Henryk M. Broder / 29.12.2009 / 23:24 / 0 / Seite ausdrucken

Hedys Hunger

65 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist der Begriff “Holocaustüberlebender” zu einer Art Markenzeichen geworden, mit dem sich diejenigen schmücken, die es am wenigsten verdienen. Also nicht die Überlebenden, die durch alle “Wiedergutmachungsregelungen” gefallen sind und in Polen, der Ukraine und Israel am Rande des Existenzminimus vegetieren, ohne dass sich jemand für sie zuständig fühlen würde, sondern ein paar Aufschneider, Hochstapler und Wichtigtuer, die ihren Status als “Überlebende” schamlos einsetzen, um ein Plätzchen an der Sonne abzugreifen. Mal ist es ein aus Rumänien stammender Titelbetrüger, der sich selbst zum Dr. promoviert hat, mal eine amerikanische Oma, die in Kairo in den Hungerstreik tritt, “um die Öffnung der Grenze nach Gaza zu erreichen”. Wenn schon niemand in Gaza hungert, dann wenigstens Hedy. Man könnte ihr angesichts ihres Alters zugute halten, dass sie nicht weiss, was sie tut und möglicherweise Kairo mit Kuba und Gaza mit Guantanmo verwechselt, aber das wäre gegenüber einer Wiederholungstäterin, die sich gerne ge- und missbrauchen lässt, zu viel der Güte. Hedy Epsteins Einsatz für die Palästinenser nutzt vor allem denjenigen, die sie auf den Gaza-PR-Strich strichen; “die bekannte 85-jährige Holocaust-Überlebende und Friedensaktivistin” ist nur eine Marionette, freilich mit einer moralischen Extra-Ration im Marschgepäck: “Anders als die meisten Überlebenden des Holocaust, hat sie sich für das palästinensischen Volk eingesetzt.”
Da haben die anderen Holocaustüberlebenden jämmerlich versagt. Vielleicht sollte man ihnen demnächst noch eine zweite Chance geben.

Siehe auch:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,669344,00.html
http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1261364528686&pagename=JPost/JPArticle/ShowFull

 

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