Henryk M. Broder / 11.10.2016 / 09:07 / Foto: Paul Goyette / 7 / Seite ausdrucken

Heiko Maas, die AfD und das Tourette-Syndrom

Zwei Historiker haben sechs Jahre lang die Unterlagen des Bundesjustizministeriums aus der Nachkriegszeit durchgearbeitet und sind am Ende zu einer überraschenden Erkenntnis gekommen: In der "Rosenburg" waren "mehr Spitzenposten von Nazis besetzt als bisher bekannt". Wer hätte das gedacht! Bis jetzt hatten wir angenommen, die Spitzenposten im Bundesjustizministerium wären von Widerstandskämpfern aus dem Umfeld der "Weißen Rose" besetzt gewesen. Wie in allen anderen Ämtern und Behörden auch. Freilich: "Mehr als die Hälfte aller Führungskräfte in der jungen Bundesrepublik waren früher Mitglieder der NSDAP." Wirklich? Könnte es nicht auch die Vereinigung der Freunde der italienischen Oper gewesen sein?

Der amtierende Bundesjustizminister Heiko Maas jedenfalls nannte das Ergebnis der Untersuchung "bedrückend". So bedrückend, dass er in der Tagesschau Analogien zur Gegenwart zog. "Wir stellen ja fest, dass heute im 21. Jahrhundert, im Jahre 2016, Themen wie Ausgrenzung und Diskriminierung von Minderheiten auch wieder politisch salonfähig werden, indem sie auch von der AfD zum Thema gemacht werden. Und deshalb ist es ein aktuelles Thema, um das es geht, die Grundwerte des Grundgesetzes zu verteidigen."

Hat der Mann sie noch alle? Ist der Krawattenknoten zu eng gebunden, drückt das Sacco? Bekommt er keine Luft? Es geht nicht darum, dass man sich im Justizministerium über 60 Jahre Zeit gelassen und abgewartet hat, bis alle alten NS-Kader ausgestorben waren, es geht um ein "aktuelles Thema", das von der AfD wieder "salonfähig" gemacht wird. Maas hat eine Macke. Würde er über Ufos im Saarland reden, käme er auf diesem Weg auch zur AfD. Es ist sein Tourette-Syndrom.

Je länger das Dritte Reich tot ist, umso stärker wird der Widerstand gegen Hitler und die Seinen, hat Johannes Gross mal gesagt. Die Antifa machts möglich. Und der sprechende Krawattenknoten macht das Alpha-Männchen.

Siehe auch:

Maas und sein Social Media Team

Heiko Maas und die Landesverrats-Affäre

Maas und Sex in der Werbung

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Leserpost

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Arnold Lesch / 12.10.2016

Danke an Herrn Broder. Ich habe den Tagesschau-Beitrag mit großer Wut zur Kenntnis genommen und war froh, am nächsten Tag eine wie immer geschliffene Sottise dazu zu lesen. Das hat meinen Zorn besänftigt. Maas ist untragbar. Ein Justizminister, der das Recht beugt, in laufende Verfahren eingreift, Generalbundesanwälte willkürlich entläßt, selber immer Wahl-Verlierer (im Saarland) war, von seinen Kabinettskollegen als zumindest “nicht anständig” tituliert wird, nichts bietet außer erbärmlichen AfD-Bashing in Talks-Shows (leider dort von Moderatoren geduldet), ist kein Ehrenmann. Weg mit ihm. Soll doch Frau Merkel ihm mal ihr “uneingeschränktes Vertrauen” schenken, das war ja immer der Anfang vom Ende eines Ministers…

Bert Werner / 11.10.2016

Immer wenn ich denke, es kann nicht schlimmer kommen, kommt unserer Superheiko mit etwas neuen - alten daher.Eigentlich kann sich jeder halbwegs intelligente Jurist nur für Ihn schämen.Meinen Dank an Herrn Broder, der wie immer gekonnt und mit spitzer Zunge kommentiert.Bitte weiter so.

Jochen Bork / 11.10.2016

Herr Broder das war ins Schwarze: Treffer, versenkt! Ich habe mich bei der maßlos dummen Äußerung unseres Justizhänneschens gestern Abend nicht zurückhalten können und habe gebrüllt: “Hat der se noch alle?“

Thomas Schade / 11.10.2016

Diesen Tagesschau-Beitrag habe ich auch gesehen und mich darüber gewundert - weniger über Herrn Maas als über die Redaktion der Tagesschau. Wenn Herr Maas über jedes Thema bei der AfD landet, ist das (s)ein Problem. Dass aber die Tagesschau Herrn Maas im Rahmen einer Nicht-Nachricht ein Forum bietet, ist der schlimmere Teil dieser Sache.

Frank Holdergrün / 11.10.2016

Maas hat alle Wahlen verloren und sein Dasein als Justizminister belegt klar, warum. Erst, wenn er die SPD unter 10% gebracht hat, ent-wickelt sich seine Krawatte und verschafft Luft zum Nachdenken.

Detlef Dechant / 11.10.2016

Woher hätte denn das BMJ zu der Zeit die erfahrenen Juristen nehmen sollen? Das gilt auch für alle anderen Verwaltungsjobs. Hätte man 1990 alle SED-Mitglieder aus den Verwaltungen und Polizei entfernt, wäre dort auch alles zusammengebrochen. Das gilt für alle Umstürze und Revolutionen weltweit. Man mag das bedauern, aber das ist so.

Laika Bechthold / 11.10.2016

Danke für diesen Artikel, vielen Dank!

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