Thilo Schneider / 11.09.2021 / 16:00 / Foto: Timo Raab / 30 / Seite ausdrucken

Heiko ist enttäuscht

Die Übergangsregierung in Afghanistan hat sich unser Außenminister anders vorgestellt. Wer hätte auch ahnen können, dass die Taliban sind, wie sie sind?

Das ist jetzt aber doof. Außenminister Heiko Maas ist „nicht optimistisch“, was die „Übergangsregierung Afghanistans“ betrifft. Wer hätte auch ahnen können, dass die Taliban jetzt keine Toiletten für irgendwelche dritten Geschlechter bauen oder bestenfalls ihre Baukräne spöttisch in Regenbogenfarben streichen? Das ist ja völlig überraschend... Da wird es natürlich nix mit den versprochenen „Milliönchen“ für irgendwelche Aufbauarbeiten und goldenen Badewannen im Serail des gerade herrschenden Kriegslords.

Vielleicht sollte eine gnädige Seele Heiko Maas 100-mal schreiben lassen: „Wir haben den Krieg verloren“, damit Deutschlands größter Außenminister seit Sigmar dem Verbeugsamen endlich kapiert, dass sich die Taliban für ihn und seine knallbunte Truppe von diplomatischen Dilettanten nicht interessieren. Null, nassing, nada, zero. Und so sehr sich Maas auch bemühen mag, den Siegern die Tributzahlung eines Besiegten anzubiedern, so wenig hat er verstanden, dass er dies an irgendwelche Bedingungen knüpfen kann.

Da sind die Taliban schlauer (klar, sonst hätten sie nicht innerhalb sechs Tagen das Land aufgerollt): Die nehmen, was sie geschenkt bekommen und stehen auf dem Standpunkt, dass ein Geschenk eben keine Gegenleistung erfordert. Ganz abgesehen davon, dass die Taliban kein deutsches Geld brauchen – das bekommen sie schon von den ethisch wesentlich geschmeidigeren Chinesen und ihren Unterstützern in der islamischen Welt.

Stolz? Rückgrat? Keine Themen für Heiko Maas

Es ist schon nicht mehr rührend, sondern tragisch, wie Heiko Maas darum bettelt, die Taliban mögen sich doch bitte quasi so westlich verhalten wie die, deren Truppen sie eben mehr oder weniger aus dem Land geekelt haben. Ehre? Stolz? Rückgrat? Keine Themen für Heiko Maas, der augenscheinlich überhaupt nicht verstanden hat, wie man mit und in der islamischen Welt verhandelt – erst recht nicht mit Hardcore-Islamisten auf Mopeds, die sich, wenn es brenzlig wird, auch jahrelang in Höhlen verkriechen können. Gut, „auf Augenhöhe“ wird bei Heiko Maas auch schwierig.

Es mag ja sein, dass Maas sich und Deutschland in der moralischen Pflicht sieht, „die Frauen in Afghanistan“ zu verteidigen – aber wenn dem so ist, dann hätte er sich ehrlicherweise mit Annegret „Ich übernehme die volle Verantwortung“ Kramp-Karrenbauer und der Weltkanzlerin zusammentun und 100.000 Mann und ein paar halbwegs funktionierende Leopard-Panzer nach Afghanistan schicken müssen. Ganz abgesehen davon, dass es die Pflicht einer afghanischen Armee gewesen wäre, dies zu tun – wäre sie daran interessiert gewesen.

Heiko Maas und seine lustige Bande müssen begreifen, dass westliche Standards und Werte in einem Land wie Afghanistan nichts bedeuten, völlig uninteressant sind und sogar als abstoßende Weichheit und Weinerlichkeit gelten. So aber schafft es die bunte Truppe, ihrer Lächerlichkeit eines überhasteten Abzugs auch noch die Lächerlichkeit einer „Liebe gegen Geld“ hinzuzufügen.

