Rainer Bonhorst / 30.08.2017 / 06:25 / Foto: Tim Maxeiner / 10 / Seite ausdrucken

Haustier-Wende: Abwrackprämie für Hund und Katz

Es gehört zum Allgemeinwissen, dass das landläufige Speiserind eine miserable Öko-Bilanz aufweist. Allein seine Darmtätigkeit in fester wie unfester Form stellt eine große Herausforderung für unsere Luft dar. Vom Furz zum Steak richtet das Rind einen im Grunde unakzeptablen ökologischen Gesamtschaden an. Ein Veggie-Tag, wie ihn die Grünen vor einiger Zeit gefordert haben, wäre genau genommen nur ein Tropfen auf den heißen Fladen. Allerdings ist das Rind in der Welt der Tiere in einer ähnlichen Position wie der Diesel in der Welt der Motoren. Wer sich auf diesen einen Klimakiller konzentriert, betreibt bloße Symbolpolitik. Das Problem ist in Wahrheit viel breiter gestreut.

So lese ich dieser Tage, dass ausgerechnet Hund und Katz eine erschreckende Öko-Bilanz aufweisen. Zum einen als notorische Fleischfresser, also als verantwortungslose Verbraucher der ökologisch bedenklichen Produkte der Viehwirtschaft. (Eine gelegentliche Maus im Fall der Katze fällt kaum ins Gewicht.) Außerdem sind beide Haustiere als Mitwirkende im großen Orchester der Darm-Aktiven tätig, auch wenn Hund und Katz individuell nicht über die gleichen Ausstoß-Kapazitäten verfügen wie das Rind.

Sie sind in diesem Orchester die Flöten und Geigen, während das Rind eher die Rollen der Kontrabässe und Posaunen spielt. Allerdings muss man bedenken, dass Hunde und Katzen aufgrund ihrer großen Anzahl eine ähnlich dominante Wirkung erzielen wie die Geigen, die ja auch fein, aber, was das Tonvolumen angeht, führend sind. So erreichen Hunde und Katzen allein in den USA einen jährlichen Treibhausgas-Ausstoß, der dem von 14 Millionen Autos entspricht. In Deutschland dürfte die Bilanz prozentual nicht besser sein. Wer also ein ökologisches Problem mit dem Rindvieh hat, der darf Hunde und Katzen nicht einfach gewähren lassen.

Als Sofortmaßnahme ein Gassi-Verbot

Es stellt sich die Frage, ob man als Sofortmaßnahme nicht ein Gassi-Verbot für Hunde und ein Streun-Verbot für Katzen in besonders stark belasteten Städten erlassen sollte. Denkbar wäre auch, diesen ersten Schritt durch die Einführung einer Abwrackprämie für die ökologisch bedenklichsten Hunde und Katzen zu ergänzen. Ob die Politik den Mut zu einer solchen unpopulären Maßnahme hat, ist allerdings die Frage.

Auf längere Sicht wäre es ökologisch betrachtet sicher am vernünftigsten, eine Haustier-Wende anzustreben und die Vierbeiner schrittweise durch Wellensittiche und Kanarienvögel zu ersetzen. Der Wellensittich mag nicht so treu sein wie der Hund und nicht so cool wie die Katze, er wäre in der ökologischen Gesamtbilanz aber klar die vernünftigere Lösung.

So eine Haustierwende kann sicher nicht von heute auf morgen geschehen. Aber man könnte sich auf eine Zeitschiene verständigen, bei der man sich an der Motorenwelt orientiert. Warum sollte man nicht den Plan der Grünen aufgreifen, die bis 2040 den Verbrennungsmotor abschaffen wollen, und zum gleichen Termin das ökologische Problem namens Hund und Katz aus der Welt schaffen? Bis dahin könnte die Haltung der bellenden und schnurrenden Klimakiller im Sinne einer Übergangstechnologie und in schrittweise reduzierter Form selbstverständlich bestehen bleiben.

Ähnliches sollte selbstverständlich für das Rind gelten, das man aber schon jetzt verpflichten sollte, umgehend seinen Ausstoß zu verringern. Ob es bis 2040 möglich sein wird, das Schad-Rind durch umweltfreundliche Wellensittiche oder Kanarienvögel zu ersetzen, ist eine andere Frage.

