen. Statt ständig zu versuchen sich selbst als besonders intellektuelle Ikone zu präsentieren und einfach mal die Fre... zu halten, hätte sie es mal mit richtiger Arbeit versuchen sollen. Nützlichkeit in einer normalen Firma tagtäglich nachweisen, froh zu sein einigermaßen über die Runden zu kommen, in ständiger Unsicherheit zu leben, ob man das bisschen Niveau auf dem man lebt, auch weiter halten kann, das sind Dinge von denen Käßmann und Konsorten keine Ahnung haben. Und die will mir sagen, was ich zu denken und wie ich zu leben habe? Eine Frechheit gepaart mit maßloser Überschätzung der eigenen Bedeutung.
Wenn man sieht, in welchem Tempo das Corona-Kriegskabinett derzeit Milliarden an Steuergeldern verschleudert, ist absehbar, dass irgendwann auch dem letzten dämmert, dass die öffentlichen Kassen leer sind. Da man sehr bald gezwungen sein wird, nach Einsparmöglichkeiten zu suchen, werden auch die Zahlungen an die christlichen Kirchen stark eingeschränkt werden (müssen). Laut Spiegel im Jahr 2018 waren es 538 Mio. Euro. Zumal der Großteil der Bevölkerung entweder längst bekenntnislos ist oder Muslime sind. Warum sollten die weiter solche Summen zahlen? Dann kann Herr Bedford-Strohm seine Migranten mit dem Ruderboot im Mittelmeer abholen. Für Frau Kässmanns Erbauungsschriften gibt es bestimmt trotzdem genug Interessenten.
Diese Frau war für mich der Grund, aus der ev. Kirche auszutreten. Und seither ist es nicht besser geworden mit dieser Kirche. Zu dem Dummsprech von Frau Käßmann: Josef und Maria kamen zwar nicht im großen Familienkreis zusammen, aber sie sollte mal nachlesen, weshalb Jesus im Stall einer Herberge zur Welt kam. Wenn das mal kein Gedränge war! Und auch die Hirten sowie die Weisen aus dem Morgenland - wie viele es auch gewesen sein mögen - waren durchaus willkommen. Also, was soll das Gerede. Der letzte Absatz Ihres Artikels, Herr Vahlefeld, ist der Knaller! Volltreffer! Ist zwar nicht ganz bibelfest (natürlich hat Jesus in Gotteshäusern gepredigt), jedoch exaktes Weiterdenken der käßmann'schen Intelligenzflatulenzen.
Heilige Umnachtung – Herr Vahlefeld, Sie haben angemessen die geistige Umnachtung dieser peinlichen Person, ihres armseligen „geistlichen“ Umfelds und des erbärmlichen Zustands des gesellschaftlichen Mainstream beschrieben.
"Es ist diese Mischung aus paradiesischer Sehnsucht, triefender Sentimentalität, verschrobenem Denken und schlechtem Geschmack." Eine geniale Zusammenfassung. Kurz, präzise und voll auf die Zwölf. Auch die Begründung für diese Haltung passt: "Für den, der sich in die Komfortzone der staatlichen Alimentierung begeben hat, ist die negative Vernunft die letzte sichere Bastion, um seine eigenen Pfründen gegen die Interessen der Zahlenden abzusichern." Das eine "Kultur des Weniger" ausschließlich von den Protagonisten des persönlichen Mehr gepredigt wird, damit mehr für sie übrig bleibt, ist ja nun nicht wirklich neu. Aber warum der Durchschnittsmensch seit 10.000 Jahren, also seit der Gründung erster größerer Gruppen, unbedingt unterdrückt, ausgepresst und möglichst mies behandelt werden will, das erschließt sich mir bis heute nicht. Aber vielleicht, Herr Vahlefeld, haben sie zur Erklärung dieses Mysteriums gelegentlich eine brillante Idee. Ich bin jedenfalls sehr gespannt.
Die Ex-Bischöfin, Ex-Luther-Botschafterin, Vielschreiberin, Endlos-Talkerin Käßmann ist eine irrlichternde Heilige, die auch vor 80 Jahren bestens klargekommen wäre. Nur der Talkshow-Sessel musste für sie noch erfunden werden. So kann sie die Gnade der späten Geburt genießen als Moralexpertin und Zuchtmeisterin in hemmungslos weltlicher Unbescheidenheit. Der Jesus-Kitsch ist das Mittel zum Zweck: Eine groteske Inszenierung der Reise in die unchristliche autoritäre Dystopie der Unfreiheit und des globalen Elends. Was wären wir ohne unsere EKD? Weshalb verlässt Bedford-Strom das sinkende Schiff?
Lieber Herr Vahlefeld. Wenngleich ich Ihrer Kritik an der Aussage von Frau Käßmann im Blick auf Weihnachten und auch zum Teil an manchen Positonen der dahinter stehenden in den "höheren Etagen" der protestantischen Kirchen vertretenen Grundhaltung zustimme, möchte ich Ihnen im Blick auf die von Ihnen verwendeten Bibelzitate (mit Verlaub, bei einem Zitat handelt es sich um ein chinesisches Sprichwort) doch widersprechen. Im Blick auf das Hinhalten der andere Wange würde es sich lohnen, Martin Luther Kings Aussagen dazu näher zu betrachten. Für ihn stellte dies kein Zeichen von Schwäche dar im Sinne eines duckmäuserischen Kuschens, sondern er sah darin einen Weg, dem Schlagenden (ich denke mal, dabei auch ihm ins Auge blickend) die Unrechtmäßigkeit seines Tuns deutlich zu machen und gleichzeitig eine weitere Eskalation zu vermeiden. Was nun nicht bedeutet, dass dies ein probates Mittel zum Beispiel im polizeilichen oder militärischen Bereich sei. - Johannes der Täufer meinte mit dem "Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen!" sein Zurücktreten hinter dem Anspruch und der Bedeutung Jesu Christi, als dessen öffentliche Wirksamkeit begann. Und wenn ich das hinzufügen darf: Aus meiner persönlichen Lebens- und Glaubenserfahrung heraus bin ich sehr dankbar dafür, dass Jesus Christus, je mehr wir ihm Raum geben in unserem Leben, uns verändert, jenseits von irgendwelcher Esoterik und reiner Halleluja-Frömmigkeit. Die Feinde zu lieben und für sie zu beten, wie es Jesus von seinen Nachfolgern gefordert hat, läuft uns zunächst ja mal völlig zuwider (ich spreche aus eigener Erfahrung) , aber es erscheint mir als ein sehr guter Weg, zu "deeskalieren" und Beziehungen ganz gleich welcher Art auf einen guten Weg zu bringen. Die Feinde zu lieben bedeutet ja nicht, ihnen Recht zu geben, ihnen nicht auch Grenzen zu setzen usw., sondern es bewahrt uns davor, sie mit ihren Taten in eins zu setzen und sie nicht mehr als Menschen zu respektieren.