Wenn du ein totes Kamel reitest, dann steige ab

Glashart gesagt, haben die Afghanen genau das bekommen, was sie wollten: Eine real existierende Theokratie, der die Meinung der westlichen Welt völlig egal ist, solange nur der Yuan rollt. Und das tut er, mehr denn je. In Interviews freuen sich die Markthändler in Kabul, dass seit der Machtübernahme der Taliban die Anzahl der Diebe drastisch gesunken ist. Kunststück: Wer will schon, dass sein Gesicht geschwärzt wird und er künftig einhändig auf dem Huawei seine Eingaben machen muss. Es ist ja nichts so schlecht, dass es nicht irgendjemand gut fände.

Ja, für die Frauen Afghanistans ist das doof – aber auch nicht für alle. Die meisten werden die alten neuen Sitten klaglos akzeptieren und sich mit dem System arrangieren. So, wie das die meisten Unzufriedenen in jedem Land der Welt tun – auch in Deutschland. Ein paar werden vielleicht noch einige unvorsichtige Interviews oder Tweets absetzen, bevor es zur Auspeitschung geht – aber: Na und? Das ist dann eben so. In China haben es Dissidenten auch nicht gerade sonnig.

Man muss es sich und Maas immer wieder vor Augen halten: Vergleicht man Deutschland nach 20 Jahren US-Besatzung und Afghanistan nach 20 Jahren – da fallen doch so ein paar Unterschiede auf. Deswegen klappte das auch nicht mit dem „Nation-Building“, zumal der Regierungschef offensichtlich korrupter als ein italienischer Mafia-Staatsanwalt war.

Vom Grunde her haben es die Amerikaner richtig und vorgemacht: Wenn du ein totes Kamel reitest, dann steige ab. Maas aber will dem Kamel dringend Wasser hinterhertragen und wundert sich, dass es nicht saufen will. Ich glaube, die Frage: „Wie bescheuert kann man eigentlich sein?“ ist nicht ganz unberechtigt.

Frohes Zuckerfest – und tschüss!"

Obwohl die Entwicklungshilfe selbst also derzeit von einem sehr pessimistischen Außenminister eingefroren wurde, fließen nach wie vor muntere 600 Millionen Euro in die Steinwüste am Hindukusch. „Für humanitäre Hilfe“ – weil es augenscheinlich sowohl die westlichen Hilfstruppen als auch die fröhlich feiernden Taliban verpasst haben, den afghanischen Bauern zu zeigen, wie man mit Hilfe von Traktoren Lebensmittel statt Heroin anbaut. Man muss sich das vor Augen halten: Die neuen Machthaber sind zwar in der Lage, ein Land ohne einen Schuss zu erobern – schaffen es dann aber nicht, ihre eigenen Leute zu ernähren, weswegen sie vom Feind, den sie physisch nur ganz schlecht greifen können, Unterstützung bekommen. Das mag zwar „human“ sein, gleichzeitig ist es aber grottendoof. Denn genau diejenigen, die jetzt unter humanitären Gesichtspunkten gefüttert werden, sind auch diejenigen, die die Taliban wollten und die dann wieder zu den Steinigungen und Hinrichtungen führen und geführt werden. Welchen Grund sollten sie also haben, zu rebellieren? Läuft doch! Die Taliban richten hin, der Westen zahlt dafür, dass sie das auch weiterhin tun können. Sehr clever. Von den Taliban. 