Foto: Tim Maxeiner

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost (10)
marcel litfin / 30.08.2017

“Sie sind in diesem Orchester die Flöten und Geigen, während das Rind eher die Rollen der Kontrabässe und Posaunen spielt.” Herrlich! :)

Caroline Neufert / 30.08.2017

Auch wenn es Spaß ist, nur nicht “schlafende Hunde” und ruhende Katzen wecken !!! Mir hat der unsägliche FAZ-Artikel zur Katzensteuer gereicht. Und Wellensittiche pupsen auch, bleibt das Tamagotchi.

Wilfried Paffendorf / 30.08.2017

Wo oder bei wem stelle ich einen Antrag auf Abschaffung des Universums?

Stephanie Lenz / 30.08.2017

Die Satire, so scheint es mir, bereits zur aussterbenden Gattung zu zählen. Seit einiger Zeit stelle ich fest, dass sie, so absurd und unvorstellbar bizarr sie sich auch zeigt, immer in rasendem Tempo von der uns umgebenden “Wirklichkeit” eingeholt und übertroffen wird. Wir werden sehen und erleben, lieber Herr Bonhorst, dass Ihre vortrefflich schwarzhumorigen Gedanken leider schon in kürzester Zeit an Witz und Schärfe verloren haben werden. Die “Eliten” werden Ihre Überlegungen und Vorschläge um Längen übertreffen - da bin ich mir ziemlich sicher! Unter dem Deckmantel des ach so bösen Klimawandels wird ja so manches absurde Projekt durchgepeitscht. Warum sollten die beliebtesten Haustiere derer, die schon länger hier leben, davon ausgenommen werden, wenn es dem “guten” Zwecke dient?

Siegfried Wulf / 30.08.2017

In Spielzeugläden und auf Märkten werden schon lange batteriebetriebene Hunde und Katzen angeboten. Ich schlage eine steuerliche Förderung der Elektrokatzen vor, die die Abwrackprämie für lebende Katzen ergänzen könnte.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Rainer Bonhorst / 07.09.2018 / 16:30 / 14

Mutti aller Probleme?

Dieser Horst Seehofer ist aber auch unbelehrbar. Er hat schon wieder etwas gesagt, was stimmt. Und das mitten im Wahlkampf. Ja, was denkt er sich…/ mehr

Rainer Bonhorst / 01.09.2018 / 14:00 / 17

Hat der Mohr seine Schuldigkeit getan?

Wieder ist ein Mohr verschwunden. Einer? Gleich drei Mohren sind von der Homepage eines Augsburger Hotels namens „Drei Mohren“ entfernt worden. Sie sind nicht die…/ mehr

Rainer Bonhorst / 29.08.2018 / 14:30 / 10

Von Krauts, Fröschen und Kartoffeln

Wenn man in die Jahre kommt, muss man umlernen. Die Dinge ändern sich. Auch die Liebenswürdigkeiten, mit denen man die nationalen Nachbarn bedenkt. In jüngeren…/ mehr

Rainer Bonhorst / 16.08.2018 / 15:00 / 9

Unterwegs zum flotten Dreier 

Ich weiß, Vorhersagen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Ist mir egal. Am 14. Oktober werden wir mehr wissen. Oder auch nicht. Denn…/ mehr

Rainer Bonhorst / 05.08.2018 / 14:30 / 8

Es lebe der freie Stammtisch!

„Guten Morgen, haben Hoheit gut geruht?“ Ach, das waren noch Zeiten, als Deutschlands Hofschranzen ihrer Hoheit noch in denselben kriechen konnten. Das Ende dieser Art…/ mehr

Rainer Bonhorst / 01.08.2018 / 06:19 / 58

Kamel bitte ins Sprechzimmer eins

Neulich beim Onkel Doktor. Der Befund war schnell formuliert: Absurdistanitis. Die Diagnose wurde allerdings bereits im Wartezimmer gestellt. Dazu war nicht mal der Arzt nötig.…/ mehr

Rainer Bonhorst / 24.07.2018 / 10:00 / 26

Helmut und Mesut

Da ich in Essen aufgewachsen bin, muss ich bei Fußballspielern immer an Helmut Rahn denken. Der wurde zu Lebzeiten in seiner Stammkneipe von seinen Kumpels…/ mehr

Rainer Bonhorst / 22.07.2018 / 10:00 / 19

Liebeserklärung an Donald

Kürzlich habe ich mir erlaubt, eine Satire über Donald Trump als Deutsch-Amerikaner zu schreiben. Der eine und die andere hat – das ist das Schicksal…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com