Wohin die Fütterung von einer in partieller Geiselhaft von Terroristen beherrschten Gesellschaft führt, lässt sich trefflich an der Hamas und den sogenannten Palästinensern aufzeigen. Sobald genug Geld beisammen ist, gibt es nicht etwa Kraftwerke, Entsalzungsanlagen und Hotels, sondern Raketen aus dem Iran. Und Heiko Maas ist empört, dass in der 33-ungeköpfigten „Übergangsregierung“, oh Schreck, keine einzige Frau oder wenigstens ein Transsexueller sitzt. Der gute alte Grundsatz, dass mit Terroristen nicht verhandelt wird, wurde vollkommen und komplett vergessen. Am Ende wird es sogar so sein, dass Hilfskonvois mit Lebensmitteln bei den Taliban betteln dürfen, durchgelassen zu werden. „Um Hilfe betteln“ wird da im Wortsinne verdreht. Wie feige und erbärmlich ist der Westen, ist Deutschland eigentlich geworden? 

Der einzig gangbare Weg ist, den Taliban zum Sieg zu gratulieren, ein frohes Zuckerfest zu wünschen und sich umzudrehen und zu gehen. Oder, um es mit dem zurücktretenden letzten sächsischen König zu sagen: „Macht Euren Dreck alleene.“ Diese und nur diese Sprache wird am Hindukusch verstanden. Dazu braucht es keine Kenntnisse in Paschtu. Don´t feed the trolls.

(Weitere Zornesausbrüche des Autors unter www.politticker.de)  

Von Thilo Schneider ist in der Achgut-Edition erschienen: The Dark Side of the Mittelschicht, Achgut-Edition, 224 Seiten, 22 Euro.
 
 

Foto: Timo Raab

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WF Beck / 11.09.2021

Heiko ist doch ein Guter. Seine von Gutmenschmoralin zerfressene Seele begreift nicht, dass der verlogene menschenverachtende frühmittelachterliche hirnrissige Glaube anderst tickt. Kuffar beutet der Islam gerne aus. Als Dankeschön gibt es einen Tritt in den Hintern.

Dirk Jungnickel / 11.09.2021

Ja, man kann es nur noch mit bitterster Ironie ertragen. Dem Maaschen und seiner Erleuchteten werden die Taliban - Killer in Kürze den Schwarzen Turban mit Fransen verleihen, wenn die Mullahs den Lehrbetrieb in Sharia und Terror auf dem Kabuler Campus wieder aufgenommen haben,

Werner Grandl / 11.09.2021

Sehr schön gesagt. Aber ehrlich, mir fehlt der Galgenhumor, der jetzt in kritischen Blogs umgeht. Der Westen nähert sich dem Endstadium des byzantinischen Reiches. Damals haben die christlichen Gelehrten diskutiert, ob und wie man mit den anrückenden Türken verhandeln solle. Das Ergebnis ist bekannt, wird aber im Geschichtsunterricht peinlichst gemieden. Ich prophezeie hier und jetzt, dass der Krieg der Kulturen in Riesenschritten zu uns kommen wird. Was dann? Sitzkreise mit schwangeren Bundeswehrsoldatinnen?

Andreas Rochow / 11.09.2021

Vorschlag: Heiko Maas (oder Nachfolger Cem Özdemir), Heinrich Bedford-Strohm (ohne Kreuz!) und Magot Käßmann (ohne Promille) holen sich die Aktivisten-Kapitänin Carola Rackete ins Boot und fahren nach Afghanistan, um endlich mit den Taliban in Ruhe zu beten. Vielleicht hilft’s. - Durchgefallen! Afghanistan hat nicht mal einen Hafen.

Karla Kuhn / 11.09.2021

“Die Übergangsregierung in Afghanistan hat sich unser Außenminister anders vorgestellt. Wer hätte auch ahnen können, dass die Taliban sind, wie sie sind?” (BITTE NICHT UNSER schreiben, ich habe ihn NICHT gewählt !) Ich kann den ganzen Irrsinn, den etliche Politiker verzapfen, nur noch als lächerlich bezeichnen. Die echten Sieger sind die Taliban, sie haben einen 40 jährigen Krieg ausgesessen. Weder die Russen noch die Amis mit ihren hochgerüsteten Armeen konnte in diesem Land offenbar etwas ausrichten , außer Hunderttausende Zivilisten zu töten. Tja , wenn nicht die BESTE ARMEE aller Zeiten eingegriffen hätte, offenbar mit zu wenigen Stiefeln, nicht richtig schießenden Gewehren, elastischer Schwangerschaftskleidung etc.pp.,  dann wäre dieser Krieg sicher “viel blutiger” ausgegangen.  “Wie feige und erbärmlich ist der Westen, ist Deutschland eigentlich geworden? ”  GEWORDEN ?? Das scheint in den “GENEN zu liegen aber nach einer erfolgreichen mRNA GEN-THERAPIE werden wir vermutlich zu richtigen “Kampfhunden”

Sebastian Weber / 11.09.2021

Seeeehr gut !!! 100 % Zustimmung!!! Die Quintessenz des letzten Absatzes sollte in gut 14 Tagen “Wahlprüfstein” sein!

Rainer Niersberger / 11.09.2021

Leider unterliegt der Autor bei ansonsten zutreffender Beschreibung dem Irrtum, bei Herrn Maas handele es sich um einen Mann, bezogen auf bestimmte Merkmale vermutlich schon, bezogen auf das, was “innerlich” noch dazukommen muesste, ganz sicher nicht. Die Erwähnung von Ehre, Stolz, Rückgrat ist Ausdruck dieses Irrtums und schmerzt besonders. Die “Sichtweise” des Herrn Maas auf die Taliban entspricht exakt der heute im. feminisierten Westen weit verbreiteten Sicht, dieser Mischung aus Bonoboisierung, Pippi - Langstrumpf und etwas infantilem Trotz, wenn selbst klare Unterwerfungsgesten, bei den Bonobos gibt es dafuer eine spezielle Handlung, nicht angenommen oder ignoriert werden.  Man wird versuchen, das Geldgeschenk fuer die Taliban noch einmal deutlich zu erhöhen, schon um zu vermeiden, dass sich die Beschenken dadurch beleidigt fuehlen. Tatsaechlich gehoert die Selbsterniedrigung inzwischen zum deutschen Standard und die Vorstellung, dass andere Ethnien sich ihre “Kultur” nicht wegnehmen lassen, auch nicht fuer viel Geld, was hierzulande durchaus funktioniert, ist nicht mehr zu vermitteln. Die Konditionierung zeigt ihre Wirkung. Die Frage bleibt, woher sollen bei Maas und Konsorten so etwas wie der Thymos kommen. Das ” Männchen” versucht, wie einige andere Politdarsteller (Altmaier, Braun und Co) auch, mittels dem, was ihm ein verrottetes System ermöglicht, seine Neurosen und Kraenkungen, die sehr viel mit einer gestoerten Männlichkeit zu tun haben, zu kompensieren. Leider zu Lasten der 10 % Unschuldiger, die diese Mischpoke nicht gewählt haben. Ein groesseres Missmatch als eine Begegnung mit Muslimen in Gestalt der Taliban ist kaum vorstellbar. Das finden zwar die Feministen ganz toll, aber es kann politisch nicht funktionieren.

Tom Walter (Original) / 11.09.2021

Danke für die gute Zusammenfassung. Bitte ans Außenministerium per Einschreiben schicken.

G. Hamsinger / 11.09.2021

Heiko M. lebt nun mal in Deutschland als typischer Vertreter der Wir-wünschen-uns-was-und-andere-bauen-es-uns-Generation. Man muss über diese ganzen Leute kein Wort mehr verlieren. Vielleicht haben wir ja Glück und sie alle fliegen bald auf den Mars, um dort die ideale Gesellschaft aufzubauen. Aber wohl erst dann, wenn sie hier alles gründlich ruiniert haben.

Dipl.-Ing. Erwin Obermaier / 11.09.2021

“Don´t feed the trolls” paßt m.E.n. nicht sonderlich gut. Ich finde “eat your own dogfoot” besser.

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